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Thema: Frost

  1. #16
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    Ich habe nichts gegen Kirschbäume, die mitten im Wasser wachsen, nichts gegen Kirschblüten, die wie Segelflieger bei frostiger Windstille meilenweit auf Reisen gehen und danach auf ebenso stillen Teichspiegeln kreisen. Nur zu!

    Aber das hat mit dem, wie's in der Natur wirklich abläuft, nichts zu tun, wie L'étranger richtig bemerkt. Wen kümmert's?

    Die Haikühe muhen sanft und möchten heim in den Stall. Was wollten sie schon mit segelfliegenden Kirschblütenkreisen im Fischwasser anfangen? Das Kraftfutter lockt!

    salvelina
    Geändert von salvelina (15.05.2020 um 20:17 Uhr)

  2. #17
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    Zitat Zitat von L'étranger Beitrag anzeigen
    Hallo,

    Ich finde, es ein wenig absurd, über eine Naturbeobachtung zu streiten.
    Das Haiku hat euch längst verlassen.

    Jetzt spricht es mit den modernistischen Texten, die auch 17 Silben zählen.
    Eines davon spricht:

    Kirschblüten kreisen
    Stille am spiegelnden Teich
    wo Frösche streiten

    Lé.
    Hey Lé,

    ich lenke an dieser Stelle ein und lasse die Diskussion über die Naturbeobachtung sein. Allerdings finde ich es schwierig bis unmöglich, dann überhaupt noch über den Text zu reden? Nunja, schade Ich gestehe gerne, dass ich von Haiku keine Ahnung habe und womöglich völlig fehl am Platz bin, daher halte ich mich also jetzt raus.

    Entschuldigung für meine Dummheiten in die gesamte Runde der erlauchten auf diesem Gebiet.

    Liebe Grüße!

  3. #18
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    Ihr Lieben,
    ist es nicht ein herrliches Bild, wenn der unerbittliche Sach- und Fachverstand den Hobby- Naturbeobachter soeben in seine Schranken verwiesen hat, und ihm dabei zuschaut, wenn diesem seine Blütenträume entgleiten, die um sich selbst kreisend den Bach hinunter gehen, wenn diese kruden Bilder dann schließlich entlarvt sind und in der Blüte ihrer Stümperhaftigkeit in einem Pfuhl vor sich herdümpeln? Ein Bild vom natürlichen Vergehen, in welches der Zeigende eingebunden ist und untergeht...
    Auch wenn dieses Bild nach einem Frost soeben noch mit dem Geschmäckle des Zweifels bedacht worden ist, welches wiederum das Geschmäckle von plumper Rechhaberei erzeugt, so büßt es nichts von seiner Poesie und Kraft ein. Es erinnert mich an die Totenrituale des Hinduismus und die Blüten in einem Fluss. Das Gleiten habe ich als ,,Segeln“ auf einem Zulauf verstanden, Und auch wenn der Baum direkt am Tümpel steht, bleibt es ein stimmiges Bild. Blüten oder gewiss auch Blütenblätter passen in dieses aussagestarke Haiku. Dem stille Kreisen mag ich gerne folgen und dabei innehalten,
    sehr gerne gelesen, L.G.A.
    Geändert von Anjulaenga (16.05.2020 um 16:32 Uhr)

  4. #19
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    Hi, jetzt wurde ich versehentlich von "Salvelina" vereinnahmt.

    Nichts läge mir ferner ..

    Übrigens: wenn Haikühe häufiger in japanischen Gartenteichen grasen dürften, gäbe es sicher noch mehr Kurzgedichte über sie!

    Gruß Lé
    Man hat mich ermutigt, zu glauben, ich lebte an einem absurden Ort auf einem unbedeutenden Planeten am Rande einer kleinen Galaxie in einem langsam erkaltenden Universum.

