1. #1
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    Elegie an den Vogel

    Wolken, von dem Wind getrieben,
    Durch die blaue Leere schwemmen;
    Wenn sie jemals ruhend blieben,
    Einzig, um das Licht zu hemmen.
    O du Vogel, schleunig gleitest
    Du durch klare Höhenlüfte,
    Auf gespannten Schwingen schreitest
    Du in tiefste Felsenklüfte!
    Wie die Flügel kräftig schlagen
    Wendet sich dein Himmelsflug;
    Deiner wird es, mich zu plagen,
    Meiner Sehnsucht nie genug.
    Geändert von Vogelsucher (10.02.2020 um 17:04 Uhr)

  2. #2
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    Zitat Zitat von Vogelsucher Beitrag anzeigen
    Wolken, von dem Wind getrieben,
    Durch die blaue Leere schwemmen;
    Wenn sie jemals ruhend blieben,
    Einzig, um das Licht zu hemmen.
    O du Vogel, schleunig gleitest
    Du durch klare Höhenlüfte,
    Auf gespannten Schwingen schreitest
    Du in tiefste Felsenklüfte!
    Wie die Flügel kräftig schlagen
    Wendet sich dein Himmelsflug;
    Deiner wird es, mich zu plagen,
    Meiner Sehnsucht nie genug.
    Grüße,

    das nenne ich mal Gedicht. Trochäus astrein. Und Metaphern, eins A.

    Zitat:

    Deiner wird es, mich zu plagen,
    Meiner Sehnsucht nie genug

    würde ich:

    Dieser wird es, mich zu plagen,
    Meiner Sehnsucht nie genug ?

  3. #3
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    Danke für deine lobende Antwort! Das ist mein erstes Gedicht, das ich hier veröffentliche, und ich bin auch ein noch junger Dichter, also im Beginn einer Leidenschaft. Gerade dann stärkt es einen sehr, so etwas zu lesen. :~)

    Zu deinem Verbesserungsvorschlag: Mit deiner ist die (veraltete) Form von du im Genitiv gemeint. Das hat also seine Richtigkeit: Wessen wird es, mich zu plagen, meiner Sehnsucht nie genug? Deiner (dir)/des Vogels.

    Mit freundlichen Grüßen,
    der Vogelsucher.
    Geändert von Vogelsucher (08.02.2020 um 11:47 Uhr)

  4. #4
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    Zitat Zitat von Vogelsucher Beitrag anzeigen

    Deiner wird es, mich zu plagen,
    Meiner Sehnsucht nie genug.
    Lieber Vogelsucher,

    für Dein erstes Gedicht und vor allem für Dein junges Alter ist das ganz großartig!!
    Was mich besonders beeindruckt, ist Deine Wortwahl, Deine "Begrifflichkeit".

    Bei den letzten beiden Zeilen sehe ich es wie Du, dass sich "Deiner" auf den Himmelsflug bezieht.
    Ich überlege lediglich, ob nach "Meiner Sehnsucht" nicht auch noch ein Komma stehen müsste?!?

    Weiter so!
    Viele Grüße von Georg
    Bei AMAZON + Infoverlag erhältlich:
    KAISER BARBAROSSA RIEF AUF EINMAL "HOSSA"
    Heitere Historische Heldenepen (Georg C. Peter/ Infoverlag)

  5. #5
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    Hallo Georg,
    vielen Dank für dein Lob!
    Zitat Zitat von Georg C. Peter Beitrag anzeigen
    Ich überlege lediglich, ob nach "Meiner Sehnsucht" nicht auch noch ein Komma stehen müsste?!?g
    Nicht, dass ich wüsste. Wieso? Von der Bedeutung her steht dort ja: "Deiner wird es meiner Sehnsucht, mich zu plagen, nie genug." Da fällt mir gerade kein Fehler auf.
    Du kannst mir ja in einer weiteren Nachricht näher erklären, was du meinst.
    Mit freundlichsten Grüßen,
    Vogelsucher.
    Der Wind ist dem Frierenden ein kalter.

