1. #1
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    Zwischen Milchstraßen (WB)

    Muss denn alles immer Können bis zum Schluss?

    Am Anfang reflektiert sich alles in der Mitte.
    Sternenblicke richten sich hinab vom Himmel
    und im Himmel steht den Wolken frei zu ziehen,
    weil sie Regen bringen oder sich verschleiern.

    Ein Spiegel steht im Lichte allen Angesichtes.
    Anfangs enden Seelenlichter in Milchstraßenquellen.
    Im Angesicht des dunklen Spiegels stehen wir.

    Ein See ist weder Grund noch Bodenlose Fläche.
    Verliere nicht den Boden ohne Staub am Fuß.
    Augenstaub füllt nie durchfurchtes Rinnsal einer Erde.
    Die Mitte reflektiert das Ende und wird alles.

    Alles in der Mitte ist und kann nur wie es muss.

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  2. #2
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    Hallo Mythenfreund,

    Ich verstehe gar nichts, insbesondere die Stellen, die ich unten in Blau markiert habe, geben mir Rätsel auf. Aber an der Form ist ein Gestaltungswillen zu erkennen. Vielleicht magst du ja ein bisschen erläutern. Vor allem würde ich gerne verstehen was "alles" ist und was gekonnt werden soll. Worin sich was widerspiegelt. Was "allen Angesichtes" ist. Welcher "See"? Warum "Staub" im See? Und was hat ein "nie durchfurchtes Rinnsal einer Erde" mit "Zwischen Milchstraßen" zu tun. Eigentlich habe ich noch hundert Fragen, aber das reicht einmal fürs Erste.

    Zitat Zitat von Mythenfreund Beitrag anzeigen
    Muss denn alles immer Können bis zum Schluss?

    Am Anfang reflektiert sich alles in der Mitte.
    Sternenblicke richten sich hinab vom Himmel
    und im Himmel steht den Wolken frei zu ziehen,
    weil sie Regen bringen oder sich verschleiern.

    Ein Spiegel steht im Lichte allen Angesichtes.
    Anfangs enden Seelenlichter in Milchstraßenquellen.
    Im Angesicht des dunklen Spiegels stehen wir.

    Ein See ist weder Grund noch bodenlose Fläche. -
    Verliere nicht den Boden ohne Staub am Fuß.
    Augenstaub füllt nie durchfurchtes Rinnsal einer Erde.
    Die Mitte reflektiert das Ende und wird alles.

    Alles in der Mitte ist und kann nur wie es muss.

    Lieben Gruß
    albaa

  3. #3
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    Hallo Mythenfreund!

    Muss mich kurzfassen: Ich lese das Gedicht als intergalaktische Metapher des menschlichen Lebens mit seinen verschiedenen Stadien, die sich von Entscheidungsfreiheit am Anfang, Entscheidung in der Mitte und Erkenntnis am Ende erstrecken. "Muss denn alles immer Können bis zum Schluss?" ist dabei die eröffnende Frage, die als herausforderndes Motto dem Text vorangestellt wird. Die Antwort wird als Erkenntnis des Ganzen in der Schlusszeile formuliert. Ein formal schlüssiger Aufbau unterstreicht das Ganze. Schönes Gedicht.

    Gruß
    Majolu

  4. #4
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    Hallo Majolu,

    Du hast den Text, insbesondere auch den V1, den du zitierst, also offensichtlich (im Gegensatz zu mir) verstanden. Kannst du deine Interpretation noch ergänzen. Eine Interpretation, der von mir angeführten Stellen, wäre ja noch viel spannender für mich, als die Erklärung des Autors (also warte noch ein wenig, lieber Mythenfreund ). Vielleicht hast du Lust etwas ausführlicher - also Vers für Vers (oder zumindest V1) - zu interpretieren!? Würde mich freuen!

    Lieben Gruß
    albaa

  5. #5
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    Moin Mythenfreund,

    einer meiner Favoritentexte im Wettbewerb.
    Ich lese da die Entstehungsgeschichte unseres Universums und damit allen Seins, verbunden mit typischen Fragen des Seins: Warum sind wir? Ist es mehr als nur sein? Kann es nicht auch einfach mal einfach sein?

