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  1. #256
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    Aus dem Wald
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    Hallo,

    nun wird es allmählich klarer, was die Idee war. Meine Zeilen sollten zur Einführung gehören (Anrufung der Götter) - noch nicht zum Feiern des Sommers. Sie sind recht blass, verglichen mit dem "bunten, fröhlichen Kleid" der anderen Verse, die so geschmeidig daher kommen! Wirklich schön, alle!

    Ich wünsche ein gutes Gelingen! (Die Hymne wäre nichts für mich.)

    LG H
    "Wenn man das Leben nur auf eine Art betrachtet, gibt es immer einen Grund zur Sorge." Elizabeth Bowen

  2. #257
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    Hi Freunde der Hexarei, ich habe einen Text der eigentlich ein Übungsbeitrag war um den sog. Mesomacer zu üben, ein Begriff, entlehnt von Kloppi, den ferdi vorstellte. Nun, "die Besinnlichen" wäre ein Mesomacer, eben xxXxx, da gäbe es sicherlich einiges was sich in einen derartigen WORTfuß finden ließe, ich machte mir Gedanken um diese einprägsame Betonung eines Sprechzuges zu üben, heraus kam dieses:

    der 8volle mesomacer:

    Dichter, Talentierteren wird . - der mesomacer - . ewig ein Ding sein,
    Doch: die Begabteren fordern, wie immer: Hexameter hexen!
    Sing virtuoseres noch, denn poetischer kann es kein andrer'.
    Bitte, o schreib!! das Entsetzliche springt auf die Bühne, gefährlich
    droht des Nachts anapästlicher Zorn, mir zitterts gewaltig!
    Singe Poet, dem verwunschenen Blut, dem Sünder Erlösung!

    Ich meine hier braucht es noch Feinschliff und Inspiration um das Dinges auf Hochglanz zu bringen, Grammatik, Syntax, was weiß ich. Wie "Mesomacer" selbst betont wird ist allerdings zweitrangig, ich habe diesen Begriff befohlen selbst ein Mesomacer zu sein, basta! Ansonsten würde einiges zusammenbrechen. Ich denke dieser Text würde auch eine besondere Textgestaltung vertragen können, sprich Schrifftarten und Symbole sind erwünscht. Ich bitte um Meinungen.


    Fietje Butenlänner

  3. #258
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    Zitat Zitat von Butenlänner
    der 8volle mesomacer:

    Dichter, Talentierteren wird . - der mesomacer - . ewig ein Ding sein,
    Doch: die Begabteren fordern, wie immer: Hexameter hexen!
    Sing virtuoseres noch, denn poetischer kann es kein andrer'.
    Bitte, o schreib!! das Entsetzliche springt auf die Bühne, gefährlich
    droht des Nachts anapästlicher Zorn, mir zitterts gewaltig!
    Singe Poet, dem verwunschenen Blut, dem Sünder Erlösung!

    Ich meine hier braucht es noch Feinschliff und Inspiration um das Dinges auf Hochglanz zu bringen, Grammatik, Syntax, was weiß ich.
    Hallo Fietje,

    ich dachte zuerst ja, was will er denn? Doch beim näheren Hinsehen entdecke ich doch eine ungewöhnliche Freiheit in der Benutzung der Satzzeichen:
    der 8volle mesomacer: wozu der Doppelpunkt?

    Dichter, Talentierteren wird . - der mesomacer - . ewig ein Ding sein,
    die Punkte bei den Gedankenstrichen??
    Doch: die Begabteren fordern, wie immer: Hexameter hexen!
    zweimal Doppelpunkt hintereinander!! Versende grammatikalisch waghalsig.
    Sing virtuoseres noch, denn poetischer kann es kein andrer'.
    Apostroph ja, aber weiter vorn
    Bitte, o schreib!! das Entsetzliche springt auf die Bühne, gefährlich
    nach dem "!! " wäre Großschreibung normal
    droht des Nachts anapästlicher Zorn, mir zitterts gewaltig!
    Singe Poet, dem verwunschenen Blut, dem Sünder Erlösung!

