Der Spiegel 08.11.2006

Ich bin wach, war es ein Traum,
was mich auch diese Nacht geweckt?
Doch was es war beweist sich kaum,
was immer auch dahinter steckt.

Der Schlaf drückt mir die Augen zu.
Ich hab wohl dennoch aufzustehn,
denn ich finde keine Ruh,
ohne auch nur nachzusehn.

So schleiche ich aus meinem Zimmer
und hör die Dielen lastvoll knarren
aus jenem Speicher, wo doch immer
Sicht und Weg verschlossen waren.

Die Kammer zieht mich magisch an,
ein Blick zu sehn, was unsichtbar.
Die Tür weicht mir im alten Bann,
befreit, was sonst verborgen war.

Das Kerzenlicht ist wie verschlungen,
nur eines stellt sich mir zur Schau.
Aus Dunkelheit hervorgedrungen
seh ich im Spiegel mich genau.

Verzerrt erscheint mir das Gesicht,
die Lippen formen Wort für Wort,
ich weiß nur eins, ich bin es nicht
und seh mich reden immer fort.

Gekleidet in ein Grabestuch
beschmutzt mit Blut und feuchter Erde,
kommt da nun etwas zu Besuch,
auf das ihm auch begegnet werde.

Ich kann das Bild jedoch nur sehen.
Es folgt ein Kind, ein alter Mann,
reden, bis sie wieder gehen,
was ich nur nicht verstehen kann.

Das letzte Antlitz hat geweint,
bevor der ganze Spuk verfliegt.
Im Spiegel noch mein Bett erscheint
auf dem ein kalter Körper liegt.

Mir naht nun die Erinnerung,
denn dies ward meine letzte Nacht.
Ich bin all dies in alt und jung
nur habe ich mich umgebracht.

Ist dies mein Ausweg nun allein,
ein Leben, dass zu früh versiegelt ?
Ein Fluch bannt mich zu diesem Sein,
zu leben, was sich nie mehr spiegelt.