    Für die Struktur deines Textes hast du dich dafür entschieden, den ersten und letzten Vers abzusetzen.
    Sie umarmen den Rest des Textes mit seinen 4-3-4er Strophen. Passenderweise geben die beiden Verse den einzigen Endreim.
    Die Absetzung vom Rest, von der Mitte, finde ich in Bezug auf die Galaxie sehr passend. Denn seit dem Urknall streben die äußeren Ränder immer weiter auseinander, setzen sich ab.
    Auch inhaltlich rahmen die beiden Verse, gibt doch der letzte Vers quasi die Antwort auf den ersten.


    Zitat Zitat von Mythenfreund Beitrag anzeigen
    Muss denn alles immer Können bis zum Schluss?

    Am Anfang reflektiert sich alles in der Mitte.
    Sternenblicke richten sich hinab vom Himmel
    und im Himmel steht den Wolken frei zu ziehen,
    weil sie Regen bringen oder sich verschleiern.
    Der Anfang = Urknall. Gleichmäßig spiegelt sich die Entstehung vom Knall aus in alle Richtungen.
    Sterne formen sich, die jetzt auf uns hinabblicken.
    Die Wolken werden als frei in ihren Entscheidungen dargestellt. Ganz anders als wir, die wir laut V1 wohl vorherbestimmt sind, immer zu können.
    Inhaltlich ist das ein konsequenter Verlauf. Aber bildlich finde ich den Sprung von Entstehung des Universums, zu Sternen am Himmel, zu Wolken am Himmel extrem zeitraffend.

    Ein Spiegel steht im Lichte allen Angesichtes.
    Anfangs enden Seelenlichter in Milchstraßenquellen.
    Im Angesicht des dunklen Spiegels stehen wir.
    Der Spiegel war in der ersten Strophe noch die Mitte des Universums, der Urnkall, der sich in alle Richtungen spiegelt.
    Das Zentrum des Universums ist entsprechend der Spiegel von ALLEM, das um dieses Zentrum herum.
    Der folgende Vers gefällt mir nicht. Seelenlichter spielen wohl wiederum auf die Sterne an? Die Seelen Verstorbener heften sich als Sterne ans Firmament, das kennt man aus der Mythologie. Seelenlichter passt für mich als Wort aber weniger in diesen Kontext, da du dich ansonsten eher Begriffen aus Natur bzw. Naturwissenschaft bedienst. Seelenlichter ist da stark esoterisch aufgeladen.
    Hinzu kommt, dass gerade dieser Vers auch metrisch schief ist (Milchstraßenquellen: XxxXx), da fällt das doppelt auch.

    Im letzten Vers ist der Spiegel ein dunkler Spiegel. Ich sehe das als legitime Ergänzung, nachdem das Universum zwischen all den glänzenden Sternen doch ein sehr dunkler Ort ist.
    Wiederum werden nun wir thematisiert, "alles" wird also konkretisiert.

    Ein See ist weder Grund noch Bodenlose Fläche.
    Verliere nicht den Boden ohne Staub am Fuß.
    Augenstaub füllt nie durchfurchtes Rinnsal einer Erde.
    Die Mitte reflektiert das Ende und wird alles.
    Zuletzt wieder Naturbilder, gefühlt geht hier aber einiges durcheinander.
    Grund = Erdboden, aber auch der Boden eines Gewässers, dann wiederum ein Motiv.
    Bodenlos = sehr tief, aber auch unfassbar, unglaublich.
    Mir scheint die "weder noch"-Konstruktion hier schwierig, denn diese beiden Assoziationen mit dem See schließen sich gar nicht aus.
    So oder so steht der See hier metaphorisch für die Milchstraße, für einen galaktischen Flussarm, der sich durch das All zieht.
    die Attribute "tief" und "bodenlos" mögen da sehr passend sein.
    Augenstaub = Sternenstaub? Unsere Wünsche, Erwartungen an das Leben?
    Das nie durchfurchte Rinnsal einer Erde ist schwierig. Ich dachte an den Pfad, den die Erde durch das All verfolgt.
    Nachdem die Erde diesen Pfad aber genommen hat, ist er aber ja durchfurcht?
    Das Rinnsal erinnert mich in Verbindung mit dem Augenstaub an ein Bedauern um unerfüllte Wünsche und Erwartungen die uns auf unsere Pfad durch das All, durch das Leben verfolgen.
    "Die Mitte reflektiert das Ende und wird alles." ist eine weitere Wiederholung der beiden Spiegel-Metaphern von oben und aus der Mitte.

