Thema: Die Scheibe

  1. #1
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    Lightbulb Die Scheibe

    Das, was immer Du verneintest,
    Was vor Gott ein Gräuel ist,
    Was Du zu verhindern meintest,
    Weil es Menschenleben frißt,

    Das, worunter Kinder leiden,
    Was sie niemals akzeptier’n,
    Was sogar unter den Heiden
    Unerlaubt oder den Tier’n,

    Plötzlich ist es eingetreten -
    Du erfaßt es fassungslos.
    Doch kein Bitten und kein Beten
    Macht von diesem Alp Dich los.

    Alles, was Dir wert und eigen,
    Ist nun weg, war nur gelieh’n.
    Logische Gedanken schweigen,
    Düst’re Nebelschwaden zieh’n.

    Atmen wird jetzt schon beschwerlich,
    Schweres legt sich auf die Brust,
    Bist du zu Dir selber ehrlich,
    Fühlst Du Realitätsverlust.

    Vielleicht war’s ein Mißverständnis?
    Manches klärt sich mit der Zeit.
    Doch es mehrt sich die Erkenntnis:
    Das war’s für die Ewigkeit.

    Hätt’ es sich verhindern lassen?
    Müßte, könnte, sollte man…?
    Menschen, die das Lindern hassen,
    Sprechen Dich auf Fehler an.

    Freunde werden zu Vandalen,
    Sie verlassen Dich zuhauf.
    Diese Schmerzen! Diese Qualen!
    Giftgelb steigt der Nebel auf.

    Krampfhaft suchst Du alte Bilder,
    Wie sie noch im Kopfe sind,
    Doch sie tragen alle Schilder:
    „So sah sie mal aus als ‚Kind‘“.

    Als der Nebel sich dann lichtet,
    Jäh erscheint vor Deinem Blick,
    Worauf sich Dein Sehnen richtet.
    Ist’s ’ne Täuschung? Ist’s ein Trick?

    Sie steht da mit einem Male
    Und sie sagt auch irgendwas -
    Ohne Ton ist das fatale -
    Denn die Scheibe ist aus Glas.

    Deine Hände an der Scheibe
    Drücken gegen ihre Hand,
    Doch die Trennung ist beileibe
    G’rad so hart wie eine Wand.

    * * *

    Im Schnitt schreibe ich so alle zehn Jahre ein Gedicht - hier ist es das erste. Es ist simpel, denn bei Anfängern wirken abstrakte Bilder lächerlich, und mir fehlt jegliche Übung. Zufrieden bin ich nur mit zwei Strophen.

    Wie wirkt es auf Euch? Massenware? Reif für den Hinterhof? Gibt es Verwertbares? Geht das überhaupt mit diesem Reimschema? Kann man auch mit ungeschickten Schlägen Kunst aus einem Stein hervorholen? Ich weiß es nicht. Es mußte halt geschrieben werden - Ihr kennt das sicher. Ich habe ein bißchen Angst...

    Vielen Dank im Voraus für Eure Anmerkungen.


    Liebe Grüße

    DerBibliotaph
    Geändert von DerBibliotaph (07.04.2020 um 22:12 Uhr) Grund: Formatierung
    "Um zum Dichter zu werden, muß der Mensch verliebt sein oder sich sehr elend fühlen." George Gordon Byron

  2. #2
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    Hallo Bibliotaph,

    Zitat Zitat von DerBibliotaph Beitrag anzeigen
    Es mußte halt geschrieben werden [...].
    Dann hat der Text doch auf jeden Fall schon mal seine Berechtigung.

    Geht es um jemanden, der wegen Mordes im Gefängnis sitzt und das letzte Bild beschreibt so eine Glaswand mit Telefon, wie man sie aus amerikanischen Filmen kennt?

    Was mir nicht so zusagt, ist, dass das ganze irgendwie zwischen flapsig und ernst pendelt, ohne sich für eine Seite zu entscheiden.
    Für das Thema ist dieser Wilhelm-Busch-Stil wahrscheinlich weniger geeignet.
    An den Bildern und Formulierungen gäbe es sicher noch einiges zu tun.
    Ich würde sagen: interessanter Einstiegstext mit einigem Verbesserungsbedarf.

    Zitat Zitat von DerBibliotaph Beitrag anzeigen
    Im Schnitt schreibe ich so alle zehn Jahre ein Gedicht - hier ist es das erste.
    Das nächste Gedicht dürfen wir dann also 2030 erwarten?

