1. #1
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    Die Nacht (Pantun)

    Die Nacht


    Hell singt die Nacht von Weh und Glück.
    Still träumt der Tag und jedes rege Wort
    verfliegt, geht gleitend Stück für Stück
    lautlose Weite zieht mich fort.

    Still träumt der Tag und jedes rege Wort
    führt mich hinunter in die Tiefe,
    lautlose Weite zieht mich fort,
    mir ists, als ob mich jemand riefe,

    führt mich hinunter in die Tiefe.
    Im Schattenkleid geht ruhig eine Frau,
    mir ist, als ob mich jemand riefe,
    geheimnisvoll im Lapisblau.

    Im Schattenkleid geht ruhig eine Frau.
    Des Schlafes Schwester unbekanntes Bild:
    Geheimnisvoll im Lapisblau,
    entfernt sich still, lächelt sie mild?

    Des Schlafes Schwester unbekanntes Bild,
    verfliegt, geht gleitend Stück für Stück,
    entfernt sich still, lächelt sie mild?
    Hell singt die Nacht von Leid und Glück.
    Geändert von Miserabella (31.05.2020 um 06:39 Uhr)

  2. #2
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    Wow! Diese Form kannte ich bisher nicht. Sehr elegant!

  3. #3
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    Hallo Tali,

    dann ist es ja fein, dass du dieser Form jetzt über den Weg gelaufen bist.

    Falls du dich dazu noch genauer umsehen möchtest, gibt es dazu diesen lesenswerten Faden:


    https://www.gedichte.com/showthread....177#post862177


    LG,
    Mi

  4. #4
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    Hallo Mi!

    Vielen lieben Dank für den Link! Es ist in der Tat eine faszinierende Form!

    L.G.

  5. #5
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    Lb. Miserabella,

    Hell singt die Nacht von Weh und Glück.
    xXxXxXxX
    Still träumt der Tag und jedes rege Wort
    xXxXxXxXxX
    verhallt, geht gleitend Stück um Stück
    xXxXxXxX
    lautlose Weite zieht mich fort.
    xXxXxXxX

    Still träumt der Tag und jedes rege Wort
    xXxXxXxXxX
    führt sanft hinunter in die Tiefe,
    xXxXxXxXx
    lautlose Weite zieht mich langsam fort,
    xXxXxXxXxX
    mir ists, als ob mich jemand riefe,
    xXxXxXxXx

    führt sanft hinunter in die Tiefe.
    xXxXxXxXx
    Im Schattenkleid geht schweigend eine Frau,
    xXxXxXxXxX
    mir ist, als ob mich jemand riefe,
    xXxXxXxXx
    geheimnisvoll im Lapisblau.
    xXxXxXxX

    Im Schattenkleid geht ruhig eine Frau.
    xXxXxXxXxX
    Des Schlafes Schwester unbekanntes Bild:
    xXxXxXxXxX
    Geheimnisvoll im Lapisblau,
    xXxXxXxX
    entfernt sich still, lächelt sie mild?
    xXxXXxxX

    Des Schlafes Schwester unbekanntes Bild,
    xXxXxXxXxX
    verfliegt, geht gleitend Stück für Stück,
    xXxXxXxX
    entfernt sich still, lächelt sie mild?
    xXxXXxxX
    Hell singt die Nacht von Leid und Glück.
    xXxXxXxX

    Ein netter Versuch. Leider stimmt die Metrik nicht und die Wiederholungen sind nicht immer gleich.
    Entgegen der allgemeinen Meinung schreibe ich immer in der letzten Strophe die zweite Zeile mit der ersten Zeile der ersten Strophe übereinstimmend und die vierte mit der dritten so, dass die erste Strophe zu einer Folgestrophe der letzten wird.

    Beispiel mein Gedicht mit Mittelreimen

    Lebensträume

    Mein Pferd hat Flügel, es fliegt mit mir,
    durch bunte Weiten, in hellem Glanz,
    weit über Hügel zur Himmelstür.
    Viel Bilder gleiten, bei frohem Tanz.

    Durch bunte Weiten, in hellem Glanz,
    hoch fliegend drüber, mit weitem Schwung.
    Viel Bilder gleiten, bei frohem Tanz,
    er wird zu trüber Erinnerung.

