1. #1
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    Monolog Einer Sonne

    »Ich – Ich bin die Sonne, die
    Als Stern der weiten Leere
    Ihre Monde sich bescheint,
    Mit ihrem Strahlen-Blicke.

    Alles kreist sich um Mein Haupt,
    Mein Haupt umfängt die Weite,
    Bodenlos, denn Ich nur bin
    Mein einzig Grund und Boden.

    Ich bin Ereignishorizont,
    Die Raumzeit muss sich beugen.
    Schwebe – oder hänge Ich
    Kopfüber hier im Nirgends?

    Furchtbar – Meine Einsamkeit!
    Ich bin ein leuchtend Auge;
    Traurig malt sich seine Welt
    Der Stern in seinem Lichte.

    Ach! Ich Sonnenlicht-Zyklop,
    Der Einzige im Dunkel!
    Gibt es Sterne hier im All?
    Nur matte Kreise-Monde!

    Allzu grausig ist das Nichts,
    Ich fürchte Mich im Dunkeln!
    Was Mir lieb und teuer ist,
    Ist nur ein falscher Schimmer!

    Gott!, was bin Ich hier allein –
    Doch Götter gibt es nirgends!
    Was Mir heilig glänzend schien,
    Schien nur in Meinem Scheine!

    O! Der Einzige bin Ich,
    Das Weltall ist Mein Eigen;
    Weltall ist, was Ich mir selbst
    Mit Meinem Licht beleuchte!

    Ich – Ich bin die Königin,
    Der Gott der weiten Leere.
    Meine Monde sollen sich
    In Meinem Lichte drehen!

    Ich, Ich höchster Sonnengott,
    Die Welt liegt mir zu Füßen!
    Endlos ist das leere Schwarz,
    Kein Auge wacht dort außen.«


    [Ein solipsistisches Selbstgespräch. Ich habe vor, es noch zu verbessern, das heißt, Strophen hinzuzufügen, um den Sinneswandel zu Ende deutlicher zu machen. Jede Rückmeldung erwünscht!]
    Geändert von Vogelsucher (10.02.2020 um 17:06 Uhr)

  2. #2
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    Tolles Gedicht. Mir gefällt die Thematik.
    Ein kleiner Vorschlag wäre "Alles was mir lieb und teuer ist" statt "Alles was mir teuer ist". Aber vielleicht klingt das auch nur in meinem Kopf besser.
    Auf jeden Fall eine gute Arbeit. Ich bin mal gespannt was noch für Strophen kommen.

  3. #3
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    Danke für deine Antwort! Deinen Vorschlag habe ich teilweise umgesetzt. :--) Teilweise, weil er nicht wirklich in den Rhythmus passen würde. Aber ich habe "Was mir lieb und teuer ist" daraus gemacht, ich hoffe, es gefällt dir. Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen.
    Grüße,
    Vogelsucher.

  4. #4
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    Das ist toll.
    Mir gefällt auch der Gegensatz zwischen dem Titel "Monolog einer Sonne"
    und der Betonung auf das Alleinstellungsmerkmal (Ereignishorizont, Einzige, die Königin usw.)
    Grüss Dich
    Maria Franziska

  5. #5
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    Zitat Zitat von Vogelsucher Beitrag anzeigen
    »Ich – Ich bin die Sonne, die
    Als Stern der weiten Leere
    Ihre Monde sich bescheint,
    Mit ihrem Strahlen-Blicke.

    Alles kreist sich um Mein Haupt,
    Mein Haupt umfängt die Weite,
    Bodenlos, denn Ich nur bin
    Mein einzig Grund und Boden.

    Ich bin Ereignishorizont,
    Die Raumzeit muss sich beugen.
    Schwebe – oder hänge Ich
    Kopfüber hier im Nirgends?

    Furchtbar – Meine Einsamkeit!
    Ich bin ein leuchtend Auge;
    Traurig malt sich seine Welt
    Der Stern in seinem Lichte.

    Ach! Ich Sonnenlicht-Zyklop,
    Der Einzige im Dunkel!
    Gibt es Sterne hier im All?
    Nur matte Kreise-Monde!

    Allzu grausig ist das Nichts,
    Ich fürchte Mich im Dunkeln!
    Was Mir lieb und teuer ist,
    Ist nur ein falscher Schimmer!

    Gott!, was bin Ich hier allein –
    Doch Götter gibt es nirgends!
    Was Mir heilig glänzend schien,
    Schien nur in Meinem Scheine!

    O! Der Einzige bin Ich,
    Das Weltall ist Mein Eigen;
    Weltall ist, was Ich mir selbst
    Mit Meinem Licht beleuchte!

    Ich – Ich bin die Königin,
    Der Gott der weiten Leere.
    Meine Monde sollen sich
    In Meinem Lichte drehen!

