1. #1
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    Zwischen den Welten

    Nicht Fisch noch Fleisch, nicht Gräte oder Knochen,
    kein Küken bin ich - bin ich schon ein Huhn zum Kochen,
    gewürzt mit Rosmarin und Blättchen von Salbei,
    bin ich dir mittelweich gekochtes Frühstücksei?
    Noch weiß ich nicht, wohin, wozu ich nun gehöre,
    bin Kind ich, bin ich braves Mädchen, freche Göre?

    Ich wälze mich auf nassgeschwitzten Laken,
    in meinen Träumen schrecken Monster mich und Kraken,
    verzweifelt such ich Trost in meinem weichen Kissen
    und sehne mich nach deinen Armen, süßen Küssen
    betaste, streichle mich an ganz verbotnen Stellen,
    wo erste Härchen sprießen, Zwillingsbeeren quellen

    und spüre: Meine heile Welt gerät ins Wanken,
    ich spotte allen Konventionen, reiß die Schranken
    mit Lust und Wut und lauten Siegesschreien ein
    und schlag mein blödes Kinderspielzeug klitz und klein.
    Die Zöpfe schneid ich ab, der neue Bubikopf gerät
    nicht ganz und meine Mama murmelt was von Pubertät.
    Geändert von Festival (29.01.2020 um 20:31 Uhr)

  2. #2
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    Hallo lieber Säbelzahntiger😉
    Was für ein schöner Text.
    Die Pupertät ist doch etwas sehr feines. Da können alle Eltern die Kinder haben ein Liedchen von singen.
    Der Vergleich mit den Hühnchen wäre jetzt nicht meine Erste Idee gewesen eher die dumme Pute🤣😋 aber das will ich dir mal durchgehen lassen.

    Hast den inneren Zwiespalt des Teenys gut getroffen,
    Zum Glück ist der oder sie noch nicht besoffen😋
    Bei den Entdeckungsreisen.

    Und das Die Welt dann aus den Rudern gerät ist auch klar 😉
    Mir gefällt der Bezug auf die Eltern in der Letzten Zeile und verpasst DEM Text noch einen passenderen Bezug.

    Gerne Gelesen.
    Liebe Grüsse Mone
    Wer glücklich sein will, muss wissen was Traurigkeit bedeutet!

  3. #3
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    Liebe Dornenrose,
    danke für Deine lobenden Zeilen und für Deine Bescheidenheit (Du lässt Deine Mitwirkung/Ideengebung völlig außen vor - ich hab doch alles nur in Reime gesetzt).
    Liebe Grüße,
    Festival
    Geändert von Festival (30.01.2020 um 08:30 Uhr)

  4. #4
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    Lieber Heinz,
    nun will ich dir mitteilen, in welchem Versmaß du geschrieben hast : nämlich im Jambus! Wenn ich mich nicht verzählt habe: im sechshebigen ?!
    Mit weiblichen und männlichen Kadenzen ! Und im Paarreim !
    Wie ausdrucksstark ist doch dein Wortschatz : Fisch, Fleisch , Gräte, Knochen! Diese Wörter berauschen mich geradezu!
    Du hast die Nöte einer heranwachsenden Maid so genau beschrieben : Ist sie wirklich noch ein unschuldiges Lämmchen oder schon ein kleines Biest?
    Offensichtlich schon erfahrener, denn sie sehnt sich ja nach den Küssen des LD. Also hat sie schon die Schwelle zu einer anderen Welt schon überbeschritten, oder?
    Frage: Warum sollten die Stellen verboten sein? Wir sind doch nicht anno Zopf!
    "geheime Stellen" fände ich besser.
    Nun habe ich genug gelabert und will dir nur sagen, dass mir dein Gedicht gut gefallen hat (bis auf die eine Stelle) und dass ich hoffe, dass du meinen so tiefgründigen Kommentar wenigstens noch lesen kannst, bevor der Löschzug ihn vernichtet!