    Alles in der Mitte ist und kann nur wie es muss.
    Abschließend wird verdeutlicht, dass es eben doch nur um das Sein geht.
    Wir können mit Wünschen und Erwartungen nichts verändern, die Dinge nehmen ihren Lauf und kommen genau so, wie sie müssen.
    Das ist gleichermaßen resignierend wie hoffnungsvoll.

    Insgesamt mag ich deinen Text und die große kleine Geschichte, die da mitschwingt.
    Am Anfang kam mir der bildliche Sprung aber etwas zu schnell und in der dritten Strophe ist mir das teilweise zu durcheinander.
    Ansonsten aber gern gelesen

    LG AC
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  6. #6
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    Hallo albaa!

    Ich will mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Die Fachkenntnis, mit der bspw. Anti Chris. beim Analysieren hantiert, geht mir völlig ab. Ich urteile eher nach Offensichtlichem und persönlichem Empfinden und versuche, mir auf all das einen möglichst plausiblen Reim zu machen. So in etwa, wie wohl die meisten hier.

    Vers 1 sehe ich als rethorische Frage, also als eine Frage, die eigentlich eine Botschaft vermittelt. Aber da das Gedicht hiermit nicht schließt, sondern eröffnet, steht sie auch als Frage im Raum, die in den folgenden Zeilen schrittweise beantwortet wird. Die Frage lautet frei übersetzt: Muss immer alles und jeder perfekt sein?

    Die folgende Strophe schildert Geburt, Kindheit, Jugend. Aber nicht als Ereignisse, sondern in der Hoffnung, den Erwartungen und den Möglichkeiten, die hier noch offen stehen:

    Am Anfang reflektiert sich alles in der Mitte.
    Sternenblicke richten sich hinab vom Himmel
    und im Himmel steht den Wolken frei zu ziehen,
    weil sie Regen bringen oder sich verschleiern.


    Die erste Zeile kann auf zwei Weisen gelesen werden: Das Kind als Mittelpunkt und Zukunftsprojekt der Familie. Und die ganz auf seine eigenen Interessen konzentrierte Psyche des Kindes.

    Zu den folgenden Zeilen passt besser letztere Deutung. "Sternenblicke" verstehe ich da als ungetrübte Hoffnung und kindliche Begeisterung, aber auch als ungetrübten kindlichen Blick in die Welt, der die Schönheit der herabblickenden Sterne noch voll zu empfinden vermag. "Wolken im Himmel", die "Regen bringen" oder, schlimmer noch, "sich verschleiern", sind noch kein Thema, denn ihnen "steht es frei, zu ziehen": Der Blick ist noch sorgenfrei.

    Die Mitte des Gedichts ist so etwas wie ein Gleichnis:

    Ein Spiegel steht im Lichte allen Angesichtes.
    Anfangs enden Seelenlichter in Milchstraßenquellen.
    Im Angesicht des dunklen Spiegels stehen wir.


    Der Spiegel steht für Selbstreflexion und Selbsterkenntnis: Jeder Mensch beginnt ab einem bestimmten Alter über sich und sein Leben nachzudenken. Der "Spiegel" ist also eine Erscheinung - und Voraussetzung - jeder sich eigenständig entfaltenden Persönlichkeit. Was wir in dem Spiegel sehen, ändert sich drastisch. Die "Michstraßenquellen" verstehe ich als die unbestimmten jugendlichen Begeisterungsstürme, die mit fortschreitendem Alter immer seltener werden. Erst dann, mit geschärftem Blick, erkennen wir, dass der Spiegel selbst dunkel ist, dass es nur unser Licht, unsere Begeisterung ist, die ihn lichtvoll aufscheinen lässt. Der dunkle Hintergrund aber, der sich ebenso spiegelt, entgeht uns nun nicht mehr. Erst jetzt erkennen wir vor diesem dunklen Hintergrund uns selbst.