    Ich, Ich höchster Sonnengott,
    Die Welt liegt mir zu Füßen!
    Endlos ist das leere Schwarz,
    Kein Auge wacht dort außen.«


    [Ein solipsistisches Selbstgespräch. Ich habe vor, es noch zu verbessern, das heißt, Strophen hinzuzufügen, um den Sinneswandel zu Ende deutlicher zu machen. Jede Rückmeldung erwünscht!]


    Grüße,

    Ich kann keinen Beifall klatschen, momentan. Jambus und Trochäus wechseln ab, einen Sinn konnte ich, diesbezüglich, nicht erkennen.
    Dann einmal Königin, dann wieder Sonnengott (Sonnengöttin würde ich ja akzeptieren) Metapher? Ja annehmbar. Die Richtung des Gedichtes stagniert, (wie Selbstgespräche)
    Naja, bis später.

  6. #6
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    Hallo Vogelsucher,

    ich sehe das ähnlich wie horstgrosse2, dass Richtung und Stringenz deinem Gedicht fehlen.

    An einigen Formulierungen könntest du sicher noch arbeiten.
    "Grund und Boden" in Bezug auf einen flammenden Gasball?

    "Ereignishorizont" ist ein tolles Wort, in dem Zusammenhang kommt es aber eher astronomisch rüber als lyrisch. Nach meinem Laienwissen ensteht ein eigener Ereignishorizont aber erst, wenn eine Sonne zu einem Schwarzen Loch wird.

    Zitat Zitat von Vogelsucher Beitrag anzeigen
    O! Der Einzige bin Ich,
    Das Weltall ist Mein Eigen;
    Weltall ist, was Ich mir selbst
    Mit Meinem Licht beleuchte!
    Das hört sich alles so an, als gäbe es nur unser Sonnensystem. Was ist denn mit den ganzen anderen unzähligen Sonnen im Weltall?
    Jede Sonne ist nur eine unter Millionen. Das kommt in deinem Text gar nicht vor.

    Auch kommt für mich nicht so richtig rüber, was an dem Schimmer (dem Licht der Sonne) jetzt falsch sein soll.
    Und wieso sollte sich eine Sonne im Dunkeln fürchten?
    Kann man von Dunkelheit sprechen, wenn sie doch eine riesige Leuchtquelle ist?
    Außerdem strahlt im Hintergrund die Milchstraße.

    Grundsätzlich bietet die Idee Potenzial, aber so erreicht der Text mich nicht.

    Zitat Zitat von Vogelsucher Beitrag anzeigen
    Ich habe vor, es noch zu verbessern, das heißt, Strophen hinzuzufügen, um den Sinneswandel zu Ende deutlicher zu machen.
    Hier Vorabversionen einzustellen, finde ich etwas unglücklich.
    Wenn du konkret Probleme mit einem Text hast, würde ich ihn in die Rubrik "Gedichtwerkstatt" einstellen.

    Viel Spaß noch beim Dichten und Gruß,
    leuchtendgrau

  7. #7
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    Liebes Leuchtendgrau,
    erstmal vielen Dank für deine Antwort. Zu deinen Fragen: ich glaube, dass alle deine Fragen darin wurzeln, dass dir der Begriff des "Solipsismus" unbekannt ist. Dementsprechend kann deine Verwirrung leicht aufgelöst werden, wenn du dich eingehender mit dieser philosophischen Richtung auseinandersetzt.
    In diesem Soliloquium arbeite ich ausschließlich mit Metaphern, was man spätestens dann merkt, wenn man die Anmerkung "ein solipsistisches Selbstgespräch" versteht. Das erklärt hoffentlich auch deine Fragen bezüglich den Erwähnungen des Sonnensystems und des Ereignishorizonts, sowie etlicher anderer Formulierungen (z. B. "kopfüber")
    Mit freundlichen Grüßen,
    Vogelsucher.
    Geändert von Vogelsucher (11.02.2020 um 16:49 Uhr)

  8. #8
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    Hallo Vogelsucher,

    ich konnte bisher keinen wirklichen Sinneswandel der Sonne feststellen, aber habe mich inspirieren lassen von diesem spannenden Thema und dir ein paar Verse verfasst, die dich vielleicht inspirieren könnten, das Ganze weiterzuschreiben.


    Einsam! - Ich, als einzig' Quell
    Des Lichtes hier im Finstern.
    Ich bin blind für mein Gesicht,
    Das Feuer, das ich schaffe.

    Alle Kräfte gäb ich her,
    Als Mond so brav zu leben,
    All mein Wesen, stolzes Licht,
    Voll Demut zu verzehren.

    Schönheit, die ich sicher bin,
    Darf nicht so ungesehen
    Klumpgestein und kaltes Eis
    Versuchen zu beleben.