    Ich hoffe, ich konnte dir dienen.

    Gruß Lé.
    "Die Leute die den Reim für das Wichtigste in der Poesie halten, betrachten die Verse wie Ochsen-Käufer von hinten."
    Georg Christoph Lichtenberg


  4. #259
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    Hi ferdi, hi Lé, danke für die schnellen Gedanken zu dieser "arrogant" klingenden Versübung, einer sonderbaren Hexametrie, dessen inhaltliche Grundlage ein "sinnfreies Sinnieren" bildete, was wie eine skurrile Rechtfertigung klingen mag, dessen Grundlage ein denkfreies Denken obläge. Frei sind die Gedanken, freier wie der Wille diese Beherrschen zu wollen, vlt. nützt diese Theorie dem Poetiker aus Absonderbaren Besonderes zu machen. Hier nun bezgl. eurer Anregungen und Verbesserungen ein revidiertes Fragment:

    8voll, der Mesomacer


    Ach! dem Vergessenen wird der Mesomacer ewig ein Ding sein,
    Doch dem Lebendigen rufen die Götter: "Hexameter hexen!
    Sing virtuoseres halt, denn poetischer kann es kein andrer.
    Manno, nun schreib!! Das Entsetzliche springt auf die Bühne, gefährlich
    Droht Nachts Zorn, zuviel des Poetiker Wahns, wir erzittern,
    Singe Poet, dem verwunschenen Blut, dem Sünder Erlösung!"



    Danke vorab, liebe Grüße

    Fietje

  5. #260
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    Leute, ich habe Nachschub, was haltet ihr von diesen Distichien? Ich schrieb diese Verse als ich 2 Tage Dotcomurlaub nahm.

    Gestern, es fehlte mir Liebe, versprach ich dem Heiland zu dienen,
    dieser Figur an dem Kreuz, Ach, dem gekreuzigten Sohn
    Gottes, der für uns gestorben ist, ich kenne ihn seit meiner Kindheit.
    Überall sehen wir fürwahr Kruzifix hängen, die Kunst
    die man ihm widmete am Altar der sittlichen Kirchen
    prägte die Seele, mein Geist aber vertraute dem nicht!
    Ahnte ich doch schon früh, Rituale gab es schon immer.
    Allem und jedem gerecht spielte kein klangvolles Lied.
    Kirchenmusik fern jeglicher Anteilnahme erschien mir
    bloß fremdartig zu sein, Bach und Konsorten, o Graus,
    Schallten den Raum voll, preisgegeben ertrug ich den Wahnsinn
    traniger Pfeifen der lauthalsigen Orgel Gemüt.
    Heute verstehe ich anders die Töne, mich lehrte ein Dichter
    hören den holderen Ton, taub war mein jugendlich Herz.
    Einsam oft fror still mein trauriges Blut, mich sehnte nach Wärme.
    Heute begreife ich dich heiliger Jesus beim Wort.
    Heute, in Zeiten Coronas erlangen die Seligen Hoffnung.
    ♫ Always look on the bright side of love and keep cool. ♪

    Bitte nicht so zaghaft, ihr dürft mich mit Sand bewerfen. fietje

  6. #261
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    Hallo Fietje,

    Ich habe deine Verse mal durchge"ixt" und ein paar Anmerkungen gemacht, was mir Schwierigkeiten bereitet.

