1. #1
    Registriert seit
    Mar 2020
    Beiträge
    103

    Sunt sub aquaa

    Schau, wie der Schmierfink
    die Sonne Dritter für sich
    scheinen lassen will -

    vergebliches Mühn!
    Grau bleibt sein blasser Balg, kein
    Schwung in der Feder.

    Droben, die Lerche!
    Die braucht kein glänzendes Kleid
    zum hohen Gesang.

    salvelina

  2. #2
    Registriert seit
    Apr 2014
    Beiträge
    2.097
    Liebe/r salvelina,

    ob diese perfekte Haikuform einem Haiku gerecht würde, ist eigentlich unerheblich, zumal dieses dreistrophige Gedicht auf wunderbare Weise ihr hohes Loblied auf die Lerche zu singen weiß. Der zunächst abfällige, hinweisende Fingerzeig in der ersten Strophe wird spätestens in der dritten Strophe zum erhobenen Zeigefinger mit Zaunpfahlcharakter, als es den Blindfischen unter dem Wasser zeigen will, was wahre Gesangsgröße droben in der Höhe bedeutet. Hier will sich uns ein anzunehmendes wissendes LI offenbaren, welches sich in moralisch überlegener Position befindet. Es weiß schließlich, wo oben und unten ist. Vielleicht wähnt sich das LI schon selbst im glänzenden Federkleid einer Lerche in schwindelnder Höhe und übersieht dabei, dass es wohl doch eher einer gemeinen Spottdrossel ähnelt. Aber das sind ja auch ganz tolle und interessante Vögel.
    gerne gelesen, L.G.A.
    Geändert von Anjulaenga (16.05.2020 um 16:30 Uhr)

  3. #3
    Registriert seit
    Apr 2020
    Ort
    Bei Yan
    Beiträge
    359
    Hallo,

    das "li" und das "pi" - beide sind frei. Das "I" muss sich nicht an sie binden.

    In den Gedichten hier und anderswo zeigt sich das "li" mal liebeskrank, mal rührselig, mal mahnend, mal mit erhobenem Zeigefinger. Dann würde man ihm häufiger wünschen, es könne genesen. So geht's mir oft. Manchmal mag das "I" das sogar beabsichtigen ...

    Diesem "li" hier wünsche ich ebenso, was in Salvelinas Nick versteckt liegt: "Salve li = gesunde li !"

    Gruß Lé.
    Geändert von L'étranger (17.05.2020 um 11:07 Uhr)
    Man hat mich ermutigt, zu glauben, ich lebte an einem absurden Ort auf einem unbedeutenden Planeten am Rande einer kleinen Galaxie in einem langsam erkaltenden Universum.

  4. #4
    Registriert seit
    Mar 2020
    Beiträge
    103
    "salvelina" ist ein Kunstwort. Dass es klein geschrieben wird, weist darauf hin, dass es keine Eigenname, sondern etwas anderes ist. Vielleicht ist es ein Zustand? Jedenfalls klingt es ein bisschen wie das lateinische "salvelinus", womit ein Saibling gemeint ist - ein anspruchsvoller, auf klares, reines und kühles Wasser angewiesener Fisch aus der Familie der Salmoniden. Es gibt ihn erst seit der letzten Eiszeit bei uns.

    Und das mit der ..."lina"? Hm. Ich könnte mir vorstellen, dass es etwas mit der Befindlichkeit des sich so Bezeichnenden zu tun haben könnte. Was auch immer ...

    salvelina

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Wo sind hier Zwillinge? - Ubi sunt Gemini?
    Von Waldbaum im Forum Laberecke
    Antworten: 17
    Letzter Beitrag: 06.12.2015, 23:10

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden