Thema: Das Haus

  1. #1
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    Das Haus

    An einem Ort, abseits der Wege, steht das Haus, das ich in meinen Träumen sehe. Ein kantiger, schwarzer Kasten, der Furcht einflößen kann. Durch die Fenster, vor den Gardinen, huschen die Schatten der Fichten, die das Haus umringen wie eine Mauer. Die große, schwere Türe hat einen Ring in der Mitte, den man greifen muss um zu läuten. Wer ihn in die Hände nimmt, ist von seinem Gewicht beeindruckt und wenn er ihn zaghaft an die Türe schlägt, so macht er doch einen gewaltigen Lärm. In der Regel dauert es dann einige Minuten, bis der Gast die schlürfenden Schritte, denn aus Neugierde lauscht er, im Hausflur nach draußen dringen hört. Eine plötzliche Unruhe überkommt ihn und am liebsten drehte er um und liefe mit eiligen Schritten davon. Aber der Besucher bleibt - immer - und wartet. Wenn er eine Weile den Schritten gelauscht hat, hört er das Klirren von dicken Ketten, mit denen die Tür von innen verriegelt ist. Spätestens jetzt wird ihm bange, es ist, als höre er einen Dämon, der aus einem langen Schlaf erwacht sich regt und nach frischem Blute Ausschau hält. Jetzt hüpft der ängstliche Besucher unruhig von einem auf das andere Bein und macht sich bereit dem Leibhaftigen höchstpersönlich gegenüberzutreten. Aber der Leibhaftige bleibt aus und die Türe geschlossen - ebenfalls immer. Nach einer Weile atmet der Besucher auf und wird, da er noch einmal verschont wurde, neugierig. Er umrundet das Haus und stößt auf der Rückseite, die an einen großen, dunklen Wald grenzt, auf ein Fenster, welches nicht von Gardinen verhangen ist. Bald blickt er durch das Fenster in das dunkle Haus. In einen Raum, in dessen Mitte ein Tisch liegt, die Platte auf dem Boden und die Beine nach oben gestreckt. Um den Tisch werden Stühle in derselben Weise verkehrt herum liegen, - ein Schrank, ein veraltetes Fernsehgerät und allerlei Kleikram, alles verkehrt herum. Wie ein verendeter Fisch. Der Besucher gerät wohl ein wenig in Verwirrung und schaut genauer, bis er die Schemen wahrnimmt, die an der Decke und an den Wänden auf und ab fahren. Allesamt auf den Kopf gedreht. Entsetzt wird der Besucher sich wegdrehen, doch plötzlich sieht er den Garten und den Wald, die das Haus umgeben, Kopf stehen. Die Bäume schlagen ihre Wurzeln in die Luft und ragen mit ihren Wipfeln in den Boden. Der ganze Garten wird mit all seinen Blumen und dem allerlei an Gerät einmal verkehrt herum stehen und wachsen. Dann muss der Besucher sich an seine, inzwischen Fieberheiße, Stirn fassen und wird erneut durch das Fenster in den Raum starren, in dem nun alles, wie es sich gehört, auf den Beinen und nicht mehr auf dem Kopfe steht. Er wird ein lautes Knirschen hören und sich langsam in Bewegung setzen. Er umrundet das Haus, tritt durch die Türe, die sich hinter ihm schließt und ist verschwunden

  2. #2
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    2
    Sehr schön,
    mir kommt es vor, als wäre ich vor vielen Jahren schon einmal darin gewesen und dem Hausgeist begegnet.


    Mein Hausgeist
    hat einen Namen

    Nicht NEU und auch nicht MANN,
    er meldet sich von Zeit zu Zeit
    und neckt mich wo er kann,
    mit ihm zu spielen wäre schön,
    aber, er lässt sich niemals seh'n,
    nur Schabernack hat er im Sinn,
    nimmt alles fort, legt's wieder hin.

    Mir ist deshalb in mancher Stund',
    als wollt' er mich verführ'n,
    rein als kühler zarter Hauch,
    ist er im ganzen Haus zu spür'n,
    aber sah ihn niemals wandeln,
    - nur handeln -

  3. #3
    Registriert seit
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    Nur einem? Da gibt es hunderte Hausgeister

    Coole Zeilen übrigens

    L.G
    Patrick

  4. #4
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    10.543
    Lb. 3maSuppenBrot,

    es ergibt sich durch ungewöhnliche evtl. geheimnisvolle Erlebnisse eine Spannungssituation, in der geisterhafte Trugbilder erscheinen, was Du auch mit Deiner Geschichte gut aufgezeigt hast. Es sind Geister welche die Fantasie entstehen lässt und so zu realen Erscheinungen werden.

    LG Hans
    Geändert von Hans Plonka (20.01.2020 um 09:17 Uhr)
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  5. #5
    Registriert seit
    Jun 2009
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    2.374
    Ja, eine hübsch dargebrachte Geschichte. Lieber Hausgeist als Hausdrachen. Mir ist nur einmal ein Geist erschienen...als mir eine Exfreundin meine Fastschwiegermutter vorstellte. Die Kombi Überbiss und Unterlippenbart kannte ich bis dahin nur von Zen-Meistern...nur haben die nicht die Maße eines Passat Kombi Kofferraums.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  6. #6
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    Jul 2019
    Beiträge
    197
    Hi Hans

    Vielen Dank das du vorbeischaust
    Ob die Geister hier Phantastische Einbildungen sind, oder nicht, lässt der Text ja offen. Wer weiß ...

    L.G
    Patrick


    Hallo AD

    Dann ist es ja gut, dass es nur deine FastSchwiegermutter geblieben ist.

    Danke dir fürs vorbeischauen.

    L.G
    Patrick

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