    01: Gestern, es fehlte mir Liebe, versprach ich dem Heiland zu dienen,
    Xx xXxxXx - xXxxXxxXx
    02: dieser Figur an dem Kreuz, Ach, dem gekreuzigten Sohn
    XxxXxxX - XxxXxxX
    03: Gottes, der für uns gestorben ist, ich kenne ihn seit meiner Kindheit.
    Xx (xXxx)Xx - xXxxXxxXx vorne gäbe es auch andere Lesarten
    04: Überall sehen wir fürwahr Kruzifix hängen, die Kunst,
    XxxXxxX - XxxXx xX eigentlich wäre nur "kruzifixe" logisch, oder "das Kruzfix"
    05: die man ihm widmete am Altar der sittlichen Kirchen
    XxxXxx xxXxXxxXx da knirscht es ein bisschen ...
    06: prägte die Seele, mein Geist aber vertraute dem nicht!
    XxxXxxX - XxxXxxX
    07: Ahnte ich doch schon früh, Rituale gab es schon immer.
    Xx(xX)xX - xXxxXxxXx vorne ein bisschen unklar
    08: Allem und jedem gerecht spielte kein klangvolles Lied.
    XxxXxxX - XxxX(x)xX der erste Teil ist unvollständig- geht vielleicht in ".."
    09: Kirchenmusik fern jeglicher Anteilnahme erschien mir
    XxxX - xXxxXxXxxXx na diese Zäsur boxt du beim hohen Schiedsgericht durch
    10: bloß fremdartig zu sein, Bach und Konsorten, o Graus,
    X(xX)xxX - XxxXxxX ich persönlich tue mich schwer, das "ar" betont zu lesen
    11: Schallten den Raum voll, preisgegeben ertrug ich den Wahnsinn
    XxxX(x) XxXx - xXxxXx auch das unbetonte "voll" widersteht meiner Zunge
    12: traniger Pfeifen der lauthalsigen Orgel Gemüt.
    XxxXxxXXxxXxxX
    13: Heute verstehe ich anders die Töne, mich lehrte ein Dichter
    XxxXxxXx - xXx xXxxXx
    14 : hören den holderen Ton, taub war mein jugendlich Herz.
    XxxXxxX - XxxXxxX
    15: Einsam oft fror still mein trauriges Blut, mich sehnte nach Wärme.
    XxxXx xXxxX - xXxxXx
    16: Heute begreife ich dich heiliger Jesus beim Wort.
    XxxXxxX - XxxXxxX inhaltlich bzw. in der Bedeutung schwer zu fassen
    17: Heute, in Zeiten Coronas erlangen die Seligen Hoffnung.
    Xx xXxxXx - xXxxXxxXx zu oft "Heute", für mich auch in der Bedeutung unklar
    18: ♫ Always look on the bright side of love and keep cool. ♪
    XxXxxXXxXxXX kann ich nicht beurteilen, ob das so geht.


    Gruß Lé.
    "Die Leute die den Reim für das Wichtigste in der Poesie halten, betrachten die Verse wie Ochsen-Käufer von hinten."
    Georg Christoph Lichtenberg


  7. #262
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    Hi Lé, danke für deine Arbeit, ich kopiere mir den Eintrag. Ich denke einige Änderrungen vornehmen zu können. Ich mache noch ein paar abschließende Bemerkungen:
    18♫ Always look on the bright side of love and keep cool.
    Lè:XxXxxXXxXxXX kann ich nicht beurteilen, ob das so geht.
    Dieser Vers stammt aus dem Evergreen "always look on the bright side of live" (das Leben des Brian/monty python). Ich habe live gegen "Love" ausgetauscht und "and keep cool" drangehängt. Ich meine es haut im pentastyle hin. Allein "keep cool" liegt mein Empfinden nach im Iambus, "and keep cool" solitär XxX, aber die englische Betonung ist mit Vorsicht zu genießen. Um sicherer zu sein, drehe ich meine Annahmen einfach um, z.B. "keep cool" trochäisch gesprochen (Xx) funzt nicht, also Iambus zumindest näherliegend, wenn auch nicht bestätigt. "keep cool" könnte auch gleichschwer sein?!
    Ich nehme noch 4 Verse heraus mit deinen Anmerkungen und füge Gedanken hinzu (blau):
    08: Allem und jedem gerecht spielte kein klangvolles Lied.
    XxxXxxX - XxxX(x)xX der erste Teil ist unvollständig- geht vielleicht in ".."
    das "kein" ist stark, ja. "Allem in Jedem gerecht.... ?
    09: Kirchenmusik fern jeglicher Anteilnahme erschien mir
    XxxX - xXxxXxXxxXx na diese Zäsur boxt du beim hohen Schiedsgericht durch (shit)
    Die Zäsur ist wirklich blass..., sie findet nicht recht halt. Bei der Betonung setze ich auch auf Spondeus:
    XxxXXXxxXXXxxXx (2 Spondeen, also 8 Hebungen insg., liest jmd. keine Spondeen, ginge es auch durch)