    Die nachfolgende Strophe bereitet mir einige Schwierigkeiten:

    Ein See ist weder Grund noch Bodenlose Fläche.
    Verliere nicht den Boden ohne Staub am Fuß.
    Augenstaub füllt nie durchfurchtes Rinnsal einer Erde.
    Die Mitte reflektiert das Ende und wird alles.


    "Ein See" könnte hier für Desillusionierung, für Hoffnungslosigkeit stehen, die nach der menschlichen Selbsterkenntnis vor dem Spiegel mit dem dunklen Hintergrund entsteht. Seen in Gedichten haben oft etwas "Bodenloses", sie stehen gerne für Gefahr und Verderben. Umso erstaunlicher, mit welcher Nüchternheit Mythenfreund hier dieses beliebte Natursymbol wieder geraderückt, indem er dem See die völlige Bodenlosigkeit abspricht und damit die eigenartige Ambivalenz des Sees herausarbeitet.

    Dann springt er plötzlich zu einem anderen Bild, ohne jedoch das vorige ganz zu verlassen, das Wort "Boden" dient dabei als Bindeglied, der Gedanke wird zudem fortgesponnen: Der Sprung ins Bodenlose soll niemals erfolgen, ohne den Schmutz der Erde berührt zu haben, d. h. nicht abheben, oder sich nicht fortschwemmen lassen, ohne jemals mit den Füßen auf festem Grund gestanden zu haben.

    Denn "Augenstaub", also die Rückstände der Tränen füllen nie ein ganzes Flußbett. Diese Zeile kann ich nicht wirklich entschlüsseln. Mein Gefühl versteht hier etwa folgende Lesart : Illusion etsetzt nicht die tatsächliche Erfahrung.

    Die letzte Zeile der Strophe ist ein inhaltlich-formaler Rückbezug auf die erste zwei Strophen vorher. Die große Frage ist, was hier mit der "Mitte" gemeint ist:
    Die Lebensspanne als solche (zwischen Geburt und Tod)? Dann mit deutlichem philosophischem Bezug auf das Vorgeburtliche und nach dem Tod Befindliche.
    Oder eher die Lebensmitte - der bereits erwähnte und in der Gedichtmitte thematisierte Moment der Selbsterkenntnis?
    Vielleicht auch die menschliche Persönlichkeit, die immer den Mittelpunkt der eigenen Wahrnehmung bildet?

    Wie es auch gemeint ist, ich sehe die Zeile als doppelte Anspielung auf den Tod - erst als Gedanke, Ahnung, dann als Ereignis.

    Jetzt die vielbesagte Schlusszeile:

    Alles in der Mitte ist und kann nur wie es muss.

    Übersetzt: Zerbrich dir nicht so sehr den Kopf, alles ist Schicksal - und muss daher nicht perfekt sein. Womit die rhetorische Frage vom Anfang noch einmal beantwortet wäre.

    Wenn ich mit dieser letzten Deutung richtig liege, ist mit der "Mitte" wohl tatsächlich die Lebensspanne gemeint.

    So, und jetzt bin ich mal gespannt, was Mythenfreund tatsächlich gemeint und wahrscheinlich längst erklärt hat...

    Gruß
    Majolu
    Geändert von Majolu (16.02.2020 um 21:34 Uhr)

  7. #7
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    Hallo, liebe alle!

    AC und Majolus ausführliche Kommentare werden Mythenfreund freuen. Ich habe sie auch mit Interesse gelesen und bleibe einmal beim ersten Satz des Textes:

    S1: Muss denn alles immer Können bis zum Schluss?