    Gruß,
    leuchtendgrau

  3. #3
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    Hallo leuchtendgrau,

    ist das "ein frisches Steingrau"?

    Worum es geht, steht in der letzten Strophe: Trennung. Trennung durch die Scheibe und Trennung vom LyrSie oder wie das heißt (Bild der Wand). Ich bin erstaunt, daß das nicht klar herauskam. Aber genau um so etwas festzustellen bin ich ja hier mit dem Patienten. Eine Assoziation zum Gefängnis war nicht beabsichtigt.

    Die Flapsigkeit ist nicht ganz ungewollt, auch der Eindruck von Gehetztsein durch die kurzen Strophen nicht. Der Beginn soll harmlos wirken. Man hat am Anfang keine Ahnung, worum es geht. Das ist beabsichtigt. Der Text an sich ist von vorn bis hinten nicht lustig. Falls Du komische Passagen entdeckt hast, bitte melden! Pendeln soll hier allerdings nichts, sondern vielmehr soll der Ton in den letzten eineinhalb Strophen abrupt von schlimm auf hoffnungslos umschwenken.

    Wilhelm Busch verwendet in allen mir bekannten Gedichten das Reimschema AABB, meines ist ABAB. Mithin ist es nicht dasselbe. Du meinst vermutlich, daß die Strophen so kurz sind wie bei ihm? Ja, genau da war ich mir ja unsicher, ob ich das machen kann und wie das wirkt. Den Grund für den Versuch habe ich oben genannt. Nachdem Du ihn nun kennst: Meinst Du, das geht gar nicht?

    Genau aus dem Grund, um den Output erhöhen zu können, bin ich diesem Forum beigetreten. Daß ich selten schreibe, bedeutet noch lange nicht, daß ich selten dichte. Ich dichte oft spontan im Kopf. Und die Dichte nimmt zu. Es könnte sich um bisher unbekannte Lebensformen handeln, Mr. Spock...

    Vielen Dank für Deine Rückmeldung. Vielleicht sollte ich jetzt erstmal 'ne Weile andere Gedichte sichten, dann wird sich die Geschichte lichten.

    Liebe Grüße

    DerBibliotaph
    Geändert von DerBibliotaph (09.04.2020 um 00:49 Uhr) Grund: Fehlformulierung
    "Um zum Dichter zu werden, muß der Mensch verliebt sein oder sich sehr elend fühlen." George Gordon Byron

  4. #4
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    Hallo Bibliotaph,

    okay, dann geht es also um eine Trennungsgeschichte, die jemanden einsam und mit Selbstzweifeln zurücklässt.

    Zitat Zitat von DerBibliotaph Beitrag anzeigen
    Worum es geht, steht in der letzten Strophe: Trennung. Trennung durch die Scheibe und Trennung vom LyrSie oder wie das heißt (Bild der Wand). Ich bin erstaunt, daß das nicht klar herauskam.
    Das mag an mir liegen.
    Ich glaube, die ersten Strophen haben mich auf die falsche Fährte geführt.

    Zitat Zitat von DerBibliotaph Beitrag anzeigen
    Der Beginn soll harmlos wirken. Man hat am Anfang keine Ahnung, worum es geht. Das ist beabsichtigt.
    "Gott ein Gräuel", "Menschenleben frisst", "kein Bitten und kein Beten macht von diesem Alp Dich los".
    Das verstehst du unter harmlos?
    Ich war davon ausgegangen, dass es in den ersten Strophen um Gewalt und/oder Mord gehe.

    Zitat Zitat von DerBibliotaph Beitrag anzeigen
    Falls Du komische Passagen entdeckt hast, bitte melden!
    Komisch nicht, aber durch die kurzen Strophen passt für mein Empfinden die Form nicht zum Inhalt.
    Wobei die Sprache auch recht dramatisch ist "Freunde werden zu Vandalen [...]. Diese Schmerzen! Diese Qualen!". Das wirkt auf mich übertrieben und wenig authentisch, wie ein Großteil des Gedichts. Wobei die ganze Zeit überhaupt im Unklaren bleibt, wieso sich alle gegen den Protagonisten verschworen haben.

