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  1. #166
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    Hallo fietje,


    Vlt., so Gott will, bekomme ich noch irgendwann, und mag es Jahre dauern, Gesang IV 37 (Was ihr gehört; sobald sich der Mond ankündet im Osten,) interpretiert.

    ich denke auch, dass derselbe Abend gemeint ist. "Im Osten" ist doch eine recht ungenaue Beschreibung, um als astronomisch bedeutendes Ereignis gelten zu können. Also scheint der nächste Mondaufgang gemeint, auch wenn das auf den ersten Blick doppeltgemoppelt scheint, da der Mond immer im Osten (mit südlicher und nördlicher Mondwende) aufgeht. Aber wie sonst schreiben?
    "Sobald sich der Mond angündigt am Himmel?" Ginge auch, das klingt aber nicht so schön wie "Mond im Osten" Dass es sich dabei um den Zeitpunkt handelt, an dem der Mond über den Horizont guckt, wird dadurch auch deutlich.

    LG,
    Mi
    Geändert von Miserabella (25.07.2020 um 09:51 Uhr)

  2. #167
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    Zitat Zitat von Miserabella Beitrag anzeigen
    Hallo fietje,
    ich denke auch, dass derselbe Abend gemeint ist. "Im Osten" ist doch eine recht ungenaue Beschreibung, um als astronomisch bedeutendes Ereignis gelten zu können. Also scheint der nächste Mondaufgang gemeint, auch wenn das auf den ersten Blick doppeltgemoppelt scheint, da der Mond immer im Osten (mit südlicher und nördlicher Mondwende) aufgeht. Aber wie sonst schreiben?
    "Sobald sich der Mond angündigt am Himmel?" Ginge auch, das klingt aber nicht so schön wie "Mond im Osten" Dass es sich dabei um den Zeitpunkt handelt, an dem der Mond über den Horizont guckt, wird dadurch auch deutlich.
    LG,
    Mi
    hi mi, ja, wie sonst schreiben? Die hatten ja keine Uhren am Arm, vielmehr gab es vermutlich keine Zeitangaben in Stunden und Minuten, aber von Morgens und Abends, oder Mittags, Nachmittags oder des Nachts wurde schon unterschieden, demnach denke ich, hätte Tryphon sagen können, kommt heute Nacht wieder...., statt: "sobald sich der Mond ankündet im Osten". Vlt. sollten wir den Zusammenhang mit dem vor und danach in den Sätzen mehr in Betracht ziehen? Es ist nur Theorie, ich mag dabei überinterpretieren, aber versuchen wir es:

    25 Wer am mächtigsten ist, mit dem sich in Güte verhalten,
    Dünkt mich immer geraten; es sei nun, dass es ein Gott ist,
    Oder ein Mensch; denn ein Gott ist jeglicher, der die Gewalt hat. -
    Doch ein Beherzterer sprach: Wo sind nun, uns zu beschützen,
    Unsere römischen Herren? Bezahlt nicht jeder an Steuern
    30 Über Vermögen, allein, sich Leben und Leib zu versichern,
    Und bei jeder gemeinen Gefahr: Mann, schütze dich selber!,
    Spotten sie? Ist doch hündischer nichts als Fremdenregierung.
    Und wo stecken die Priester, die sonst doch gleich bei der Hand sind?
    Fürchten sie sich?
    So murrten die Klügeren. - Doch es empfand nun
    35 Auch der Verkünder des Wortes die Glut im Haus, und die Predigt
    Schloss er und sprach: So gehet nun heim und bewegt in Gedanken,
    Was ihr gehört; sobald sich der Mond ankündet im Osten,
    Kommt, ihr Geliebten, zurück. Denn viel noch bleibt zu verkünden,
    Viel zu verstehn und alles zu tun. - ....

    Die 3 Gedankenstriche (-) sind mit einkopiert, auch der in Vers 39. Was ihr gehört / kommt / ihr Geliebten / zurück, könnte es meinen. Sie haben die Geschichte Jesu gehört und diese kommt zurück, sobald sich der Mond ankündet im Osten. Hier "könnte" es sich wohlbemerkt um Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende handeln, oder eben um heute Abend? Aber gut, damit rücken bei mir die Sterne in den Fokus, was ich hier nicht vertiefen kann und will, aber spannend sind die Sterne in Zusammenhang mit Jesu allemal. Ich werde diesbezgl. also noch weiter nachhaken wollen, vlt. dauert es lange Zeit und meine Spekulationen laufen ins Leere, aber dieses würde mich nicht stören.