    10: bloß fremdartig zu sein, Bach und Konsorten, o Graus,
    X(xX)xxX - XxxXxxX ich persönlich tue mich schwer, das "ar" betont zu lesen
    Hier bin ich wieder beim Spondeus "bloß fremdartig" (XXXx), also "ar" betont. Hier absichtlich ein Spondeus im Penta! Ich wollte damit ein tonales Gleichstück zum Inhalt geben, fremdartig halt, aber annehmbar, wie ich meine.
    11: Schallten den Raum voll, preisgegeben ertrug ich den Wahnsinn
    XxxX(x) XxXx - xXxxXx auch das unbetonte "voll" widersteht meiner Zunge
    Auch hier Spondeus:
    Schalten den Raum voll, preisgegeben ertrug ich den Wahnsinn
    XxxXX-XxXxxXxxXx
    Sinnelemente:
    Schallten den Raum
    und
    voll preisgegeben ertrug ich den Wahnsinn
    Bis denne
    Fietje

  8. #263
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    Hallo Butenlänner!

    Gestern – es fehlte mir Liebe – versprach ich, dem Heiland zu dienen,
    dieser Figur am Kreuz, ach! dem gekreuzigten Sohn
    Gottes, der starb für uns; ich kenne ihn seit meiner Kindheit.
    Überall seh'n wir fürwahr Kruzifix hängen, die Kunst,
    die man ihm widmete am Altar der sittlichen Kirchen,
    prägte die Seele, mein Geist aber vertraute dem nicht!
    Ahnte ich doch schon früh, Rituale gab es schon immer.
    Allem und jedem gerecht spielte kein klangvolles Lied.
    Kirchenmusik fern jeglicher Anteilnahme erschien mir
    bloß fremdartig zu sein, Bach und Konsorten, o Graus,
    Schallten den Raum voll, preisgegeben ertrug ich den Wahnsinn
    traniger Pfeifen – der lauthalsigen Orgel Gemüt.
    Anders verstehe ich heute die Töne, mich lehrte ein Dichter
    hören den holderen Ton, taub war mein jugendlich Herz.
    Einsam oft, fror still mein trauriges Blut; mich verlangte nach Wärme.
    Heute begreife ich dich, heiliger Jesus, beim Wort.
    Heute, in Zeiten Coronas, erlangen die Seligen Hoffnung.
    ♫ Always look on the bright side of love and keep cool. ♪


    Vom Stil her nicht sehr einheitlich, die ersten Verse klingen anders als die folgenden. Die Zeichensetzung ist noch sehr ... uneben, oben ein Vorschlag. V3 hat sieben Hebungen. "Mich sehnte nach Wärme" klingt mir sehr schräg. Die Liedzeile geht nur als Pentameter durch, wenn du dem Lied gemäß "sei-heid" liest; was man aber nicht voraussetzen kann. Klassische Distichentexte fangen nie am Pentameteranfang einen neuen Gedanken an; muss man sehen, wie man sich dazu verhält. Irgendwann solltest du auch einmal über die Hiat-Frage nachdenken und da eine bewusste Handhabung anstreben.

    Das in aller Kürze - ich muss ganz dringend ins Bett ...

