1. #1
    Frank Reich ist offline Stranger in a strange land
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    Ausgelagert: Literaturforen

    Hallo popeye,

    Der Hauptgrund, dass die Gruppe im Meer der Neider und Defätisten überhaupt so lange am Leben blieb, war ihrer Distanz zur Masse - die Mitglieder waren handverlesen; die Stümper, die üblichen Schreier, Flatterer und Quatschköpfe mussten draußen bleiben. Das Gefüge der Gruppe löste sich erst auf, als der Kommerz eine tragende Rolle zu spielen begann, die Mitglieder zu einem Teil literarisch sehr erfolgreich, gleichzeitig aber alt und müde wurden - so müde, dass sie den Angriffen von außen nicht mehr standhalten konnten.
    Ebendies ist einer der Gründe dafür, warum ein offenes, sich immer wieder durch Neuzugänge regenerierendes Forum, in meinen Augen, einer solch starren Struktur wie der 47er Gruppe, in unserer heutigen Welt und Zeit bei weitem überlegen ist. Sollen die Flach-Xer, zu denen ich mich selbst gern zählen will, die große Masse der LIFOS ausmachen - die Creme wird auch hier, wie im richtigen Leben, letztendlich immer nach oben schwimmen. Es macht deshalb mE keinen Sinn, das Kind mit dem Bade ausschütten zu wollen, indem man einem LIFO, aufgrund von subjektiv empfundenem Beteiligungsmangel, seine Daseinsberechtigung abschreiben will.
    Wenn die wirklichen Koryhäen und von dir vermissten Schriftsteller die LIFOS meiden, kann das auch an ihren Verlagsverträgen hängen, die eine freie Veröffentlichung ihrer gedruckten und zukünftig zu publizierenden Werke im Internet ganz einfach, im Namen der Verlagsinteressenwahrung, nicht zulassen. Dafür und dagegen kann ein LIFO aber nichts.

    Zitat von Lichterfee

    @popeye: Danke, das war deutlich!

    Dann bitte ich die Admins/Mods hiermit darum, meinen Account zu löschen, damit ich das Forum mit meinen dilettantischen Texten nicht noch weiter runterziehe!

    Vielen Dank und bye-bye!
    @ Lichterfee

    Jimi Hendrix konnte keine Noten lesen und hat trotzallem Rock- und Gitarrengeschichte geschrieben, indem er ständig an sich arbeitete und sich seinem Talent sowie den technischen Möglichkeiten seiner Zeit bediente. Ein "Just do it" Mensch eben, der sich auch von seinen Kritikern das kreative Schaffen nicht verbieten lassen wollte.

    LG
    FRank REich
    Geändert von Frank Reich (02.03.2020 um 17:23 Uhr)

  2. #2
    popeye Guest
    Lieber FrankReich,

    dass die deutschen LiFos ein
    sich immer wieder durch Neuzugänge regenerierendes
    System seien, ist ein Gerücht, das einer genaueren Hinsicht nicht standhält. Der traffic, der dort heute noch stattfindet, ist numerisch nur ein Bruchteil dessen, das er schon mal war - vom Inhalt ganz zu schweigen.

    Die Gruppe 47 war zu ihren Hochzeiten alles andere als starr. Sie hatte in den 20 Jahren ihres Daseins insgesamt 344 Mitglieder; ihre Zahl variierte stets. Sie den Usern eines profanen LiFos heutigen Zuschnitts "bei weitem unterlegen" zu bezeichnen, macht Lachen. Ich empfehle Dir, mal nach dem Mitgliederverzeichnis dieser "Gruppe" zu googlen, damit du erkennen kannst, wie falsch du liegst. Versäum nicht, dir ein paar der Namen anzugucken - es sind keine anonymi, keine popeligen Avatare wie wir, die da da herumkrebsten, sondern veritable SchriftstellerInnen. Sogar ein paar spätere Literaturnobelpreisträger waren dabei.

