Thema: In jenem Land

  1. #1
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    In jenem Land


    In jenem Land,


    wo blaue Töne
    aus Glockenblumen dringen,
    wenn sanft der Abendwind
    darüber streicht,
    wo Vogelstimmen voller Dank
    dem Tag ein Schlaflied singen,
    bin ich gelöst und frei,
    fern meiner Alltagswelt.

    In jenem Land, wo Bäume mir
    als Lebewesen nahestehen,
    wo Bäche, talwärts eilend,
    mir Geschichten
    vom unentwegten Wandern
    näher bringen, wo Blätterdächer
    mich vor fremder Neugier schützen,
    fühl ich mich wie in Mutters Schoß.

    Die Sorgen fliehen westwärts
    mit den letzten Sonnenstrahlen.
    Allmählich steht das Mahlwerk
    der Gedanken still.
    Die Luft ist rein und kühl.
    Ein seltsames Gefühl von Leichtigkeit
    und Glück durchflutet meinen Sinn,
    als ob ich hoch zum Firmament
    könnt fliegen, wo Sterne
    sich im Himmelsreigen wiegen.
    Geändert von Carolus (02.06.2020 um 18:53 Uhr) Grund: Anregungen von L`étranger und Andere Dimension

  2. #2
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    Hi Carolus,

    Wieder mal ein schönes poetisches Stimmungsgemälde.

    Ich habe beim Lesen sehr viel Genuss empfunden, bin aber auch an zwei Stellen ein wenig geholpert:

    einmal gleich zu beginn: "das Darüberstreichen der Abendbrise .." Ich würde erwägen:
    "wo beim Darüberstreichen
    die Abendbrise aus Glockenblumen
    blaue Töne erweckt/lockt"

    dann noch mal.in Strophe 2:
    "wo Bäche noch Geschichten
    vom unentwegten Wandern
    mir erzählen, wo Blätterdächer,"

    da habe ich beim Lesen ein bisschen Mühe mit dem nachgestellten "mir erzählen". Vielleicht ginge:
    "wo Bäche noch leise Geschichten
    vom unentwegten Wandern erzählen,
    wo Blätterdächer ."

    Gruß Lé.
    Die Leute die den Reim für das Wichtigste in der Poesie halten, betrachten die Verse wie Ochsen-Käufer von hinten.
    Georg Christoph Lichtenberg

  3. #3
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    Hi,

    gefällt mir sehr gut...irgendwie versöhnlich....als wäre man mit sich im Reinen.

    Einzig S3 Z2+3 will mir zum ansonsten sauber geschriebenen Text nicht passen...da hätte ich "wenn oder weil Sorgen" statt "die Sorgen" geschrieben.

    Gruss, A. D.
    Der Abschied entziffert die Handschrift einer Begegnung

  4. #4
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    Hallo Lé.

    ein herzliches Dankeschön für "ein schönes poetisches Stimmungsgemälde"! Ich hab mich sehr gefreut.
    Die beiden von dir angesprochenen Stolperstellen habe ich mir nochmal angeschaut und umformuliert geebnet. Ich hoffe, dass der Text dadurch
    gewinnt.

    Lieben Gruß
    Carolus



    Hallo AndereDimension,

    "irgendwie versöhnlich....als wäre man mit sich im Reinen." solche Sentenzen treffen m. E. voll zu und vermitteln mir das Gefühl, da ist etwas rüber gekommen, was ich als Trost in wirrer Zeit empfinde. Danke!

    Deinen Verbesserungsvorschlag für S3 Z2+3 habe ich durch Umstellung der beiden Sätze(den zweiten Satz an den Anfang der Strophe und den ersten als zweiten) berücksichtigt.

    lieben Gruß
    Carolus

  5. #5
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    Hi Carolus,

    na da hast du ja nochmal ganz schön gefeilt.

    Aber ich finde auch, es ist (noch) besser geworden.

    Gruß Lé.
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    Georg Christoph Lichtenberg

  6. #6
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    hallo Carolus,

    dein Gedicht gefällt mir sehr...es hat etwas Sehnsüchtiges, Momente, die so kostbar sind.
    Ich las einmal von einem Dichter: ...und zwischen zwei Herzschlägen glauben, nun ist es Frieden.

    LG e.horat

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