1. #1
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    Geschwollene Menschen

    Leuchttürme
    aus Fleisch und Blut erheben sich
    aus dem Meer der Möglichkeiten
    und setzen die Welt
    mit ihren Leuchtfeuern in Brand.

    Überall auf der Welt
    schwellen einzelne Menschen
    auf tausendfache Größe an
    und schreien nach Futter.

    Der Wind treibt
    unkontrolliert gewucherte
    menschliche Zellmassen
    wie gigantische Steppenläufer
    durch das Land,
    wo sie Schneisen der Verwüstung
    in der Zivilisation hinterlassen.

    Vom Kreuzfahrtschiff gefallen,
    trank er kurzerhand
    das ganze Mittelmeer leer
    und errichtete anschließend
    einen exklusiven Vergnügungspark
    auf seinem aufgeblähten Körper.

  2. #2
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    Musste der gar nicht pinkeln und wenn ja dann wo nicht hin? Interessanter Psychomix der sich anhand vorgegebener Dynamik der Maximalisierung aller messbaren Werte fast von selbst so ergibt. Aber zum sich Einfallenlassen hat es genau die richtigen Formulierungen drin woran man das merkt.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
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    Natürlich musste er nicht pinkeln, allein schon, weil seine Blase die Größe von Sizilien hat!

    LG
    k

  4. #4
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    Hallo klaatu,

    zwar hast Du den letzten Vers in kursiver Schrift verfasst...was auf einen Bruch hindeutet...dennoch erschließt sich mir nicht...wie Du von den vielen Menschen plötzlich auf diesen einen kommst, der das Meer austrinkt. Ich dachte dabei übrigens ganz spontan an Rainer Callmund.

    Gruß, A.D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  5. #5
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    Hi AnDi,

    den letzten Absatz kannst du als kleine Prosa-Zugabe ansehen, die ein "Einzelschicksal" noch mal näher beleuchtet. Es ist die Zusammenfassung einer Kurzgeschichte, die ich vor ein paar Jahren mal schrieb (aber nie irgendwo veröffentlichte) und die als Idee immer noch in meinem Kopf rumschwirrte.

    LG
    k

  6. #6
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    Lb. klaatu,

    bei alldem sollten wir uns fragen, warum entziehen wir diesen und vor allem dem einen besonders geschwollenen, nicht die Nahrung, zu seinem und zu unserem besten. Es kann doch nicht sein, dass wenn sie so aufgeschwollen sind, übersehen werden. Verstecken können sie sich auch nicht, mit ihrer gewaltigen Körperfülle.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  7. #7
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    Hi Hans,

    wie soll das funktionieren? Dafür müsste sich ein Großteil der Menschheit mal irgendwie einig sein. Selbst wenn solche Leute nicht aktiv dafür sorgen würden, dass das nie passieren wird, würde das wahrscheinlich auch so nicht passieren...

    LG
    k

  8. #8
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    hallo Klaatu

    zuerst muss ich dir einmal ganz direkt bescheinigen, dass du eine sehr bildliche Schreibart an dir hast, die sogar (fiel mir öfters auf) sogar ekel oder Obszönität im Leser hervorrufen kann ohne dabei mit Floskeln um dich zu werfen die abgenutzt klingen, das ist an sich etwas sehr beneidenswertes

    beim näheren betrachten bezieht sich aber jede Strophe auf ein vermutlich eigenes weltanschauungs Moment, das doch immer auch ein Problem aus flüchtlingssicht mit sich zieht, unterschwellig lese ich in jeder Strophe angst und sorge aufgrund einer ungewissen Zukunft oder sogar tatsächlichen tot

    Leuchttürme
    aus Fleisch und Blut erheben sich
    aus dem Meer der Möglichkeiten
    und setzen die Welt
    mit ihren Leuchtfeuern in Brand.
    Leuchttürme aus blut, betrachte ich als vorbestimmte tötungsapparate, wie zbsp Raketen (Atomraketen)
    das blut und fleisch das an ihnen provisorisch haftet soll im Vorfeld das Sinnbild ihrer mit sich gehenden verheerenden Zerstörung und massenvernichtung hinweisen, sobald diese starten, kann es nur Tod mit sich bringen
    das Meer der Möglichkeiten wird klar als Hoffnungsschimmer für ein übertreten und entkommen aus grenzen und über grenzen hinaus wahr genommen. aber ein entkommen wird nicht in betracht gezogen


    Überall auf der Welt
    schwellen einzelne Menschen
    auf tausendfache Größe an
    und schreien nach Futter.
    die Strophe wirkt auf mich wie american style und fast Food ketten und reiner massenübersättigung, oder sogar das gezielte überreizen um menschen in der masse abzustumpfen, um sie in ihrer Übersättigung passiv zu halten

    Der Wind treibt
    unkontrolliert gewucherte
    menschliche Zellmassen
    wie gigantische Steppenläufer
    durch das Land,
    wo sie Schneisen der Verwüstung
    in der Zivilisation hinterlassen.
    soll man die Strophe im bezug auf zellmassen wörtlich betrachten und Menschenmassen wie eine Stampede wahrnehmen, oder steht der bezug eher in betrachtung biologischer waffen? gezüchtete Viren / Bakterien oder Keime die sich durch Wind verbreiten um Krankheiten oder sogar tot zu hinterlassen?

    Vom Kreuzfahrtschiff gefallen,
    trank er kurzerhand
    das ganze Mittelmeer leer
    und errichtete anschließend
    einen exklusiven Vergnügungspark
    auf seinem aufgeblähten Körper.
    zuerst dachte ich in deinem gedicht geht es um Fettleibigkeit im sinne der wirtschaftlichen Übersättigung, dann in der letzten Strophe bekam ich das bild eines Flüchtlings (speziell einer von tausenden) vor augen geführt, die jedes Jahr im Mittelmeer zu Wasserleichen werden nachdem sie versuchten wohl gegen die Atemnot beim ertrinken mit dem trinken des Meeres in Verzweiflung ihrem Tod gegenan zu wirken
    für manche die Rettung suchen ist es wohl egal ob sie sich an einem holzstück über wasser halten, oder an einem mitflüchtling der auf dem wasser treibt, vielleicht töten sie ihn/sie dabei sogar weil sie ihn/sie nicht auftauchen lassen zum luft holen, sondern nur eine Chance sehen dank seiner/ihrer leiche zu überleben...

    wie gesagt, eine sehr bildliche sprache die du hast
    gerne gelesen

    lg mythenfreund

  9. #9
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    Hallo Mythenfreund,

    deine Ausführungen fand ich sehr spannend. Vor allem, weil sie mir mal wieder die Wirkung von Bildern aufzeigen. Deine Interpretationen unterscheiden sich erheblich von den Intensionen, die ich beim Schreiben hatte und dennoch sind sie nicht weniger richtig. Oder falsch. Mir ging es in erster Linie um einzelne Existenzen (Personen, aber auch Familien, Institutionen und Unternehmen), die sich mit Unterstützung der Restmenschheit zu unerhörter Größe aufblähen können. Ein gutes Bild zeichnet sich m.M.n. auch dadurch aus, dass die Zahl der möglichen Interpretationen irgendwo zwischen 1 und unendlich liegt. Und ja, auch einiges von dem was du geschrieben hast, ging mir beim Schreiben durch den Kopf.

    Danke für deine Ausführungen!

    LG
    k

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