    Lg

    Fietje


    Anderes: Hermogenes, der Goldschmied und mürrische Wegbegleiter des Griechen gleicht wohl dem biblischen Demetrius. (Hatten wir das schon? )
    Aus der Apostelgeschichte 19,23-27
    Übersetzung
    Apg 19,23-27:23 Es entstand aber zu jener Zeit ein beträchtlicher Aufruhr wegen des Wegs. 24 Denn ein gewisser (namens) Demetrius, ein Silberschmied, der silberne Artemistempel herstellte, verschaffte den Kunsthandwerkern beträchtlichen Gewinn. 25 Die[se] und auch [weitere], die Dinge solcher Art herstellten, versammelte er und sprach: "Männer, ihr wisst, dass auf diesem Gewerbe unser Wohlstand beruht. 26 Und ihr seht und hört ja, dass dieser Paulus nicht nur von Ephesus, sondern beinahe von der ganzen [Provinz] Asien eine große Menschenmenge beschwatzt und verführt hat, indem er behauptet, die durch Hände entstandenen [Götter] seien keine Götter. 27 Dadurch besteht nicht nur die Gefahr, dass unser Geschäftszweig in Verruf gerät, sondern auch, dass der Tempel der großen Göttin Artemis für nichts erachtet wird, und sie, die doch von der ganzen [Provinz] Asien und von der gesamten Welt verehrt wird, künftig ihre Majestät einbüßt.“

    Nochmals zum Namen Midas, mir scheint dieser Name wäre biblisch' nicht greifbar, auch mit Vermutungen und Annahmen komme ich nicht weiter. Nur ein Name wäre m.E. diesbezgl. heranziehbar, aber dieser wäre eher aus dem Ephesus-Aufenthalt: Scevas/Skeuas. Dieser Name wird nur einmalig in der Apg erwähnt und seine Interpretationen sind vielschichtig.

    2 neue Namen:
    Marcus (IV,161) - Sohn des Nathanael (Spekulativ: im Kopf habe ich Markus als ersten Autor des Evang.)
    Daniel (IV, 158) - (Daniel in der Löwengrube? In der Bibel wäre dieser Name greifbar)

    ... ... ... ... ...
    Führe das Weib und den Buben
    Fort, einfältiger Heuchler! Ich will hier diesem ein Wort noch
    Sagen, ein letztes, fürwahr langmütiger, als ihr es wert seid.
    155 Oder gelüstet es euch, ein Mahl für die Löwen zu werden,
    Die schon lang solch Futter entbehrt?
    . . Da schmiegte der Knabe
    Dicht an den Vater sich an, doch mutvoll sprach er: Versuch' es,
    Hässlicher Mann! Auch Daniel ward zu den Löwen geworfen,
    Aber sie legten sich ihm wie Hündlein spielend zu Füßen,
    160 Denn ihn schützte der Herr!
    Sanft strich mit der Rechten der Jünger
    Über die Stirne dem Knaben und sprach: So tat er, mein Marcus,
    Und so tut er noch heut den Seinigen. Gehet, ihr Lieben!
    Ob ich auch weiß, nicht wird sich der Herr zu seinen Befehlen
    Dieses Gesandten bedienen, so will ich dennoch ihn hören.
    165 Denn wohl kann es uns frommen, zu schaun in die Herzen der Feinde.