    AC geht auf diesen Vers gar nicht ein. Majolu sagt (Hervorhebung von mir):

    Vers 1 sehe ich als rhetorische Frage, also als eine Frage, die eigentlich eine Botschaft vermittelt. Aber da das Gedicht hiermit nicht schließt, sondern eröffnet, steht sie auch als Frage im Raum, die in den folgenden Zeilen schrittweise beantwortet wird. Die Frage lautet frei übersetzt: Muss immer alles und jeder perfekt sein?

    Aber da steht nicht "alles und jeder", sondern nur "alles".

    "können" (gehört eigentlich klein geschrieben, also wie: Muss denn Vera immer singen?)


    "Alles muss können bis zu Schluss!", ist also das Dogma (von wem?), das hinterfragt wird:

    Muss denn alles immer können bis zum Schluss?

    "alles"? - alle Dinge/die Gesamtheit/das Ganze

    "können"? - imstande sein, etwas zu tun; die Möglichkeit/Berechtigung haben, etwas zu tun; etwas dürfen

    Was muss "alles" immer können? Wer muss was können?

    Die Auslegung von Majolu: Muss immer alles und jeder perfekt sein?

    Ja, das könnte es bedeuten. Interessant, was Du aus diesem grammatikalisch verunglückten, sinnlosen Satz (der nichts mit Lyrik zu tun hat), herausgekitzelt hast.

    Mich erinnert der Satz an dieses Video über die Feinheiten der deutschen Sprache - bitte im Wohnzimmer weiterklicken, hier darf ich nicht verlinken.

    Aalder bin isch Orhan Wohn ich in Schweinefresserland, du Ure!!

    Nicht ernst nehmen, ist nur Spaß!

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (17.02.2020 um 21:13 Uhr)

  8. #8
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    Hallo albaa, Majolu und Anti Chris

    Sorry das meine Antwort auf euch 3 so verzögert kommt, aber ich dachte es wäre besser selbst etwas zu warten um mich besser auf eure antworten konzentrieren und einlassen zu können
    das gedicht als solches ist eigentlich nicht unheimlich komplex von mir gedacht, aber vermutlich komplex wirkend
    anfang, mitte und ende sind schlüsselpunkte und dazwischen stehen in Gegenüberstellungen überirdische, irdische und unterirdische Aspekte
    ich versuchte, Höhenflug, Erdung und Bodenlosigkeit zu verarbeiten um am schluss darauf hinzuweisen das der Mittelweg, also die erdung ohnehin nicht zu umgehen ist, das seelenlichter darin aufsteigen symbolisiert das loslösen von Körper und Geist

    Muss denn alles immer Können bis zum Schluss? ...Fragestellung
    Am Anfang reflektiert sich alles in der Mitte.
    Sternenblicke richten sich hinab vom Himmel
    und im Himmel steht den Wolken frei zu ziehen,
    weil sie Regen bringen oder sich verschleiern.

    Ein Spiegel steht im Lichte allen Angesichtes. Lichtzugewandter Spiegel, Astral, Überirdisch, unumgängliches Leben und stetes reflektieren, anstehende aufsteigende Reise
    Anfangs enden Seelenlichter in Milchstraßenquellen. ...Lösungsmoment im endenden anfang, Lösung auch von allem irdischen/ Findung und Trennung von Körper und Geist und gleiche, später gegensätzliche Wege/ Seele steigt auf, Körper steigt ab/ "Wir" als Zwischenwesen dargestellt
    Im Angesicht des dunklen Spiegels stehen wir. Lichtabgewandter Spiegel, abstieg, Schicksalsweg des Todes allen Lebens und der aspekt der Dunkelheit als Moment, anstehende absteigende Reise

    Ein See ist weder Grund noch Bodenlose Fläche.
    Verliere nicht den Boden ohne Staub am Fuß.
    Augenstaub füllt nie durchfurchtes Rinnsal einer Erde.
    Die Mitte reflektiert das Ende und wird alles.