  5. #20
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    Zitat Zitat von L'étranger Beitrag anzeigen
    Hi, jetzt wurde ich versehentlich von "Salvelina" vereinnahmt.
    Nun, lieber Lé, das ist doch offensichtlich. Ich konnte dem korregierenden Kirschblütenspezialisten entnehmen, dass der schwimmende Aufenthalt einer gesamten Kirschblüte nach einem Frostbefall im Wasser der Natur einfach nicht vorgesehen ist, und dass deshalb kein Haiku- Stoff für eine echte Naturbetrachtung vorliegt. Wenn uns der Autor trotz dieses abschlägigen Experten- Bescheides auf seine Naturbeobachtung hinweist, so sind andere natürliche Kräfte anzunehmen. Es kann ja nicht sein, dass was nicht ist, das nicht kann sein.
    Ist aber letztendlich wie bei Corona. Wer die Deutungshoheit über die Bilder hat, kann sich am ehesten als Experte profilieren. Im Nachgagng kommt der Nachhall ins Spiel, der uns bei der Betrachtung der menschlichen Natur mit seinem Geltungsbedürfnis unsere Vergänglichkeit spüren lässt. L.G.A.
    Geändert von Anjulaenga (16.05.2020 um 14:26 Uhr)

  6. #21
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    Hallo Anjulaenga,

    ich möchte noch einmal darauf hinweisen:
    In meinen physikalischen Betrachtungen des im Gedicht beschriebenen Sachverhalts über Blüten und Kirschbäume, konnte ich meines Erachtens nach zweifelsfrei darlegen, dass die gemachten Schilderungen vollkommen im Bereich des Möglichen für die Natur liegen.

    Liebe Grüße

  7. #22
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    Naturwissenschaftlich problematischer Haiku über den Mond (Kein Spam)

    Gelber Tennisball.
    So ein kräftiger Aufschlag -
    und im blauen Netz!



    greetse
    ww
    alis nil gravius, o nycticorax

  8. #23
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    Liebe MiauKuh, das denke ich auch. L.G.A.

    Lieber Willibald,
    Gemessen am Stand der aufgeklärten Wissenschaft besteht ein riesiger Unterschied zu primitiven Naturvölkern. Diese werden uns ihre Naturbeobachtungen ganz anders beschreiben. Das Haiku wird keinen Unterschied machen können, weil es von Beobachtungen gefüttert wird deskriptiv bleibt. Der gelbe Tennisball bleibt im Auge des Betrachters solange ein gelber Tennisball, bis er ihn in der Hand hält, und dieses dann korrigieren muss, weil er mit ihm kein Tennis spielen kann. Ausgewiesene Mond- Experten werden diesem einfältigen Tor natürlich schon viel früher klarmachen und verraten wollen, dass der Mond für seine kleinen Hand viel zu groß ist. Nun, was heißt das? Ein Haiku gehört wohl eindeutig in erfahrene Erwachsenenhände. L.G.A.

  9. #24
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    Liebe Anjulaenga, lieber MiauKuh,

    vor drei Jahren, am 03-05.2017, also im Wonnemonat Mai, stellte ich das nachfolgende Gedicht ins Netz, nachdem ich das gleiche Phänomen (vom Frost überfallene und abgefrorene Kirschblüten fallen am Morgen herab) am Tag zuvor erlebt hatte. Müßig erscheint darüber zu streiten, wenn man es (wie ich) unter den genannten Voraussetzungen beobachten kann.

    Klage einer Kirschblüte


    Wo war denn deine Wärme? Wo,
    als in der Nacht mein Hochzeitskleid
    von Reif bedeckt im Frost erstarrte,
    als ich im Todeswimmern
    den kalten Stahl in meiner Seele spürte?

    Du hast mit deiner Wärme
    zum Leben mich hervorgelockt,
    die Lust zum Lieben mir geweckt.
    Voll Sehnsucht dehnte ich die Glieder,
    wuchs durch den Morgentau
    in eine Welt von tausend Farben.

    Wie fühlte ich mich leicht
    in deinem Strahlenmantel,
    wie tanzte freudeschauckelnd ich
    durch wunderlinde Frühlingslüfte.
    Mein Gott warst du.Dich hab ich angebetet.
    Soll ich mit Tränenbitternis
    für deine Wohltat büßen?

    Du schweigst.
    Was kümmert dich mein Klagen,
    mein jugendfrisches Leben,
    hingewürgt durch mörderischen Frost?
    Wer hieß dich hinter Wolkenmauern
    warten, bis der Schnitter Frost
    die Schwestern totgemäht?

    Die Amsel moduliert ihr Liebeslied.
    Todmüde taumle ich zur Erde nieder.
    Nie werd ich wieder Bienensummen hören,
    werd nicht wachsen, werd nicht reifen,
    werd entwest und nirgend bleiben.

    Herzlichen Gruß
    Carolus

  10. #25
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    Grüße Dich, Anjulaenga,

    kurz zum Hintergrund. Bei der Diskussion um naturwissenschaftliche Korrektheit in Poesie und Haiku schien mir die poetische Lizenz recht viel zu erlauben, was botanisch und sonst nicht einwandfrei ist.
    Daher ein Haiku mit dem Mond als Referenz, praktisch eine versifizierte Metapher, ohne Hinweise auf die Zieldomäne. Und der Tennisball - weit weg von biologischen Mustern - schien mir sehr statthaft. Und daher salvelinas Kritik übertrieben.
    Dann aber schien mir, dass hier die Metapher etwas erlaubt. Und dass das daher keine Schwächung von salvelinas Ansatz bedeutet.
    Danke für response

    Da
    Geändert von Willibald W (17.05.2020 um 16:41 Uhr)
    alis nil gravius, o nycticorax

  11. #26
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    Grüße dich zurück, lieber Willibald,

    dass selbsternannte Gralshüter von Haikus (mich zuweilen eingeschlossen) auf das Regelwerk pochen, erscheint mir sinnvoll, damit sich die praktizierenden Künstler an die dahinterstehende Kunstform erinnert fühlen, sich daran messen lassen und sich daran abarbeiten. Die Rubrik ist mit "japanische Formen" überschrieben und die ständige Frage bleibt: ab wann diese Form erfüllt ist, damit die Wirkung des Nachhalls eintritt. Ein kaligraphische Bild kann deutsche Dichtkunst nicht wiedergeben. Drei Zeilen, oder siebzehn Silben machen noch kein Haiku, soviel steht fest. Sprachlich geht es folglich um die deutsche Adaption eines völlig anderen Kulturkreises, und es bleibt ein bemühtes Nachahmen. Für uns bleibt viel Raum um uns über die "Richtigkeit" auszulassen. "Schmierfink" z.B. wäre für mich jetzt keine objektive Naturbeobachtung. Es ist ein wertender Begriff und gehört in eine andere Kategorie, auch wenn sich noch so schöne Gleichnisse an das Wort anknüpfen ließen. Anders als es jedoch salvelina beschreibt, will ein Haiku keine Gleichnisse erzeugen. Es will einen Nachhall erzeugen, der uns spüren lässt, dass wir in den Kreislauf einer natürlichen Vergänglichkeit eingebunden sind. Ein Gleichnis entspricht vermtl. eher einer europäische Tradition, die belehren will und pädagogische Ansprüche/ Absichten verfolgt. Und an dieser Stelle muss eine Richtigstellung erfolgen, weil salvelina sich zwar wortgewaltig und wissend in Szene gesetzt hat, was bei genauerer Betrachtung für mich aber eher fragwürdig blieb.
    Da Naturbeobachtung eine Angelegenheit ist, welche von der Verarbeitung der Sinnesreize abhängt, bleibt diese Unternehmung im höchsten Maße subjektiv. Natürlich kann ich als Leser meine eigenen Erfahrungen einstreuen und auf Plausibilität hin untersuchen, muss aber gleichzeitig zur Kenntnis nehmen, dass der Hinweisende im Mond gerade einen Tennisball endeckt hat, auf welchen er mich aufmerksam machen möchte. Ich muss mich ein stückweit auf seine Sicht und seine " Poesie" einlassen, wenn ich ihn begreifen will. Das hat u.U. etwas mit Empathie zu tun, das ich mir für diesen Moment eine fremde Sicht zu eigen mache, um die Poesie in Gänze zu begreifen. Ich muss verstehen, dass der Schwan auf einem anderen Schwan gleiten kann, der verdreht irgendwo im Wasser liegt. Die Plausibilitätsprüfung mag da zu ganz anderem Schluss kommen und mir das Prinzip von Spiegelbildern oder abfallenden Blüten erklären wollen. Spätestens dann ist es jedoch aus mit einem Haiku. Dann will es plötzlich um Konfrontation, Profilierung oder anderen Kram gehen. Und darauf hat mein Kommentar abgezielt.
    Die Naturbeobachtung muss mEa. beileibe keine naturwissenschaftliche Beobachtung darstellen, sonst würde sie sich der Metaebene eines Nachhalls oftmals verschließen, da bin ich ganz bei dir, (und bei dem was z.B. rosenrot in #16 zu "Erinnerung" von Onegin geschrieben hat).
    L.G.A.
    Geändert von Anjulaenga (17.05.2020 um 23:01 Uhr)

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