Thema: Reimübung

  1. #1
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    Reimübung

    Hallo, ihr Lieben!


    Wenn ihr Lust habt (und Zeit, weil ihr zu den Ausgehverbots- und nicht zu den Systemerhalterhelden gehört), dann könnt ihr jeweils gereimte Verse der Ghasele hier mit Reim und Überreim (Reimschema: aa, ba, ca, da, ea, fa usw.) ergänzen:

    Die Liebste steht mir vor den Gedanken, wie schön, o wie schön!
    Daß mir betäubt die Sinne wanken, wie schön, o wie schön!

    Sie hat mit Mienen mich angelächelt, wie hold, o wie hold,
    [ ... ]

    Die hellen Fluren der Rosenwange, sie winken zur Lust,
    [ … ]

    Des Aug's Narzissen, wie lieblich, wann sie erwachen im Thau,
    [ ... ]

    Die Palm' aus Eden, die ich in Träumen wie lange gesucht,
    [ … ]

    Der Quell des Lebens, dem ich gedurstet, er hat mich gelabt,
    [ … ]

    Des Geistes Hoffen, der Seele Wähnen, dein Traum, Phantasie,
    [ … ]

    Des Frühlings Blumen, des Himmels Sterne, du bringst sie im Kranz
    [ … ]

    Die höchste Schönheit halt' ich in deiner gedrückt an mein Herz;
    [ … ]

    Du stirbst, o Freimund, und dich zu Grabe zutragen, o sieh',
    [ … ]


    Weitere Vorgaben:
    Der Überreim also "wie schön, o wie schön!" soll gleich bleiben, sofern nicht eine Variante des Überreims dem Gedicht eine besondere Wendung / Bedeutung an dieser Stelle gibt.

    Das Metrum ist im Original speziell - nach dem Original googeln ist unsportlich!!

    Kannvorgabe:
    Die zweite Zeile könnte in einer möglichst modernen Sprache verfasst werden und trotzdem auf die erste antworten/reagieren, sodass ein reizvoller Kontrast entsteht.

    Und alle Teilnehmer könnten sich dann gegenseitig Kommentare schreiben.


    Viel Vergnügen!

    G'sund bleibm!

    albaa
    Geändert von albaa (22.03.2020 um 17:18 Uhr)

  2. #2
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    Hallo, an alle!

    Um diesen Faden besser zu verstehen, muss man vielleicht zuerst einmal zum Faden "Ghaselzeit" blättern.

    Ich finde auch, dass dieser Text von Rückert ziemlich sperrig ist und die Reime auf -anken machen es auch nicht leichter. Aber, da ich es eingestellt habe, muss ich wohl in den sauren Apfel beißen und mich auch selbst bemühen; also mein Versuch (meine Verse in blau):



    Die Liebste steht mir vor den Gedanken, wie schön, o wie schön!
    Daß mir betäubt die Sinne wanken, wie schön, o wie schön!

    Daß Sie hat mit Mienen mich angelächelt, wie hold, o wie hold;
    es war wie Mittelmeersonne tanken, wie schön, o wie schön!

    Die hellen Fluren der Rosenwange, sie winken zur Lust,
    und Schlangen züngeln um Dornenranken, wie schön, o wie schön!

    Des Aug's Narzissen, wie lieblich, wann sie erwachen im Thau,
    sie fürchten sich nicht vor Egopranken, wie schön, o wie schön!

    Die Palm' aus Eden, die ich in Träumen wie lange gesucht,
    nun steigen Säfte im Stamm, den Flanken, wie schön, o wie schön

    Der Quell des Lebens, dem ich gedurstet, er hat mich gelabt,
    bis wir des anderen Ströme tranken, wie schön, o wie schön!

    Des Geistes Hoffen, der Seele Wähnen, dein Traum, Phantasie:
    Nur Freisein, Hingabe ohne Schranken, wie schön, o wie schön!

    Des Frühlings Blumen, des Himmels Sterne, du trugst sie als Kranz
    als ich und du ineinander versanken, wie schön, o wie schön!

    Die höchste Schönheit halt' ich in deiner gedrückt an mein Herz;
    für diesen Wahn lass uns Eros danken, wie schön, kleintodschön!

    Du stirbst, o alba, und dich zu Grabe zutragen, o sieh‘:
    Du wirst nie mehr an der Lust erkranken, wie leicht, o wie schön!

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (04.04.2020 um 18:02 Uhr)

  3. #3
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    Hallo Albaa!

    Zeit habe ich immer noch nicht, aber eben immerhin beim Auspacken von Umzugskisten meinen alten Steputat gefunden. Der gibt:

    Banken, blanken, danken, bedanken, verdanken, flanken, franken, Franken, kranken, erkranken, Gedanken, Opanken, Planken, Pranken, ranken, umranken, Ranken, sanken, versanken, schwanken, stanken, tanken, tranken, betranken, ertranken, schlanken, verschlanken, Schranken, wanken, zanken.