    Die Mutmaßung, eine professionelle "Schriftstellerin" oder ein "Schriftsteller" würden nur deshalb hier nicht aufscheinen, weil sie sich vor ihrem Verlag fürchteten, ist noch lustiger. Was gäbe es für die denn hier abzuholen?

    popeye

  3. #3
    Frank Reich ist offline Stranger in a strange land
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    Hallo popeye,

    Die Gruppe 47 war zu ihren Hochzeiten alles andere als starr. Sie hatte in den 20 Jahren ihres Daseins insgesamt 344 Mitglieder; ihre Zahl variierte stets.
    Ich werde mich hüten, die Gruppe 47, mit solch von mir geschätzten Dichtern wie u. a. Ingeborg Bachmann oder Heinrich Böll, für das zu kritisieren, was sie war. Dennoch lehrst du uns, dass diese Gruppe solch stimulierende und kreative Zeiten wie die 68 er und 70er Jahre nicht mehr sehen durfte, weil sie, wie du selbst schreibst, an Überalterung und Übermüdung litt. Damals gab es noch keine Internetforen mit popeligen Avataren. Aber wenn es selbst diese, mit überdurchschnittlicher Intelligenz gesegnete intellektuelle Elitegruppe, mit ihrer überschaubaren Mitgliederzahl nicht schaffte, eine sich selbst erhaltene Formel zu finden, dann darf man auch von den LIFOS nicht viel erwarten und sollte sie einfach nur sein lassen. Vielleicht liegt darin der Schlüssel zum LIFO-Glück. Wer keine Erwartungen hat, kann diese nur übertreffen.

    Die Mutmaßung, eine professionelle "Schriftstellerin" oder ein "Schriftsteller" würden nur deshalb hier nicht aufscheinen, weil sie sich vor ihrem Verlag fürchteten, ist noch lustiger. Was gäbe es für die denn hier abzuholen?
    all publicity is good publicity

    LG
    Frank rEich
    Geändert von Frank Reich (02.03.2020 um 18:33 Uhr)

  4. #4
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    Letztendlich gibt es uns weil gewisse ewige Themen weit über die sogenannte Literatur hinausgehen und das Miteinander im Forum Reaktionsstoff bietet der durch richtige Verarbeitung das Wesen der Kunst annimmt, ohne sie allerdings explizit zu brauchen oder heraufbeschwören zu müssen. Mit welchen Beispielen auch immer.

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  5. #5
    popeye Guest
    Ich schrieb vorhin:
    Der Hauptgrund, dass die Gruppe [Gruppe 47] im Meer der Neider und Defätisten überhaupt so lange am Leben blieb, war ihrer Distanz zur Masse - die Mitglieder waren handverlesen; die Stümper, die üblichen Schreier, Flatterer und Quatschköpfe mussten draußen bleiben. Das Gefüge der Gruppe löste sich erst auf, als der Kommerz eine tragende Rolle zu spielen begann, die Mitglieder zu einem Teil literarisch sehr erfolgreich, gleichzeitig aber alt und müde wurden - so müde, dass sie den Angriffen von außen nicht mehr standhalten konnten.
    und du antwortetest mir:
    Ebendies ist einer der Gründe dafür, warum ein offenes, sich immer wieder durch Neuzugänge regenerierendes Forum, in meinen Augen, einer solch starren Struktur wie der 47er Gruppe, in unserer heutigen Welt und Zeit bei weitem überlegen ist.
    Damit zeigst du uns, dass du offensichtlich gar keinen Bezug zu dieser bemerkenswerten Formation der Nachkriegszeit hast. Sie war, wie gesagt, alles andere als starr und hatte zudem nur Leute zu Mitgliedern, die vielleicht mit dem Zeitgeist auf Kriegsfuß standen, nicht aber mit den Relativsätzen, dem Konjunktiv II und der Frage, ob man Absätze machen soll oder keine. Gedichtet haben alle dieser Bande nur ganz nebenbei, die meisten gar nicht.

    Wenn du literaturgeschichtlich ein bisschen bewandert wärest, wüsstest du, dass die Gruppe zwar älter wurde, gleichwohl aber nicht allein daran zugrunde ging, dass keine "Neuen" mehr zu ihr fanden, sondern daran, dass sie nicht nur untereinander, sondern auch mit ihren Feinden von außen nicht mehr zurecht kamen. Am Ende wollte keiner mehr den Haufen führen und es wäre wohl auch keiner mehr akzeptiert worden.

