Thema: Stiller Ort

  1. #1
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    Stiller Ort

    Leider ist das stille Örtchen
    nicht so leise wie es heißt.
    Zwar hört man kein Sterbenswörtchen
    aber Töne hört man meist.

    Manche woll'n sie unterdrücken
    und sie pressen nur ganz kurz
    doch es will nicht immer glücken
    und schon hört man einen Furz.

    Andren scheint's nichts auszumachen
    denn sie pressen, dass es knallt
    und erfreu'n sich, wie das Krachen
    an den Wänden widerhallt.

    Und so ist das stille Örtchen
    nicht so leise wie es heißt.
    Zwar hört man kein Sterbenswörtchen
    doch den Nachbarn...
    Humorvolle Lyrik ist der Hofnarr der Poesie

  2. #2
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    Zitat Zitat von plotzn Beitrag anzeigen
    Leider ist das stille Örtchen
    nicht so leise wie es heißt.
    Zwar hört man kein Sterbenswörtchen
    aber Töne hört man meist.
    Hallo Stefan,

    bin nicht so der Fäkal-Fan, gefällt mir aber trotzdem sehr gut.

    Man hätte sich auch die Ausformulierung sparen können, der erste Vierzeiler bringt es bereits prima auf den Punkt, und eigentlich ist danach alles gesagt (in der Kürze liegen die...äh...liegt die Würze... )

    Viele Grüße von Georg
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    Heitere Historische Heldenepen (Georg C. Peter/ Infoverlag)

  3. #3
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    Lb. Stefan,

    ein Klogedicht ohne starke Kraftausdrücke aber mit viel Humor und einer Problematik, die sich jeder Klogänger stellen muss. Mir hat es sehr gut gefallen.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  4. #4
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    Das Gedicht vermittelt richtig anhand der Wortwahl und Formulierungstechnik wie brachial dich bei der Erschaffung des Stückes die Stromschläge der Kreativität durchzuckt haben. Was leider auf Kosten der von mir vermissten Themeneleganz geht weil man ja auch wie ein Gentleman sein Geschäft verrichten kann.
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  5. #5
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    Hallo Stefan,

    ich finde Dein Gedicht sehr amüsant und ich musste herzhaft lachen, was ich als Mädchen wohl lieber für mich behalten sollte. Mädchen lachen doch über sowas nicht – doch, ich schon. Endlich verspürte ich mal wieder die Lust ein Gedicht zu kommentieren, was mir in letzter Zeit irgendwie vergangen war. Unser Leben wird derzeit vom Corona-Virus bestimmt. Da kommt Dein witziges Gedicht gerade recht. Situationen, die viele Menschen wohl aus eigener Erfahrung auch gut nachvollziehen können.
    Aber eines muss ich noch klarstellen. Mädchen furzen nicht, wenn überhaupt, dann pupsen sie höchstens in den höchsten Tönen.

    An der Metrik gibt es m. E. überhaupt nichts auszusetzen – ein trochäisches Gedicht vom ersten bis zum letzten Vers.

    Sehr gerne gelesen und gelacht.

    Liebe Grüße
    Dabschi
    Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.
    (Dietrich Bonhoeffer)

  6. #6
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    Hallo Dabschi,
    ich denke, plotzn hat in einer ruhigen Stunde (passend wäre hier: an einem stillen Örtchen) nicht lange über das Versmaß nachdenken müssen.
    Wenn sich Magma in der Kammer sammelt,
    sich dann eruptiv im Lavastrom entlädt,
    hört man kilometerweit, wie's furchtbar rammelt,
    Dämpfversuche kommen stets zu spät.
    Das ist nur trochäisch auszudrücken!
    Die mädchenhafte Pupse jambisch zu gestalten -
    vergebne Müh! Es kann nicht glücken,
    den Takt des Jambus einzuhalten.
    Dem Stefan kann ich nur ein Kompliment noch machen,
    wenn die gereimten Versuche daktylisch und rhythmisch erkrachen!
    Gruß,
    Festival
    Geändert von Festival (22.03.2020 um 11:36 Uhr)

  7. #7
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    Servus Georg,
    das Gedicht stammt aus 2006 - ist also schon etwas her, aber immer noch deutlich nach meiner Analphase
    Eine Beschränkung auf die erste Strophe ist durchaus möglich, mag jeder selbst entscheiden, ob ihm der Rest was bringt oder eher stört.

