1. #1
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    Den Musenbusenstreichlern

    Als Hephaistos einst sein Weib, die Liebesgöttin Aphrodite,
    mit Ares, dem göttlichen Raufbold, bei schändlichem Tun,
    genauer gesagt, im von beiden geschaukelten Bett
    mit kunstvoll geflochtenem Netz, das aus Blitzen bestand,
    gefangen und beide dem Zeus und den anderen Göttern zu Füßen legte,
    damit sie den Frevel mit eigenen Augen besähen,
    da lachten die Götter in wiehernden Tönen - den Menschen
    erschien es wie Donner, gesandt vom Olympos, dem Wohnsitz
    unsterblicher Götter, die feixend des Hinkenden Klage
    vernahmen. Wir danken‘s Homeros, dem griechischen Dichter,
    dass solcherlei Mythen uns heut noch erfreuen - und grinsen,
    wenn Blender gewaltsam den Musen den Busen zu streicheln versuchen.
    Geändert von Festival (24.01.2020 um 18:43 Uhr) Grund: Korrekturen dank WW-Hinweisen

  2. #2
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    Salute, feine Idee, Festival, paar Marginalien:

    Zitat Zitat von Festival Beitrag anzeigen
    Als Hephaistos einst sein Weib, die Liebesgöttin Aphrodite,
    mit Ares, dem göttlichen Raufbold, bei schändlichem Tun,
    genauer gesagt, im von beiden geschaukelten Bett
    im kunstvoll geflochtenem Netz, das aus Blitzen bestand, (mit?)
    gefangen und beide dem Zeus und den anderen Göttern, (im damit-Satz wohl noch ein "zeigte")
    damit sie den Frevel mit eigenen Augen besähen,
    da lachten die Götter in wiehernden Tönen - den Menschen
    erschien es wie Donner, gesandt vom Olympos, dem Wohnsitz
    unsterblicher Götter, die feixend des Hinkenden Klage
    vernahmen. Wir danken‘s Homeros, dem griechischen Dichter,
    dass solcherlei Mythen uns heut noch erfreuen und grinsen, (hinter "erfreuen" ein Komma, sonst ist "grinsen" noch Prädikat des dass-Satzes)
    wenn Blender gewaltsam den Musen den Busen zu streicheln versuchen.
    greetse
    ww
    alis nil gravius, o nycticorax

  3. #3
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    Lieber Willibald W,
    Dein erstes Fragezeichen verstehe ich nicht.
    "im kunstvoll geflochtenem Netz, das aus Blitzen bestand," (mit?)
    Das von Hephaistos geflochtene Netz bestand aus unsichtbaren Blitzen, und darin hat er seine Frau samt Ares gefangen.
    Den beanstandeten Vers "gefangen und beide dem Zeus und den anderen Göttern," (im damit-Satz wohl noch ein "zeigte")
    hatte ich vor ein paar Minuten vervollständigt. Wahrscheinlich hast Du fast zur gleichen Zeit Deine berechtigte Beanstandung gepostet.
    "Wir danken‘s Homeros, dem griechischen Dichter,
    dass solcherlei Mythen uns heut noch erfreuen und grinsen, wenn Blender ..."
    heißt doch in Prosa: ""Wir danken es Homeros, dem griechischen Dichter, dass solcherlei Mythen uns heut noch erfreuen und grinsen, wenn Blender ..." - weshalb ich nach "erfreuen" ein Komma setzen soll, erschließt sich mir nicht.
    Danke jedenfalls für Dein Lesen!
    Liebe Grüße,
    Festival

  4. #4
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    Grüß dich, ein bisschen was dazu, das vielleicht spitzfindig ist:

    Im

    Hephaistos fängt die beiden "im Netz", sie liegen im Bett, und H. wirft ein Netz aus Blitzen über sie ...
    Das zweimalige "im" kann man vermeiden.

    dass-Satz

    Hier gibt es zwei Varianten beim dass-Satz:

    a)
    Wir danken es Homer,
    dem griechischen Dichter,

    dass solcherlei Mythen uns heut noch erfreuen,

    und grinsen. (Wir danken es Homer... und grinsen).


    "danken" und "grinsen" nehmen im Hauptsatz ("Wir danken es...") die gleiche Position ein, sie sind Prädikat.

    b)
    Wir danken es Homer,
    dem griechischen Dichter,

    dass solcherlei Mythen uns heut noch erfreuen und (dass wir) grinsen.


    Hier muss der Leser im dass-Satz ein anderes Subjekt als "Mythen" ansetzen und in Gedanken
    ein "dass wir" grinsen ergänzen, damit er im dass-Satz bleiben kann.

    Passt natürlich auch, ist aber vielleicht ein kleiner Stolperer in der Syntax.....

    Liebesakt, Busenstreicheln und Gelächter

    Die Stelle bei Homer ist so, dass man über Ares (samt Aphrodite) lacht, der da gefangen wird.
    Allerdings ist Ares offensichtlich erfolgreich im Liebesakt mit Aphrodite - das Bett ist schwer am Wackeln.

    So wackelt die Analogie zum Musenbusenstreichler und seiner Low Performance in poetischer Betätigung ein bisschen.

    Auch scheint es so zu sein, dass die Götter auch deswegen ein bisschen Spaß haben, weil
    sie sich vorstellen könnten (Apollo...), dass es den Liebesakt mit A. lohnt, gefangen zu werden.
    Dass schwächt dann das Verlachen des Ares doch ein wenig.
    Und man lacht wohl - auch - über den gehörnten, betrogenen Hephaistos.