    Das ändert nichts an der Tatsache, dass diese Gruppe die deutsche Nachkriegsliteratur beeinflusst hat wie nichts sonst - bis hin ins Theater, das Kino und zuletzt auch das Fernsehen.

    Gleiches hat danach nicht mehr stattgefunden. Wenn du dir so sicher bist: Welches deutsche LiFo hätte denn, wann und wo, irgendeinen auch nur ganz, ganz winzigen Niederschlag im Literaturbetrieb gehabt? Mir ist nicht das allergeringste hierzu untergekommen.

    Dass man in einem LiFo auf Glückssuche ist, wie du uns schreibst, lässt schmunzeln. Worin bestünde dieses denn?

    popeye

  6. #6
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    Was zieht dich hierher popeye, wenn wir weniger als bedeutungslos sind?

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  7. #7
    Frank Reich ist offline Stranger in a strange land
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    Zitat popeye

    Damit zeigst du uns, dass du offensichtlich gar keinen Bezug zu dieser bemerkenswerten Formation der Nachkriegszeit hast. Sie war, wie gesagt, alles andere als starr und hatte zudem nur Leute zu Mitgliedern, die vielleicht mit dem Zeitgeist auf Kriegsfuß standen, nicht aber mit den Relativsätzen, dem Konjunktiv II und der Frage, ob man Absätze machen soll oder keine. Gedichtet haben alle dieser Bande nur ganz nebenbei, die meisten gar nicht.
    Ich mag hier mit manchem falsch liegen und ein enger Bezug zur Gruppe 47 fehlt mir zugegebenermaßen auch.
    Mir ist die Gruppe 47 mit ihrer Geschichte darüber hinaus, in meinem popeligen Forenavatarsdasein und in unserer heutigen Zeit unwichtiger, als die Tatsache, dass, während wir uns hier über Kommaregeln und Relativsätze streiten, Leute die hier wirklich sinnvoll beitragen, die Segel streichen wollen, weil ihnen unser Gerede und die damit verbundenen Qualifikationsanspielungen das Schreiben verderben. Hier verliert das Forum in Echtzeit und das schadet dotcom mehr als alles andere. Vormachen anstatt zu rügen sollte auch deine Devise lauten. Dann macht es auch wieder Sinn hier noch weiter zu diskutieren.

    PS: Wenn wir hier nicht auf Glücksuche gehen, verschwenden wir unsere Zeit und brandmarken uns selbst nur als Schreibtischmasochisten.

    Frank Reich
    Geändert von Frank Reich (02.03.2020 um 21:57 Uhr)

  8. #8
    popeye Guest
    Lieber FrankReich,

    ohne die paar hundert sehr engagierter Schriftsteller der "Gruppe 47" stünde die deutsche Literatur heute weltweit nicht dort, wo sie jetzt (gerade noch) steht. Es mag dir persönlich unwichtig erscheinen, was diese Frauen und Männer an unserer Gesellschaft bewirkt haben - der Rest der Welt aber glaubt, dass Statements und Werke von Literaten wie etwa

