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  1. #31
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    Hallo salvelina,

    ich finde es schade, dass dir meine Geschichte nicht gefällt. Alledings erkenne ich in dem, was du aus meinem Text herausliest, das, was ich geschrieben habe, auch nicht wieder.

    Wer die Leser ahnen lassen möchte, dass zwei so weit voneinander entfernte Typen wie eine alleinerziehende Mutter von zwei Blagen, die als Musiklehrerin und schlecht bezahlte Kurorchester-Geigerin ihre missglückte Musiker-Karriere hinter sich bringen muss, und ein ungelernter „Koch“, der sich zwanzig Jahre lang auf Frachtschiffen herumgetrieben hat und sich jetzt als Pächter einer Art Pommesbude (Personal scheint er ja keins zu haben) bis ans Lebensende abmüht,
    Ulf ist kein Frittenbudenbetreiber, sondern, wie du in meinem Text hättest lesen können, Betreiber eines gehobenen Strandrestaurants, obr als Pächter oder Besitzer, darüber verliert die Geschichte kein Wort. Woher weißt du, dass Ulf "ungelernt" ist? Darüber steht in meinem Text nichts. Ebensowenig steht in meinem Text etwas darüber, dass Ulf seine jetzige Tätigkeit bis zu seinem Lebensende ausüben wird. Noch weniger steht in meinem Text etwas darüber, dass sich Ulf auf See "herumgetrieben".hat. Ulf ist kein Herumtreiber. Koch an Bord eines Schiffes zu sein ist gernauso ehrbar wie dieselbe Tätigkeit an Land auszuüben.

    Tanja ist nicht einfach eine "gescheiterte Konzertgeigerin". Sie hat nur, wie wahrscheinlich sogar die große Mehrheit der Kreativen (Musiker, Tänzer, Schauspieler, freie Journalisten), ihre Träume von großer Karriere begraben müssen. Das heißt nicht, dass sie künstlerische Erfüllung nicht kennt. Ihr Problem ist nicht so sehr ihr zugegeben schlecht bezahlter Job, sondern ihre Einsamkeit, der fehlende Partner.

    Du karikierst und denunzierst also meine Figuren und damit kann die Geschichte auch nicht glaubwürdig rüberkommen. Es steckt zudem in der Story noch sehr viel mehr an unterschwelliger Charakterisierung der Situation und der Figuren, was dir vermutlich entgangen ist, da hat Willibald schon recht. Es gibt eigentlich kaum einen Satz in ihr, der nur den Plot vorantreibt und nicht diese Mehrschichtigkeit aufweist.

    Der in Rede stehende Text wird doch, wenn man genau hinschaut, nicht als "Prosaskizze/Kurzgeschichte", sondern als waschechte "Liebesgeschichte" angeboten.
    Es gibt eben kurze Liebesgeschichten und lange Liebesgeschichten, wusstest du das nicht?.

    Grüße Onegin
    Love´s not Time´s fool W. S.

  2. #32
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    Du meinst, eine Liebesgschichte im Titel schließt eine Kurzgeschichte oder eine Prosaskizze aus?
    Und eine Liebesgeschichte müsste in die Vollen gehen?
    alis nil gravius, o nycticorax

  3. #33
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    Lieber Onegin,

    du solltest jemanden, der sich deiner Geschichte so intensiv widmet, dass er sogar eine Kritik dazu verfasst, nicht unterschätzen. Du darfst ihm zumindest unterstellen, dass er lesen und schreiben kann.

    Ich habe dir nicht gesagt, ob mir dein Text gefällt oder nicht, sondern haargenau mitgeteilt, wo seine (schlimmsten) Schwächen liegen. Ich habe aus dem Text nichts herausgelesen, wie du mir unterstellst, sondern ich habe ihn gelesen. In der Geschichte heißt es wörtlich:
    Ulf, der Pächter, empfing sie freundlich.
    Ebenso klar wird uns gesagt, dass der Typ, der mit der Mütze auf dem Kopf zwischen „Ratangmöbeln“ steht (gemeint sind wahrscheinlich „Rattanmöbel“, wie sie in billigen Imbissen der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts noch üblich waren), offenbar kein Personal für die niederen Dienste hat und, irgendwann vorher, zwanzig Jahre lang als „Smutje“ auf Frachtern übers Meer geschippert ist. Mit diesen „Köchen“ ist es auf Frachtern nicht weit her; sie haben meist keine abgeschlossene Ausbildung, sondern allenfalls eine amtliche Konzession, die nach einem allerhöchstens zweitägigen Schnellkurs (z. B. bei der IHK) von der jeweiligen Kreisverwaltungsbehörde erteilt wird.