    Danke für deine Aufklärung, aber so richtig funktioniert der Text für mich nicht.
    Lass dich davon aber nicht entmutigen. Ist ja nur meine Meinung und solange dir das Schreiben Spaß macht, solltest du da dran bleiben.

    Zitat Zitat von DerBibliotaph Beitrag anzeigen
    [...] ist das "ein frisches Steingrau"?
    Ich habe da ziehende Wolken oder die Leinwandbilder eines Schwarzweißfilms vor Augen.

    Gruß,
    leuchtendgrau

  5. #5
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    Lightbulb

    Hallo leuchtendgrau,

    ja, ganz klar, im Gedicht fehlt viel Hintergrundinfo. Die kann ich darin nicht bringen, sonst wird's ein Roman. Aber ich verstehe Dich, und Du hast bestimmt recht, daß man das so nicht nachvollziehen kann. Jeder kennt sich nur in seinen Systemen aus, wie ich das nenne. Das hätte ich berücksichtigen sollen.

    Für viele Menschen ist Mord die schlimmste Sünde. Die Bibel sieht das anders. Und wenn man bedenkt, daß hier vom Standpunkt der Ewigkeit geschrieben wird und der körperliche Tod, der sowieso allen Menschen blüht, keinen Einfluß darauf hat, wo wir sie verbringen werden, ist das vielleicht auch nachvollziehbar. Ein Leben kann auf viele Weisen zerstört werden, nicht nur durch physische Liquidierung. "Menschenleben frißt" ist selbstverständlich ein Bild - Kannibalismus ist hier nicht gemeint.

    "Harmlos" meinte ich in dem Sinn, daß es mehrere Verse dauert, bis überhaupt etwas passiert, sowie in dem Sinn, daß die Krise in den weiteren Versen mehr und mehr zunimmt.
    Wobei die Sprache auch recht dramatisch ist "Freunde werden zu Vandalen [...]. Diese Schmerzen! Diese Qualen!". Das wirkt auf mich übertrieben und wenig authentisch, wie ein Großteil des Gedichts.
    Mein schlechtester Vers. Du bist sehr zielsicher. Das Wort "Vandalen" trifft es nicht. Wie soll man das beschreiben, wenn Freunde Dich in einer Trennungssituation alleinlassen, ja nicht einmal mit Dir darüber reden - gleichgültig, gefühlskalt, parteiisch? Gerade, weil sie das nicht tun, bleiben ihre Motive ja unklar. Hier hatte ich auch Schwierigkeiten, einen Reim zu finden. Abgesehen davon ist der Hintergrund schon authentisch, nur gelingt es mir nicht, Situation und Gefühlswelt richtig rüberzubringen. Ob ich das mit diesem Gedicht noch hinbekomme, ist sehr fraglich. Ich glaube, mir fehlt noch viel Übung.
    Wobei die ganze Zeit überhaupt im Unklaren bleibt, wieso sich alle gegen den Protagonisten verschworen haben.
    Nee, nix Verschwörung. Das ist für mich ein Reizwort. Bestimmte Handlungen und Ereignisse können durchaus noch andere und vor allem voneinander unabhängige Ursachen haben. Vielen Menschen kommen allmählich die Grautöne abhanden. Zu denen gehörst Du doch hoffentlich nicht? Das wäre ja Selbstmord.

    Über dem Protagonisten bricht nur gerade die Welt zusammen, nichts weiter: eine Trennung, die plötzlich und unerwartet über ihn kommt, die er nicht versteht, von der er weiß, daß sie schlecht ist und nur Schlechtes nach sich ziehen kann; leidende Kinder (okay, daß es seine sind, wird nicht ausdrücklich erwähnt); Freunde, die ihn nicht verstehen und alleine lassen, obwohl viele von ihnen (das dürfte normal sein) seinen Glaubenshintergrund teilen und damit wissen, daß diese Trennung Biblisch nicht zu rechtfertigen ist.

