Thema: Alkoholismus

  1. #1
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    Unhappy Alkoholismus

    Ich habe Angst aus diesem einen Grund,
    wie eine Katz‘ sich fürchtet vor dem Hund.
    Und seine Schritte geh‘n an mir vorbei,
    will ihm nicht wieder drohen mit der Polizei

    Schon lang nicht mehr in sein Gesicht geseh‘n,
    ansonsten würde meine Freud‘ vergeh‘n.
    ist stets gefüllt von Leere gleich wie Trauer,
    unendlich wie die Chinesische Mauer.

    Und selbst der Sensenmann er kann’s nicht glauben
    er wird den letzten Atemzug ihm rauben.
    Familie sagt traurig Lebe wohl,
    für’n Rest nur noch ein Tod durch Alkohol.

  2. #2
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    Hallo, dough me,

    schön, dass du den Weg ins Forum gefunden hast.

    Die Alkoholkrankheit gehört ohne Zweifel in diese Rubrik. Sie zerstört Körper, Geist, Beziehungen, Familien ...

    Ein sehr schweres, düsteres Thema, welches du hier gewählt hast. Und sollte es aus eigenen Erfahrungen heraus entstanden sein, ist es sicher keine leichte Aufgabe, und ich finde es mutig, sich in dieser Form damit auseinanderzusetzen.

    Wenn man die Krankheit in einem Gedicht verarbeiten will, bedarf es mMn sorgfältig gewählter Vergleiche, Bilder etc., um das Elend zu beschreiben.

    Ich habe Angst aus diesem einen Grund,
    wie eine Katz‘ sich fürchtet vor dem Hund.
    Und seine Schritte geh‘n an mir vorbei,
    will ihm nicht wieder drohen mit der Polizei

    Du schreibst: "Ich habe Angst aus diesem einen Grund". Es wird jedoch nicht ganz klar, aus welchem Grund.
    Aus dem Grund, wie eine Katz sich fürchtet vor dem Hund wäre ja auch bezüglich Grammatik falsch.

    Der Katze/Hund-Vergleich wäre für mich persönlich auch nicht die erste Wahl: Denn beim Aufeinandertreffen der beiden Spezies ist gerade die Katze oft sehr wehrhaft, zickig, haut gern zu (bevorzugt auf die empfindliche Nase des Hundes) und der Hund läuft winselnd davon. Deshalb wirken die ersten beiden Verse mir zu sehr reimgeschuldet.

    Also, hier würde ich sorgfältig herausarbeiten, was genau solche Angst macht. Dazu ist ein In-sich-Hineinhorchen hilfreich: Ist es die Angst vor der Zerstörungswut des Alkoholikers, vor Gewaltausbrüchen gegen seine Angehörigen? (letzteres lässt sich vermuten durch den letzten Vers). Man kann mit kleinen Akzenten (z. B. einem zarten Hinweis auf ein zerstörtes Möbel, auf ein Hämatom) viel aussagen.
    Der letzte Vers fällt übrigens etwas holprig aus dem Rhythmus.

    Schon lang nicht mehr in sein Gesicht geseh‘n,
    ansonsten würde meine Freud‘ vergeh‘n.
    ist stets gefüllt von Leere gleich wie Trauer,
    unendlich wie die Chinesische Mauer.

    Der erste Vers ist für mich sofort nachvollziehbar: Verdrängung, das Elend, den Verfall nicht sehen wollen.

    Hier stutze ich aber beim zweiten Vers: "Ansonsten würde mir die Freud vergehen".
    Mein Gedanke war sofort: Welche Freude? Kann ein Angehöriger eines schwer Alkoholkranken überhaupt noch (echte) Freude empfinden?

    Vers 3: Da wird für mich nicht ganz klar, wer/was gefüllt von Leere wie Trauer ist. Das Gesicht des Süchtigen? Wenn ja, würde ich ein anderes Wort für "gefüllt" suchen, denn gefülltes Gesicht ist keine glückliche Wahl... Vielleicht "gezeichnet"?

    Der Vergleich mit der Chinesischen Mauer sagt mir nicht so zu: Sie ist ein unglaublich beeindruckendes Bauwerk, welches mir zum Gefühl der Leere und Trauer nicht recht passen will.
    Aber das Bild einer Mauer (durch die nichts und niemand dringen kann) könnte im Zusammenhang mit einer Beziehung zu einem Suchtkranken gute Verwendung finden.

    (auch hier fällt der Vers 4 wieder unschön aus dem Takt)

    Und selbst der Sensenmann er kann’s nicht glauben
    er wird den letzten Atemzug ihm rauben.
    Familie sagt traurig Lebe wohl,
    für’n Rest nur noch ein Tod durch Alkohol.

    Vers 1 + 2: Klingen ironisch. Kann man natürlich machen.
    Vers 3: Solche Halbsätze (hier: fehlender Artikel) kann man leicht - und sollte man - unbedingt vermeiden.
    Vers 4: Damit sagst du, dass für den Rest des Lebens nur der Tod (... durch Alkohol) bleibt. Der Tod ist aber nicht der Rest des Lebens, sondern das Ende. Deshalb würde ich hier den "Rest des Lebens" eines Alkoholikers genau versuchen zu beschreiben. Wie sieht die ihm verbleibende Zeit aus? Was macht sie mit den Angehörigen?

    ________________________________________________________________________________________________

    Liebe/r dough me,

    ich hoffe, du kannst mit meinen Ausführungen etwas anfangen.

    LG
    Richmodis
    Geändert von Richmodis (01.02.2020 um 08:50 Uhr)

  3. #3
    Registriert seit
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    2
    Hi Richmodis,

    vielen lieben Dank für Dein Feedback! Ja das Gedicht entsteht leider aus persönlicher Erfahrung innerhalb meiner Familie. Das ist mein erstes Gedicht, das ich verfasst habe mit meinen 18 Jahren��. Deine Kritik kann ich voll und ganz nachvollziehen. Ich werde schauen, dass ich im nächsten Gedicht mehr auf diese Sachen achten werde.

    Im letzten Vers wollte ich darauf hinaus, dass es für Andere oder für die Gesellschaft nur noch ein weiterer Tod durch den Alkohol ist, da dieser ja doch oft eine Todesursache ist. Ich wollte den Vers möglichst kurz halten aber dennoch den Inhalt beibehalten. Gleichzeitig wollte ich das Metrum einigermaßen beibehalten. Da muss ich noch ein bisschen daran arbeiten, dass es genau so herüberkommt, wie ich es meine.

    Nochmals vielen Dank für das Feedback!

    LG
    Dough Me

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