    Wer heute schon mal auf einem Frachter (besser: Containerschiff) oder einem Tanker unterwegs war, weiß, wie ehrbar das Gewerbe von den paar dort noch tätigen, in der Regel Nichtdeutschen ausgeübt wird. Meist sind es Philippinos; der „Smutje“ jedenfalls ist immer einer. Wirkliche Spezialisten sind nur der Kapitän selber, vielleicht der Steuermann, und der Maschinist. Letzterer kommt aus der Ukraine. So schaut’s ungefähr aus in der Christlichen Deutschen Seefahrt.

    Dass eine alleinerziehende Musiklehrerin sich in ihrer Freizeit ausgerechnet eine Puccini-Biografie antut, lässt schmunzeln, und auch, dass es in einem „Kurorchester“, das sich früher im wesentlichen aus bettelarmen Musikstudenten und Rentnern zusammenstrich, bei den zweiten Geigen eine „Stimmführerin“ geben soll. Wenn man im Web nach einem „Kurorchester“ dieses 15000 Seelen-Ortes sucht, findet man dort noch ein paar Eintragungen aus den 1950er Jahren, aber keine aktuellen mehr. Orte dieses Zuschnitts können sich – seit der Reformierung des „Kurbetriebes“ – schon lang kein „Orchester“ mehr leisten. Aber auch schon davor waren es in aller Regel nicht viel mehr als eine oder zwei Handvoll Leute, die sich an gängigen Melodien abplagten.

    „Wer will sich schon mit einen (sic!) angegrauten, überarbeiteten Smut in der Meckpomm-Pampa einlassen?“, fragt der Betreiber der Frittenbude völlig richtig in der Mitte des Textes, während er auf die nackten Beine der Geigenlehrerin starrt. Mit solchen Sprüchen kommt man nicht mal bei einer sitzen gebliebenen Musikpädagogin weiter. Das sollte ein Fahrensmann wie der uns vorgestellte eigentlich wissen.

    Tipp: Wenn du möchtest, dass die Leser bedauern, dass das Stückerl so schnell zu Ende ist, dann solltest du deine Protagonisten mit etwas ausstaffieren, was sie wirklich begehrenswert macht – oder versuchen, begreiflich zu machen, was der eine am anderen denn begehrenswert finden könnte. Die nackten Knie, die Führung zweiter Stimmen in maroden Orchestern und die schweißglänzende Glatze unter der albernen Mütze sind’s jedenfalls nicht. Ertüchtigen und plausibilisieren!

    salvelina

  4. #34
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    Tipp: Wenn du möchtest, dass die Leser bedauern, dass das Stückerl so schnell zu Ende ist, dann solltest du deine Protagonisten mit etwas ausstaffieren, was sie wirklich begehrenswert macht – oder versuchen, begreiflich zu machen, was der eine am anderen denn begehrenswert finden könnte. Die nackten Knie, die Führung zweiter Stimmen in maroden Orchestern und die schweißglänzende Glatze unter der albernen Mütze sind’s jedenfalls nicht. Ertüchtigen und plausibilisieren!
    Es ging mir in dieser Geschichte um die Möglichkeit oder Unmöglichkeit von Liebe und das hat mit Begehrtwerden nicht so viel zu tun, worüber dich jede Prostituierte auf dem Straßenstrich aufklären kann. ZUdem haben beide ein Lebensalter erreicht, wo das Begehren und Begehrtwerden etwas in den Hintergrund tritt. Ich zitiere jetz frei den Philosophen Theodor Adorno: Geliebt wirst Du nur da, wo du schwach dich zeigen kannst, ohne Stärke zu provozieren. In dem zentralen Dialog waren beide ansatzweise dabei, sich ihre Schwächen gegenseitig zu bekennen.

