1. #1
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    Evolution des Menschen


    Evolution des Menschen

    Einst stieg er von Bäumen herab,
    Der menschliche Zweibeiner,
    Hielt künftig alle Welt auf Trab
    Und wurde Hundanleiner.

    Noch lebte er in kleinen Gruppen
    Wie seine Vorfahr'n, die Primaten,
    Hatte noch Läuse, Flöhe, Schuppen
    Und anfangs auch noch keinen Spaten.

    Man sammelte, was man so fand,
    Ging auf Treibjagd manchmal, bisweilen,
    Aß Mammut, vielleicht Elefant
    Und musste sich die Höhlen teilen.

    Rasch konnte man auch Feuer machen,
    Brannte Tontöpfe, klopfte Steine
    Schuf Felle sich, Hausrat und Sachen,
    Vielleicht aus Stein die Bratenreine.

    Das Sesshaftwerden war dann schöner,
    Das Leben wurde merklich leichter:
    Man aß Bohnen, Getreide, Döner
    Und siedelte, wo Flüsse seichter.

    Das Wasser dort viel Fisch bescherte,
    Wo man im Holzhaus trefflich wohnte,
    Man freier nun Götter verehrte,
    Im Sommer sich mitunter sonnte.

    Gemeinschaften lösten sich auf,
    Es kam endlich zur Zweierliebe.
    So stand man nicht mehr im Wettlauf,
    Dass in alter Gesellung man bliebe,

    Wo jeder jeden im Visier,
    ADHS-gleich nur das Rennen,
    Als wäre dies Lebensmanier
    Mit Baumhüpfen und Ästepennen.

    Als in Europa dieser eine Gott
    Die Ehe heilig zementierte,
    Wurde der Geistsinn polyglott,
    Weil Sublimierung ihm gebührte.

    Man brauchte nicht nach Partnern jagen,
    Den Harem für sich streng bewachen,
    Ging deshalb nah den neuen Fragen,
    Gewann Schauspiel und freies Lachen.

    Erfindungen, Geist und Kultur
    Wuchsen mit Bauten, Tanz, Musik,
    Und edler wurde die Natur
    In menschenneuem Schöpferglück.

    Die Frau, der Mann, sie banden sich,
    Denn jetzt erfand man auch die Treue.
    Man motivierte Dich und mich
    Zu Fleiß – und immer ohne Reue!

    Dadurch wurde die Welt verändert,
    Die Freveleien kamen später,
    Als Plastikmüll alles gerändert,
    Man nicht mehr sah Opfer und Täter.

    Jetzt rauchten überall die Schlote,
    Maschinen in bequemer Welt
    Verursachten auch Kranke, Tote,
    Einzug hielt Technik mit viel Geld.

    Der Zauberlehrling hat gesiegt,
    Rudert jetzt dennoch schwer zurück,
    Damit er reines Wasser kriegt,
    Gesund wird – auch im Zweierglück...

    Doch die Moderne macht' ihm klar:
    Wieder kannst Du auf Bäumen schlafen,
    Sollst nicht erfinden immerdar,
    Musst Dir auch keine Arbeit schaffen!

    Du brauchst dazu kein Zweierglück,
    Auch Götterglaube ist passé:
    Wähl' viele Partner mit Geschick,
    Dazu willst Du auch keinen Schnee!

    So glaubt man fast, wie bei Primaten
    Winken Sodom und Gomorrha wieder.
    Das Goldene Kalb bestimmt die Taten,
    Verschwunden sind Treue und Lieder.


    ©Hans Hartmut Karg
    2020

    *

  2. #2
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    Guten Abend, Dr. Karg!

    Beim lesen deines (Ihres?) Textes fiel mir das Gedicht "Die Entwicklung der Menschheit" von Erich Kästner ein. Sind deine (Ihre) Zeilen evtl. von jenem Gedicht inspiriert worden? Quasi eine modernisierte, zeitgemäße Erneuerung?
    Auf jeden Fall habe ich deinen (Ihren) Text sehr gerne gelesen. Es ist dir (Ihnen) m.E. sehr gut gelungen, der Menschheit den Spiegel vorzuhalten.

    LG
    Lichterfee

  3. #3
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    Liebe Lichterfee,
    das Gedicht kenne ich. Allerdings nimmt mein Gedicht eine etwas andere Wendung, weshalb es vom Sinn her nicht davon inspiriert wurde.
    LG H. H. Karg

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