1. #1
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    traumtrunkenes Augenöffnen

    beim nächtlichen
    traumtrunkenen Augenöffnen
    als bettlägriger Tiefseefisch
    zerfiel die Wohnungseinrichtung
    in abstrakte Flächen
    deren dunkle Bedeutungen
    wie Leuchtquallen
    in der Tiefe verschwanden

  2. #2
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    Liebes leuchendgrau,

    beim Aufsaugen
    eben jener Zeilen
    vom Grunde ihrer Bedeutungen her
    glitten sie mir für immer
    in unergründliche Tiefen
    traumtrunkener
    Bedeutungslosigkeit.

    gerne gelesen, ich mag den surreal anmutenden Unterton bedeutungsschwangerer Andeutungen. Mit dem Verstand nicht packbar und dennoch durchaus verständlich.
    L.G.A.

  3. #3
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    Hallo leuchtendgrau,

    ein besonderen Abtauchjuwel in den Tiefschlaf (die eigentliche Welt?) lese ich, bei dem die paradoxen und ineinander verschachtelten Bilder ihre Wirkung einnehmend gut entfalten können. Das gefällt mir sehr!

    Dein Text stellt eine fein abgestimmte Schwebe zwischen Traum-, und Wachbewusstsein her, bei dem der unermessliche Anteil des Unbewussten (bettlägriger Tiefseefisch) bewusst werden kann. Die dreidimensionale Welt löst sich auf. Man erlebt das Wegleiten des Verstandes und landet "traumtrunken mit offenen Augen", so wie es im Titel heißt, in der grenzenlosen Dimension des traumlosen Schlafes.

    Ein Überlegung von mir war, ob im letzten Vers ein Sprung in die Gegenwart (... in der Tiefe verschwinden ) die/eine mitschwingende Mystik betonen kann, falls das überhaupt erwünscht ist.

    Wie auch immer. Feiner Text!




    LG,
    Miserabella

  4. #4
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    Zitat Zitat von Miserabella Beitrag anzeigen
    Ein Überlegung von mir war, ob im letzten Vers ein Sprung in die Gegenwart (... in der Tiefe verschwinden ) die/eine mitschwingende Mystik betonen kann, falls das überhaupt erwünscht ist.
    Mir gefiel das Bild von etwas Leuchtendem, das von der Dunkelheit aufgesogen wird (wobei hier gar nicht in die Gegenwart gewechselt wird).
    Die Psyche oder der Traum als Meer in das man abtaucht ist ja ein recht gängiges Bild und ich mag die Tiefsee und seine kuriosen und schönen Geschöpfe.
    Mystisch? Vielleicht ein bisschen.

    Generell beschreibt der Vorgang weniger das abendliche Einschlafen, sondern etwas zwischen Wach und Traum.
    Gerade wenn es schon heller ist im Zimmer, kann es mir passieren, dass ich während einer flachen Schlafphase die Augen öffne und dabei mein Zimmer sehe bzw. aus dem Fenster blicke, das Gesehene aber in einen ganz anderen Kontext setze (weil eben nicht richtig wach und auch nicht schlafend) und das täglich Gesehene auch gar nicht als solches erkenne.
    Das, was ich sehe, ist dann mit seltsamer Bedeutung aufgeladen, ohne das ich genau sagen könnte, um was es geht.

    Freut mich, dass euch der Text gefallen hat und danke für die netten Zeilen.

    Gruß,
    leuchtendgrau

  5. #5
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    Zitat Zitat von leuchtendgrau Beitrag anzeigen
    beim nächtlichen
    traumtrunkenen Augenöffnen
    als bettlägriger Tiefseefisch
    zerfiel die Wohnungseinrichtung
    in abstrakte Flächen
    deren dunkle Bedeutungen
    wie Leuchtquallen
    in der Tiefe verschwanden
    Grüße,

    und grübel. Ist das ansteckend wenn ich das hier lese, mein lieber bettlägriger Tiefseefisch.