    Amphibrachys

    Ist im ersten Vers der Amphibrachys noch mal zu prüfen (Liebesgöttin Aphrodite/Aphrodite)?

    Beste Grüße
    ww
    Geändert von Willibald W (24.01.2020 um 16:47 Uhr)
    alis nil gravius, o nycticorax

  5. #5
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    Lieber Willibald W,
    Der erste Vers, stimmt, besteht aus "hinkenden" Jamben (Schiller hat den Jambus mal so genannt).
    Das "homerische Gelächter", das so laut ist, dass es den Menschen wie Donner vorkommt - so glaubst Du - entfesselt der Anblick der beiden Nackten im kunstvoll geknüpften Netz des betrogenen Hephaistos. Ich bin eher der Meinung, dass der Betrogene, der in anklagender Manier die beiden Erwischten vorführt, der Grund für das (höhnische) Gelächter ist.
    „Vater Zeus, und ihr andern, unsterbliche selige Götter!
    Kommt und schaut den abscheulichen unausstehlichen Frevel:
    Wie mich lahmen Mann die Tochter Zeus’ Aphrodite
    Jetzo auf immer beschimpft, und Ares den Bösewicht herzet;
    Darum, weil jener schön ist und grade von Beinen, ich aber
    Solche Krüppelgestalt! Doch keiner ist schuld an der Lähmung,
    Als die Eltern allein! O hätten sie nimmer gezeuget!
    Aber seht doch, wie beid’ in meinem eigenen Bette
    Ruhn, und der Wollust pflegen! Das Herz zerspringt mir beim Anblick!
    Künftig möchten sie zwar, auch nicht ein Weilchen, so liegen!
    Wie verbuhlt sie auch sind, sie werden nicht wieder verlangen,
    So zu ruhn! Allein ich halte sie fest in der Schlinge,
    Bis der Vater zuvor mir alle Geschenke zurückgibt,
    Die ich als Bräutigam gab für sein schamloses Gezüchte!
    Seine Tochter ist schön, allein unbändiges Herzens!“
    Ich gebe zu: Deine Auffassung könnte auch stimmen. Aber wenn ich die "Anklage" des geprellten Ehemanns lese, der zum Beweis die beiden Gefesselten vorzeigt, neige ich eher zu dem Hohngelächter als zu einem belustigten Lachen der Götter.
    Alle anderen Bemerkungen von Dir werde ich mir noch genau ansehen und ggfs. Änderungen vornehmen. Danke für Deine Mühe!
    Liebe Grüße,
    Festival

  6. #6
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    Grüß Dich, wackerer Poet und Festival!

    Habe mich offensichtlich zu vorsichtig und zu unklar ausgedrückt: Das Lachen der Götter gilt allen drei Kombattanten, Ares, Aphrodite und auch Hephaistos.
    Nun sind die beiden männlichen Götter rechte Raufbolde, nicht nur Ares. Von daher gesehen gibt es nur einen wackligen Zusammenhang dieser Figuren und ihres Verlachtwerdens zum Blender&Musenbusenstreichler, also eine eher wacklige Analogie.

    Der Hinkjambus und der hinkende Hephaistos: Wow!

    Und: Wir selbst tänzeln mit der eingeschränkten Eleganz eines alten Tigers durch die lyrische Pampa. Ausserdem trifft man so als reiferer Mensch auf reifere Menschen mit dem Streben nach antikisierenden Metren: und - paradoxerweise - fühlt man sich dabei plötzlich gar nicht so alt.

    Dem Ferdi und Dir einen Gruß.

    Vale
    Thrasybulus Willibald
    Geändert von Willibald W (25.01.2020 um 14:07 Uhr)
    alis nil gravius, o nycticorax

  7. #7
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    Lieber Willibald W,
    streng genommen gibt es zwischen dem Musenbusenstreichler und dem Grund des homerischen Gelächters überhaupt keinen Zusammenhang.
    Hier Ares, der es nicht beim Streicheln des Busens der Aphrodite belässt und Hephaistos, der eifersüchtige, betrogene Gatte - da die olympischen Götter, die sich schlapp lachen (meinetwegen über alle drei), wo sollte da ein Zusammenhang zwischen hier der potentielle Musenbusenstreichler, der zwar mit durchsichtiger Schwafelei versucht, Reich Ranicki zu beerben - da die Spötter, die sich insgeheim krümelig lachen: Ein sehr loser Zusammenhang.
    Liebe Grüße,
    Festival
    PS. Die deutlichen Jamben des ersten Verses, glaub es oder nicht, sollten tatsächlich auf den "auftretenden" Hephaistos hinweisen. Den
    Thrasybulus hatte ich eigentlich für mein zweites Leben reserviert.
    Geändert von Festival (25.01.2020 um 14:13 Uhr)

  8. #8
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    Grüss dich, Festival,

    dann ist der Schluss des Gelächtergedichts gesetzt als eine Art freifloatender Schlenker, ok. Also in bewusst lockerem bis sehr lockerem Zusammenhang zur erotisch-höhnischen Hephaistosszene.

    greetse
    Thrasybulus Willibald
    Geändert von Willibald W (25.01.2020 um 22:21 Uhr)
    alis nil gravius, o nycticorax

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