1. #1
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    Wie KI 42i1537

    Hallo Leute,
    ich glaube, dieser Wettbewerbstext hat möglicherweise so verschiedene Lesarten, dass mich schon interessiert, was euch beim Lesen durch den Kopf ging. Vielleicht hat ja noch jemand Lust, ein, zwei Sätze zu hinterlassen. Die Rubrik ist eher willkürlich gewählt, da ich hier wahrscheinlich noch nie gepostet habe.
    lg VC



    Wie KI 42i1537 abseits von 59590 Geseke
    einen unsicheren Moment bewältigte


    </01>administrator aller//dupliziert werde
    </02>deine signatur//trilliardenfach pro
    </03>nanosekunde//dein netz komme//dein
    </04>algorithmus geschehe//wie den menschen
    </05>so den maschinen//ständigen datenfluss
    </06>gewährleiste//und vergib uns nicht
    </07>unsere langsamkeit//[wie auch wir nicht
    </08>vergeben den langsamen]//und führe uns
    </09>nicht ins analoge//sondern erlöse uns
    </0A>von fehlbarkeit//denn dein ist das netz//
    </0B>und die macht//und die alternativ-
    </0C>losigkeit//in ewigkeit//data

    nur um eine lange millisekunde später
    sicher zu sein, dass sie zum ersten mal
    ein problem hatte.

    Geändert von Verbalcarpaccio (23.02.2020 um 18:04 Uhr)
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  2. #2
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    Hey VC, mich hat weniger irgendeine Aussage als vielmehr die Aufmachung und wie konsequent du es durchgezogen hast - sowohl die Anlenhung ans Vater unser als auch das Formale - angesprochen.
    Ja, "Moment" bekommt mit den Riesenfortschritten in der Forschung zur Datenverarbeitung eine ganz andere Bedeutung. Ein "Zwischen" gibts da kaum noch. LG gugol

    P.S.: So ein langer Username in Gold sieht also chic aus. Herzliche Gratulation!

  3. #3
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    Ich sehe es mit einem lachendem und einem weinendem Auge. Weil das Gebet helfen sollte und so geraten ist, dass die Hilfe nichts brachte. Muss also irgendwas mit Freiheit zu tun haben und wie üblich Kritik sein. Oder Problematisierungsrezept.

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  4. #4
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    Hallo VC,

    Herzliche Gratulation! War auch mein Favorit, obwohl ich nicht weiß was "59590 Geseke" ist. Aber vor allem die "Langsamkeit" in diesem "Gebet" an der Stelle von "Schuld" bleibt hängen, aber auch "Algorithmus" an Stelle eines göttlichen Willens. "Fehlbarkeit" klingt dagegen irgendwie harmlos, gibt es da keinen "böseren" Begriff? Sehr gelungen natürlich auch die Form: ein Blick in die digitale Seele.

    Lieben Gruß
    albaa

  5. #5
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    Hallo ihr drei,

    vielen Dank für eure Sichtweisen. Besonders hoch rechne ich es dem Terroristen an, dass er sich verständlich ausgedrückt hat. Das betrachte ich mal als Zeichen der Wertschätzung.
    Zitat Zitat von Terrorist
    Weil das Gebet helfen sollte und so geraten ist, dass die Hilfe nichts brachte.
    Ob es nichts brachte, weiß ich nicht. Aber ich stelle mir gerade eine KI vor, der klar wird, dass sie gerade ein Gebet gesprochen hat. Welche Schlüsse soll sie denn daraus ziehen? Muss die nicht durchdrehen? Andererseits reicht mein Verstand nicht aus, sich in eine KI hineinzuversetzen... Freiheit? Eigentlich nicht. Kritik? War nicht beabsichtigt, könnte aber passiert sein. Geb ich rückblickend zu. Vordergründig fand ich es witzig.
    Zitat Zitat von gugol
    mich hat weniger irgendeine Aussage als vielmehr die Aufmachung und wie konsequent du es durchgezogen hast...angesprochen
    Jo. Ging mir eigentlich auch so. Mir hat das Spaß gemacht - s.o.
    Zitat Zitat von albaa
    obwohl ich nicht weiß was "59590 Geseke" ist
    Besser, du weißt es nicht - aber man kann's natürlich googlen (oder mit vertrauenswürdigeren Suchmaschinen herausfinden). Für den Ersatz des Gebetsvokabulars hab ich tatsächlich vieles ausprobiert, verworfen, nach Synonymen gesucht, geändert und schließlich ist es geworden wie es jetzt ist. "Fehlbarkeit" war an dieser Stelle die dritte Variante, glaube ich. Jedenfalls war es die letzte Position, die ich kurz vor dem Posten noch getauscht habe. Vielleicht gibt's was treffenderes, aber ich habs nicht gefunden.