    Obwohl, unter Humor, bestimmt ein Schreier. Aber unter Nachdenklich? Hmm, das bringt mich zu Frage eins zurück.


    mein erster Eindruck tanzte im ironischen Saal. Habe paar Wörter entfernt, aber frage mich immer noch, was ist da "Tiefsinnig"
    Geändert von horstgrosse2 (21.02.2020 um 20:33 Uhr) Grund: überarbeitet

  6. #6
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    Zitat Zitat von leuchtendgrau Beitrag anzeigen
    Mir gefiel das Bild von etwas Leuchtendem, das von der Dunkelheit aufgesogen wird (wobei hier gar nicht in die Gegenwart gewechselt wird).
    Ja, wird auch nicht. Sonst wäre mein Vorschlag auch nicht gewesen, eventuell da in die Gegenwart zu wechseln. War aber nur so ne Idee, die sich aus meiner Leseart ergab.




    Generell beschreibt der Vorgang weniger das abendliche Einschlafen, sondern etwas zwischen Wach und Traum.
    Ja, diese "zwischendrin", in dem sich Wach, - und Traumbewusstsein mischt, wird sehr schön deutlich.

    Ich hatte das "traumtrunkene Augenöffnen" als inneren Blick in die Traumwelt gesehen und durch das Bild der Qualle nahm ich den Fahrstuhl nach unten. Ist aber einfach meine Leseart, ohne das jetzt festnageln zu wollen.

    An Fieber dachte ich zwischendurch auch mal. Das bettlägerig legt da einen Assoziationweg und die abstrakten Flächen.


    Gerne eingetaucht,
    Miserabella
    Geändert von Miserabella (21.02.2020 um 21:25 Uhr)

  7. #7
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    Zitat Zitat von horstgrosse2 Beitrag anzeigen
    Obwohl, unter Humor, bestimmt ein Schreier [...], was ist da "Tiefsinnig"
    Gut, das 'bettlägrig' kann man durchaus mit einem ironischen Augenzwinkern verstehen, den Text an sich finde ich nicht humoristisch. Eher ein wenig skurril, aber das haben (Halb-)Traumwelten ja so an sich.
    Ich habe öfter Probleme, eine passende Rubrik für meine Texte zu finden. Im Zeifelsfall wird es dann 'Nachdenkliches und Philosophisches'. Nein, besonders tiefsinnig finde ich den Text nicht. Nachdenklich schon.

    Zitat Zitat von Miserabella Beitrag anzeigen
    Ich hatte das "traumtrunkene Augenöffnen" als inneren Blick in die Traumwelt gesehen und durch das Bild der Qualle nahm ich den Fahrstuhl nach unten. Ist aber einfach meine Leseart, ohne das jetzt festnageln zu wollen.
    An Fieber dachte ich zwischendurch auch mal. Das bettlägerig legt da einen Assoziationweg und die abstrakten Flächen.
    Ja, das gibt der Text sicher her. Es freut mich, wenn mehrere Lesarten möglich sind, ohne das etwas komplett anderes dabei herauskommt.

    Gruß,
    leuchtendgrau

  8. #8
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    Zitat Zitat von leuchtendgrau Beitrag anzeigen
    Gut, das 'bettlägrig' kann man durchaus mit einem ironischen Augenzwinkern verstehen, den Text an sich finde ich nicht humoristisch. Eher ein wenig skurril, aber das haben (Halb-)Traumwelten ja so an sich.
    Ich habe öfter Probleme, eine passende Rubrik für meine Texte zu finden. Im Zeifelsfall wird es dann 'Nachdenkliches und Philosophisches'. Nein, besonders tiefsinnig finde ich den Text nicht. Nachdenklich schon.


    Ja, das gibt der Text sicher her. Es freut mich, wenn mehrere Lesarten möglich sind, ohne das etwas komplett anderes dabei herauskommt.

    Gruß,
    leuchtendgrau
    Grüße,

    Ich will ja auch nicht meckern, sondern helfen, die noch möglichen Betrachtung/Analyse- Möglichkeiten offen zu legen.

    ZB:
    beim nächtlichen
    traumtrunkenen Augenöffnen
    als bettliebender Variantendeuter

    und schon ist die ironie geschmolzen.

  9. #9
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    Nächtlich, traumtrunken und bettlägerig ist doch etwas ein bisschen mit dem Holzhammer auf die Wohnungseinrichtung damit der Text uns auch wirklich merken lässt was er will.
    Sollte der Text für ein surreales Gefühl sorgen indem er klar und deutlich sagt achtung surreal?
    Und zum Teufel mit dem Wohnzimmer in der Tiefsee.
    Alles nur Sperrmüll zwischen den Zeilen wo genug Leute hängenbleiben wie man sieht.