    Buhlschaft? (IV,67) noch offen.....
    Geändert von Butenlänner (26.07.2020 um 04:48 Uhr)

  3. #168
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    Hallo fietje,

    ich lese das wohl etwas anders:

    Paul Heyse baut einfach an der von die zitierten Stelle (u. a.) die notwendige Spannung auf, um dem Leser die brodelnde Stimmung zu vermitteln, die in der Stadt herrscht. Dadurch wird im Laufe der Versnovelle klar, warum der Prätor gegen seine Überzeugung handeln muss und der Oberpriester mit der vorherrschende Glut im Volk temporär Oberwasser gewinnt. Dafür holt ihn dann eine andere, blitzartige Glut ein...
    Bei aller Liebe und Faszination zum Detail und zur Fülle, lieber fietje, hat diese Versnovelle ja auch einen erzählerischen Spannungsbogen, der aufgebaut werden will.
    Naja, du liest halt auf großer Breite und ich möchte dir auch nicht den Wind aus den Segeln nehmen, denn die Abzweigungen sind alle mal spannend.
    Wir können uns ja nochmal über die Stelle unterhalten, wenn du die Thekla zu Ende gelesen hast, also einige Wiedergeburten später und der Mond aufgeht im Osten und wenn wir den Faden nicht verloren haben. ; - )

    Mal ohne Quatsch: Auf jeden Fall stecke ich mir ein Erinnerungsfähnchen und wir reden nach Gesang 9 nochmal über die Szene?

    Einen schönen Sonntag wünscht,
    Mi

  4. #169
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    hi mi, selbstverständlich, wer weiß, ob ich mich nach Gesang 9 überhaupt noch an meine Worte erinnere . Auch vergesst bitte nicht die Buhlschaft. Ey, heute schon gebuhlt? Ich check das Wort nicht. lg fietje

  5. #170
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    Hallo Butenlänner!

    Buhlschaft meint einfach "Liebesverhältnis" - wenn du das dann noch bevorzugt körperlich denkst, liegst du schon richtig. Deswegen auch "Buhldirne", was dann tatsächlich eine Prostituierte meint.

    Schau, wenn dich die Einzelheiten interessieren, im → Online-Grimm ← vorbei ... Erster Anlaufpunkt sollte vermutlich das Verb sein, also "buhlen", "freien", "werben um"; von da aus geht es dann in alle Richtungen, auch zu Wörtern, die man (irgendwie) kennt, wie "Nebenbuhler".

    Gruß,

    Ferdi

  6. #171
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    Hi Leute, hi mod, ich habe ein Fahndungsbild des Landeskriminalamtes NRW gefunden, ich möchte euch diese kriminaltechnische Hochleistung nicht vorenthalten wollen. Dieses Bild wurde 2008 der Presse zur Verfügung gestellt und wurde weltweit präsentiert. Urheberrechtsbedenken kann es nicht geben.
    Das Bild zeigt Tryphon.

    Quelle: Paulusjahr Info; wie sah Paulus aus Phantombild

    Ich würde gerne eine Passage aus Gesang 4 ansprechen wollen, vlt. kann ich euch zu weiteren Gedanken bewegen. Der Abschnitt ist nicht einfach und erst nach mehrmaligen Lesen und Sinnen verstand ich diesen. Tryphon, Nathanael und sein kl. Sohn Markus treffen auf den Oberboss, dem Kybelepriester Midas, den die Frau v. N. zu ihnen in den Garten begleiten musste. Nachdem Midas Nathanael rügte, weil er sich nicht an Recht und Ordnung hielt, er beherbergte ortsfremde Juden (Judenchristen), eben Tryphon und Konsorten, obwohl er doch geduldet wird (vermutl. hatte Nathanael röm. Bürgerrecht, solange er seinen Gott in Stille anbete)

    Paulus (Tryphon) reagiert auf Midas:

    . . . . . . . . . ... ... ... Du kommst zu drohen, vielleicht auch
    115 Hast du zu schaden die Macht wie den Wunsch. Dies aber veracht' ich.
    Wenn mich Menschen erschreckten, ich wär' unwürdig der Gnaden
    Gottes des Herrn, der stark in drängender Fährde mich schirmte;
    Hat er doch heut erst wieder den Feind mit Lähmung geschlagen.
    Darum geh! Nicht wird ein Schnauben des Zorns mich erschüttern;
    120 Denn ich wandle, wohin mich der Odem des Herrn will tragen,
    Welcher die Fichten im Walde zerbricht und die Wolken dahintreibt
    Und die erkorenen Boten umherführt unter den Völkern.