    Bei Google nachzuschauen, ob Bad Lippspringe wirklich ein Kurorchester hat, ist vollkommen absurd. Dies ist ein fikiver Text und ich kann mir auch die Staatsphilharmonie Posemuckel aus dem Ärmel schütteln. An Bad Lippspringe hat mich nur der drollig-provinzielle Name gereizt und ich war mir ziemlich sicher, dass Bad Lippspringe in Wirklichkeit kein Kurorchester hat. Für die psychologische Glaubwürdigkeit dieser Geschichte spielt das auch keine Rolle. Andererseits gibt es in Deutschland eine lebendige Tradition der Amateurorchester, die gerne einzelne Profimusiker in ihre Reihen sozusagen als Korsettstangen aufnehmen (und die da natürlich häufig für lau spielen).


    „Wer will sich schon mit einen (sic!) angegrauten, überarbeiteten Smut in der Meckpomm-Pampa einlassen?“, fragt der Betreiber der Frittenbude völlig richtig in der Mitte des Textes, während er auf die nackten Beine der Geigenlehrerin starrt. Mit solchen Sprüchen kommt man nicht mal bei einer sitzen gebliebenen Musikpädagogin weiter. Das sollte ein Fahrensmann wie der uns vorgestellte eigentlich wissen.

    Was Ulf sagt, Ist natürlich kein Anmach-Spruch, sondern geht ins Bekenntnishafte, die Frittenbude taucht hier nochmal auf, obwohl du zweimal darauf hingewiesen wurdest, dass es sich hier um ein Strandrestaurant handelt. Und wenn Ulf das sagt, starrt er auch nicht auf ihre entblößten Beine, die zeigt ihm Tanja erst etwas später (Was wichtig für den Sinn der Geschichte ist). Ich verstehe auch den durchgehenden höhnischen Tonfall gegenüber Ulf und Tanja nicht, den beide nicht verdient haben. Für mich sind sie nicht lächerlich.

    Wer so mit Verdrehungen und Verfälschungen arbeitet, den kann ich als Kritiker nicht ernst nehmen. Etwas Mühe sollte man sich schon geben. Bitte erwarte keine weiteren Antworten von mir.

    Onegin
    Geändert von Onegin (13.04.2020 um 15:30 Uhr)
    Love´s not Time´s fool W. S.

  5. #35
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    Mein lieber Onegin,

    Es ging mir in dieser Geschichte um die Möglichkeit oder Unmöglichkeit von Liebe,
    antwortest du mir nun.

    Mag sein, sag ich darauf, aber mehr als die Tatsache, dass hier zwei kurz aufeinander treffen, die scheinbar nicht zufrieden mit ihrem Schicksal sind, erschließt sich dem Leser nicht wirklich. Jedenfalls gibt es nirgends auch nur ein Fünkchen, das etwas wie Liebe in Gang setzen könnte - das bisschen gebräunter Haut am Oberschenkel ist nichts als ein primitiver Schlüsselreiz, über den auch eine Kröte oder ein Heupferdchen verfügt. Er hat mit "Liebe" im menschlichen Sinn weniger als gar nichts zu tun. Eher das Gegenteil; auch das verständnisvolle Getue um ein Kind, dem man scheinbar Aufmerksamkeit schenkt, liest sich hier - wie schon bei Zweigs "Brennendem Geheimnis" - bestenfalls als "Mittel zum Zweck". Nicht mal das das Kind wird geliebt.

    Nach einem "Kurorchester in Lippspringe" hab ich nur gegooglet, weil die von dir gewählte Rubrik ja nicht "Fantasy" heißt, sondern "Alltägliches, Biografisches" und mich die Behauptung, es gäbe in Lippspringe noch ein Kurorchester mit einer Stimmführerin in der Zweiten Geige wie in einem veritablen Sinfonieorchester, interessiert hat. Natürlich hätte ich auch so bemerken können, dass ein 15000 Seelen-Dorf sich nie ein "Kurorchester" halten kann - jedenfalls heutzutage nicht mehr. Aber als ernsthafter Kritiker geht man, so lernt man beizeiten, besser auf "Nummer Sicher". Merk dir: Vor allem in Rubriken wie der von dir gewählten, aber auch grundsätzlich sollten nur solche Kulissen arrangiert werden, die glaubhaft wirken. Sonst wird's rasch, so wie hier, lächerlich.

    Dass sich Amateure gern eines Profis bedienten, um sich zu verbessern, kommt vor - aber das kostet Geld, das sie nicht haben. Und vor allem: Hätten sie einen, dann stopfen sie den bestimmt nicht in die zweite Geige, sondern lassen ihn die Solo-Stellen spielen.

