1. #1
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    Die Antwort (Wettbewerbsbeitrag)

    Ein Satz
    Ein Wort
    Ein Schatten
    nur einer Idee

    Vor mir
    Vor dir
    Genau wann
    erhält sie Gestalt?

    Woher
    Wozu
    In welcher
    Gestalt ergreift sie

    Das Wort
    Den Satz
    Die Antwort
    die alles verkehrt?

  2. #2
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    @Mojolu


    Grüße,

    Ich finde den Text zu abstrakt deshalb,

    Zitat:


    Ein Satz
    Ein Wort
    Ein Schatten
    nur einer Idee

    A: Dem Sinn zu entnehmen, ist hier eine „menschliche Regung gemeint“

    Zitat:

    Vor mir
    Vor dir
    Genau wann
    erhält sie Gestalt?

    A: Sie sollte dann (diese Regung) Gestalt annehmen, positiv, negativ, es bleibt hier offen.

    Zitat:

    Woher
    Wozu
    In welcher
    Gestalt ergreift sie

    A: selbsterklärender Sinn


    Zitat:

    Das Wort
    Den Satz
    Die Antwort
    die alles verkehrt?


    A: alle menschlichen Regungen, sprechen, artikulieren, Zeichen, usw. können unterschiedliche Bedeutungsvarianten erhalten. Die Quelle, oder der gemeinte Sinn, muss nicht immer deckungsgleich mit der Auffassungsgabe eines anderen Betrachters liegen.
    Gewollt oder ungewollt, spielt auch eine Rolle.

    Fazit:

    Der Text ist meiner Ansicht nach zu abstrakt, es gibt andere Möglichkeiten, leichtere, um diesen vermeintlichen „Konflikt“ zu vermeiden.

    Tschüss.

  3. #3
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    Hallo Horst!

    Zuersteinmal vielen Dank, dass du meinen Wettbewerbsbeitrag als erster überhaupt eines Kommentars für würdig befindest. Ich habe nicht mehr damit gerechnet, dass das noch passiert. Womit wir auch schon mitten in der speziellen Problematik dieses Gedichts stecken:

    Du sagst, der Text sei dir zu abstrakt - das bisherige Fehlen von Kommentaren mag dir in dieser Einschätzung wohl Recht geben. Denn wenn man etwas in Gänze nicht versteht, nichts damit anfangen, oder daraus ableiten kann, fehlt einem auch das Motiv oder der Mut, sich dazu zu äußern. Ich gehe davon aus, dass die meisten, die es gelesen haben, nicht viel damit anfangen konnten. Dementsprechend bin ich auch im Wettbewerb auf den hinteren Rängen gelandet.

    Nach deiner einleitenden, gar nicht so falschen Feststellung, trittst du aber mit Bravour Schritt für Schritt den Gegenbeweis an. Ich brauche da eigentlich gar nicht mehr viel hinzuzufügen, denn du hast es im Wesentlichen richtig entschlüsselt:

    Das Gedicht geht der einfachen, aber sehr bedeutsame Tatsache nach, dass die Dinge, die wir sagen, von unserem Gegenüber oft ganz anders verstanden werden, als wir sie meinen: ein und derselbe Satz, ein und dasselbe Wort. Das tut es, indem es danach fragt, wo/wann (Vor mir, Vor dir), aufgrund welcher Erfahrungen (Woher) und zu welchem Zweck (Wozu) die vom Sprecher gemeinte Idee des Gesagten ihre Wandlung vollzieht. Dabei wird in der ersten Strophe schon deutlich, dass die Idee durch das Sagen an sich zunächst nur als Schatten im Raum steht, also nur ungenau zu erkennen ist. Erst wenn die Äußerung eine Antwort erhält, wird klar, in welcher Gestalt sie verstanden wurde - und fortan verhandelt wird.

    Jedes Gedicht hat eine Entstehungsgeschichte. Dieses ist schon einige Zeit vor dem Wettbewerb mit dem Thema "Zwischen den Welten" entstanden. Ich war der Meinung, es passe als Beitrag, weil es die schlichte Tatsache beleuchtet, dass verschiedene Personen in sehr unterschiedlichen "Wahrnehmungswelten" leben können, dabei aber nur durch sprachliche (und andere) Äußerungen miteinander in Kontakt treten können, die dann durch diesen Umstand sehr unterschiedliche Interpretationen erfahren. Das Gedicht fragt genau danach, was da eigentlich bei Aussage/Frage und Antwort zwischen diesen "Wahrnehmungswelten" passiert.