    Hoch fliegend drüber, mit weitem Schwung,
    schweb ich durch Zeiten, im großen Raum.
    Er wird zu trüber Erinnerung,
    dies wird bereiten, den Lebenstraum.

    Schweb ich durch Zeiten, im großen Raum,
    zum Traum im Trüben, beladen schwer.
    Dies wird bereiten den Lebenstraum.
    Nur ohne Lieben, sind Träume leer.

    Zum Traum im Trüben, beladen schwer,
    liegt Zukunft offen, für jeden Flug.
    Nur ohne Lieben, sind Träume leer
    das lässt uns hoffen, abseits von Trug.

    Liegt Zukunft offen, für jeden Flug?
    Mein Pferd hat Flügel, es fliegt mit mir
    das lässt uns hoffen, abseits von Trug,
    weit über Hügel, zur Himmelstür.

    LG Hans
    Geändert von Hans Plonka (29.05.2020 um 22:15 Uhr)
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  6. #6
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    Hallo Hans,

    dankeschön für dein Pantun, das gefällt mir sehr gut. Die Pantunform ist zwar tricky, das dynamische Eigenleben was durch sie entwickelt wird, ist jedoch äusserst faszinierend.

    Was nun deine Rückmekdung betrifft, muss ich nachfragen. Es ist richtig, dass ich kein gleichmäßiges Metrum in Sinne der selben Anzahl von Jamben verwende, sondern die Anzahl wechselt innerhalb der Verse. Die ursprüngliche Version war auch so geschrieben gewesen, also regelmäßig, was ich nun hier verändert habe. Wenn ich darin der ursprünglichen Form (Antichris Beitrag) folge, bzw. nicht folge, ist das eine bewusste Abweichung, die du hier ansprichst sprichst. Das dürfte also, solltest du dazu keine Einwände haben, geklärt sein.
    Nun hatte ich mich schon gefragt, was du mit veränderten Versen meintest, denn ich war davon ausgegangen, dass ich exakt die selbe Verse genommen hatte und sehe gerade, dass sich da von mir unbemerkt, Veränderungen eingeschlichen haben. Danke, das ändere ich noch.
    Mit besten Dank für deinen Besuch,
    Mi
    Geändert von Miserabella (30.05.2020 um 06:16 Uhr)

  7. #7
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    Hei Miserabella,

    Pantuns sind schon eine kleine Herausforderung. Deines ist dir weitgehend gelungen, nur an einer Stelle sehe ich einen Bruch:

    Zitat Zitat von Miserabella
    Still träumt der Tag und jedes rege Wort
    führt sanft hinunter in die Tiefe,
    lautlose Weite zieht mich fort,
    mir ists, als ob mich jemand riefe,

    führt sanft hinunter in die Tiefe.
    Im Schattenkleid geht ruhig eine Frau,
    mir ist, als ob mich jemand riefe,
    geheimnisvoll im Lapisblau.
    Was die exakte Wiederholung der Verse betrifft, sehe ich es nicht so eng wie Hans. In geringen Maßen vorgenommene Änderungen können ein Pantun noch runder machen. Das habe ich selbst schon mehrmals ausprobiert.

    Auch wenn das folgende Beispiel nicht perfekt ist, verdeutlicht es doch, was ich meine, und es fließt nahtloser:

    "es führt mich sanft hinunter in die Tiefe."

    LG
    Sidgrani
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  8. #8
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    Hallo Sidgrani,

    schön dass du vorbeischaust und du hälst den Finger auch gleich auf die richtige Stelle.
    Ursprünglich hieß es "Führt mich hinunter in die Tiefe". So fügt es sich eigentlich besser ein, ich wollte aber ein "mich" loswerden, die so entstandene Einkürzung ist aber nicht schmiegsam.
    Alternativ ginge deine vorgeschlage Änderung oder ich nehme doch ein doppeltes "mich" in Kauf. Ich denke, so mache ich es, vielleicht fällt ja jemand noch eine Möglichkeit ein.