    30, davon werden zehn gebraucht - das ist doch eigentlich gar nicht so aussichtslos?!

    (Macht ihr anderen mal! Albaa hat ja schon einen Weg gezeigt ...)

    Gruß,

    Ferdi
    Geändert von Ferdi (05.04.2020 um 10:13 Uhr)

  4. #4
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    Danke Ferdi,

    Ich meinte ja nicht, dass es zu wenige Reimwörter gebe, sondern dass mir dieses harte "nk" nicht so sehr für ein Liebesgedicht gefallen mag. Allenfalls könnte man einfach einen anderen Reim zu suchen.

    Lieben Gruß
    albaa

  5. #5
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    Hallo Albaa!

    Ah. Na, das kannst du Rückert in die Schuhe schieben - der hatte ein anderes Reimohr und andere Reimvorstellungen als die meisten ... Was ihm auch immer wieder ziemlich deutlich gesagt wurde. Neulich habe ich eine Almanach-Besprechung von Arnold Ruge gelesen, der anmerkt, die "völlig unstatthafte Form und Formierung der Rückertschen Gedichte" gründe "auch ganz besonders im Reime", denn:

    Er ist ein grammatischer Neuerer auch im Reimbilden. Er stellt Worte hin, deren Reim nun ganz gewiss niemand ahnen wird. Wie ist es möglich, darauf zu reimen! ruft staunend der Leser aus; und siehe da, Rückert, der Allerweltskünstler, macht es möglich: er hat irgendeinen Kniff, der ihm dazu verhilft; z.B. um auf "Wahrheit" drei Reime zu finden, die ihm gerade in den Kram passen, wirft er ein lästiges "t" weg, aus "Gelahrtheit" macht er "Gelahrheit", und obgleich das Wort "Offenbarheit" aus guten Gründen nicht gebräuchlich ist, so ist doch nicht einzusehen, warum er, ebenfalls aus guten Gründen, nämlich des Reimes wegen, es nicht gebrauchen soll, - und die drei Reime sind fertig. Was ist nun aber herausgekommen? Nicht eine intime Anlage der Sprache, die des Herzens Sinn und Empfindung im wunderbaren Zuge wahlverwandter Töne zu einander schon vorbildete, nicht ein notwendiges Kunstgebilde, welches aus dem Gusse der durchdringenden und unmittelbar übergreifenden Beigeisterung seine wandel- und makellose Gestalt als ein neues Besitztum des freien Geistes mit der freudigsten Zustimmung unseres Gemütes und unseres Sprachgefühls heraufführte, nicht Reime, die sich gefunden und die sich selbst gesucht, sondern Reime, die gewaltsam hervorgesucht, die zusammengestoppelt, ja die zusammengekoppelt sind wie störrische Jagdhunde und dem Gemüte nichts übrig lassen als die Angst, sie möchten sich losreißen und dann das ganze Gedicht zerstieben wie ein "Spreuehaufen" vor dem Winde.

    Herrlich in seiner aufgeplusterten Empörung, aber auch weit an dem vorbei, was Rückert ausmacht. Der schrieb eben Verse wie

    Dagegen in der Dichtung Spreuehaufen
    Auch manches Körnlein Wahrheit mit wird laufen.


    - und schön, dass wir die haben.

    Aber das hat jetzt nur am Rande mit deiner Übung zu tun - daher: Zurück zu ihr!

    Gruß,

    Ferdi
    Geändert von Ferdi (06.04.2020 um 13:06 Uhr)

  6. #6
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    Hallo Ferdi,

    ... sondern Reime, die gewaltsam hervorgesucht, die zusammengestoppelt, ja die zusammengekoppelt sind wie störrische Jagdhunde und dem Gemüte nichts übrig lassen als die Angst, sie möchten sich losreißen und dann das ganze Gedicht zerstieben wie ein "Spreuehaufen" vor dem Winde.
    Man könnte meinen, da sei ein Forendichter gemeint, aber nein, RÜCKERT ! kommt hier so schlecht weg!

    Manche Stellen des obigen Ghasels wirken ja irgendwie sogar postmodern, ich habe es leider nicht geschafft, das herauszuholen, was da vielleicht an postmoderner Aufforderung in den jeweiligen zitierten Versen steckt. Am ehesten ist mir das - und vielleicht auch eine Annäherung an Rückerts unkonventionelle Reimfindung - im Egopranken-Vers S4 gelungen?


    Und das Metrum ist ja auch eigenwillig. Muss man aber sicher nicht umsetzen, wenn man sich daran versucht; V2 reicht als Vorgabe.

    Danke für deinen erhellenden Beitrag!

    Lieben Gruß
    albaa


    ...

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