Ein kleiner Garten, züchtig, fein.
Idyllisch kann er nicht mehr sein.
Ein Ast vom Nachbarapfelbaum,
Der ragt zu weit über den Zaun.
Ab jetzt die Schimpftiraden starten,
Ein Kriegs ists wohl, ohne Granaten.

Die Schwiegertochter ist nicht recht,
Ist für den Sohn doch viel zu schlecht.
Bei jedem Feste gibt es Streit,
Es fehlt doch stets die Herzlichkeit.
Die Enkel sind zu laut geraten,
Ein Kriegs ists wohl, ohne Granaten.

Der Vater, Gott sei ihm doch gnädig,
Vererbte Geld und nicht zu wenig.
Doch teilen müssen es sich drei,
Gerechter wär, es wären zwei.
Der Dritte hat ihn stets verraten,
Ein Kriegs ists wohl, ohne Granaten.

Die Politik spaltet die Leute,
So war es gestern, ist es heute.
Man feierte im schönsten Bunde,
Bis Politik machte die Runde.
Ein jeder will dem andern raten,
Ein Kriegs ists wohl, ohne Granaten.

Die Nachbarschaft ist grauenhaft.
Die Großeltern dahingerafft.
Drei Brüder bis aufs Blut zerstritten.
Ein ganzes Land vom Wahn geritten.
Es brauchte nicht mal die Granaten,
Im Krieg verlieren immer,( Pause) die Soldaten.

Martin Seidel 2020