    Vielleicht kannst Du besser verstehen, was ich ausdrücken möchte, wenn Du Folgendes weißt:
    Als junger Mann - vor etwas über 30 Jahren - habe ich über mehrere Jahre wiederholt Kinder auf Bibelfreizeiten betreut. Die Altersstufe war so acht bis zwölf. Da habe ich die Erfahrung gemacht, daß auffallend viele von Ihnen zu Hause eine Scheidungssituation haben. Vermutlich suchten die Eltern auf diesem Weg für ein bis zwei Wochen eine Betreuung. Und diese Kinder haben solide Fragen gestellt, daß glaubst Du gar nicht. Sie hatten wohl sonst niemand, dem sie sie hätten stellen können. Bei den Schilderungen von den Zuständen bei Ihnen zu Hause und wie sie darunter leiden sind mir tatsächlich die Tränen gekommen - und sowas passiert mir sonst nie. Wir haben viele Stunden über ihre Probleme gesprochen. Ich konnte nicht viel dazu sagen, hatte auch keine Patentlösung, also haben wir gemeinsam gebetet. Danach hatten wir durch die Bank ein sehr freundschaftliches Verhältnis. An den einen oder anderen denke ich heute noch und frage mich, wie er mit der Situation zurecht gekommen ist.

    Scheidung oder dauerhafte Trennung führt bei Kindern zu Verlassenheitsgefühlen, Trauer, Frust, Agression und Haß (wegen unerwiderter Liebe) bis hin zur kriminellen Karriere. So ein Erlebnis prägt für's Leben, sowohl die Kinder als auch den Betreuer. Deswegen neige ich dazu, etwas gereizt zu reagieren, wenn mir jemand die Unverbindlichkeit von Partnerschaften und sein vermeintliches Recht darauf ans Herz legen will. Soviel zu meinem Motiv.

    Danke für Deinen Input und vor allem dafür, daß Du mich noch aushältst. Vieles wäre mir nie aufgefallen.


    Liebe Grüße

    DerBibliotaph
    "Um zum Dichter zu werden, muß der Mensch verliebt sein oder sich sehr elend fühlen." George Gordon Byron

  6. #6
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    Hallo Bibliotaph.

    Zitat Zitat von DerBibliotaph Beitrag anzeigen
    [...] ja, ganz klar, im Gedicht fehlt viel Hintergrundinfo. Die kann ich darin nicht bringen, sonst wird's ein Roman.
    Du musst nicht alles auserzählen, aber es sollte irgendwie schlüssig sein, das geht auch, indem man vieles offen lässt. So besteht die Gefahr, dass dein Text oberflächlich wirkt.

    Zitat Zitat von DerBibliotaph Beitrag anzeigen
    Nee, nix Verschwörung.
    Ich bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien.
    Ich hatte mich nur gewundert, dass nicht mal die Freunde dem Protagonisten eine Stütze bieten.

    Zitat Zitat von DerBibliotaph Beitrag anzeigen
    Danke für Deinen Input und vor allem dafür, daß Du mich noch aushältst. Vieles wäre mir nie aufgefallen.

    Danke für deine ausführliche Antwort.

    Das Thema Trennung/Scheidung ist schon schwer auszuhalten, vor allem wenn Kinder zum Objekt von Machtspielen werden.
    Wobei nicht zu vergessen ist, dass es auch genug Menschen gibt, die sich einvernehmlich trennen und ihre Verantwortung gegenüber dem Partner und den Kindern im Blick haben. Das bleibt immer noch ein Einschnitt, aber ein verkraftbarer. Eine Beziehung weiter zu führen, obwohl keine Liebe mehr da ist, ist nicht unbedingt die beste Lösung.

    Gruß,
    leuchtendgrau

  7. #7
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    @DerBibliotaph


    Grüße,


    Also, so richtig erfasse ich den Kern des Gedichts auch nicht, bzw, brauchte ich lang um es zu vermuten. Es wird viel gesagt (geschrieben) um nichts. Es kann vieles sein, aber ist keine Fokussierung vorhanden. Es geht um irgendeinen hermetischen Raum, aber welcher ist nicht ersichtlich. Na gut, ich sag mal Krankenhaus Intensiv-Station.
    Deine Überschrift die „Scheibe“ und der Text, brachten mich anfangs zur Ketzerverbrennung im Mittelalter. Als man gelehrt hatte, die Erde sei eine Scheibe.
    Return:

    Die Anzahl der Verse ist enorm. Das zeigt das du einen langen Atem besitzt, ich beneide dich dafür.

    Mal sehen, was als Nächstes kommt.

    Metrik,
    Zitat:

    Vielleicht war’s ein Mißverständnis?
    Manches klärt sich mit der Zeit.
    Doch es mehrt sich die Erkenntnis:
    Das war’s für die Ewigkeit.