  6. #6
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    Hallo Vogelsucher,

    jetzt verstehe ich, was Du meinst.
    Ich dachte, es wäre eine Aufzählung:

    Deiner wird es
    (sowohl) mich zu plagen
    (als auch) meiner Sehnsucht (zu was auch immer)
    nie genug.

    Aber wenn es um die Sehnsucht des Plagens geht, hast Du natürlich Recht (so ist es eben bei Gedichten, es ist alles möglich... )

    Viele Grüße von Georg
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  7. #7
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    Hallo Vogelsucher,

    ich bin auch der Meinung, dass nach "meiner Sehnsucht" ein Komma hin muss. Meine Erklärung dazu ist, dass es nur als Aufzählung funktioniert. Außerdem will mir kein weiteres Beispiel einfallen, in dem man einen Satz überhaupt so umstellen kann. Also wenn, dann als Aufzählung würde ich sagen. Mag aber auch an meiner derzeitigen (vielleicht auch schlafentzugbedingten) Einfallslosigkeit liegen.

    Liebe Grüße jedenfalls
    VU

  8. #8
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    Hallo Vogelsucher,

    der beanstandete Satz gefällt mir von der Konstruktion her auch nicht. Geplagt wird LI von seiner Sehnsucht, die dazu durch den Vogel animiert wird.

    Es würde wohl in PRosa "deinetwegen" heißen müssen, Deinetwegen wird es meiner Sehnsucht nie genug, mich zu plagen.

    Insgesamt finde ich deinen Text zu "geschraubt" um Wirkung bei mir zu hinterlassen.

    lG

    mp
    ........
    whiskey's getting deeper
    and I use it like a moat
    there's a blues man in the distance
    and he's lost inside his note
    ........
    (Savatage)

  9. #9
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    Grüße an Vogelsucher,

    der leichte Archaimus mit dem Genitiv "deiner genug" scheint mir ein wenig bedenklich:

    a) die Sperrstellung/das Hyperbaton wo normalerweise Nachbarschaft sein sollte:
    der Worte sind genug gewechselt.-
    deiner wird es .................nie genug

    b) die Lesart von "deiner" als Demonstrativpronomen Masc. Die wird etwa durch das vorausgehende "Himmelsflug" nahegelegt.

    c) Dann aber wird es ein wenig komplex: Der Adlerflug plagt das lyrische Ich, das seinen mit dem Flug des Adlers vergleicht?

    Greetse
    ww
    Geändert von Willibald W (20.02.2020 um 13:34 Uhr)
    alis nil gravius, o nycticorax

  10. #10
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    An alle: Die Bedeutung der Verse "Deiner wird es, mich zu plagen, meiner Sehnsucht nie genug" ist die folgende:

    "Meiner Sehnsucht wird des Vogels nie genug, was mich plagt."

    Das heißt, die Sehnsucht des lyrischen Ich kann nicht aufhören, sich auf den Vogel zu lenken, was dasselbe plagt. Dass das "deiner" sich auf den Vogel bezieht, merkt man daran, dass sich das gesamte Gedicht an ihn richtet.
    Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich das "Deiner" richtig verwendet habe. Aber so kommt es mir jedenfalls richtig vor.
    Mit Grüßen,
    Vogelsucher.
    Der Wind ist dem Frierenden ein kalter.

  11. #11
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    Nun ja , das wurde bereits bemerkt.

    Deiner ( Genitiv, archaischer von "du", so wie "wir gedenken deiner" und meint den angesprochenen Vogel).

    Aber: Die beiden Wörter stehen zu weit auseinander, so dass mnan diese Konstruktion auch bei guten Willen nicht herausliest,
    Eng wäre zu Beispiel: "genug der Worte".

