Thema: Depression

  1. #1
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    Depression

    Es tut mir leid,
    Ich hab verlernt zu fliegen,
    Die Federn fielen aus,
    Die Flügel brachen.
    Scharre stets blind
    Mit den Füssen im Sand.
    Als letzter Weg bleibt mir
    Der Gang zum Block.
    Geändert von Dornenrose (15.01.2020 um 20:19 Uhr) Grund: Metrische Hilfe und Wortunstützung von AD und Cara
    Wer glücklich sein will, muss wissen was Traurigkeit bedeutet!

  2. #2
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    Hi Dornenrose, Inhalt, Hoffnungslosigkeit kommt rueber, erklaert auch das „unsaubere Metrum“. 2-mal NUR gefaellt mir nicht. Letzte Zeile ist verwirrlich: Wer ist der Henker? Oder willst du sagen, dass sich dein LI erhaengen will, denn dazu braucht es niemand anders? Oder ist es ein brutal verdrehter Hilfeschrei? Trotzdem, gern gelesen, fuer mich emotional moeglich und stimmig, LG L.

  3. #3
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    Vielen Dank LA. F
    Ich überlege mir heute Abend wie ich das zweite nur ersetzten kann.
    Der Gang zum Henker ist der Metapher mit dem Federvieh geschuldet.
    Und soll darauf hinweisen das die Depressionen immer Tiefere Formen annehmen von einer Fähigkeit zum äußerlich offensichtlichen leid bis hin zum unsichtbaren krankhaften das Leben beeinträchtigendem Leid.
    Blind im Sand scharren steht hier für die innerlich empfundene Auswegslosigkeit.
    Bis hin zu suizidalen Gedanken als letzte Erkenntnis der Eigenen Wertlosigkeit um niemanden zur Last zu fallen.

    Danke für deinen Kommentar
    Liebe Grüsse Mone
    Geändert von Dornenrose (15.01.2020 um 20:14 Uhr)
    Wer glücklich sein will, muss wissen was Traurigkeit bedeutet!

  4. #4
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    Es tut mir leid,
    Ich hab verlernt zu fliegen,
    Die Federn fielen aus,
    Die Flügel brachen.
    Scharre nur noch blind
    Mit den Füssen im Sand.
    Als letzter Weg bleibt mir
    Der Gang zum Henker.


    Gruß, A.D:
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  5. #5
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    Hallo, Dornenrose,


    Scharre stets blind...

    Der Gang zum Block

    Liebe Grüße, Cara

  6. #6
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    Vielen lieben Dank
    Lieber AnDi😊 fürs Metrik verbessern.
    Und Cara für die Wortvorschläge Block passt Bildlich besser als Henker.

    Liebe Grüsse Mone
    Wer glücklich sein will, muss wissen was Traurigkeit bedeutet!

  7. #7
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    Hallo Mone!

    Ich kenne die ursprüngliche Fassung nicht, da nach den Vorschlägen offensichtlich schon geändert.

    Besonders gut finde ich jetzt die erste und die letzte Zeile: "Es tut mir leid /...", weil es zum Ausdruck bringt, dass das depressive LI sich als Last für andere empfindet. "... / Der Gang zum Block", weil deutlich wird, dass der Suizid vom LI nicht als freie Entscheidung wahrgenommen wird. Dass hier von Suizid und nicht von einer wie auch immer gearteten Hinrichtung die Rede ist, steht für mich außer Frage.

    Was ich ein wenig fragwürdig finde, ist allerdings der Titel "Depression" wegen seiner Direktheit und Sachbezogenheit. Depressionen sind individuell sehr verschieden und das LI schildert hier sein persönliches Empfinden dieser Krankheit. Da wäre ein persönlicherer, vielleicht metaphorischer Titel, meiner Meinung nach passender, auch weil er eine gewisse Scheu, das Thema direkt an-, oder die Diagnose direkt auszusprechen zum Ausdruck brächte.

    Die Zeilen "Die Federn fielen aus / Die Flügel brachen" gefallen mir zwar schon, liegen mir aber inhaltlich zu nah beieinander, zumal letztere Zeile nicht als Fortspinnung der vorangegangenen verstanden werden kann.

    Trotz allem ein schönes Gedicht.

    Gruß
    Majolu

  8. #8
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    Hallo lieber Majolu,

    Hatte nicht mehr damit gerechnet das jemand diesen Text noch kommentiert.
    Deine Interpretation trifft es im Gegensatz zu meiner bei deinem Text voll und ganz.
    Das LI ist in einer depressiven Phase und empfindet sich selbst als Belastung für andere.
    Es fühlt sich nutzlos da es nach und nach seine ganzen Fähigkeiten einbüßt. Erst die Federn (das äußere verwahrlosen) und dann die gebrochen Flügel ( innere Wunden psychische Schäden) die es hindern seinen Alltag normal zu bestreiten.
    Ähnlich wie ein Huhn zum Schluss in der Suppe landet, will es noch ein letztes Ziel erreichen und sieht den Gang zum Block als Notwendigkeit um die Belastung für die anderen abzustellen.
    Der Titel Depression ist mit Absicht so gewählt weil er provokant auf diese Krankheit aufmerksam machen soll.
    Hättest du sonst einen konkreten Gegenvorschlag?
    Generell bin ich immer offen für sowas
    Liebe Grüsse und Danke für deine Mühe
    Mone
    Wer glücklich sein will, muss wissen was Traurigkeit bedeutet!