    Gruß,

    Ferdi

  9. #264
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    guten Morgen ferdi, ich danke dir für die Anmerkungen und deiner Korrektur. Ich nehme einfach die ersten 4 Verse zur Ansicht, bleibt übersichtlicher.
    (ferdi) (fietje)

    Gestern – es fehlte mir Liebe – versprach ich, dem Heiland zu dienen,
    dieser Figur am Kreuz, ach! dem gekreuzigten Sohn
    Gottes, der starb für uns; ich kenne ihn seit meiner Kindheit.
    Überall seh'n wir fürwahr Kruzifix hängen, die Kunst,

    Gestern, es fehlte mir Liebe, versprach ich dem Heiland zu dienen,
    dieser Figur an dem Kreuz, Ach, dem gekreuzigten Sohn
    Gottes, (der für uns gestorben ist, ich kenne ihn seit meiner Kindheit. ~~)
    Überall sehen wir fürwahr Kruzifix hängen, die Kunst

    Da sagt mir deine Version wirklich zu, nur der Part "der starb für uns" aus V3 schmecket mir noch nicht so recht, aber ich werde sinnen und was finden. Hatte ich doch tatsächlich 7 Hebungen, Lé merkte auch an, der Part ließe sich auch anders lesen, aber ich raffte es nicht, das es bei entsprechender Lese auch auf 7 kommen könnte (Gefahr bei Einsilbern). V3 sollte ein Hexameter werden, nach dem starken "seit" hoffte ich das "meiner" sich stark genug senkt. Du hattest es übernommen?!


    die man ihm widmete am Altar der sittlichen Kirchen,
    prägte die Seele, mein Geist aber vertraute dem nicht!

    Ahnte ich doch schon früh, Rituale gab es schon immer.
    Allem und jedem gerecht spielte kein klangvolles Lied.

    Kirchenmusik fern jeglicher Anteilnahme erschien mir
    bloß fremdartig zu sein, Bach und Konsorten, o Graus,

    Schallten den Raum voll, preisgegeben ertrug ich den Wahnsinn
    traniger Pfeifen – der lauthalsigen Orgel Gemüt.

    Anders verstehe ich heute die Töne, mich lehrte ein Dichter
    hören den holderen Ton, taub war mein jugendlich Herz.

    Einsam oft, fror still mein trauriges Blut; mich verlangte nach Wärme.
    Heute begreife ich dich, heiliger Jesus, beim Wort.

    Heute, in Zeiten Coronas, erlangen die Seligen Hoffnung.
    ♫ Always look on the bright side of love and keep cool. ♪

    Vergleich (unkorrigierte Fassung):
    die man ihm widmete am Altar der sittlichen Kirchen
    prägte die Seele, mein Geist aber vertraute dem nicht!
    Ahnte ich doch schon früh, Rituale gab es schon immer.
    Allem und jedem gerecht spielte kein klangvolles Lied.
    Kirchenmusik fern jeglicher Anteilnahme erschien mir
    bloß fremdartig zu sein, Bach und Konsorten, o Graus,
    Schallten den Raum voll, preisgegeben ertrug ich den Wahnsinn
    traniger Pfeifen der lauthalsigen Orgel Gemüt.
    Heute verstehe ich anders die Töne, mich lehrte ein Dichter
    hören den holderen Ton, taub war mein jugendlich Herz.
    Einsam oft fror still mein trauriges Blut, mich sehnte nach Wärme.
    Heute begreife ich dich heiliger Jesus beim Wort.
    Heute, in Zeiten Coronas erlangen die Seligen Hoffnung.
    ♫ Always look on the bright side of love and keep cool. ♪


    Klassische Distichentexte fangen nie am Pentameteranfang einen neuen Gedanken an; muss man sehen, wie man sich dazu verhält. Irgendwann solltest du auch einmal über die Hiat-Frage nachdenken und da eine bewusste Handhabung anstreben.

    Kommt die revidierte Fassung diesem nach? Wären qualitative Steigerungen möglich, angesagt?

