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  1. #1
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    3.5.2020 - Schlagzeilen

    Sonntag, New York: Leichen verwesen,
    es riecht schon zum Himmel.
    Drüber die Drohnen, der Tod, und
    die letzten Grenzen verschwinden.

    Rechtsextremismus: niemals vorbei,
    die schwärzesten Zeiten,
    Adolf Hitler, das will man nicht wissen,
    ist damals gestorben.

    Kriege, Corona, Tote, Gewalt -
    genügt das für heute?
    Ehrlich jetzt, wär das ein Kampf,
    hätt ich das Handtuch geschmissn!

    ______________________________________________________________________________________
    Für Claudi und Fietje - Streitgedicht für die moderne Hexarei.
    Geändert von L'étranger (03.05.2020 um 17:37 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Lé,

    ui, ich bin geflasht und bedanke mich für die Widmung! Ja, hier kommt Deine Vorstellung vom modernen Hexa sehr gut rüber! Ich sehe, dass Du die Umbrüche an den Zäsuren wieder aufgelöst hast, was den Hexameter für Leser, die den Vers nicht genau kennen, sicher schwierig macht. Anders ausgedrückt, die meisten werden den Text vermutlich als Prosagedicht lesen.

    Es ist aber auch eine interessante Herangehensweise, die Form zugunsten des Inhalts in den Hintergrund treten zu lassen, und es ist klar ersichtlich, dass Du es genau so wolltest. Formal habe ich nicht viel zu meckern. Die Spondeenkette gleich am Anfang verkaufst Du mit dem Schlagzeilencharakter recht geschickt.

    Einziger Makel scheint mir der auftaktige Corona-Vers zu sein. Betonst Du Corona auf der ersten Silbe? Virus oder SARS sind wahrscheinlich keine passenden Ersatzwörter für Dich? Der Pentameter am Schluss gefällt mir gut, auch dass Du ihm die Zäsur beim Umbrechen gelassen hast. Beeindruckend, wie eigenwillig Du den Vers zu Deinem Gestaltungsmittel machst. Ich glaube, der liegt Dir!

    LG Claudi
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  3. #3
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    Aua, mit dem Corona hast du leider recht!
    Ach, da stelle ich einfach die Reihenfolge um.

    Danke u d Gruß von Lé.

  4. #4
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    Ja, so einfach kann es manchmal sein!
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  5. #5
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    ha,

    ich ahnte doch glix verdammi, der Le der hexat hier bald alles in Grund und Boden.

    Kriege, Corona, Tote, Gewalt -genügt das für heute?

    dennoch eine kleine Anmerkung meinerseits: wenn eben in deinem Hexa Zäsuren wären, gewissermaßen Zwischenzäsuren, dann müsst ich sie so kennzeichnen:
    Kriege,/Corona,/Tote,/Gewalt//genügt das für heute?
    wobei eines auffiele:
    Corona,/Tote
    wir wären am Versfuß.
    Deswegen gefiele mir eher:
    Kriege, Corona, Gewalt und Tod-genügt das für heute?

    lg
    .
    .
    .--------
    fietje

  6. #6
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    Hallo Fietje,

    Zwischenzäsuren - das ist tatsächlich ein Thema, über das ich bisher noch gar nicht gestolpert bin.
    Wo setzt man sie denn? Was sind die Regeln?

    Danke im Voraus,
    Lé.

