Berliner Waffenunterricht ( 98k )


Feldwebel Scharnitzki:

„Morjen, Leute! –

Heutijet Thema det Untarichts is det Jewehr.

Uffz Scharnitzki
(an alle)

Wovon red´n wa heute?“ -

Schütze Braskow hebt die Hand

„Von´s Jewehr, Herr Untaoffizier“

Feldwebel Scharnitzki:

„Jut, Braskow, ick sehe, Sie passen uff. –

Also Thema heute: Det Jewehr!

Aber Braskow, Sie ham ja schon wieda een Knopp uff.
Wir reden hier von wichtije Dinge – und Sie denken an Sonnenbaden! – Zumachen!“

(Schütze Braskow schließt diensteifrig seine Uniform.)

„Also, Thema: Det Jewehr! –

So´n Jewehr is ja wat janz Besonderes.

Erstens hat det nich jeda. – Nee, det is nur für janz zuvalässige Leute, wie zum Beispiel in meine Korporalschaft. - Vastanden?

(salvenhafte Bestätigung durch die Soldaten )

Aba ick muß schon saren, Schütze Lutz, ja, Ihnen meine ick.

Beim letzten Waffenappell, da hatten se noch wahrhaftig noch so´n jungen Felsen
im Lauf.
Det darf einfach nich passier´n, darf det.
Denken se immer daran, det Jewehr is die Braut det Soldaten.

(Schütze Lutz grinst)

„Nee, Lutz, det is nich zum Jrinsen; wat is denn los?“

Schütze Lutz:

„ Herr Untaoffizier, ick habe mir entlobt.“

( die Soldaten lachen )

Feldwebel Scharnitzki:

„Det könnte Sie so passen! – Det läuft nich!

Bruch det Ehevasprechens is nich drin.

Also, nächstemal Lauf nochmal durchzieh´n – und keene Ölsardine will ick sehen.

Eine jeflechte Waffe hat bestenfalls einen Hauch von Öl uffzuweisen – nich mehr.

Schütze Lutz:

Jawoll!

Feldwebel Scharnitzki:

„Jetzt jeh´n wa mal die Hauptteile durch; die muß der Mensch kennen.

Det Jewehr, von dem wir reden, is nämlich jar keen Jewehr sondern een Karabina.
Een Karabina is natürlich doch een Jewehr – aba ebend een besonderes.

Mülla, ham se det vastanden?

Schütze Müller:

„Nee, Herr Unteroffizier!

Feldwebel Scharnitzki:

„Na jut, fangen wa also nochmal bei Ramses und de Pellkartoffeln an:

Een Jewehr is een Jewehr, een Karabina is sowat Ähnlichet aber kürza.

Bei die vorliejende Waffe is det een Karabina 98k.

Den sein Vorjänger war det berühmte Jewehr 98. –

Eine hervorragende Waffe, übrijens.

Einjeführt 1898, daher die Zahl hinten dranne.

Aba, die Büchse war ooch so hervorragend lang, detste bist anjestoßen überall.

Da sind se denn uff die brilljante Idee jekommen, die Flinte een Kopp kürzer zu machen.

Nu isse een Meta elf lang – det jeht.

Aba nu woll´n wa mal die wichtigsten Teile kennenlernen.

Wat se hier aus Holz jemacht sehen, det is der Schaft und der Kolben.

Schaft is zum Festhalten; Kolben kommt an´ne Backe.

Det hier kennt´a ja schon: der Lauf. – Öl, nur een Hauch von Hauch.

Der Durchmesser von dem Lauf is det Kaliber.

Innen sind da so Rillen drin, die heißen Züje und Felda.

Det wer´n wa aber noch im nächsten Untaricht näher behandeln.

Aber vorneweg: Die Munition is 8 x 57 ; kriejen wa aber ooch noch später.

Nu is det ja nich so, det se Ihr´n Karabina so in de Jejend halten und ballern.

Beim Alten Fritzen sind se noch so verfahren – is aber Keese.

Nee, Sie woll´n ja ooch wat treffen.

Det besorcht nu zuvalässig det Visier.

Wenn se nich jerade een Knick in de Optik ham und zwee linke Hände, denn haut det schon hin.

Da unten, det is der Abzuch. Bißken mit´n Zeijefinger anziehen – schon jeht er raus der Schuß, wa?

Damit det nich passieren tut, wenn man det jar nich will, is da noch die Sicherung.

Wenn die zu is, denn is Sense, det Feuawerk jeht nich.

Den Ledariem brauchen wa nich zu beharken. Jeda weeß, wozu der da is – zum Umhängen und for die sorgfältije Fleje mit Ledafett.

Aber nur wenich, wenn ick bitten darf.

Wenn se Schmalzflecke uff de Schulterklappen haben, denn zieht Ihnen der Spieß de Hammelbeene lang. Ick übrijens ooch.

Aba komm´wa noch mal zu die Visiereinrichtung.

Die besteht aus Kimme und Korn.

Krause, wenn während mein´ Untaricht sich nochmal an´n Hintern kraulen, denn is aber war jefällich.

Ihre Kimme is hier nich jefragt!