    Alles in der Mitte ist und kann nur wie es muss. ...Antworthinweis
    meine eigentliche Idee des textes war von der mitte an die sätze hoch und auch runter lesen zu können und ich sage sätze, nicht zeilen allerdings denke ich war das sogar von mir etwas zu weit übers ziel geschossen, ich hatte mich im verlauf des schreibens sogar selbst damit verwirrt und musste es einige tage ruhen lassen und hab danach noch mal einiges überarbeitet, darum bin ich so überraschter das Anti Chris einen guten Ansatz macht und Majolu den Ansatz sogar ziemlich bis zu ende führen konnte, somit ging meine Idee der Dreifaltigkeit dann doch irgendwie auf
    würde es mir zugegebener maßen nicht derart konkret am Handwerk fehlen, hätte ich sicher eine bessere und auch nachvollziehbarere lösung finden können denke ich. Aber die Grundidee wurde tatsächlich erfasst, darüber bin ich sehr erfreut.
    ich habe ein Problem damit komplexe denkvorgänge in konkrete worte zu verfassen, weil ich oft schneller denke als ich schreiben kann und bevor es weg ist, muss ich stichpunkthaltig mitschreiben, so ist es bei dem gedicht gewesen und auch bei meinem jetzigen antwort Kommentar, aber dazu habe ich tatsächlich versucht Revue passieren zu lassen um mich etwas zu sammeln

    Muss denn alles immer Können bis zum Schluss?

    Anfangs enden Seelenlichter in Milchstraßenquellen.
    Ein Spiegel steht im Lichte allen Angesichtes.

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    und im Himmel steht den Wolken frei zu ziehen,
    weil sie Regen bringen oder sich verschleiern.
    Am Anfang reflektiert sich alles in der Mitte.
    Anfangs enden Seelenlichter in Milchstraßenquellen.
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    Die Mitte reflektiert das Ende und wird alles.
    Augenstaub füllt nie durchfurchtes Rinnsal einer Erde.
    Verliere nicht den Boden ohne Staub am Fuß.
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    Alles in der Mitte ist und kann nur wie es muss.
    wahrscheinlich ist das sehr verwirrend

    mir ist tatsächlich sogar Majolus Interpretation lieber als mein eigener intentionsansatz
    ich wusste bisher nicht mal dass das möglich ist
    auf alle fälle ist die grundidee darin verankert das alles was sich in der mitte befindet, nach unten und nach oben dem lauf der natürlichen dinge widmet, egal ob Geburt oder Tod
    bei Geburt nimmt ein Seelenlicht seinen lauf hinunter zum spiegel des Lichtes und gibt eine Seele an das "Wir" in der Zwischenwelt
    beim Tod wandert ein Seelenlicht zurück durch den Lichtspiegel, aber der zurück gelassene Körper findet seinen Weg in der Staubwerdung

    eure Probleme beim lesen dieser Strophe

    Ein See ist weder Grund noch Bodenlose Fläche.
    Verliere nicht den Boden ohne Staub am Fuß.
    Augenstaub füllt nie durchfurchtes Rinnsal einer Erde.
    Die Mitte reflektiert das Ende und wird alles.
    ist nachvollziehbar, denn auch mich hat er vor große Probleme gestellt
    der see ist hier als Oberfläche mit schwarzem spiegel zu betrachten, seine fläche ist schwarz aufgrund seiner unersichtlichen tiefe, durch ihn symbolisiert sich der verwesungsgang des Körpers
    meine Idee war einen Körper dem Meer zu übergeben, ihn auf den unersichtlichen grund sinken zu lassen, sich dort am boden zu zersetzen um staub zu werden und den staub des zersetzten Körpers auf reisen zu schicken und doch aufzuzeigen, das ein Körper selbst in molekülform nie bis in die tiefsten schichten vordringen kann, denn auch er wird nur zu dem was alles vergangene leben bisher wurde, wir sind die erde auf der wir wandeln und von der wir gehen
    Augenstaub sollte aus meiner Intention heraus trockene Tränen symbolisieren die in kristalliner form in den grund absacken
    das durchfurchte Rinnsal ist vermutlich zu weit hergeholt, aber fossile Brennstoffe werden tagtäglich aus den unteren Erdschichten der jura- und Kreidezeit gefördert, ich wollte aufzeigen das wir das fehlende nicht ersetzen können mit unseren staubwerdenden Körpern
    der hinweis auf die mitte welches das ende reflektiert soll abermals wie ein spiegel wirken, es symbolisiert einen Kreislauf denn irgendwann sind eventuell wir der fossile Brennstoff
    aber eigentlich ist das recht nebensächlich denn die frage die am anfang steht und die antwort die am ende steht sind "wir" in form der lösung, wir müssten nur mehr reflektieren sobald wir eine Wahl haben zwischen anfang und ende

