1. #1
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    haltloser Himmel

    haltlos
    hängt der Himmel

    graugeweht
    weißgeweint

    Blicke und Sehnsucht
    irren ziellos umher

    die Bäume zittern
    wie verwirrte Greise

    Zugvögel
    buchen klimaneutrale Fernreisen

    schlagen die Reiserücktrittsversicherung
    in den Wind

  2. #2
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    Hallo leuchtendgrau,

    meiner bescheidenen Meinung nach ist das ein verdammt gutes Gedicht. Anders als so viele andere Gedichte hier im Forum verweigert es sich dem raschen interpretatorischen Zugriff. Vielleicht steht der haltlose Himmel für den Verlust einer übergeordneten Sinninstanz ("Blicke und Sehnsucht/irren ziellos umher) und alle menschlichenn Machinationen (klimaneutrale Fernreisen, Reiserücktrittsversicherungen) können darüber nicht hinwegtäuschen. Die Bilder sind originell und frisch. Den weißgeweinten Himmel lasse ich als im Namen der Alliteration als poetische Lizenz sehr gern durchgehen

    Soc dacht ich
    Onegin
    Geändert von Onegin (23.02.2020 um 15:31 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  3. #3
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    Hey Leuchtendgrau, anders als Onegin sehe ich eine wenig vermetapherte Herbststimmung originell beschrieben. Nebel, in dem man sich orientierungslos fühlt, kahle Bäume im Wind, die wie tot ausschauen, Zugvögel auf ihrer Reise.
    Der vermenschlichte Schluss mit den Zugvögeln gefällt mir am besten. Und klar, man kann in jeden Text etwas Hintergründiges hinein interpretieren. Für mich gibt er als Naturbeschreibung allemal genug her. Ich würde mich aber zwischen graugeweht und weissgeweint entscheiden. Gern gelesen. LG gugol

  4. #4
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    Hallo Onegin, hey Gugol,

    vielen Dank für die Anmerkungen, freut mich, dass euch der Text gefällt.

    Zitat Zitat von Onegin Beitrag anzeigen
    Vielleicht steht der haltlose Himmel für den Verlust einer übergeordneten Sinninstanz ("Blicke und Sehnsucht/irren ziellos umher) und alle menschlichen Machinationen (klimaneutrale Fernreisen, Reiserücktrittsversicherungen) können darüber nicht hinwegtäuschen
    "Machination" habe ich dann mal nachgeschlagen.
    Mein Text beschreibt ein wintertypisches Verlorenheitsgefühl mit Hilfe von Naturbildern. Neben den Vögeln flüchten auch die Menschen (oder würden es gerne) in wärmere Gefilde, die sie aber mittlerweile nicht mehr ohne schlechtes Gewissen bereisen können*. Deshalb kaufen sich einige mit CO2-Kompensationen frei. Und ja, ich denke, außer Zugvögeln fliegt niemand klimaneutral. Das ist eher ein Seitenhieb als groß angelegte Kritik, verpackt in ein leicht skurriles Bild.

    Zitat Zitat von Gugol Beitrag anzeigen
    Ich würde mich aber zwischen graugeweht und weissgeweint entscheiden.
    Ich finde es schlüssig als Bild von Wolken, die dunkelgrau hereinwehen und später leergeregnet weiterziehen.
    Der Himmel heute war ein ständiger Wechsel zwischen Weiß, Grau und Dunkelgrau.

    Gruß,
    leuchtendgrau

    * natürlich hält sie das nicht davon ab, Jahr für Jahr mehr Flugkilometer für Urlaubsreisen zurückzulegen

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