    P.S.
    Tatsächlich las ich heute morgen auf meinem Tablet die Schlagzeilen in der "ZEiT Online". Mehrere Schlagzeilen kamen mir wie abgeschnitte Hexameter vor, und so entstand das Gedicht. Lustig!
    Geändert von L'étranger (03.05.2020 um 22:41 Uhr)

  7. #7
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    Hi le,
    ja da war etwas, aber ist jetzt irgendwie bei mir im Kopf nicht auffindbar.
    Ich meine ferdi, claudi, andere könnten helfen?
    Aber ich meine, getrennte Sinneinheiten sollten immer im Versfuß "ineinanderfließen". Für Aufzählungen eben mit Komma, bedarf es folglich auch einer Zäsur, aber...
    Mir fiel noch was ein:
    Kriege, Corona,Gewalt und Tod -
    genügt das für heute?
    Ehrlich jetzt,/ wär das ein Kampf,
    hätt ich das Handtuch geschmissn!
    Xxx-XxxXXxxXxxX
    obwohl Penta, wäre eben auch an der von mir gekennzeichneten Stelle eine Zwischenzäsur. Wäre aber in Ordnung, weil es diesbezüglich bei den ersten drei Silben variabel wäre...
    Geändert von Butenlänner (03.05.2020 um 23:39 Uhr)

  8. #8
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    Hi,

    ja da war etwas, aber ist jetzt irgendwie bei mir im Kopf nicht auffindbar.
    kein Problem, ich finde alles. Stimmt, die Frage hatte ich hier schon mal beantwortet. Ich denke, es kommt immer auf den Text an. Hier finde ich die kurzen Sinneinheiten mit der härteren Zäsur zwischen den Füßen ganz passend zu den Schlagzeilen. Die werden quasi richtig rausgeschmettert.

    Zwischenzäsuren - das ist tatsächlich ein Thema, über das ich bisher noch gar nicht gestolpert bin.
    Wo setzt man sie denn? Was sind die Regeln?
    Das sind die ganz normalen Sinneinschnitte, die mehr oder weniger in jedem Satz vorkommen. Wie stark sie den Satz, evtl. auch durch Satzzeichen in kleine oder größere Sinneinheiten zerlegen, kommt auf den Text an. Eine dieser Zäsuren soll jedenfalls im 3. oder 4. Fuß liegen. Das ist die Verszäsur oder Hauptzäsur. Es kann durchaus auch vorkommen, dass die Hauptzäsur schwächer ist als eine Nebenzäsur.

    LG Claudi
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  9. #9
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    Stimmt damit Fietjes Einwand gegen die erste Zeile?

    Ich persönlich sehe ja die komplette Aufzählung zum Auftakt der dritten Strophe als eine einzige Sinneinheit an, die Kommas dienen ja nur der Aufzählung.

    Gruß von Lé.

  10. #10
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    Hi claudi, hi le,
    nicht verzagen, claudi fragen!

    Singe uns, Dichter der Neuzeit, Triumphe lieblicher Klänge,

    Zitat Claudi:
    Wie Du selbst sagst, ist es eine Nebenzäsur (die muss nicht zwangsläufig im Versfuß liegen). Okay, wenn Du möglichst alle Sinnfugen verschliffen haben möchtest, ist nichts dagegen einzuwenden. Das macht die Bewegungen sehr geschmeidig. Verboten ist es allerdings nicht, ab und zu eine Phrase betont zu beginnen, sofern das nicht an der Hauptzäsur passiert. Dadurch kommen ein paar Ecken und Kanten hinein, was letztlich auch Abwechslung bringen kann.
    Copy, paste, fertig!

    Demnach läge kein Fehler vor, es wäre eher eine Geschmacksache, bzw eine Frage des guten Geschmacks.

    Und den Musenkuss bringe ich auch noch zu Ende.

    lg
    .
    .
    .
    -----------
    fietje

  11. #11
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    Moment!
    Einen Nachtrag noch:

    Kriege, Corona, Tote, Gewalt, genügt das für heute?
    ---------------------------vs
    Kriege, Corona, Gewalt und Tod, genügt das für heute?


    Xx xXx Xx xX - xXx xXx
    ----------vs
    Xx xXx xXxX - xXx xXx

    sehe ich die Wortfüße richtig?

    lg
    fietje

  12. #12
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    Ja, die hätte ich genau so gemalt, nur die Zäsur könnte im ersten Fall bereits nach "Tote" sein, im zweiten Fall nach Gewalt.