    Danke dir

    lg


    Fietje
    Geändert von Butenlänner (06.08.2020 um 04:29 Uhr)

  10. #265
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    Hallo Butenlänner!
    ... nach dem starken "seit" hoffte ich, dass "meiner" sich stark genug senkt.
    Diese zweisilbigen Wörter in der Senkung gewöhnt man sich irgendwann ab, aber es geht schlimmstenfalls sicher. Das "seit" ist allerdings nicht sehr stark hier; aber es ist ja die Schlussklausel, das X x x / X x, das hilft. Sonst "seit ich ein Kind war" oder ähnlich.

    Die neue Gliederung lässt die Verspaargestaltung wirksam werden. Man kann die Distichengrenzen auch unbeachtet lassen, aber das findet sich wirklich nur bei wenigen.

    Gruß,

    Ferdi

  11. #266
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    Zitat Zitat von Ferdi Beitrag anzeigen
    Hallo Butenlänner!
    Diese zweisilbigen Wörter in der Senkung gewöhnt man sich irgendwann ab, aber es geht schlimmstenfalls sicher. Das "seit" ist allerdings nicht sehr stark hier; aber es ist ja die Schlussklausel, das X x x / X x, das hilft. Sonst "seit ich ein Kind war" oder ähnlich.
    Die neue Gliederung lässt die Verspaargestaltung wirksam werden. Man kann die Distichengrenzen auch unbeachtet lassen, aber das findet sich wirklich nur bei wenigen.

    Gruß,

    Ferdi
    Hi ferdi, ja, "seit ich ein Kind war" bildet einen etwas deutlicheren Adoneusbogen, vlt. nehme ich es noch rein. Ich habe es mittlerweile als Gedicht in der Rubrik Mythisches, Religiöses und Spirituelles unter dem Titel Gestern eingestellt, vlt. lässt sich dort noch was finden. Wieder Hexameterwetter, Lé's Friedhof der Götter ist bemerkenswert. Es lungert noch in der Gedichtewerkstatt, gar nicht so einfach dort qualitativsteigernde Anregungen zu geben.
    Diese Distichiengrenzen, ich verstehe es so, die Sinneinheiten dürfen schon über die Verspaare hinausgehen? Ich könnte einen Satz anfangen, der erst in V3 endet? Ich meine hinsichtlich klarer Grenzen sind die ersten Verse qualitativ niedriger wie der Rest:

    Gestern – es fehlte mir Liebe – versprach ich, dem Heiland zu dienen,
    dieser Figur am Kreuz, ach! dem gekreuzigten Sohn

    Gottes, der starb für uns; ich kenne ihn seit meiner Kindheit.
    Überall seh'n wir fürwahr Kruzifix hängen, die Kunst,

    V3 fängt irgendwie in der Luft an. Das 2 Distichion steht allein betrachtet etwas blass da. Würdest du hier zu einer Renovierung anraten wollen?

    Lg

    Fietje



    Edit:
    meine Gedanken zu deinen Anmerkungen wollten nicht Ruhen, ich schau noch mal:

    dieser Figur am Kreuz, ach! dem gekreuzigten Sohn
    Gottes, der für uns starb; ich kenne ihn seit meiner Kindheit.
    Überall seh'n wir fürwahr Kruzifix hängen, die Kunst,
    die man ihm widmete am Altar der sittlichen Kirchen,
    prägte die Seele, mein Geist aber vertraute dem nicht!

    Revidiert:
    dieser Figur am Kreuz, ach! dem gekreuzigten Sohn.
    Jesus, der für uns starb; ich kenne ihn seit ich ein Kind war.
    Überall seh'n wir fürwahr Kruzifix hängen, nur Kunst.
    Was man ihm widmete am Altar der sittlichen Kirchen,
    prägte die Seele, mein Geist aber vertraute dem nicht!

    So wären die Abgrenzungen der Hexa- und Pentaflüsse wohl besser?! Dieses "fürwahr" hat (Gruß an den Lé Faden Friedhof der Götter) eine lange Senkungssilbe, fast schon zu lang. Meinung?
    Geändert von Butenlänner (07.08.2020 um 23:37 Uhr)

  12. #267
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    Hallo Butenlänner!