    Ilse Aichinger (1951)
    Carl Amery (1955)
    Alfred Andersch (1947)
    Ernst Augustin (1966)
    Ingrid Bachér (1958)
    Ingeborg Bachmann (1952)
    Wolfgang Bächler (1947)
    Reinhard Baumgart (1962)
    Konrad Bayer (1963)
    Jürgen Becker (1960)
    Peter Bichsel (1964)
    Horst Bienek (1967)
    Johannes Bobrowski (1960)
    Heinrich Böll (1951)
    Nicolas Born (1964)
    Hans Georg Brenner (1949)
    Hans Christoph Buch (1963)
    Paul Celan (1952)
    Louis Clappier (1949)
    Heinz von Cramer (1961)
    Friedrich Christian Delius (1964)
    Milo Dor (1951)
    Tankred Dorst (1967)
    Günter Eich (1948)
    Armin Eichholz (1948)
    Herbert Eisenreich (1953)
    Gisela Elsner (1958)
    Hans Magnus Enzensberger (1955)
    Peter Faecke (1965)
    Christian Ferber (1951)
    Hubert Fichte (1963)
    Erich Fried (1963)
    Heinz Friedrich (1947)
    Barbara Frischmuth (1967)
    Gerd Fuchs (1965)
    Günter Grass (1955)
    Peter Handke (1966)
    Peter Härtling (1965)
    Rolf Haufs (1962)
    Helmut Heißenbüttel (1955)
    Georg Hensel (1948)
    Günter Herburger (1964)
    Richard Hey (1955)
    Wolfgang Hildesheimer (1951)
    Walter Hilsbecher (1947)
    Walter Höllerer (1954)
    Jürgen von Hollander (1948)
    Walter Jens (1950)
    Bernd Jentzsch (1965)
    Uwe Johnson (1960)
    Alexander Kluge (1962)
    Walter Kolbenhoff (1947)
    Barbara König (1950)
    Michael Krüger (1967)
    Günter Kunert (1965)
    Gregor Laschen (1967)
    Siegfried Lenz (1952)
    Reinhard Lettau (1962)
    Jakov Lind (1962)
    Karl Mickel (1965)
    Horst Mönnich (1950)
    Adriaan Morriën (1950)
    Hans Josef Mundt (1948)
    Tadeusz Nowakowski (1959)
    Hermann Peter Piwitt (1962)
    Elisabeth Plessen (1967)
    Renate Rasp (1967)
    Ruth Rehmann (1958)
    Christa Reinig (1964)
    Hans Werner Richter (1947)
    Klaus Roehler (1955)
    Peter Rühmkorf (1960)
    Paul Schallück (1954)
    Ernst Schnabel (1951)
    Franz Joseph Schneider (1949)
    Rolf Schneider (1965)
    Ilse Schneider-Lengyel (1947)
    Wolfdietrich Schnurre (1947)
    Rolf Schroers (1951)
    Hans-Jürgen Soehring (1948)
    Nicolaus Sombart (1947)
    Vagelis Tsakiridis (1967)
    Guntram Vesper (1967)
    Martin Walser (1953)
    Peter Weiss (1962)
    Dieter Wellershoff (1963)
    Wolfgang Weyrauch (1951)
    Gabriele Wohmann (1960)
    Ror Wolf (1962)


    aus der Kultur Nachkriegsdeutschlands nicht wegzudenken sind.

    Niemand zwingt dich, das Werk dieser Personen zu schätzen und für die Literaturwelt Deutschlands unentbehrlich zu halten. Aber du solltest es anderen nicht absprechen, Vergleiche mit diesem Fundus und dem trivialen Gestammel anzustellen, das aus den im Verfall befindlichen WWW-Foren noch tröpfelt.

    Ich wiederhole mich: Vor zwanzig Jahren hatten alle blanke Augen, als allüberall Literaturforen aus dem WWW emporwuchsen und schier unerschöpfliche Dichterquellen zu sprudeln begannen. Es war die Zeit, als die Gesellschaft noch daran glaubte, das Nullplusundnull würde aus dem Dunkel des Blätterwaldes in hellere, lichtere Höhen führen.

    Daraus wurde leider nichts. Wir blättern uns im Web nicht durch Literatur, sondern im Facebook; es wird nicht mehr geschrieben, sondern getwittert. Ob's da nochmal einen Ausweg gibt? Eine "Gruppe 2020"?

    Ich glaub nicht.

    popeye

  9. #9
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    Hallo zusammen,

    die Diskussion über Literaturforen habe ich jetzt aus Liaras Moderationsfaden hierher verschoben, damit Ihr themenorientiert weiterdiskutieren könnt. Im anderen Faden ging es ja im wesentlichen um die Netiquette in unserem Forum.

    LG Claudi

  10. #10
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    Lasst uns beruhigt aufatmen denn das hängt offenbar nicht so zusammen wie hier angenommen wird. Und nebenbei können wir uns ganz selbstlos noch verzetteln beim Existenzialismusspiel. Damit Sinn und Zweck von Literaturforen nicht durch das darin herrschende Klima beeinflusst werden.

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
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  11. #11
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    Was ist denn hier los?

    Und was soll die Gruppe 47 hier immer?

    Ich dachte, es geht um die Forenwelt?

    War die Gruppe 47 denn in der Forenwelt?

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