    Der Trochäus ist fast 100%, außer hier.

    OK, tschüss.


    Nachtrag:

    Du kannst deinen Text verschieben lassen, ins "Nachdenkliche", hier im Arbeitszimmer versauert er. mein Denken.

  8. #8
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    @leuchtendgrau
    Du musst nicht alles auserzählen, aber es sollte irgendwie schlüssig sein, das geht auch, indem man vieles offen lässt. So besteht die Gefahr, dass dein Text oberflächlich wirkt.
    Das ginge womöglich, aber dazu müßte ich dann viele der Gedankengänge weglassen (Roman und so). Und in "Die Scheibe" geht es praktisch ausschließlich um sich drängende Gedanken. Dumme Zwickmühle, das.
    Ich bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien.
    Das freut mich! Viele glauben nämlich unbesehen, was man ihnen in den Nachrichten präsentiert.
    Ich hatte mich nur gewundert, dass nicht mal die Freunde dem Protagonisten eine Stütze bieten.
    Dann geht es Dir hier wie dem Protagonisten. Leider sieht die Realität oft anders aus als man sie aus Geschichten zu kennen meint.
    Danke für deine ausführliche Antwort.
    Ich kann nicht anders, auch wenn ich das oft wünschte. Entweder ist es der Drang nach Perfektion oder die Angst, mißverstanden zu werden. Na, vielleicht auch beides.
    Wobei nicht zu vergessen ist, dass es auch genug Menschen gibt, die sich einvernehmlich trennen und ihre Verantwortung gegenüber dem Partner und den Kindern im Blick haben.
    Klingt gut, ist Kindern aber völlig wurscht. Die Fragen heißen "Wieso ist Mama nicht mehr da?", "Wieso kümmert sich Papa nicht um mich?"
    Eine Beziehung weiter zu führen, obwohl keine Liebe mehr da ist, ist nicht unbedingt die beste Lösung.
    Es gibt Fälle, die eine Trennung erfordern können, z.B. bei wiederholter Gewalttätigkeit. Nur sehen die meisten Fälle, die mir bekannt sind, anders aus. Und die Fälle, bei denen sich ein Partner erst nach der Hochzeit stark verändert hat, sind noch seltener. Liebe ist kein Gefühl, das kommt und geht; so etwas nennt man Verliebtsein oder erotische Anziehung. Bei letzteren ist einvernehmliche Trennung möglich, wenn das Gefühl abebbt. Liebe hingegen bildet sich erst mit den Jahren und ist unvergänglich. Und diese Liebe sollte ja auch die Kinder mit einschließen. Jemandem erklären zu können, daß man sich von ihm trennt, weil man ihn liebt, gelingt allenfalls in schmalzigen Heldenromanen aus dem 18./19. Jahrhundert und hat dort meist "die Ehre" als Motiv, die heutzutage IMHO wohl kaum noch eine Rolle spielen dürfte.

    Mir scheint, daß weniger mein Gedicht Erklärungsbedarf hat als vielmehr die dahinterstehende Weltsicht. Liege ich damit richtig?

    @horstgrosse2
    Danke, daß Du Dir auch Zeit für eine Antwort genommen hast. So langsam bekomme ich ein Bild, wo es hakt.
    Es wird viel gesagt (geschrieben) um nichts. Es kann vieles sein, aber ist keine Fokussierung vorhanden.
    Wer in diesem Gedicht nach einer Story sucht, wird nichts finden. Wie oben schon erwähnt geht es hier um die Gedankenwelt, und genau auf der liegt auch der Fokus.
    Es geht um irgendeinen hermetischen Raum, aber welcher ist nicht ersichtlich. Na gut, ich sag mal Krankenhaus Intensiv-Station.
    Du meinst wahrscheinlich eher die Isolierstation. Irgendwie finde ich das ja spannend, was Ihr aus meinem Gedicht herauslest - könnte man durchaus auch so sehen. Tatsächlich ist die Scheibe nur ein Bild für die Trennung bzw. allenfalls noch die gestörte Kommunikation und bezeichnet nichts Konkretes.
    Mal sehen, was als Nächstes kommt.
    Da laß' ich mich überraschen. Früher hab' ich öfter mal Küchenverse oder Bauernregeln gemacht - spontan im Kopf. Das waren meist Zwei- oder Vierzeiler. Ob die allerdings dem Qualitätsanspruch des Forums genügen, weiß ich nicht.
    Der Trochäus ist fast 100%, außer hier.
    Auf das Versmaß hab' ich gar nicht geachtet. Dazu war ich viel zu beschäftigt mit Silbenzählen und Reimeglätten. Ansonsten teste ich nur, ob es halbwegs rund klingt. Man ist ja kein Dichtomat.
    Du kannst deinen Text verschieben lassen, ins "Nachdenkliche"
    Ja, das ist eine gute Idee. Wie läuft das bitte ab?
    "Um zum Dichter zu werden, muß der Mensch verliebt sein oder sich sehr elend fühlen." George Gordon Byron