Det – hier hinten, V-förmiger Einschnitt – is die Kimme.

Na jut, jewisse Ähnlichkeiten will ick ja nich bestreiten – ab nich in mein´ Unterricht.

Det spitze Ding hier an die Laufmündung ist folglich det Korn.

Da is noch so´n kleena Schieba; damit stell´n se die Entfernung ein.

Muß ja sind. – Wenn se uff 100 m Löcher in´t Staatseijentum ballern, denn
können se nich uff 1000 m det mit die jleiche Einstellung bewerkstellijen.

(Schütze v. Trotha meldet sich)

Feldwebel Scharnitzki:

Ja, wat ham se denn?

Schütze von Trotha:

„Die Abgabe eines Schusses vollzieht sich nach der Formel des schrägen Wurfes.
Das heißt das Projektil folgt einer Parabel mit einem......“

Feldwebel Scharnitzki:

„Is ja jut! – Sie nehm´ mir det Wort aus´m Munde, nehmen Sie mir.

Abiturient, wat? – Det ihr immer det so kompliziert ausdrücken müßt... – Nee!“

Fang´ wa mal een bißken von janz vorne an.

Wat muß der Soldat machen, wenn er een Jewehr in die Hand kricht? –

Schulze!

( Schütze Schulze war eingenickt und springt erschreckt hoch )

„Herr Unteroffizier, ick kieke, ob det übahaupt meine Knarre is.“

Feldwebel Scharnitzki:

Erstens, Schütze Schulze, is det keene Knarre nich sondern een Jewehr, beziehungsweise, wie im jejebenen Falle, een Karabina.

Und zweitens, warum interessiert Sie det, ob det nu Ihre Waffe is.


Schütze Schulze:

Ick putze nich jerne wat, wat nich meins is.

Feldwebel Scharnitzki:

Na, nu setzen se sich ma wieda hin, ja?

Et is Ihre Kanone. Wat machen se?

Schütze Schulze:

?????

Feldwebel Scharnitzki:

Na, wer weeß det?

( Schütze Naumann hebt die Hand )

Feldwebel Scharnitzki:

Ja? – Naumann, wat machen se?

Schütze Naumann:

„Ick übazeuje mir davon, ob der Karabina ooch unjeladen is.

Feldwebel Scharnitzki:

„Naumann, ick wußte, Sie bringen det! – Jut!

Die janze Korporalschaft nochmal......

( Die Soldaten wiederholen im Chor )


Wie kann ick det nu wissen, ob da wat drin is oda nich?

( Schütze v. Trotha meldet sich )

Feldwebel Scharnitzki:

„Ja, Sie wissen det; erklär´n se det mal Ihre Kameraden.“

v. Trotha:

Bei dem Karabiner 98k handelt es sich um einen auch bei Jagdwaffen üblichen
Einzellader.

Durch Öffnen des Kammerstengels und Zurückziehen desselben werden sowohl der Kammerinhalt als auch das Patronenlager sichtbar.

Mit einem Blick läßt sich der Ladezustand deuten.

Feldwebel Scharnitzki:

„Deuten läßt der sich. – Na jut!

Saren se mal, woll´n se mir brotlos machen? – Woher wissen Sie denn det allens?


v. Trotha:

Auf unserem Gut pflege ich häufig mit meinem Vater auf die Pirsch zu gehen.

Feldwebel Scharnitzki:

Flejen se!!! – Na denn will ick hoffen, det se Ihr´n fiskalischen Schießprüjel ooch so flejen.

Aba, det is natürlich richtig, wat se da jesacht ha´m.

Setzen se sich ma wieda hin.

Nachdem wa also so in jrobe Züje unsan Karabina kennenjelernt ha´m,
komme ick uff den Vorjang in die Waffe beim Schuß zu sprechen.

Leute! – Det müßta wie im Schlaf können! –

Also, wie jeht det nu? –

Richtig laden können wa hier nich, det wäre zu jefährlich, wär´ det.

Nehm´ wa an, der Karabina wär´ jeladen und Sie woll´n uff den Jegner ballern.

Krause, wat machen se zuerst?

Schütze Krause:

„Also, wenn ick den Jegner erspähen tue, denn schätz´ ick erst mal, wie weit
der mir noch von der Pelle is.

Feldwebel Scharnitzki:

„Krause, det mit die Pelle is unsoldatischer Sprachjebrauch. Bitte anders.

Schütze Krause:

„Jawoll, Herr Unteroffizier! – Ick führe eine Entfernungsschätzung durch und stelle mein Visier vorschriftsmäßig ein.

Feldwebel Scharnitzki:

Jut, der Krause. Aus Sie wird noch mal wat.

Wie jeht´s weita?

Schütze Krause:

„Ick ziele mit´s Jewehr uff den und denn kricht der eene verplättet“

Feldwebel Scharnitzki:

„Krause, Mensch! – So´ne Schote könn´se vielleicht im Wedding uff´n Rummel loslassen, nicht hier, wo wa uff ´ne jewisse Bildung Wert lejen.

Schütze Krause:

„´schuldijung, Herr Unteroffizier!“


Feldwebel Scharnitzki:

„Jebongt, Krause!“

Aba wenn se nu schießen wollen, denn muß det in eene jewisse Reihenfolje passier´n.