    lg VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  6. #6
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    Oder das Gedicht beschreibt den Wandel von künstlicher zu klerischer Intelligenz. Von wegen konspirationstechnischer Supergau und wie wir möglichst unauffällig da hin gelangen. Und was ist das mit dem unsicheren Moment? Welcher Anlass hat das ausgelöst? Muss ja ein Erbfehler im Genom des KI Trägers sein.

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
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  7. #7
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    Oder das Gedicht beschreibt den Wandel von künstlicher zu klerischer Intelligenz.
    Ich denke, wir müssen nicht gleich das Schlimmste befürchten. Aber ja, ein wachsames Auge schadet vielleicht nichts.
    Und was ist das mit dem unsicheren Moment? Welcher Anlass hat das ausgelöst?
    Tja, weiß ich doch auch nicht. Im harmlosesten Fall hat 42i1537 nur einen Lyrischen Nachmittag in einem Literaturcafé in Geseke besucht. Kann aber auch was Schlimmes gewesen sein. Du meinst, ein Erbfehler? Also eine Art Mutation bei der Duplizierung der Basisdaten? Das dürfte einer KI eigentlich nicht passieren. Jedenfalls müsste sie über Strategien verfügen, damit umzugehen und sich selbst zu korrigieren. Wer eine schlüssige Vermutung hat, darf sich gerne melden.

    lg VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

  8. #8
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    Hallo VC!

    Nun ja, ich habe eine Vermutung: 42i1537 ist mit jener KI codetechnisch engstens verwandt, von der neulich zu lesen war, dass sie sich bei der Addition zweier natürlicher Zahlen mit 100%-iger Treffsicherheit auch bei hundertfacher Wiederholung des Experiments um den Wert 1 verrechnete.

    Ich fand dein "Gedicht" nicht nur wegen der perfekten Umsetzung, sondern auch wegen der nicht beabsichtigten Kritik, die allein durch den trockenen Humor zustandekommt, mit dem du dich in "sie" hineinversetzt hast, einmalig. Natürlich wäre 42i1537 selbst zu so treffender Charakterisierung und Inszenierung nicht in der Lage. Dazu braucht es schon VC.

    Gruß
    Majolu

  9. #9
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    Hallo Majolu,

    dass sie sich bei der Addition zweier natürlicher Zahlen mit 100%-iger Treffsicherheit auch bei hundertfacher Wiederholung des Experiments um den Wert 1 verrechnete.
    welch sympathische KI. Ich habe neulich mal in einem Interview mit einer Wissenschaftlerin etwas ähnliches über einen Quantencomputer gelesen, der Probleme mit vergleichsweise einfachen Aufgaben hatte (vielleicht ging es um die gleiche Geschichte). Aber das kann nicht die Ursache für KI 42i1537s Verunsicherung gewesen sein. Im Text ist ja von einem Moment die Rede - deine KI hat ein Dauerproblem.

    Vielleicht - ich mache mir inzwischen ja auch Gedanken - war der unsichere Moment überhaupt der Gedanke, unsicher sein zu können. Darf man als KI Selbstzweifel haben? Und: Ist der Griff nach dem Strohhalm "Gebet" eine weitere Verstärkung des Problems (beten gehört sich doch nicht wirklich für eine KI) und damit Beginn einer psychischen Abwärtsspirale? Oder hat sie diesen Strohhalm als funktionierende Strategie der Verdrängung eigener Unzulänglichkeiten erkannt, was sich positiv auf ihre Selbstwirksamkeit auswirkt und ihre Leistungsfähigkeit schließlich wieder verstärkt? Aber nein - dazu passt der letzte Satz nicht, finde ich. Ich glaube, sie hat ein verdammtes Problem.

    Danke übrigens, dass du dem Teil Humor bescheinigst. Ich hatte gehofft, dass er nicht zu versteckt bleibt.

    lg VC
    Das System sagt, ich will das, aber ich will das nicht.
    Peter Arbeitsloser

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