    gewissermaßen droht Paulus zurück! Sehr mutig, irgendetwas muss ihn für dieses riskante Unternehmen Deckung geben, zumindest in letzter Konsequenz (diese wäre der Tod, vermutl. würde dazu ein Fingerschnip des Priesters langen). T. unterstellt Midas den Wunsch die Macht Schaden zu wollen?? Ok, dann sagt er: "Wenn mich Menschen erschreckten... ." Das klingt wie, als würde sich Tryphon nicht als Mensch sehen wollen. Diese Unmenschliche Person T. wäre der Gnade Gottes unwürdig, die ständig auf ihn aufpasst in "drängender Fährde". Drängender Fährde hieße in drängender Gefahr, Fährde könnte aber auch Arglist bedeuten. Was meint ihr? Dann erwähnt T. das Gott der Herr einen Feind von ihm mit Lähmung geschlagen habe (vlt. hatte ein Gegner des Tryphon, alias Saulus o. Paulus einen Schlaganfall erlitten?). Geh lieber von mir weg du Pseudopriester, so klingt es. V119/120 einfach nur schön, oder? Der Odem des Herrn trägt ihn, der auch die Fichten im Walde zerbricht. Fichten im Wald? Eine Anspielung? Hätte jmd. eine Interpretation auf Lager, wenn auch nur hypothetisch?


    lg

    Fietje Butenlänner


    Notizen: Fichten: Gesang1 V9/59 - Gesang4 V121

    Passagen aus dem ersten Gesang, eine äußerliche Beschreibung des Wanderpredigers mit einer auffälligen Umschreibung:

    Während er sprach, schien endlich der Betende inne zu werden,
    80 Dass sich Menschen genaht. Er wandte sich. Edel erschien er,
    Männlich, gedrungenen Wuchses und frei. Stark wölbten die Brauen
    Über den leuchtenden Augen sich hin, ineinandergewachsen
    Dicht an der kräftigen Nase, das Antlitz bräunte der Sommer.


    Weinfest, siehe Trankopfer/Weinfest im antiken Rom.
    95 Und heut feiern sie grade das Weinfest, führen die hehre
    Kybele, Bacchus' Mutter, die Fluren entlang, und die Priester
    Tanzen vorauf, so viele, wie nicht drei Städtchen ernährten.
    Derart viele Priester, die drei Städtchen nicht ernähren könnten. Tja, nehmen wir Goslar, Goslar als ein Städtchen' x 3 könnte derart viele Priester nicht ernähren! Das mussten verdamt viele Priester gewesen sein! Vermutlich ein Massenauflauf der Priester!
    Geändert von Butenlänner (30.07.2020 um 19:34 Uhr)

  7. #172
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    Hallo Butenlänner!

    Der "mit Lähmung geschlagene Feind" ist Pausias - der Ikonier, der sich im dritten Gesang Eintritt in Nataniels Haus erzwingen wollte und dann im Hausflur zusammenbrach. Tryphon sieht sich als Mensch, aber als im Dienst einer "über-menschlichen" Macht stehend; dessen wäre er nicht würdig, schreckte er vor den Taten der "Mit-Menschen" zurück. Das ausführliche "Odem-Bild" wird dem knappen "Schauben des Zorns" gegenüber gestellt und verdeutlicht so diesen (Rang-)Unterschied?! An "Dass sich Menschen genaht" fällt mir erst einmal nichts ungewöhnliches auf - was vermutest du da?

    Hm, da ich die Datei gerade aufhabe - hier noch die ersten 57 Verse von Carl Egon Eberts "Das Kloster" (erschienen 1833); der erste Gesang heißt "Die Heimkehr" und zeigt einen, nun ja, heimkehrenden Wanderer, auch einen Hermogenes, sozusagen, die Wanderung ist ja ohnehin häufig. Aber dieses Ankommen gestattet sich deutlich anders, und, finde ich, schwächer als das Ankommen in Ikonium bei Heyse ...

