Thema: Brombeerwoche

  1. #1
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    Brombeerwoche

    Brombeerblau, die Flecken am Ober
    arm als Markenzeichen
    jahrein, jahraus in der Woche
    nach dem Sommerfest im Grünen.
    Verwunderlich, mit welch zarter
    Daumenkuppe
    der vulgäre Stoff der Äste
    Bretter und Kisten
    Bänke und Liegestühle zudrückt!
    Geändert von Hoya (20.01.2020 um 02:19 Uhr) Grund: Ein wichtiges Komma mittendrin.
    "Wenn man das Leben nur auf eine Art betrachtet, gibt es immer einen Grund zur Sorge." Elizabeth Bowen

  2. #2
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    Hi Hoya!

    Ein schönes Gedicht, das passenderweise bei "verwunderlich" umbricht und die Szenerie wechselt - das ist nach meinem Empfinden der Drehpunkt des Textes, der den zweiten Teil zum ersten in Relation setzt und letzteren in die Vergangenheit rückt. Cool ist auch die durch den Umbruch in Vers 1/2 gestaltete Doppeldeutigkeit. Den "vulgären Stoff der Äste" lese ich in dem Zusammenhang als rotes Laub, schöne Metapher!
    Was mich ein wenig stört, sind die Satzzeichen, deren Gebrauch ich nicht immer als funktional sehe. Ich meine, der Punkt nach "Grünen" ist insofern funktional, als dass er sozusagen als "Spiegelpunkt" steht, aber die gesetzten oder auch fehelnden Kommata und andere Satzzeichen erschließen sich mir nicht. Ich finde, man sollte entweder Satzzeichen bewusst setzen (bewusst: einbetten in eine Funktion, welche das Satzzeichen zudem hervorhebt), oder konsequent verteilen. Wobei ich dir damit nicht unterstellen möchte, dass du dir dabei keine Gedanken gemacht hättest! eher will ich darauf hinaus, dass ich, abgesehen vom Punkt und dem Ausrufezeichen, die Satzzeichengestaltung nicht nachvollziehen kann. ^^

    LG!
    Rick: What? Every hospital claims to have the best doctor in the gal(burp)axy. It's like those pizza places that claim to have the best pizza in the world. What- Do you think they have pizza contests? Have you ever been to a pizza contest?

  3. #3
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    Hallo, Glib-Glob,

    es freut mich, dass es dir gefällt!

    Mit den Satzzeichen hast du nicht ganz Unrecht; ich war und bin mir unsicher, wie ich das am besten hinkriege, damit es auch grammatikalisch nicht ganz daneben ist! Eigentlich verwende ich sie meistens so, wie es sich gehört, doch hier hätte ich ein Problem mit dem nicht korrekten Umbruch und der Doppeldeutigkeit (die du gut bemerkt hast): Würde ich alle Satzzeichen setzen, dürfte wahrscheinlich auch der Trennstrich nicht fehlen (ein Trennstrich in einem Gedicht?). Der würde mir aber meine Vorstellung von der beabsichtigten Doppeldeutigkeit kaputt machen.

    Ich würde eher dazu neigen, alle Satzzeichen an den Versenden wegzulassen, sie aber mitten im Vers jeweils stehen lassen - ich denke, das geht. Aber in dem Fall weiß ich nicht, ob ich dann den neuen Gedanken, der mit "Verwunderlich" beginnt, groß beginnen kann/darf. Klein beginnen, geht irgendwie auch nicht.

    Ich versuch's mal mit Kommata:

    Brombeerblau, die Flecken am Ober
    arm als Markenzeichen
    jahrein, jahraus in der Woche
    nach dem Sommerfest im Grünen.
    Verwunderlich, mit welch zarter
    Daumenkuppe
    der vulgäre Stoff der Äste,
    Bretter und Kisten,
    Bänke und Liegestühle zudrückt!


    Dank und liebe Grüße! H.
    "Wenn man das Leben nur auf eine Art betrachtet, gibt es immer einen Grund zur Sorge." Elizabeth Bowen

  4. #4
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    Hi Hoya!

    So, wie ich das sehe, hast du drei Möglichkeiten, mit Satzzeichen in deinem Gedicht umzugehen.
    Die erste wäre eine Umsetzung, bei der du alle Satzzeichen verwendest, außer des Bindestrichs.
    Brombeerblau, die Flecken am Ober
    arm als Markenzeichen;
    jahrein, jahraus in der Woche,
    nach dem Sommerfest im Grünen.
    Verwunderlich, mit welch zarter
    Daumenkuppe
    der vulgäre Stoff der Äste
    Bretter und Kisten,
    Bänke und Liegestühle zudrückt!
    Diese Verwendung und die Auslassung n V1/2 wären durch die Exklusivität der Textstelle gestützt. Sozusagen ein Marker.
    Abweichend kann hier aber auch der Bindestrich gesetzt werden, weil dadurch die Hervorhebung nicht im Geringsten gestört wird - es ist immerhin trotzdem der einzige Bindestrich in einem Gedicht, bei dem die Zeilenumbrüche auf den ersten (flüchtigen) Blick spontan sind.

    Die zweite Variante wäre mit Akzenten, wobei ich von den Satzzeichen nur sehr wenige da lassen würde: Punkt und Ausrufezeichen als Sattelpunkte, und Kommata nur innerhalb eines Verses, nie am Ende (und um Sachen hervorzuheben).
    So ungefähr stelle ich mir das vor:
    Brombeerblau, die Flecken am Ober
    arm als Markenzeichen
    jahrein jahraus in der Woche
    nach dem Sommerfest im Grünen.
    Verwunderlich, mit welch zarter
    Daumenkuppe
    der vulgäre Stoff der Äste
    Bretter und Kisten
    Bänke und Liegestühle zudrückt
    Das ist arg minimalistisch geworden, aber durch die Versstruktur brauchst du imho auch nicht mehr Satzzeichen.
    edit
    Ich würde hier eigentlich sogar das Ausrufezeichen weglassen.

    Und die dritte Möglichkeit ist, die Satzzeichen komplett wegzulassen. Wenn man, so wie ich, ein wenig puristisch veranlagt ist, dann werden auch die Majuskel weggelassen:
    brombeerblau die flecken am ober
    arm als markenzeichen
    jahrein jahraus in der woche
    nach dem sommerfest im grünen
    verwunderlich mit welch zarter
    daumenkuppe
    der vulgäre stoff der äste
    bretter und kisten
    bänke und liegestühle zudrückt
    Bei dieser Version würde es mir sogar noch mehr gefallen, wenn "verwunderlich" noch im 4. Vers stehen bleibt, dann hast du den Wendepunkt durch die leicht irritierende Zäsur.

    Sehr interessant, bei einem Text minimale Veriationen auszuprobieren. Die Fragestellung hat sich einfach angeboten. ^^
    Zu meinen Beispielen: Die bestehen nicht auf Übernahme, sondern sollen praktischer demonstrieren, was ich meine.

    LG!
    Geändert von Glib-Glob (12.02.2020 um 19:02 Uhr)
    Rick: What? Every hospital claims to have the best doctor in the gal(burp)axy. It's like those pizza places that claim to have the best pizza in the world. What- Do you think they have pizza contests? Have you ever been to a pizza contest?

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