    Du kannst machen, was du willst ... Und "einmal ist keinmal" ist gute Gedichteregel. Es gibt auch Stellen bei Goethe oder Hölderlin, an denen sie sich nicht an die Regel: "Ein neuer Gedanke beginnt immer im Hexameter" halten. Aber das sind dann sehr seltene Ausnahmen, achte mal drauf, wenn du da etwas liest. Insgesamt ist die Form ja so angelegt: Der Hexameter weitet, öffnet, schafft Raum; der Pentameter fängt ein, bergrenzt, schließt. Da ist die Aufgabenverteilung klar: Im Hexameter beginnt der Gedanke, im Pentameter schließt er, in 99 von 100 Fällen. Das muss dann ja nicht gleich der nächste Pentamter sein, der Gedanke kann schon durch mehrere Distichen laufen.

    Gruß,

    Ferdi

  13. #268
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    Ja, ich versuchte diesen Gedanken zu folgen und versuchte Anpassungen, insb. eben zu den ersten Versen, dessen Qualität diesbezgl. "geringer" war. Wir schreiben heute alle zur gleichen Zeit, ich sollte warten bis nach Mitternacht...

    Teil 2: Darf ich es folgendermaßen formulieren:
    Ein Gedicht in Distichien ist um so "wohlklingender", desto mehr Eigenständigkeit die Distichien in ihrer Sinnhaftigkeit (Verspaare) zulassen? Vor kurzem schrieb ich erst an anderer Stelle, die jeweiligen Distichien bräuchten keine Eigenständigkeit per se anstreben. Ich meinte auch eine Aussage-, eine Sinneinheit über mehrere Verse erstellen zu können. Ich meine aber zu begreifen, ersteres grundsätzlich anzustreben sei nun ratsamer. Diese sog. Hexameter- und Pentametergrenzen lassen sich wohl nur mit derartiger Taktik wahren.

    fietje
    Geändert von Butenlänner (08.08.2020 um 04:09 Uhr)

  14. #269
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    Hallo Butenlänner!

    Auch verbergen umsonst das Herz im Busen, umsonst nur
    Halten den Mut noch wir, Meister und Knaben, denn wer
    Möcht' es hindern und wer möcht' uns die Freude verbieten?
    Göttliches Feuer auch treibet, bei Tag und bei Nacht,
    Aufzubrechen. So komm! Dass wir das Offene schauen,
    Dass ein Eigenes wir suchen, so weit es auch ist.


    Hölderlin, Brot und Wein, 37-42. Ist vielleicht ein ganz gutes Beispiel für beides, "Regel" und "Regelverletzung".

    Schau auch mal auf die ganze achte Strophe:

    Nämlich, als vor einiger Zeit, uns dünket sie lange,
    Aufwärts stiegen sie all, welche das Leben beglückt,
    Als der Vater gewandt sein Angesicht von den Menschen,
    Und das Trauern mit Recht über der Erde begann,
    Als erschienen zuletzt ein stiller Genius, himmlisch
    Tröstend, welcher des Tags Ende verkündet' und schwand,
    Ließ zum Zeichen, dass einst er da gewesen und wieder
    Käme, der himmlische Chor einige Gaben zurück,
    Derer menschlich, wie sonst, wir uns zu freuen vermöchten,
    Denn zur Freude, mit Geist, wurde das Größre zu groß
    Unter den Menschen und noch, noch fehlen die Starken zu höchsten
    Freuden, aber es lebt stille noch einiger Dank.
    Brot ist der Erde Frucht, doch ists vom Lichte gesegnet,
    Und vom donnernden Gott kommet die Freude des Weins.
    Darum denken wir auch dabei der Himmlischen, die sonst
    Da gewesen und die kehren in richtiger Zeit,
    Darum singen sie auch mit Ernst, die Sänger, den Weingott
    Und nicht eitel erdacht tönet dem Alten das Lob.