    Gruß,

    Ferdi

    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


    Freundlich sah die Sonne, doch schon mit sterbendem Strahle
    Abschied nehmend hinab in den friedlich ruhenden Talgrund,
    Quellender Duft entwand sich der Erd', und webt' um des Grases
    Säuselnde Spitzen, ein Hauch durchlief wie Geflüster die Bäume,
    5 Während die Lerch' entschlummernd ein weich hinschmelzendes Lied sang.
    Herrlich war's am Tag; es wechselten farbige Wiesen
    Da mit dem Golde des Korns, und schattenverbreitende Haine
    Dort mit dem lichten Grün der ringsum liegenden Gärten;
    Und durch Felder und Au'n und Wiesen und Gärten und Wälder
    10 Schlang sich ein bläulicher Bach, der glatt und sachte dahinzog,
    Bis er, in Gräben gefasst von der Hand des betriebsamen Menschen,
    Rascher sich wälzt', und brausend, zerstäubt in funkelnde Tropfen,
    Nieder sich stürzt' aufs geschwungene Rad der geschäftigen Mühle.
    Aber es hatte nun schon der Abend die Farben verschmolzen
    15 In ein schwankendes Grau, und Nacht schon wär' es gewesen,
    Hätten nicht droben die Höh'n der Berg' und die Wipfel der Wälder
    Und die Wolken noch rot, die darüber ziehn'den, geflimmert,
    Und schon wäre ringsum ein jegliches Leben verklungen,
    Hätte der Bach nicht gerauscht, und nicht die Mühle geklappert.

    20 Horch, da tönt' aus der Fern' ein schallender eiliger Fußtritt
    Durch die Ruh' des Abends einher, und siehe, ein Wandrer
    Schritt hernieder vom Berg in stets verdoppelter Schnelle.
    Düster sah, doch glühend sein Aug' aus den schattenden Brauen,
    Wie ein glimmender Brand aus Kohlen und Asche hervorstrahlt,
    25 Welk und bleich war der Mund, doch die Stirn', trotz Furchen und Falten,
    Zeugte von seltener Kraft, und von Trotz und Mut und Erfahrung,
    Während die Wange, gebräunt und gehöhlt, von Stürmen und Wettern
    Schien zu erzählen, die nicht an jeglichem Andern vorbeigehn.
    Aber die Haltung des Haupts, die gesenkte, der Stab in den Händen,
    30 Drauf er so matt sich stützt, und das Haar, das verworren umherhing,
    Kündeten treu, dass dem Mann, der gewiss einst stolzer um sich sah,
    Hingeschwunden die Kraft, gebrochen der mächtige Trotz war.

    Plötzlich stand er, und sah mit hellaufflammendem Blicke
    Heitrer hinunter ins Tal; dann wieder seufzt' er gar tief auf,
    35 Und es hob sich die Brust im Sturm gewalt'ger Empfindung.
    „Himmel!“, rief er, und streckte den Arm aus – „Himmel, ich habe
    Viel verschuldet, doch viel gebüßt! O lass es genug sein,
    Allbarmherziger Gott, und lass mich wieder nun finden,
    Was einst selbst ich verscherzt in eitel verderblichem Wahne.“
    40 Also sprach er, und ihm erstickte die Stimme, und fürder
    Schritt er zum Tal hinab, und richtete gegen die Mühle
    G'raden Weges den Fuß, und dort auf der Schwelle der Türe
    Saß ein Mägdlein, und spann mit emsigen Fingern vom Rocken
    Goldenen Flachs, und summte vor sich ein heiliges Lied hin.
    45 Eilig naht' ihr der Wandrer, und stand, und fragte mit Beben:
    „Sage mir, freundliches Kind, du kennst doch Konrad, den Müller,
    Und Gertrude, sein Weib – sie wohnen wohl noch in der Mühle?“
    „Ei, wo triebt Ihr euch um, wenn je in dem Tal ihr gewesen,
    Dass Ihr so seltsam fragt nach halb vergessenen Alten,
    50 Deren Name schon kaum uns jüngerem Volke bekannt ist.
    Selbst noch fremd bin ich hier in der Gegend; vor wenigen Wochen
    Zog mit dem Vater ich her in die teuer gepachtete Mühle;
    Aber wo Konrad weilt, ich kanns Euch künden. – Erblickt Ihr
    Dort bei dem Kirchlein das Kreuz, die Trauerweide darinnen,
    55 Tief herniedergesenkt? Da raget ein Stein, und ein Mühlrad
    Ist darüber zu schaun – dort schläft in Frieden der Alte.
    Ob Gertrude noch lebt, nicht weiß ichs zu sagen, ich hörte
    Nie den Namen der Frau, vom Vater nicht, nicht von den Nachbarn.“

  8. #173
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    Hi Ferdi, interessante Verse, viele "und und unds ringsum", was mir nicht aufstoßen mag. Der Autor war nicht bekannt, ich schlüpfe in müßiger Stunde wieder hinein. Einige Fragen zu Gesang 4:

    150 Nach uns reckte -
    . . . . . . . . . . . . . . . . . . Genug!, rief Midas heftig. Die Ohren
    Hielt er sich zu und es flammt' in den gelben erloschenen Wangen
    Jählings Röte des Zornes. Geh! Führe das Weib und den Buben ---
    Fort, einfältiger Heuchler! ... ...