    Liebe Grüße, Cara

  5. #5
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    Liebe Cara,
    mit den sechshebigen Jamben, um bei der Form zu bleiben, hast Du bis auf drei Verse Recht (es gibt zwei Verse, die 5-hebig sind und einen, wo ich mich auf sieben gesteigert habe. Mit den Kadenzen - keine Frage: Du liegst richtig. Die Nöte einer heranwachsenden Maid, und das als Mann, genau zu beschreiben, konnte mir nur einigermaßen gelingen, weil ich eine wunderbare Tochter habe, die selbst in den infrage kommenden Jahren mit allen Problemen und Fragen zu mir kam. Die "Maid" in diesem Gedichtlein - ist sie noch unschuldiges Lämmchen oder schon kleines Biest? Ich denke, das ist ja das Dilemma, in dem so ein "Pubertier" steckt. Wenn ich an den "Roman" denke, den sie mit ihrer Freundin im zarten Alter von 12 Jahren geschrieben hat und in dem die Bandmitglieder der Bay-City-Rollers eine sehr wichtige Rolle spielten - uiuiuiiii oder, wie ich es schrieb: "Nicht Fisch noch Fleisch, nicht Gräte oder Knochen, kein Küken bin ich - bin ich schon ein Huhn zum Kochen, ... noch weiß ich nicht, wohin, wozu ich nun gehöre, bin Kind ich, bin ich braves Mädchen, freche Göre?" Die Schwelle schon überschritten? Ich schlage einen Kompromiss vor: Mit einem Fuß dies- mit dem anderen jenseits und zeitweise noch ganz vor und unvermittelt ganz auf der anderen Seite.
    Die "verbotenen" Stellen: Bitte bezieh in Deine Überlegungen ein, dass es "katholische" Umgebungen gibt, in denen kleine Mädchen (aber auch kleine Jungen) gibt, in denen rückständige Moralvorstellungen vorschreiben, solch "verbotene" Erkundungen einem ehelosen Priester zu beichten. Du fändest "geheime" Stellen besser. Ich sag mal so: Für die Mädchen sind die "Stellen" ja nicht geheim, aber sie bedürfen noch der Erkundung. Dass Du meinen Wortschatz lobst, freut mich natürlich ganz besonders.
    Einen Löschzug, oder wie ich es nenne, ein Streichquartett, in der eine Viola stimmführend ist, befürchte ich nicht, denn erstens hast Du Dich stringent an das Gedicht gehalten und 2. habe ich mir Deinen liebenswürdigen Kommentar längst kopiert.
    Liebe Grüße,
    Heinz

  6. #6
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    Lieber Heinz,
    noch etwas möchte ich anmerken:
    "klitz und klein" gefällt mir nicht so richtig.
    Ich würde "klitzeklein" vorschlagen!

    Leider wurde mein vorheriger Kommentar erneut gelöscht!

    Liebe Grüße, Cara

  7. #7
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    Liebe Cara,
    "klitz und klein" könnte man durch "klitzeklein" ohne Änderung des Metrums ersetzen. Was hat mich zu "klitz und klein" bewogen?
    In meinem Sprachgebrauch heißt es z.B.: "Er schlug in der Wohnung alles klitz und klein"; "klitzeklein" hat für mich einen anderen "Zungenschlag". Es gibt großartige, großmütige, verständnisvolle, wohlwollende Männer und Frauen. Das Gegenteil wären miesepetrige, korinthenkackende Flachpfeifen, die sich als Zwerge unter den Blättern von Huflattich verstecken können ohne sich bücken zu müssen, also "klitzekleine" Exemplare der Gattung homo sapiens (deutsch etwa: vernunftbegabter Mensch). Bitte lass mir mein "klitz und klein" und reserviere mit mir zusammen das "klitzeklein" für entsprechende Anlässe.
    Dein Kommentar ist gelöscht worden? Nun, wer weiß, welches Vergehen Du wieder begangen hast. Es muss ja entsprechend furchtbar gewesen sein. Bitte schau Dir doch mal mustergültige (und darüber hinaus hyperintelligente) Kommentare - nein, ich nenne keine Namen - hier im Forum an, damit Du merkst, wie Du dem Löschkommando entgehst.
    Liebe Grüße,
    Festival

  8. #8
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    Na, ich will jetzt keine Korinthenkackerin sein!
    Du weißt ja, wie ich derartige Typen ablehne und meide!
    Aber ich kenne nur: Er schlug in der Wohnung alles kurz und klein!
    Ein klitzekleines bisschen muss ich dich doch nerven!

    Liebe Grüße, Cara

  9. #9
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    Liebe Cara 1963,
    das Wörtchen "klitz" hat es Dir angetan. Tatsächlich findet sich nirgends eine Bedeutungserklärung oder Aufklärung über die Wortherkunft.
    Umgangssprachlich ist klitz in aller Regel im Doppelwort "klitzeklein", was wohl auf eine Größenbezeichnung hinausläuft, die ein Objekt kleiner als klein, sozusagen winzig klein beschreibt. Mich zu nerven bedarf es mehr als ein klitzekleines bisschen (det is ja noch kleener). Und Du - Du schaffst es sowieso nicht, mich zu nerven.
    Liebe Grüße!
    Festival

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