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Thema: Sprachspiel

  1. #46
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    Hallo Miserabella,

    Frage und Antwort

    Schleicht wer des nächtens gebückt von Baum zu Baum, wer wagt es?
    Apfelbaumfeuerschwammsammelnde schwärmen bei Vollmond so gern.

    Gibt es dazu Wortfüße mit Namen?
    es gibt faszinierende Wörter, die sich, wenn man sie in einen Vers bekommen will, einfach sträuben. Ich fürchte, der Apfelbaumfeuerschwamm gehört dazu. Die angehängten Sammelnden machen die Sache nicht leichter. Schnell gesprochen: Apfelbaumfeuerschwammsammelnde ergäben sich am Wortanfang zwei schlechte Daktylen. Gut, man könnte das Wort mit brachialer Gewalt in den Pentameter zwingen:

    Apfelbaumfeuerschwamm- || sammelnde schwärmen bei Nacht.

    Das wäre aber kein schöner Vers, weil die Ungleichbehandlung von Apfelbaum als Daktylus und Feuerschwamm als Kretikus fast noch schlimmer ist, als beide daktylisch zu setzen? Der Hexameter stimmt übrigens in der Endung auch nicht so ganz. Statt "wer wagt es" ginge vielleicht "wen beglückt das" (oder so ähnlich). Wenn Dir ein wortfußgeeigneter Pilz einfällt, könnte das aber ein schönes Distichon werden, das einen eigenen Faden verdient hätte. Ich setze mal irgendeinen Quatsch als Lückenfüller ein:


    Schleicht wer im Dunkeln gebückt von Baum zu Baum, wen beglückt das?
    Birnbaumpfifferlingshutsammelnde schwärmen bei Nacht.


    Wie der lange Wortfuß heißt, weiß ich nicht. Ich denke, ab sechssilbig bietet sich eher eine Kombination aus kürzeren Namen an. Für mich wäre der Apfelbaumfeuerschwamm — ◡ — — ◡ — ein doppelter Kretikus und Apfelbaumfeuerschwammsammelnde — ◡ — — ◡ — — ◡ ◡ kann man sich notfalls aus Fietjes Sammlung zusammenstückeln, wenn man dem Fuß einen Namen geben will.

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  2. #47
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    Na hoppla. Da sah der im Vollmond tanzende Schatten des Pilzes geheimnissvoller aus als er tatsächlich war und er lockte auch kein Apel vom Baum. Na gut.

    Dein Verbesserungsvorschlag, Claudi, gefällt mir sehr.
    Mal sehen ob ich da noch einen schönen Pilz finde. Die Auswahl ist auf jeden Fall riesig.


    Nun der Ball:

    Öffne, du schläfriger Kauz, die Augen, betrachte die Hummeln!
    Xxx/ Xxx/ X || x /Xxx /Xxx /Xx

    Dürftig ist bisher dein Tag ohne die flusige Schar.
    Xxx / Xx x/ x X || Xxx / Xxx/ X


    Wortfüße

    1.) Xx / xXxxX || xXx / xXx / xXx
    2.). Xx / xXxxX || Xx / xXxxX

    Ok. Mit nun geöffneten Augen: Korrekt, aber rhythmisch eher dürftig.


    Mit besten Dank,
    Miserabella

  3. #48
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    Zitat Zitat von Miserabella Beitrag anzeigen


    Nun der Ball:

    Öffne, du schläfriger Kauz, die Augen, betrachte die Hummeln!
    Xxx/ Xxx/ X || x /Xxx /Xxx /Xx

    Dürftig ist bisher dein Tag ohne die flusige Schar.
    Xxx / Xx x/ x X || Xxx / Xxx/ X


    Wortfüße

    1.) Xx / xXxxX || xXx / xXx / xXx
    2.). Xx / xXxxX || Xx / xXxxX
    nein, nein, gleich wieder zurück den Ball mit Wucht, die Darstellung betr. der Versfüße irritiert mich.
    Öffne, du schläfriger Kauz, die Augen, betrachte die Hummeln!
    Xx/xXxxX/xXx//xXxxXx
    fietje lg

    Ach, noch schnell einen Nachtrag:
    Dotcom, meint ihr nicht auch, wir bräuchten eine Line aus der wir sowohl Versfüße wie auch Wortfüße entnehmen könnten?
    Miserabella, hexa mal.....
    Geändert von Butenlänner (29.04.2020 um 18:05 Uhr)

  4. #49
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    Hm. Also nochmal (mit dem Fokus Zäsur) :


    Öffne, / du schläfriger/ Kauz, die Augen ||, betrachte/ die Hummeln!

