1. #1
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    siebenmal ist nicht genug

    nachts kehren sie zurück hängen wie welke blätter
    an den bäumen um mitternacht lassen sie sich fallen
    kriechen zu kreuze ins ewig glühende erdengrab

    tagsüber steigen sie als vulkanasche in den himmel
    kreisen in endlosen schlieren um die erde hoffen
    irgendwie dem bann der schwerkraft zu entkommen

    nur wenn ihnen die schuld für immer vergeben wird
    können sie ihre reise in die ewigkeit antreten uns
    als teil der unendlichen sternenschar zublinken

  2. #2
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    Hallo, Perry,

    ich bin überrascht, dass so etwas geht: kein einziges Satzzeichen, alles klein geschrieben - nicht mal am Anfang Majuskeln und Punkt am Ende -, und dass man doch alles wunderbar versteht. Ein tolles Gedicht! Danke dafür und für die Einsicht ...!

    Schöne Grüße,
    Hoya
    "Wenn man das Leben nur auf eine Art betrachtet, gibt es immer einen Grund zur Sorge." Elizabeth Bowen

  3. #3
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    Hallo Hoya,
    freut mich, dass Dir der Text gefallen hat.
    Was die Darstellung anbelangt, scheinst Du noch nicht allzuviel neuere Lyrik gelesen zu haben,
    denn das ist eine gar nicht so seltene Ausdrucksweise.
    LG
    Perry

  4. #4
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    Hallo, Perry,

    ich habe nicht viel, aber einiges in ähnlicher Form gelesen (z.B. Ulla Hahn) und bin fasziniert davon (habe selbst kleinere Versuche unternommen, kurze Gedichte, Zeilenübergreifendes, um Doppeldeutiges zu erzeugen - v.a. in "Experimentelle Lyrik", oft mit einem schlechten Gewissen oder einem Gefühl der Unsicherheit - aber lange nicht so gelungen wie dein obiges Gedicht. Vor allem dachte ich nicht, dass die Satzzeichen ohne Ausnahme auch mitten im Vers fehlen dürfen/können. Aber, dein Gedicht beweist es ja!

    Das hilft mir sehr, weil ich dann in Zukunft etwas mutiger das schlechte Gewissen weglassen kann.

    LG, Hoya
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  5. #5
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    Hallo Hoya,
    ein schlechtes Gewissen brauchst Du nicht zu haben, denn Lyrik ist als Kunst keinen allgemeinen Schreibregeln verpflichtet.
    Natürlich ist es für den Leser angenehmer, wenn trotzdem sinnhafte Zusammenhänge erkennbar bleiben. Ich habe mir z.B.
    die Terzettform als äußeren Rahmen und innere Struktur (Auftakt, Kernthema und Ausklang) vorgeben und arbeite stilistisch
    mit Alliterationen, Binnenreimen und Enjambement soweit sich diese ohne Zwang ergeben.
    LG
    Perry

  6. #6
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    Zitat Zitat von Perry Beitrag anzeigen
    nachts kehren sie zurück hängen wie welke blätter
    an den bäumen um mitternacht lassen sie sich fallen
    kriechen zu kreuze ins ewig glühende erdengrab

    tagsüber steigen sie als vulkanasche in den himmel
    kreisen in endlosen schlieren um die erde hoffen
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    Hallo Perry,

    Deine "Seelenwanderung" imponiert mir.
    Eigentlich ist es eher ein Seelenflug.

    Und die "sieben" bezieht sich wohl auf die sieben Todsünden und deren Läuterung.
    Wer dann - nach Dante - die sinnliche Lust im Fegefeuer abgebüßt hat,
    kehrt nachts zu den Bäumen zurück und muss allnächtlich durchs dunkle Erdreich wandern.

    Auch die welken Blätter der Bäume sind der "Göttlichen Komödie" entliehen,
    wo Mörder und Selbstmörder im dritten Höllenring als Baumschmuck ein einsames Dasein fristen.

    Erst frei von Schuld kann die Seele in Deinen Versen dann der Schwerkraft entfliehen
    und der Ewigkeit entgegen schweben.

    Eine mystische Vorstellung, düster und wenig hoffnungsvoll.
    Aber wer weiß schon, was später sein wird?

    Gerne gelesen!
    Grüße von Georg
    Bei AMAZON + Infoverlag erhältlich:
    KAISER BARBAROSSA RIEF AUF EINMAL "HOSSA"
    Heitere Historische Heldenepen (Georg C. Peter/ Infoverlag)

  7. #7
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    Hallo Georg,
    danke fürs mystische untermauern. Die sieben Todsünden könnten man hineininterpretieren, auch wenn sie im Katholischen durch die Taufe, Beichte oder Krankensalbung verziehen werden können.
    Der Titel reflektiert Matthäus:18,21 wo Jesus sagt, siebenmal vergeben ist nicht genug ...
    Ansonsten hat der Text auch eine aktuelle Aussage zur Klimakrise, wenn wir nicht alle Reue und Vergebung zeigen, werden wir das Licht der Sterne bald nicht mehr sehen.
    LG
    Perry

  8. #8
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    Hallo Perry,

    -als teil der unendlichen sternenschar zublinken-
    Aus welchem Märchen kommt das?

    LG, Skirke
    .
    Diesen Tod
    sterben
    einzig
    in das Leben
    .

  9. #9
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    Hallo Shirke,
    oh da gäbs sicher einige, aber Du erwartest doch hoffentlich von Lyrik nicht nur in Reim gemeißelte Tatsachen.
    Danke für Reinschauen und LG
    Perry

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