    LG,
    Mi

  9. #9
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    Hallo Mi,

    das ist besser, ich habe aber noch einen Vorschlag:

    Still träumt der Tag und jedes rege Wort,
    es zieht mich runter in die Tiefe,
    lautlose Weite führt mich fort,
    mir ists, als ob mich jemand riefe,

    es zieht mich runter in die Tiefe,
    Im Schattenkleid geht ruhig eine Frau,
    mir ist, als ob mich jemand riefe,
    geheimnisvoll im Lapisblau.

    LG und ein frohes Pfingstfest
    Sidgrani
    Dichten und dichten lassen

  10. #10
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    Hallo Sidgrani,

    jupps, das ginge auch, nur wollte ich "zieht mich hinunter" vermeiden.

    Dir auch schöne Pfingsten.

    Lg,
    Miserabella

  11. #11
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    Hi ihr Pantumfreaks,
    nein nein, wir sind nicht d'accord.

    Die Nacht


    Hell singt die Nacht von Weh und Glück.
    XxxXxXxX (jo, gut so..
    Still träumt der Tag und jedes rege Wort
    XxxXxXxXxX (könnte ich auch derart lesen, verbietet mir ja keiner und es ginge eben..)
    verfliegt, geht gleitend Stück für Stück
    xXxXxXxX
    lautlose Weite zieht mich fort.
    XxxXxXxX (jaja)

    Still träumt der Tag und jedes rege Wort .... ..(ja, auch hier könnte ich)
    führt mich hinunter in die Tiefe, . . . . (ja, usw usf...)
    lautlose Weite zieht mich fort, . . . (ja eben: XxxXx.. oder xXxXx..)
    mir ists, als ob mich jemand riefe,

    (führt mich) hinunter in die Tiefe.
    Im Schattenkleid geht ruhig eine Frau,
    mir ist, als ob mich jemand riefe,
    geheimnisvoll im Lapisblau.

    Im Schattenkleid geht ruhig eine Frau.
    Des Schlafes Schwester unbekanntes Bild:
    Geheimnisvoll im Lapisblau,
    entfernt sich (still, lächelt) sie mild?

    Des Schlafes Schwester unbekanntes Bild,
    verfliegt, geht gleitend Stück für Stück,
    entfernt sich (still, lächelt) sie mild?
    (Hell singt) die Nacht von Leid und Glück.

    nein nein, nicht d'accord. Wäre eher ein "könnte-Pantum". Aber wozu Pantum? Warum nicht Schubert heranziehen? und gewissermaßen mixen, also einen "mix it up baby" style regeln?

    Leise flehen meine Lieder
    Durch die Nacht zu dir;
    In den stillen Hain hernieder
    Liebchen, komm zu mir!

    Also:

    mir singt die Nacht von Weh und Glück.
    Stille träumt der Tag und jedes rege Wort
    verfliegt, geht gleitend Stück für Stück
    lautlos zieht die Weite mich hinfort.

    statt original:

    Hell singt die Nacht von Weh und Glück.
    Still träumt der Tag und jedes rege Wort
    verfliegt, geht gleitend Stück für Stück
    lautlose Weite zieht mich fort
    .

    insbesondere das Wort "lautlose", welches am Anfang eines Verses eher melodisch ungebunden gelesen wird, wird mMn einem Pantum par excellence nicht gerecht werden können. Aber warum auch?



    lg

    .

    .

    . . .
    Fietje

  12. #12
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    Guten Morgen,

    ich poste zum Vergleich eine Vorgängerversion dieses Pantuns, bei der weitgehend Wort -, und Versfüsse (4hebiger Jambus, mal männlich, mal weiblich endend) übereinstimmten.

    Die Nacht

    Die Nacht singt hell von Weh und Glück,
    der Tag verfliegt mit jedem Wort,
    die Bilder fallen Stück um Stück
    und Stille zieht mich langsam fort.

    Der Tag verfliegt mit jedem Wort,
    sie führt mich weiter in die Tiefe,
    die Stille zieht mich langsam fort.
    mir ist, als wenn mich jemand riefe.