    milchstrassenquellen sehe ich als eine art Urknall, die werdung des lebens, eine milchstraße ist unsere Galaxie und ich wollte hier sogar Galaxien übergreifend mischen, denn jede Galaxie beinhaltet eine Milchstraße und wie man weiß gibt es sehr viele Galaxien mit eigenen sonnensystemen
    was in mir eine weitere frage aufwirft, ob wir auch aus ihnen eventuell Seelenlichter beziehen oder ist alles vorbestimmt und kann nur im eigenen rahmen agieren? aber das driftet zu sehr in science-fiction ab, sorry

    ich danke euch für eure tollen Kommentare und hoffe das meine antwort zufriedenstellend war, falls nicht dann bitte erneut melden, mir fallen gerade dezent die augen zu weil es schon etwas spät ist
    lg mythenfreund
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  9. #9
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    Lieber Mythenfreund,

    Quod erat demonstrandum

    Zitat Zitat von schnellerdenkealsichschreibenkannfreund
    ich habe ein Problem damit komplexe denkvorgänge in konkrete worte zu verfassen
    Ja, das sehe ich auch so. Aber ich sehe auch viele originelle Ansätze. Deshalb würde ich dir empfehlen, dass du einmal versuchst klein-klein zu schreiben. Bleib bei einem Bild, schreib zwei bis vier schlüssige Zeilen und spring nicht herum. Stell dir deine Leser als Kleinkinder vor, denen du genau (ohne Auslassungen) erklären musst, wie man einen Becherkuchen backt; in einfachen (geraden) deutschen Sätzen.

    Lieben Gruß
    albaa

    p.s. Es heißt: "in Worte zu fassen"

  10. #10
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    Hallo Mythenfreund!

    Erstmal danke dir für das etwas zweifelhafte Kompliment, meine Interpretation sei dir lieber als deine eigene. Ich lese da vor allem heraus, dass ich über das Ziel wohl etwas hinausgeschossen bin. War ja auch kaum zu vermeiden, angesichts deiner erratischen Symbolik, die du hier ausgebreitet hast. Aber ich reiche die Verantwortung weiter: albaa war´s, die mich dazu aufgefordert hat, ins Detail einzusteigen - und dein Gedicht hat wirklich alle Anlagen, sich intergalaktisch-unterirdisch zu verheddern und zu verirren. Nichts desto trotz: Eine formal spannende Idee und ein herausforderndes Bildprogramm - es war wirklich anregend!

    Mir fehlt die dichterische Erfahrung, um fortgeschrittenen Meistern Tipps zum Üben zu geben. Trotzdem eine Beobachtung aus meiner eigenen Praxis: Die Form ist nie Selbstzweck, sondern immer Ergebnis der inhaltlichen Idee und der gewählten sprachlichen Ausdrucksmittel. Die Formidee ergibt sich - bei mir zumindest - immer erst beim Schreiben. Dann arbeite ich an ihr aber umso konsequenter. Der Inhalt generiert also eine nachvollziehbare Form, nicht umgekehrt. Wann immer ich es umgekehrt versucht habe, ging´s in die Hose. Aber das ist nur meine Erfahrung, und man soll ja die Hoffnung nie aufgeben. Vielleicht schreibe ich irgendwann doch nochmal Terzinen, ein Sonett oder ein Distichon...

    Gruß an alle
    Majolu

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