    Die vielen kleine Stolperer, die dein Text aufweist, sind, für sich genommen, nicht wirklich schlimm; auch in der Summe hindern sie den Leser nicht, sich dem Stückerl wenigstens anteilig zu widmen. Dumm ist, dass die in der Überschrift versprochene "Liebe" nirgends, nicht einmal im Ansatz, wirklich erkennbar ist. Sie finge ja erst dort an, wo der oben schon genannte, primitive Urtrieb von etwas abgelöst wird, das auf unverstellte, meschliche Zuneigung hinausläuft. Und da ist, in diesem Text, leider noch gar nichts zu erkennen - es wird auch dann keine "Liebesgeschichte", wenn etwas über Kurorchester oder maritime Sterneköche zusammenfantasiert wird. Dass sich eine verkrachte Instrumentalisitin in einen gestrandeten Leichtmatrosen verknallt, kann durchaus vorkommen - der Leser wüsste nur gern, wie, und würde sie dabei gern begleiten.

    Dass dir diese Kritik nicht gefällt, versteht sich; wie du mit ihr umgehst, bleibt ganz dir überlassen. Sicher ist, dass du den Mängeln in dem Text nicht dadurch abhilfst, dass du den Kritiker schmähst: Das G'schichterl bleibt lahm, wenn du es nicht verbesserst.

    salvelina
    Geändert von salvelina (13.04.2020 um 15:24 Uhr)

  6. #36
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    Zitat Zitat von salvelina
    [...] das bisschen gebräunter Haut am Oberschenkel ist nichts als ein primitiver Schlüsselreiz, über den auch eine Kröte oder ein Heupferdchen verfügt.
    Hahaha! Ja, vielleicht könnte man Onegins Schlüsselreizstelle noch etwas ausbauen:

    [Und nun geschah etwas Erstaunliches, Tanja hatte sich weiter nach vorne auf die Stuhlkante gesetzt und dabei war ihr kurzes und für die Tageszeit eigentlich schon zu dünnes, buntbedrucktes Sommerkleid verrutscht und hatte bis weit über das Knie hinauf zwei durchaus wohlgeformte und strandgebräunte Beine entblößt.] Ulf fragte sich, ob Kröten und Heupferdchen auch einen Steifen bekämen beim Anblick der Extremitäten ihrer Weibchen. Sind Heupferdchen überhaupt zweigeschlechtlich?




    Ich freu mich schon auf deine Geschichten, liebe/r salvelina!
    Geändert von albaa (13.04.2020 um 14:58 Uhr)

  7. #37
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    Zitat Zitat von albaa Beitrag anzeigen
    Ich freu mich schon auf deine Geschichten, liebe/r salvelina!
    Da schließe ich mich an.

    @ salvelina:
    Warst du hier mal unter Tincatinca angemeldet?

    Gruß,
    leuchtendgrau

  8. #38
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    Soweit ich dieses Forum richtig verstehe, geht's darin und in dieser Kategorie um Literatur, nicht um albernes Herumgequatsche. Es steht freilich jedem frei, sich auch anderweitig zu bemüßigen. Nur sollte er nicht damit rechnen, eine Antwort von mir zu bekommen.

    Ich seh in dem Stückerl nach wie vor den (leder vergeblichen) Versuch, einen literatischen Beitrag zu leisten und hab meine Kritik ausführlich begründet. Zum gehässigen Plappern allein ist mir meine Zeit zu schade.

    salvelina
    Geändert von salvelina (13.04.2020 um 15:27 Uhr)

  9. #39
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    Zitat Zitat von salvelina
    Zum gehässigen Plappern allein ist mir meine Zeit zu schade.

    Dann beende das hier und mach uns mit deiner Kunst sprachlos.

  10. #40
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    Ich glaube nicht, dass du hier maßgeblich bist oder wirst, albaa. Es ist Onegins Thread, nicht der deine. Er hat hier einen Text zu Diskussion gestellt, und ich habe mich dazu ausführlich und sachbezogen geäußert.

    Wenn du ernst genommen werden möchtest, solltest du gleiches tun, statt dem Autor mit Lokuswand-Gekritzel zu kommen.

    salvelina

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