    Versfüsse:
    Xxx / Xxx/ Xx / Xx || x / Xxx/ Xx

    Einschnitt im 4. Versfuß


    Etwas phantastisch geformt ist der Feuerschlund || Flügel des Drachen

    Einschnitt nach dem 4 Versfuß (bukolische Dihärese? )


    Etwas verdusselt im Baum ist der Waldekauz, schlafe nur weiter!
    Dort in luftiger Höh', fliegen die summenden Hummeln.
    Geändert von Miserabella (29.04.2020 um 21:11 Uhr)

  5. #50
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    Zitat Zitat von Miserabella Beitrag anzeigen
    Hm. Also nochmal (mit dem Fokus Zäsur) :


    Öffne, / du schläfriger/ Kauz, die Augen ||, betrachte/ die Hummeln!

    Versfüsse:
    Xxx / Xxx/ Xx / Xx || x / Xxx/ Xx

    Einschnitt im 4. Versfuß


    Etwas phantastisch geformt ist der Feuerschlund || Flügel des Drachen

    Einschnitt nach dem 4 Versfuß (bukolische Dihärese? )


    Etwas verdusselt im Baum ist der Waldekauz, schlafe nur weiter!
    Dort in luftiger Höh', fliegen die summenden Hummeln.
    hi miserabella,
    genau, die bD, gewissermaßen den Adoneus (XxxXx) separieren, heißt, einen taktmäßigen und inhaltlichen Einschnitt nach dem 4. daktylen Versfuß zu platzieren, welches du mit Bravour umgesetzt hast:
    Etwas verdusselt im Baum ist der Waldekauz, schlafe nur weiter
    XxxXxxXxxXxxbDXxxXx
    sehr ungünstig wäre:
    Etwas verdusselt im Baum ist der Waldkauz, schlafe nur weiter
    XxxXxxXxxXx//XxxXx

    So verstünde man auch, warum mir der entsprechende Mörike-Vers:
    >>Etwas phantastisch geformt ist das Feldstück - Flügel des Drachen<< phantastisch erschien.
    Ich entdeckte dann in einer Erstausgabe:
    >Etwas phantastisch geformt ist der Feuerschlund - Flügel des Drachen<.
    Aber das nur am Rande. Was mich bezüglich deiner Versfußnoten irritierte war:
    Zitat:
    Öffne, / du schläfriger/ Kauz, die Augen ||, betrachte/ die Hummeln!
    Versfüsse:
    Xxx / Xxx/ Xx / Xx || x / Xxx/ XxZitatende
    gewissermaßen die doppelte Darstellung der Versfüße.
    Wo läge der Unterschied?
    ----- Xxx / Xxx/ Xx / Xx || x / Xxx/ Xx
    oder XxxXxxXxXx//xXxxXx.

    Da wurde es mir vermutlich der Zeichen zu viel, verzeih.
    Aber wozu auch diese zusätzliche Kennung?
    xXxXxXxXxXxXxX
    xXxXxXxXxXxXxXx
    man erkennet doch stets eine Verkürzung des Fußes auch in einfacher Form.
    wozu also:
    xX/xX/xX/xX/xX/xX/xX
    xX/xX/xX/xX/xX/xX/xX/x ?

    Insofern gefallen mir die Xse doch ganz gut, ich habe sie auf dem Smartphone, ich muss nichts kopieren und ich könnte noch weitere "schnell greifbare" Zeichen nutzen.

    Dein wirklich tolles Epigramm;
    Etwas verdusselt im Baum ist der Waldekauz, schlafe nur weiter!
    Dort in luftiger Höh', fliegen die summenden Hummeln.

    XxxXxxXxxXxxbDXxxXx
    XxXxxX//XxxXxxXx
    Ferner ließen sich jetzt beispielsweise Punkte dazu nutzen, um die Wortfüße herauszustellen. Dann wäre fast alles in einer Line darstellbar. Ich meine diesbezüglich Xse dann doch zu bevorzugen. Auch diese Zeichen, (||), müsste ich ständig irgendwo wegkopieren. Ich stelle Zäsurenpower deswegen gerne mit / oder // dar, was sich dann beißen würde mit deinen Versfußdarstellungen. Nun gut, ich möchte diesbezüglich keine allgemeingültigen Empfehlungen abgeben wollen, aber eine Erläuterung war es mir doch wert.

    lg
    .
    .
    .
    ------------fietje

  6. #51
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    Hallo Fitje,

    ich kruschtele mich derzeit einfach noch durch die unterschiedlichen Darstellungen und wäre froh, wenn ich sicherer wüsste, wo die Zäsuren sitzen können. Ob nun ge-ixt // oder mit diesen —◡(◡)ˌ— || Zeichen, ist mir da eigentlich egal. (Ausser beim Erlentrillich. : -) Da sollte es schon schräg sein. Der macht den Kopf °//° doch immer so schief, wenn er singt.)

    Wie du sagst, ist Xen über Handy leichter. Beide Darstellungen finde ich eigentlich übersichtlich, wenn sich nicht gerade Fehler oder Verkürzungen einschleichen, die dann für Verwirrungen sorgen. Sorry dafür!!! Da sollte ich unbedingt mehr Sorgfalt walten lassen.