    Soweit ich bis jetzt verstanden habe, ist die Position dahinten nur eine Ausnahme, für den Fall, das es vorne nicht klappt (und vorne mindestens ein Komma mögl. Sinneinheiten trennt).

    Gruß Lé.

  13. #13
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    Kriege, Corona, Tote, Gewalt, genügt das für heute?
    ---------------------------vs
    Kriege, Corona, Gewalt und Tod, genügt das für heute?


    Xx xXx Xx xX - xXx xXx
    ----------vs
    Xx xXx xXxX - xXx xXx

    hi
    aber die Hauptzäsur wäre eben in beiden Versen klar, die wäre m.E. in beiden Versen an gleicher Stelle, rechts eben in beiden Versen: >genügt das für heute?< die linke Sinneinheit wäre nur durch die Taktung unterscheidbar. Jetzt lege eine Walzerplatte auf in Gedanken. Wir brauchen ja einen daktylen, hexametrischen Sound. Dann noch mal durch die Xe mit Dumdidi ----- Rein vom Sound her, wäre der untere Vers meine ich eher beim Hexa. Ich meine es liegt am seperaten Trochäus innerhalb des oberen Verses. Am Anfang und am Ende ist er halt, aber dazwischen fällt er mir immer irgendwie ins Ohr. Da mag ich aber auch eigen sein.

    lg
    .
    .
    .
    -----------
    fietje

  14. #14
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    Hallo,

    Ja, die hätte ich genau so gemalt, nur die Zäsur könnte im ersten Fall bereits nach "Tote" sein, im zweiten Fall nach Gewalt.

    Soweit ich bis jetzt verstanden habe, ist die Position dahinten nur eine Ausnahme, für den Fall, das es vorne nicht klappt (und vorne mindestens ein Komma mögl. Sinneinheiten trennt).
    Ja, sehe ich auch so. Im ersten Fall:

    Kriege, Corona, Tote, || Gewalt, genügt das für heute?
    Xx xXx Xx || xX xXx xXx

    Diese Variante würde ich in diesem Text bevorzugen, weil die Toten mit dem dritten Fuß richtig rausknallen. Normalerweise vermeidet man es eher, den dritten Fuß mit einer neuen Sinneinheit zu beginnen. Hier ist der Wortfuß aber sehr kurz, bewirkt also dennoch die Zäsur im dritten Fuß. Im dreigeteilten Vers würde ich die erste Zäsur immer so wählen, dass der zweite Versabschnitt unbetont beginnt.

    Im zweiten Fall:

    Kriege, Corona, Gewalt || und Tod, genügt das für heute?
    Xx xXx xX || xX xXx xXx

    kann man sich streiten. Wer "Gewalt und Tod" gerne eng zusammenhängend lesen möchte, soll das machen. Das "und" wirkt für mich hier aber als "Weichmacher" für den Tod und nimmt ihm die Durchschlagskraft, die solche Schlagzeilen ja haben sollen.

    LG Claudi
    com zeit - com .com

  15. #15
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    Guten Morgen Fietje,

    dein Argument mit dem Walzer versteh ich gut.

    Ich habe an dieser Stelle die Rythmusstörung aber gerne in Kauf genommen. Es liegt mir daran, dort vorne sehr schnell und hart zu lesen. Ich war sogar in Versuchung, das Wort Corona gegen Virus auszutauschen, damit es da vorne noch abgehackter klingt.

    Was ich hier entdeckt habe, bei diesem Schreiben, ist dass die Schlagzeilen eine Methode benutzen, die dem Hexameter ähneln: ein harter, aufmerksamkeitsheischender Auftakt, und dann ein erzählender Redestrom, der oft im Kontrast sehr melodiös klingt. Also sind Schlagzeilen so etwas wie neuzeitliche Hexameter in Prosa.

    Solche Gedanken machen mir Spaß.

    Gruß von Lé.

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