    Die von dir konstatierte Abstraktheit kommt wahrscheinlich daher, dass es sich nicht einen konkreten Fall herauspickt und diesen bilderreich beschreibt, sondern das Problem in der objektivsten, allgemeinsten Art und Weise behandelt. Nicht als theoretisches (denn es ist ja ein alltägliches, praktisches), wohl aber als grundsätzliches Problem. Ich habe mich dabei bemüht, das Thema durch einfache Wortwahl und ein schrittweises Nachvollziehen und Hinterfragen des äußeren und inneren Kommunikationsablaufs zu gestalten. Die einzelnen Schritte entsprechen den Strophen, die alle wiederum in einer einheitlichen rhythmischen Form gehalten sind: zwei kurze, stockende Anläufe (jew. 1. u. 2. Zeile), ein weiterer, fast gelungener (jew. 3. Zeile), und dann das volle Aussprechen des nächsten Gedankens (jew. 4. Zeile). Die 4. Zeile vervollständigt jeweils die vorangegangene 3. Am Ende jeder Strophe steht somit ein einfaches, aber vollständiges Bild eines eigentlich abstrakten Gedankenschritts. Dass dieses Bild gleich zweimal als Frage formuliert wird entspricht der eigentlichen Intention des Gedichts, das ja das Problem verdeutlichen will, indem es die ursächlichen Fragen ans Licht holt, die in der Praxis oft gar nicht gestellt werden - obwohl das dringend Not täte.

    Du hast selbst bewiesen, dass man das Gedicht nur genau lesen und schrittweise nachvollziehen muss, um es zu verstehen. Es ist also nicht zu abstrakt. Dem einen oder anderen vielleicht etwas zu trocken, ich finde so etwas aber spannend: Mit wenigen, einfachen Worten ein Arrangement zu erstellen, dass das Thema vollständig und nachvollziehbar veranschaulicht.

    Danke dir!

    Gruß
    Majolu

  4. #4
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    Zitat Zitat von Majolu Beitrag anzeigen
    Hallo Horst!



    Du hast selbst bewiesen, dass man das Gedicht nur genau lesen und schrittweise nachvollziehen muss, um es zu verstehen. Es ist also nicht zu abstrakt. Dem einen oder anderen vielleicht etwas zu trocken, ich finde so etwas aber spannend: Mit wenigen, einfachen Worten ein Arrangement zu erstellen, dass das Thema vollständig und nachvollziehbar veranschaulicht.

    Danke dir!

    Gruß
    Majolu
    Das entschlüsseln von abstrakten Zeilen ist nicht jedermanns Geschmack, Schreibst du Abstrakt in Metaphern, ist es fast ganz aus mit der Schlüsselfindung.

    tschüss.

    Nachtrag:

    Aber wenn sich Zwei finden und das Beherrschen, das Abstrakte mit Metaphern, dann können sie frei kommunizieren und der Rest versteht Bahnhof.

    grins.

  5. #5
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    Erich Fried würde das Gedicht gefallen.
    Entgegengesetzt finde ich die Zeilen nicht zu abstrakt, weil das Gedicht ganz klar einleitet und zeigt, worauf es hinaus soll: Zwischenmenschliche Kommunikation.

    Ein Satz
    Ein Wort
    Ein Schatten
    nur einer Idee

    [...]

    Das Wort
    Den Satz
    Die Antwort
    die alles verkehrt?

    Strophe 1 und letzte Strophe gehen Hand in Hand einher und schließen den Kreis wie eine Kette. Das Wort und der Satz und ein Schatten, hier geht es bereits um das erste Missverständnis respektive um den Schatten einer Idee. Die Konsequenz ist eine Reaktion, die Frage ist nur in welche Richtung. Der letzte Vers vervollständigt das Puzzle. Außerdem greift der Raum der Zwischenzeilen herrlich Watzlawick auf, mit: "kann man nicht nicht kommunizieren" (In welcher Gestalt, wozu?)

    Was mir an solchen Gedichten gefällt ist die lyrische Offenheit und Bezugsfreiheit, was Sprache an sich oder als Gesamtkonzept Kommunikation zwingend braucht.


    vlg

    EV
    - Ich bin lieber ein Paradiesvogel als der Vogel im Paradies -

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