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  10. #10
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    Zitat Zitat von Terrorist Beitrag anzeigen
    Sollte der Text für ein surreales Gefühl sorgen indem er klar und deutlich sagt achtung surreal?
    So surreal ist der Text ja gar nicht.
    Die abstrakten Flächen sind eben genau das, weil das verschlafene Gehirn sie nicht zu einem Schrank zusammensetzen kann, der sie eigentlich sind. Da das Hirn immer noch im Schlafmodus ist, fängt es gleich an, aus diesen Flächen etwas Traumartiges zu basteln. Da bleibt dann die 'dunkle Bedeutung' zurück, weil ich entweder dann wach werde oder wieder die Augen schließe und einschlafe.

    Zitat Zitat von Terrorist Beitrag anzeigen
    Alles nur Sperrmüll zwischen den Zeilen wo genug Leute hängenbleiben wie man sieht.
    Sperrmüll zwischen den Zeilen, das gefällt mir. Danke.
    Und die Leute bleiben an dem Gedichteblendwerk hängen, wie die Opfer des Tiefsee-Anglerfischs an dessen Leuchtköder.
    Da schließt sich der Kreis.

    Gruß,
    leuchtendgrau

  11. #11
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    Zitat Zitat von leuchtendgrau Beitrag anzeigen
    Und die Leute bleiben an dem Gedichteblendwerk hängen, wie die Opfer des Tiefsee-Anglerfischs an dessen Leuchtköder.
    Da schließt sich der Kreis.
    ???

    Dein Text kam in meinen Augen eher deskriptiv rüber. Etwas was mich angezogen hatte. Und nun lese Ich-Leute, dass du deinen Text als Fressopfer deines Blendwerk siehst?
    Schade!

  12. #12
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    Zitat Zitat von Miserabella Beitrag anzeigen
    ???

    Dein Text kam in meinen Augen eher deskriptiv rüber. Etwas was mich angezogen hatte. Und nun lese Ich-Leute, dass du deinen Text als Fressopfer deines Blendwerk siehst?
    Schade!
    Entschuldige, das war nur ein dummes, witzig gemeintes Wortspiel auf Terrorist gemünzt von wegen "hängenbleiben".
    Ich sehe meinen Text nicht als Blendwerk und sollte vielleicht manchmal einfach lieber den Mund halten.

    Gruß,
    leuchtendgrau

  13. #13
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    Zitat Zitat von leuchtendgrau Beitrag anzeigen
    Ich sehe meinen Text nicht als Blendwerk und sollte vielleicht manchmal einfach lieber den Mund halten.
    Nee, leuchtendgrau, mach weiter so. Deine Kommentare bestätigen doch nur, dass man dich nur richtig lesen muss, um dich auch richtig zu verstehen. Nicht so viel hineingeheimnissen - und trotzdem entfaltet dein Gedicht seine Wirkung. Das mit dem surreal ist zwar da, aber doch eher deinem Stil und dem Thema geschuldet. Ich finde, es passt!

    Gruß
    Majolu

  14. #14
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    Zitat Zitat von leuchtendgrau Beitrag anzeigen
    Entschuldige, das war nur ein dummes, witzig gemeintes Wortspiel auf Terrorist gemünzt von wegen "hängenbleiben".
    Ich sehe meinen Text nicht als Blendwerk....
    Achso, alles klar! Kein Problem. Sorry, ich wollte nicht unnötig viel Ernst in den Faden tragen.


    Ein schönes Wochenende wünscht
    Miserabella

  15. #15
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    Nein du hast nur dem Titel des Gedichtes eine neue Wendung verpasst. Denn ein armes Opfer tut sich selbst so sehr leid, dass es jetzt sogar seinen eigenen Kopf rollen lassen muss. Im Sinne von was das Gedicht ist, wenn es laut Autor keines ist.

    Und die Leute bleiben an dem Gedichteblendwerk hängen, wie die Opfer des Tiefsee-Anglerfischs an dessen Leuchtköder.
    Da schließt sich der Kreis.
    Eben denn die Leuchtquallen sind schon deskriptiv, aber der Text nicht unbedingt ein Opfer seiner Intention obwohl der sich schließende Kreis in einem Loop endet da man erst abtauchen muss um dann traumtrunken sich zu öffnen. Wobei der Eindruck den man dabei macht wohl sehr viele Wellen geschlagen hat.

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

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