1. #1
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    Meine Großmutter

    Meine Großmutter war Bäuerin und sie hatte einen
    Knecht der Matthias hieß und der ein Schalk war.

    In der Bauernstube stand ein Kachelofen, um den
    herum die Schuhe der Hausgenossen zum Trocknen
    aufgestellt waren.

    Auf den Ofen hatte meine Oma eine Schüssel mit
    Germ(hefe)teig für Bauernkrapfen zum Mittagessen
    gestellt. Der quoll bereits über und tropfte in
    die unten stehenden Schuhe.

    Meine vielbeschäftigte Großmutter rief aus der
    Küche: 'Hias schau einmal, ober der Teig schon
    geht?' Hias antwortete: 'Noch nicht Bäurin,
    wird aber gleich gehen, er zieht schon die
    Schuhe an!'

    Meine Großmutter war eine herzensgute Frau,
    hatte ein arbeitsreiches Leben, sieben Kinder,
    verlor zwei Söhne im Krieg und war mit einer
    bösen Schwiegermutter gesegnet.

    Vielleicht habt ihr den Film 'Herbstmilch' des
    kürzlich verstorbenen Regisseurs Joseph Vilsmaier
    gesehen. So ging es damals wirklich zu.
    Geändert von Alfredo (05.06.2020 um 07:48 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Alfredo,

    zwar bin ich später geboren, aber ein wenig zurück- und hineinversetzen denke ich, kann man sich schon.

    In der Nähe meines Wohnortes gibt es ein Freilichtmuseum. Dort kann man diese alten Bauernhäuser (überwiegend aus dem Bergischen Land) und von dir beschriebenen Stuben mit den großen, schmucken Kachelöfen noch besichtigen und sehen, wie die Menschen damals gelebt haben. Z. B. ist da ein Bauernhaus, wo das Vieh im Erdgeschoss stand (praktisch zur Wärmeabgabe im Winter) und oben die Bauersleute wohnten. Winzige Betten, winzige Fenster.

    Ein hartes Leben. Kein Nahrungsüberangebot, alles musste man von Hand machen. Und wenn es mal Krapfen - vielleicht für den Sonntagsnachmittags-Kaffee? gab, war das schon was Besonderes. Heute geht man in Discounter und findet in Tüten abgepackte Snack-Möhren für den Direktverzehr. Möhren to go. Auch abartig.

    Den Film "Herbstmilch" kenne ich und habe ihn mehrmals gesehen. Bedrückend. Einer der Heimatfilme, die ich mag, eben ungeschönt, düster. Genauso wie "Sternsteinhof" von Geißendörfer, dem Regisseur der "Lindenstraße". Da hat der erwachsene Sohn (dargestellt von Tilo Prückner) noch mit seiner Mutter im selben Bett geschlafen. Weil eben kein Platz und kein Geld für zwei Betten oder genug Kaminholz da war.

    Grüße
    Richmodis

  3. #3
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    lieber alfredo

    so wie richmodes geschrieben hat,kenne ich es auch. das freilichtmuseum
    und den film herbstmilch habe ich auch gesehen.
    ich bin auf einem kleinen bauernhof aufgewachsen.so einen kleinen hof nannte sich selbsversorger. wir hatten so einen kachelofen. teig stand da nicht drauf und auch schuhe standen nicht davor.
    der ofen stand in der guten stube,wie man früher sagte.die wurde nur sonntags genuzt.
    wir hatten auch nur einen kleinen backofen,.wenn dann mal ein grosses blech mit streuselkuchen gebacken werden sollte,
    gingen wir kinder ins nächste dorf zum bäcker. auf der rücktour haben wir die grossen streusel geteilt und
    mit den kleinen das loch wieder zugemacht. es hat uns sehr gut geschmeckt.es wurde auch nicht bemerkt.
    in der zeit heute,wünscht man sich die gute alte zeit manchmal zurück..

    hallo leute,wer hat noch eine geschichte aus der alten zeit auf lager?? bitte melden!

    liebe grüsse margot

  4. #4
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    Hallo Richmodis,
    hallo Margot,
    danke für eure Beiträge zu meiner kleinen Geschichte. Ich habe als kleiner Bub die Lebensumstände in der Nachkriegszeit noch selber kennengelernt und obwohl ich auf dem Hof meiner Eltern keinen Hunger litt, waren viele Sachen, die heute selbstverständlich sind, damals total exotisch.
    Die Wohnverhältnisse waren nicht komfortabel und im Winter war nur die Bauernstube geheizt. Gebadet wurde am Samstag im Waschzuber und das Häusl (Toilette) war hinterm Haus im Freien (auch im Winter). Das Trinkwasser zum Kochen holte meine Mutter von einem Ziehbrunnen, das Brauchwasser (für das Vieh etc.) wurde dem Hausteich, der vom Regenwasser gespeist wurde, entnommen.

    Es wäre schön, wenn auch andere Geschichten zu diesem Thema beisteuern würden.

    LG Alfredo

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