    Fürst des Lichts! Das bin ich euch!-
    Ihr unbelebten Scheiben.
    Treu seid ihr, doch totes Gold.
    In meinem Glühen schlummernd.

    Gäb' es nur ein Wesen dort
    Im großen leeren Zelte
    Mich zu achten, zu berühr'n,
    Mir sanfte Worte widmet.

    Stark bin ich! - Ich, Heiße Flut.
    Ihr dürft euch ruhig verneigen.
    Gleißend Licht, wie meines scheint,
    Ist gleich dem Götterbilde.


    Habe leider keine Zeit momentan weiter auf alles einzugehen, aber ich hoffe ich konnte weiterhelfen.
    LG VU

  9. #9
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    Hallo Versumunikat,
    deine Weiterführung des Selbstgespräches gefällt mir sehr. Die Sprache, die du benutzt, passt sich der in meinem Gedicht perfekt an und ist ganz nach meinem Geschmack.
    Jemand anderes hat auch eine eigene Interpretation meines Beitrags veröffentlicht; mein Gedicht stößt scheinbar auf heftige Resonanz.

    Grüße,
    Vogelsucher.

  10. #10
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    Zitat Zitat von Vogelsucher Beitrag anzeigen
    Liebes Leuchtendgrau,
    erstmal vielen Dank für deine Antwort. Zu deinen Fragen: ich glaube, dass alle deine Fragen darin wurzeln, dass dir der Begriff des "Solipsismus" unbekannt ist. Dementsprechend kann deine Verwirrung leicht aufgelöst werden, wenn du dich eingehender mit dieser philosophischen Richtung auseinandersetzt.
    Hallo Vogelsucher,

    zum Einen bleibt immer noch der unstete Ton der 'Sonne', der mich stört. Mal beschreibt sie sich als armer Tropf, mal als Königin und Gott.
    Nichts gegen Zwiespältigkeit, aber der Sinneswandel sollte sich auf Textbasis nachvollziehen lassen. Die Form funktioniert für mich so nicht.

    Solipsismus ist schon ein interessantes Konzept.
    Wobei sich für mich eher die Frage stellt, ob damit ein Gefühl der Überlegenheit einhergehen muss, selbst wenn ich davon ausgehe, dass die Realität um mich herum und für mich geschaffen wurde. Ich muss mich ja trotzdem mit ihr arrangieren und habe eben keine gottgleiche Macht über sie. Ich muss arbeiten gehen, Lebensmittel einkaufen und den Müll vor die Tür bringen. Ich habe Eltern, Freunde, Arbeitskollegen und existiere nicht im luftleeren sozialen Raum, selbst wenn ich das alles für eine Illusion halten würde.

    Könnte dein Gedicht nicht auch einen extremen Egoisten oder Narzissten beschreiben?
    Spannender finde ich am Solipsismus die Aussage, das wir nicht fähig sind, die Wirklichkeit adäquat zu erfassen. Und auch nicht wissen, ob überhaupt ein Anderer ein Bewusstsein besitzt. Das würde mich eher demütig als übermütig machen, denn ich habe keinen Einblick in die Hintergründe meiner Existenz.

    Gruß,
    leuchtendgrau

  11. #11
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    Ein wenig Egozentrik
    gepaart mit ernsthaften Selbstreflexionen
    im eigenen Horizont.
    Ein wenig Vereinsamung eines Stars.
    Ein wenig Larmoyanz,
    und traurige Sentimentalität
    Ohne mich gibt es keine Welt, so wie sie ist.
    Ohne mich gibt es kein leuchtendes Strahlen.
    Und, was soll ich sagen, genauso ist es doch.
    gerne gelesen, A.

  12. #12
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    Hallo Leuchtendgrau!
    Wieder lassen sich deine Fragen, glaube ich, leicht beantworten.
    Zitat I: "Mal beschreibt sie sich als armer Tropf [...]"
    Zitat II: "Das würde mich eher demütig als übermütig machen, denn ich habe keinen Einblick in die Hintergründe meiner Existenz."
    Hier hast du dir deine eine Frage ja bereits selbst beantwortet. Als Einziger fühlt man sich natürlich einsam und unsicher.
    "Spannender finde ich am Solipsismus die Aussage, das wir nicht fähig sind, die Wirklichkeit adäquat zu erfassen. Und auch nicht wissen, ob überhaupt ein Anderer ein Bewusstsein besitzt." Dann verstehst du ja jetzt, was Dunkelheit und Monde bedeuten. Und vieles mehr.

    Bei weiteren Unklarheiten kannst du mich gern wieder anschreiben, ich antworte gern.
    Mit sonnigen Grüßen,
    Vogelsucher.
    Der Wind ist dem Frierenden ein kalter.

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