    Sie führt mich weiter in die Tiefe,
    da wandelt sie, die dunkle Frau,
    mir ist, als wenn mich jemand riefe,
    einsam steht sie, im Lapisblau

    Da wandelt sie, die dunkle Frau.
    Mein Herz pocht ungestüm und wild,
    einsam steht sie, im Lapisblau.
    Ich spür es wohl, sie lächelt mild.

    Und Sehnsucht keimt und wächst in mir,
    die Bilder fallen Stück um Stück,
    doch noch zieht es mich weg von ihr,
    die Nacht singt hell, von Weh und Glück.




    Das kam mir nun etwas geleiert und eintönig vor und ich dachte, warum nicht die Wortfußmelodie abweichen lassen und die Anzahl der Hebungen variieren und da lese ich 1. Strophe so:



    Hell singt die Nacht von Weh und Glück.
    xXxXxXxX
    Still träumt der Tagund jedes rege Wort
    xXxXxXxXxX
    verfliegt, geht gleitend Stück für Stück
    xXxXxXxX
    lautlose Weite zieht mich fort.
    xXxXxXxX

    Mit den anderen Strophen verhält es sich ähnlich.
    Ich finde es so viel abwechslungsreicher und dichter und es entsteht eine Art Sog. Übersehe ich etwas? Sprengt das die Form des Pantuns?


    Hallo fietje,


    Hell singt die Nacht von Weh und Glück.
    XxxXxXxX (jo, gut so..
    Still träumt der Tag und jedes rege Wort
    XxxXxXxXxX (könnte ich auch derart lesen, verbietet mir ja keiner und es ginge eben..)
    verfliegt, geht gleitend Stück für Stück
    xXxXxXxX
    lautlose Weite zieht mich fort.
    XxxXxXxX (jaja)
    Ah, du liest das so. Hm.


    nein nein, nicht d'accord. Wäre eher ein "könnte-Pantum". Aber wozu Pantum? Warum nicht Schubert heranziehen? und gewissermaßen mixen, also einen "mix it up baby" style regeln?

    Leise flehen meine Lieder
    Durch die Nacht zu dir;
    In den stillen Hain hernieder
    Liebchen, komm zu mir!
    Ja, das ist auch eine gute Möglichkeit.





    LG,
    Mi
    Geändert von Miserabella (01.06.2020 um 05:53 Uhr)

  13. #13
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    nein nein liebe mi, aber ein Mustergültiges wäre es nicht, und die mustergültigen Pantums sind auch oft langweilig. Insofern d'accord.

    ha, d'accord ist witzig.

    Ich sagte zu Hein: ik bün nich d'accord.
    Wa?
    Ik segg, ik bün nich d'accord!
    Wa?
    Nä!
    dakor oda dakor?
    Wa?
    ja, wenn du so snaken deist, dakor ik di na de Butendiek, inne Schufkor, awer dakor ik nich mitlang!

    Aber die Ixerei erschien mir etwas gefällig zu sein.

    lg
    .
    .
    . .
    fietje

    Mit den Versen kann man wirklich gut spielen, aber alle Varianten gefallen. Test:

    Nacht, nun sing von Weh und Glück,
    Tag! verflieg mit jedem Wort,
    Bilder fallen Stück um Stück
    S t i l l e . z i e h . m i c h . l a n g s a m . f o r t
    Geändert von Butenlänner (06.06.2020 um 02:09 Uhr)

  14. #14
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    Ich sagte zu Hein: ik bün nich d'accord.
    Wa?
    Ik segg, ik bün nich d'accord!
    Wa?
    Nä!
    dakor oda dakor?
    Wa?
    ja, wenn du so snaken deist, dakor ik di na de Butendiek, inne Schufkor, awer dakor ik nich mitlang!

    Hihi, Sprachverbabelung zwischen Lyr-ick und Freund Hein. Da ist ihm das Lyr-ick wohl noch einmal vom Karren gesprungen. : - )


    Mit den Versen kann man wirklich gut spielen, aber alle Varianten gefallen. Test:

    Nacht, nun sing von Weh und Glück,
    Tag! verflieg mit jedem Wort,
    Bilder fallen Stück um Stück
    S t i l l e . z i e h . m i c h . l a n g s a m . f o r t
    Gefällt mir!!! Gut gespielt.

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