  9. #9
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    Zitat Zitat von Dornenrose Beitrag anzeigen
    Es tut mir leid,
    Ich hab verlernt zu fliegen,
    Die Federn fielen aus,
    Die Flügel brachen.
    Scharre stets blind
    Mit den Füssen im Sand.
    Als letzter Weg bleibt mir
    Der Gang zum Block.
    Grüße,

    ich habe diese Zeilen schon früher gelesen. mir viel kein Rat, kein positiver Aspekt ein. Nun, heute vielleicht etwas Sonnenlicht. Denn in meinem Leben besitzt die Natur eine große Ausstrahlung. Aber momentan ist alles klamm, windig verrückt. Was das Wetter betrifft. Buch lesen, Im Googel nach Dinge suchen die dich ansprechen. USW.

    tschüss.

  10. #10
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    Hallo Mone!

    Bei dem Titel kommen wir zu einem interessanten Punkt: "Depression" ist einerseits ein medizinisch definierter Begriff und andererseits ein umgangssprachlich häufig benutzter, aber weniger ernst gemeinter, sowie auch einer mit übertragenen Bedeutungen, z. B. wenn von einer wirtschaftlichen Depression gesprochen wird. Als Titel interessiert hier nur die erstgenannte Verwendung, denn was das Gedicht schildert, ist klar das Empfinden einer depressiv kranken Person.

    Diese Schilderung ist aber die individuelle Sicht der betroffenen Person, nicht die analytisch medizinische des Arztes oder Wissenschaftlers. Nur deshalb kannst du dich an sachfremden Sprachbildern wie z. B. ausgefallener Federn bedienen, denn diese sind genauso ausdrucksstark wie unwissenschaftlich. Die Gegensätzlichkeit der Perspektive von Arzt und Patient ist aber für das Gedicht ganz wesentlich, denn was du hier tust, nämlich nachfühlbaren Einblick geben in die emotionale Verstrickung eines Depressiven, kann ein ärztlicher Bericht nicht leisten, jedenfalls nicht in dieser Eindrücklichkeit.

    Der Begriff "Depression" wird gerade in letzter Zeit in der Öffentlichkeit (Presse, Politik, Öffentlichkeitsarbeit etc.) zunehmend als Schlagwort oder Schlagzeile für eine Patientengruppe verwendet, die - zumindest nach meiner Einschätzung - längst nicht so trennscharf definiert werden kann, wie es das Schlagwort suggeriert. "Depression" ist medizinisch gesehen ein Sammelbegriff für eine ganze Reihe durchaus unterschiedlicher Krankheitsbilder, und insbesondere das individuelle Empfinden sowie der individuelle Umgang der Patienten damit dürfte so vielfältig sein wie die Patienten selbst. So hat man bspw. herausgefunden, dass Depressionen bei Männern häufig zu Gewaltausbrüchen führen, während Frauen sich eher zurückziehen.

    Wenn du also "Depression" zum Titel deines Gedichts machst, kann es zwar durchaus als Aufmerker zu diesem Thema funktionieren, du nimmst dir aber gleich mehrere Chancen auf einmal: Nämlich schon im Titel deinen individuellen Zugang zu thematisieren, dem Thema schon im Titel Eindrücklichkeit zu verleihen und damit auf das Gedicht aufmerksam zu machen, und nicht zuletzt schon im Titel zu signalisieren, dass Depression für die Betroffenen eine ganz persönliche Problemwelt ist, die die eigene Existenz und die sozialen Beziehungen zutiefst in Frage stellt und mit dem abgenutzten Schlagwort "Depression" nur den nüchternen medizinischen Begriff gemein hat.

    Jetzt zum schwierigsten Teil - konkrete Vorschläge:
    Vielleicht "Verendend" oder "Aufgabe", "Überlebensaufgabe" (Vorsicht: doppeldeutig), "Federn im Sand", "Was bleibt", "Geh".
    Um ehrlich zu sein, mir fällt aus dem Stand auch kein wirklich guter Titel ein. In solchen Fällen leg ich´s meist beiseite und lasse mir ganz viel Zeit, bis mir irgendwann etwas Sinnvolles einfällt. Kann sein, dass ich dann das halbe Gedicht neu schreibe.

    Wenn du es aber bei deinem Titel lassen möchtest, fände ich es auch gut.

    Gruß
    Majolu

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