    Zweites "Aber". Weil diese Sperrstellung vorhanden ist und daher die Beziehung auf den Vogel samt Flug fast nicht zu machen ist,
    werden viele Leser das "Deiner" für ein Demonstrativ/Possessivpronomen halten: "Deiner" -= Dein Himmelsflug.

    Drittens: legt der Dativ von "meiner Sehnsucht " keineswegs nahe dass "deiner" ein Genitiv ist.


    Und dann ist das Kuddelmuddel da.
    Mehrdeutigkeit lyrischer Rede hin oder her.


    Nochmal und Klartext: Der Satz ist im heutigen (aber auch im älteren oder gar dem fossilen Deutsch) so sperrig und überkonstruiert, dass er das Verstehen nahezu unmöglich macht.

    greetse

    ww
    Geändert von Willibald W (21.02.2020 um 06:53 Uhr)
    alis nil gravius, o nycticorax

  12. #12
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    Danke Willibald W für das Kommentar, danke auch Vogelsucher, dass du es nochmal ganz eindeutig erklärt hast. JETZT habe ich es auch verstanden. Kein Komma vonnöten. Ich bin nun beruhigt.

  13. #13
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    Mir fällt Flatterhaftigkeit dazu ein. Wir zaubern uns ein Bild von der eigenen Sehnsucht in den von uns dafür bereitgestellten Wolkenraum um anhand des Bildes zu verdeutlichen, dass ein paar Worte dafür genügen würden, was der Natur so viel Aufwand gekostet.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  14. #14
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    Lieber Vogelsucher,

    ich denke, den strittigen beiden letzten Zeilen liegt ein sprachlicher Fehler zugrunde. Schreibe den Satz doch mal in Subjekt-Prädikat-Objekt-Reihenfolge auf. Dann müsste es, deiner Vorlage folgend, heißen:

    „Es wird meiner Sehnsucht des Vogels (= deiner) nie genug, mich zu plagen.“

    Welcher Genitiv soll sich nun auf die Sehnsucht beziehen? „Meiner“ oder „deiner“? Antwort: Im Sinne deiner Interpretation eigentlich keiner. Denn „meiner Sehnsucht“ steht hier im Dativ, und nur das passt, denn an dieser Stelle ist im Deutschen kein Genitiv gefordert. Daher kannst du fragen:

    „Es wird wem genug, dieses oder jenes zu tun?“,

    nicht aber:

    „Es wird wessen genug, dieses oder jenes zu tun?“

    Damit kann sich ausschließlich „deiner“ (= des Vogels) als Genitiv auf „Sehnsucht“ beziehen, was aber die Sehnsucht des Vogels und nicht die Sehnsucht nach dem Vogel ergibt. Im Ergebnis ergibt dein Satz keinen Sitz, denn warum sollte es meiner nie genug werden, dass die Sehnsucht des Vogels mich plagt? Zumal „mich zu plagen“ absichtsvolles Handeln andeutet, wohingegen es bei deiner Interpretation nur ein unerwünschter Nebeneffekt sein sollte.

    Ich nehme an, dass du dich bei diesem Satz wie Willibald W eine sprachliche Parallele zu „Der Worte sind genug gewechselt“ ziehen wolltest. Doch sieh auch diesen Satz genauer an! Wie müssen die beiden folgenden Fragen richtig beantwortet werden?:

    Wessen ist genug? Des Wechselns! (respektive „gewechselt“)
    Wessen ist genug gewechselt? Der Worte!

    „Es ist genug“ verlangt also ein Verb, das substantiviert im Genitiv steht und das selbst ein im Genitiv stehendes Substantiv verlangen kann, aber es kann sich nicht direkt auf ein Substantiv beziehen. In diesem Fall hätte der Satz lauten müssen:

    Der Worte haben (!) wir genug/Der Worte sind wir über(drüssig)

    Viel Erfolg bei der Korrektur dieser letzten beiden Verse, die du auf jeden Fall vornehmen und das Gedicht nicht fallen lassen solltest.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Malte Dadschun

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