    Da kommt der erste Punkt erst am Ende von V12 (!), aber das heißt nichts - die sechs Distichen sind trotzdem die Grundlage, jedes hat ein klar erkennbares Eigengewicht, einen Umriss, der es abhebt. In V10-V12 ist das leicht aufgelöst, aber auch das ist ja sinnvoll - zuviel Gleichlauf langweilt ...

    Gruß,

    Ferdi

  15. #270
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    Zitat Zitat von Claudi.
    Hallo Lé,


    "oft nicht" passt schon. Das Schiff in der vohergehenden Einfachsenkung ist ja auch ein ziemlicher Brocken.

    "Euch" und "durch" (Pronomen und Präposition) sind, auch wenn sie sich länger sprechen als "mich" und "in", keine bedeutungsschweren Silben. Solche reinen "Bauwörter" sind eher problematisch, wenn sie auf der Hebung eines zweisilbigen Fußes stehen. Davon hast Du in Deiner Überarbeitung noch ein paar drin, die ich Dir blau mache. Ungleiche Doppelsenkungen hast Du Dir schon gut abgewöhnt. Da habe ich nur noch eine unschöne gefunden, die ich grün mache.

    Wacht doch auf! Ich rufe - vom Friedhof der Göttergestalten.

    Gottheiten, Götter und Götzen - ins Leben gerufen durch euer
    Denken, sie haben enttäuscht, verblassten im Lauf der Geschichte.
    Gibt es jetzt neue Mächte, die euch im Plane bewegen?
    Spart euch die Mühe der Wahl! Sie würden verrotten wie
    Tempel im Sand der Zeiten, und selbst die geheimen Verschwörer,
    sinken im Staube dahin, wie auch die Reichsten der Erde,
    Kanzler, Minister, Eliten - denn weltliche Macht wird vergehen.

    Wägt und erkennt unsre Welt: die dunklen Mächte, die alles – "unsre" in der Senkung stört hier kaum, weil die Stammsilbe eines Verbs (kennt) eine ausreichend starke Hebungssilbe ist, um das Ungleichgewicht aufzufangen.

    lenken, wie auch das Chaos - sie werden im Geiste geboren. – hier hätte ich eher "wie" betont, ich habe es nur gleich behandelt wie das vorige "wie auch"

    Fietje, zu Deinem Versuch komme ich später noch. Eigentlich fände ich solche allgemeingültigen Sachen, die immer wieder auftauchen, besser im Übungsfaden oder im Sammelfaden aufgehoben.

    LG Claudi
    Hallo Claudi, danke für die Einordnung:

    Jedesmal wenn man ein neues Qualitätskriterium in das Spiel der eigenen Worte einfügen mag, entsteht ein bisschen Verwirrung.

    Deshalb noch ein, zwei Fragen zu diesen Dingen:

    Zu dem Gaudivers: "Über die Feiertage ist Dampfschifffahrt oft nicht möglich"
    In meinen noch nicht einmal so gut geschulten Ohren klingt er nicht wie ein Hexameter, obwohl er die wichtigsten Kriterien zu erfüllen scheint. Ich schreibe mal, was mir dazu einfällt :

    - Feiertage ist eine einseitige Senkung mit einer sehr kurzen Silbe ("schwer" und "leicht" sind Begriffe, die ich mir bisher nicht eindeutig erschließen und merken konnte).

    - Dampfschifffahrt ist das Gegenteil vom Feierabend

    - die Zäsur ist schwach

    - die Doppelsenkung am Anfang "über die Fei" ist seit euren Hinweisen für mich verdächtig, was das Spiel ganz kompliziert macht. Die Artikel "der" und "die" oder so etwas wie "Ihr", Dir" und "Wir" geraten halt sehr häufig in eine Doppelsenkung.

    Was gibt es für dich zu dem Gaudivers zu sagen?

    Gruß L
    "Die Leute die den Reim für das Wichtigste in der Poesie halten, betrachten die Verse wie Ochsen-Käufer von hinten."
    Georg Christoph Lichtenberg


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