    Lieber Hans,
    ja, man erlebt auf dem stillen Örtchen so manches, wobei in meiner persönlichen Statistik Strophe 2 deutlich vor Strophe 3 liegt

    Servus Terrorist,
    die deutliche Mehrheit verhält sich in der Kabine gentlemanlike, aber darüber zu berichten, wäre ja furzlangweilig.

    Servus Dabschi,
    du hast recht, Mädchen furzen nicht, sie schießen nur kleine Glitzerwölkchen raus, welche wie das Lachen eines Einhorns klingen und wie Regenbogen riechen (Spruch aus dem www). An der Stelle "zwar hört man" ist die Metrik nicht ganz so sauber, aber das kann man ja leicht übertönen

    Servus Festival,
    du wirst deinem Namen gerecht - ein Feuerwerk an Eruptionen
    Über das Versmaß mache ich mir normalerweise (zu) wenig Gedanken, das entwickelt sich intuitiv.

    Danke euch allen und bleibt dezent!

    Liebe Grüße,
    Stefan
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  8. #8
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    Hallo, plotzn,

    "doch den Nachbarn stinkt es meist." meintest du noch?

    Ich habe auch herrlich gelacht! Bin auch überhaupt nicht ein Fan von Fäkalsprache, aber deine Formulierungen hier haben mich überhaupt nicht gestört. Und es ist offensichtlich hier aus der Sicht des Mannes geschrieben - hm... zumindest ist es meistens die! Gehe nicht tiefer darauf ein, sonst wird's wirklich peinlich .

    Nein, Terrorist, das geht nicht immer: wie ein Gentleman! Es liegt nicht immer in unserer Macht!

    So, genug für meine Kragenweite!

    LG Hoya
    "Wenn man das Leben nur auf eine Art betrachtet, gibt es immer einen Grund zur Sorge." Elizabeth Bowen

  9. #9
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    Servus Hoya,

    eigentlich meinte ich: und den Nachbarn kackendreist
    Aber es ist gut, dass jeder je nach Gusto (vielleicht nicht der passendste Ausdruck hier) sein eigenes Ende kreieren kann.

    Dank Dir und liebe Grüße!
    Stefan
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  10. #10
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    ich mag Vexirreime mit einem gewissen Nachhall
    schmunzelige Grüße, gerne gelesen
    mythenfreund
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  11. #11
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    Servus Freund der Mythen und Vexierreime,

    dann ist es ja im Nachinein direkt schade, dass ich in Post #9 den Schleier etwas angehoben habe...
    Nachhall trifft es ins Schwarze - oder Weiße...

    Danke und liebe Grüße!
    Stefan
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  12. #12
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    hallo plotzn

    dann ist es ja im Nachinein direkt schade, dass ich in Post #9 den Schleier etwas angehoben habe...
    wieso das? den vexierreim assoziiere ich ja selber da der eigentliche reim ja aus bleibt
    ansonsten wäre die Nutzung dieses Stilmittels ja nahezu unsinnig und man könnte gleich ausschreiben was gemeint war
    da ändert dann auch deine Intention nicht viel dran, was ich im Kontext assoziiere
    lg mythenfreund
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  13. #13
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    Servus Mythenfreund,

    ja nee, alles klar. Ist schon gut, dass sich jeder seinen eigenen Reim drauf macht.

    Liebe Grüße
    Stefan
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