  9. #9
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    Hallo Glib-Glob,

    danke für die Hilfestellung. Ist hiermit geschehen.

    Lustigerweise haben wir uns zu Hause heute darüber unterhalten, wo es die beste Pizza in der Stadt gibt und daß praktisch jede Pizzeria irgendeinen Anhänger hat, der sie als "die Beste" anpreist. Anders als in Amerika ist das Teigrezept in Deutschland ja fast überall dasselbe.

    Ist das ein Zitat aus dem "Hitchhiker's Guide to the Galaxy?".
    "Um zum Dichter zu werden, muß der Mensch verliebt sein oder sich sehr elend fühlen." George Gordon Byron

  10. #10
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    Lightbulb Die Scheibe (Version 2)

    Nach etwas Gedankenpause (und ein paar anderen Dichtversuchen) habe ich nun versucht, zumindest einige Eurer Vorschläge umzusetzen, schon mal deswegen, weil ich mich beim erneuten Durchlesen jedesmal über diese Stellen geärgert habe. Genial ist was Anderes, aber hoffentlich ist es etwas leichter verdaulich geworden.

    Mir ist aufgefallen, daß die Stimme in meinem Kopf die letzten eineinhalb Strophen fast zwanghaft langsamer, nachdenklicher und mit resignierter Stimmung liest. Hat das damit zu tun, daß ich der Autor bin, oder geht Euch das als Leser auch so?

    Das, was immer Du verneintest,
    Was Gott niemals toleriert,
    Was Du zu verhindern meintest,
    Weil es Leben demontiert,


    Das, worunter Kinder leiden,
    Was sie niemals akzeptier’n,
    Was sogar unter den Heiden
    Unerlaubt oder den Tier’n,

    Plötzlich ist es eingetreten -
    Du erfaßt es fassungslos.
    Doch kein Bitten und kein Beten
    Macht von diesem Alp Dich los.

    Alles, was Dir wert und eigen,
    Ist nun weg, war nur gelieh’n.
    Logische Gedanken schweigen,
    Düst’re Nebelschwaden zieh’n.

    Atmen wird jetzt schon beschwerlich,
    Schweres legt sich auf die Brust,
    Bist du zu Dir selber ehrlich,
    Fühlst Du Realitätsverlust.

    War es denn ein Mißverständnis?
    Manches klärt sich mit der Zeit.
    Doch es mehrt sich die Erkenntnis:
    Das war’s für die Ewigkeit.


    Hätt’ es sich verhindern lassen?
    Müßte, könnte, sollte man…?
    Menschen, die das Lindern hassen,
    Sprechen Dich auf Fehler an.

    Freunde, die Dich nicht verstehen,
    Sie verlassen Dich zuhauf.
    Können Sie es denn nicht sehen?
    Giftgelb steigt der Nebel auf.


    Krampfhaft suchst Du alte Bilder,
    Wie sie noch im Kopfe sind,
    Doch sie tragen alle Schilder:
    „So sah sie mal aus als ‚Kind‘“.

    Als der Nebel sich dann lichtet,
    Jäh erscheint vor Deinem Blick,
    Worauf sich Dein Sehnen richtet.
    Ist’s ’ne Täuschung? Ist’s ein Trick?

    Sie steht da mit einem Male
    Und sie sagt auch irgendwas -
    Ohne Ton ist das fatale -
    Denn die Scheibe ist aus Glas.

    Deine Hände an der Scheibe
    Drücken gegen ihre Hand,
    Doch die Trennung ist beileibe
    G’rad so hart wie eine Wand.
    "Um zum Dichter zu werden, muß der Mensch verliebt sein oder sich sehr elend fühlen." George Gordon Byron

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