Mal jrob uff´s Ziel kieken, denn den Karabina feste in de Schulter einzieh´n.

Wenn se det nich machen, denn keilt die Flinte aus und Sie ha´m Zahnweh.

Also immer feste einzieh´n.
Sich´rungsflüjel nach links rumlejen – nu wird det ernst.

Da wo der Schaft in den Kolben rüberjeh´n tut, da is der sojenannte oder ooch Kolbenhals.

Nu lejen se Ihre Pranke „saugend und schraubend“ wie det in´ne Vorschrift heeßt, rum.

Und immer feste einziehen! – Nich vajessen!

So, jetzt jut über Kimme und Korn ins Ziel jeh´n.

Mit det erste Jlied vom Zeijefinga zieh´n jetzt langsam durch – und denn hat´s jebumst.

Bei Ihnen ooch, Pachulke!

Sitzt der Kerl doch da und popelt. Haste Teene?

Ha´ ick Ihnen jeistich übafordert? – Sie sind ma schon im Zivilleben uffjefall´n.

Aba, bisher war det ja nur det Jröbste, wat eener von´s Jewehr wissen muß.

Jetzt komme ick bei die Feinheiten.

In dem Momang, wo se abziehen, da haut der Schlagbolzen ( kriejen wa ooch noch später jenauer ) uff det Zündhütchen von die Patrone.

Det Ding, nich faul, haut soo´n kleenen Feuerstrahl raus – direktemang in det einjentliche Pulver von die Patrone.

Na ja, und denn marschiert die Blaue Bohne mit Pfiff aus de Röhre – ich meine natürlich Lauf.

Det macht Krach – is aber Jewöhnungssache.

Ja, Mülla – wat is?

Schütze Müller:

Herr Unteroffizier, ick ha´ die Sache mit det Visier noch nich kapiert.

Feldwebel Scharnitzki:

Keen Problem, Junge! – Ick erklär´ det noch mal.

Also, passen se uff!

Die Jeschoßbahn von die Mündung bis in´t Ziel jleicht eener Parade.


Schütze v. Trotha:

Verzeihung, Herr Unteroffizier, einer Parabel......

Feldwebel Scharnitzki:

Ick vazeihe Ihnen. Ick hab ma bloß versprochen.

Seien se mir nich länger beese!

Also, wie det unsa Jägersmann so richtig bemerkte: Eene Parabel.

Wenn se det schon so jenau wissen, Schütze v. Trotha.....

Vielleicht könn´n se det ihre Kameraden mal ´n bißken näher vaklickern.


Schütze v. Trotha:

Zu Befehl, Herr Unteroffizier!

Eine Parabel ist der geometrische Ort aller Punkte einer Ebene, die von einem festen Punkt und einer festen Geraden dieser Ebene gleichen Abstand haben.
Wir verstehen darunter.....


Feldwebel Scharnitzki:

Is schon jut; danke.

Sie ha´m in meine Untarichte jut uffjepaßt.

Aba, wenn wa det nu mal´n bißken volkstümlicha rüberbringen wollen,,,,,

Paßt mal uff, Leute.

Der eene oder andere von euch hat doch bestimmt ´n kleenen Schrebajart´n.

Nu is det Somma und de Pflanzen brauchen Wasser.

Mit de Jießkanne is det zu mühsam; also Schlauch her und spritzen.

Da wird det Ihre Aufmerksamkeit nich entjangen sein, det, wenn se den Schlauch
waajerecht halten – waajerecht wie Ihre Untawäsche in´t Spinde, wie ick hoffe –
denn jeht der Strahl nich sehr weit.

He´m se aba det Ding ´ne Kleinichkeit höher, könn´n se jede Ecke bewässan.

So is det bei´m Karabina seine Visiereinrichtung ooch.

Durch de Verstellung von det Visier kommt der Lauf ´ne Idee höher, denn is det wie beim Jartenschlauch.

Wat ´ne Idee is, weeß woll jeda? – Oda?

Schütze v. Trotha, könn´n se da ooch soon kleenen jeistigen Beitrach zusteuern?

Schütze v. Trotha:

Eine Idee ist im Sinne von Plato die Gestaltung eines Gedankens. Auch Kant hat.....

Feldwebel Scharnitzki:

Also, wie uns der Schütze von Trotha richtig erklärte: So´n kleenet bißken höher anhe´m.

Wenn se det vasäum´, denn ballern se de teure Munition in´n märkischen Sand.

Det muß ja nich unbedingt sein, nich wahr?

Also, fassen wa mal zusammen:

Det Jewehr is een Karabina for Einzelschüsse uff feste und bewegliche Landziele.

v. Trotha! – Wat is?

Schütze v. Trotha:

Nur Erdziele also?

Feldwebel Scharnitzki:

Als Infant´riste is det Ihr Jebiet.

Fliejer trifft sowieso keena, und Panzerkreuza sind Sache von de Seestreitkräfte.

So, det war´s for heute.

Alles auf!

In fünf Minuten Antreten zum Exerzieren.“