    Schön, dass dir der dusselige Kauz gefällt und ich freue mich, dass ich mit den unterschiedlichen Zäsuren scherzhaft herumprobieren konnte.

    Lg,
    Miserabella

  7. #52
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    Hallo Ferdi,

    "verdusselt" und "Waldekauz" war nicht ernst gemeint, sondern von mir nur zum Ausprobieren gedacht. Danke für deine Erklärungen.

    Lg,
    Miserabella

  8. #53
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    O ja,
    Entschuldigt auch meine Unachtsamkeit:

    Etwas verdusselt im Baum ist der Waldekauz, schlafe nur weiter!
    Dort in luftiger Höh', flieget die summende Schar.

    Also spielerisch aus Waldkauz ( trochäus, bzw doppelbetont) hin zu Waldekauz (daktylus).

  9. #54
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    Hi ihr, darf ich mal kurz dazwischen fragen?

    Folgender Vers:

    Basta Schluss Aus Ende Amen // nun Ende Gelände!

    Hexameter?

    Gruß Lé.

  10. #55
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    Guten Morgen,


    eigentlich wollte ich erst einmal aufgeben, weil ich mich so dusselig (begriffstutzig - würde ich damit verbinden) fühle. Gut, dass auch der Hinweis bei mir Gehör fand, sich bei der Form einfach Zeit zu geben, weil es mehreres auf einmal zu beachten gibt und manches unterschiedlich gehandhabt wird.

    Duselig/ weggenickt/ nur halb wach/ passt auch schön. Der Kauz sitzt verschlafen im Baum und die Hummeln summen in den Blüten.

    Die bukolische Diärese ist selten der Haupteinschnitt des Verses - oft ist sie nur ein zusätzlicher Satzeinschnitt, während der Verseinschnitt im dritten Fuß liegt; manchmal vertritt sie diesen Verseinschnitt auch, dann aber in Verbindung mit einem zweiten Satzeinschnitt im zweiten Fuß, wodurch sich der Vers dreiteilt.
    In dem Fall so? Oder wird die bD, auch wenn sie eine Nebenzäsur sein sollte, mit || dargestellt?

    Leicht ist verdusselt im Baum || der Waldkauz |- schlafe nur weiter!
    Dort, in luftiger Höh', || summen die Hummeln im Flug.



    Waldekauz erschließt sich mir gar nicht.
    Mit Waldekauz wollte ich auf die Schnelle den zitierten Vers von Mörike nachbasteln. Einfach mal schauen, wie sich das anfühlt, so zu schreiben.
    Waldekauz, auch wenn Kauz eigentlich betont würde, lese ich einerseits daktylisch, ähnlich wie "Feuerschlund" auch.


    Etwas verdusselt im Baum ist der Waldekauz, schlafe nur weiter!
    Xxx/ Xxx/X ||xx/Xxx? /bDXx(x) /xXx
    WaldeKauz < dagegen wäre so gelesen, abgesehen davon, dass es dieses Wort gar nicht gibt, auf die Weise betont, metrisch ausserhalb der Regel?

    XxX bD XxxXx


    Bei der Version von Ferdi ist der Waldkauz ein Trochäus oder ein Spondeus?

    Ferdis Version:

    Leicht ist verdusselt im Baum der Waldkauz - schlafe nur weiter!
    Xxx/ Xxx/X ||x(x)/XX(x)||Xxx/Xx


    und schließen muss der Vers betont?!

    Hm. Ich kann gerade nicht sehen, warum er das nicht tut.

    ... summen die Hummeln im Flug .

    Lg,
    Miserabella
    Geändert von Miserabella (01.05.2020 um 09:01 Uhr)

  11. #56
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    Ferdi schrieb:

    Das "Schließen muss der Vers betont" bezog sich auf dein "Dort in luftiger Höh', fliegen die summenden Hummeln", was ich darum zu "... summen die Hummeln im Flug" geändert habe.

    Ah, sorry. Klar, das war ja deine Vers! Meiner endete, weiß der Teufel warum, unbetont.

    Also was ich aus diesem unterhaltsamen und ergiebigen Faden u.a. mitnehme ist:

    An leichte Daktylen und abwechslungsreiche Wortfüße denken, Ausnahmen mit Bedacht verwenden und bei den Großen forschen gehen, Wortfüsse und Versfüsse lernte ich kennen und vieles mehr...

    Vielen, vielen Dank für eure netten Anregungen, Erklärungen, wunderbaren Beispiele und Vergleichsmöglichkeiten.
    Das kostet zwar auch ganz schön Anstrengung, es hat mir aber sehr viel Freude gemacht! Nun gebe ich den Ball mal weiter und setzte mich für eine Weile auf die Zuschauerbank.

    Lg,
    Miserabella
    Geändert von Miserabella (01.05.2020 um 15:01 Uhr)

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