    V152 trägt diese Betonung?

    Wie betonst du Vers 234, viele Einsilber.

    Und du verlässest die Stadt vor Tag, um ein goldnes Talentchen
    Schwerer. Auch deinem Gesellen, dem Pausias, will ich die Tasche
    Wacker vergolden, dem Schelm. Gottlob, reich ist ja das gute ---
    235 Mütterchen Kybele - reich an Gaben der gläubigen Toren,
    Welche der Kluge genießt. Und steht nach Küssen der Sinn dir,
    Soll dich im Hause bei mir ein sauberes Mädchen bedienen,
    Oder ein Knabe -
    . . . . . . . . . . . . . . . Genug, rief Tryphon, und ward der Empörung

    Der Pausias lebt noch? Der hatte scheinbar was inzeniert? Bzw der Midas denkt das? Wunderte mich auch die ganze Zeit....Simulant? Darf ich bitte einfach mal ein HÄÄÄh einwerfen.
    Auch interessant hier die Haltung von Tryphon Paulus, er wehrte sich gegen "diese" Art der Freizügigkeit und predigte die Ehe. Nicht das er gegen Sex war... Gewissermaßen authentisch: Paulus lernte die ausschweifende Prostitution und Vielweiberei kennen und witterte dagegen.

    lg

    Fietje
    Geändert von Butenlänner (31.07.2020 um 04:40 Uhr)

  9. #174
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    Hallo Butenlänner!

    IV,152 ist einfach nur ein Fehler, entweder auf Heyses Mist gewachsen oder auf dem des Setzers. Die zweite Auflage hat den Vers ausgebessert:

    Jählings Röte des Zorns. Geh! Führ das Weib und den Buben


    IV,234:

    Wacker ver- / golden, dem / Schelm. || Gott- / lob, reich / ist ja das / gute

    — ◡ ◡, — ◡ ◡, — || —, — —, — ◡ ◡, — ◡


    Pausias: In III,152-154 ist zu lesen:

    Zeigt sich ruhig der Fremde. Der trotzige Bursch, wie er kaum ihn
    Sieht, wird weiß wie ein Tuch, schlägt zuckend umher mit den Armen,
    Schreit wie ein Tier und stürzt, ein Gräuel zu schaun, in die Gasse.


    Das ist, was geschieht; Tryphon und Midas deuten es dann nach ihrem jeweiligen Weltverständnis / ihrer Welterfahrung; und kommen, wen überrascht es, zu recht unterschiedlichen Ergebnissen?!

    Dass Pausias überlebt hat, wird durch Midas' Ausführungen klar; ich glaube, eigens erwähnt wird es nicht.

    Gruß,

    Ferdi

  10. #175
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    Ferdi, nochmals bezgl. deiner Frage:
    An "Dass sich Menschen genaht" fällt mir erst einmal nichts ungewöhnliches auf - was vermutest du da?
    Es sind eher Ahnungen, die ausgesprochen ins Leere laufen könnten, ich stelle aber fest, diese Äußerung trifft sowohl in Gesang I wie IV auf. Demas und Hermogenes treffen auf den Betenden ( in unserer Annahme Tryphon)
    Von der Beschreibung her könnte es Tryphon sein? Wäre ja aufgrund der Handlungen mgl. Witzig: auch das erstellte Fahndungsbild kriminalistischer Spitzenarbeit des LKA ähnelt diesen Betenden.
    Aber stellt dieser sich als Tryphon den beiden vor? Hätte es da nicht vor dem Hause des Nathanael zu einer Art Wiedererkennung kommen müssen. Ey, das ist doch der Typ der mit uns in die Stadt lief...? Ich fürchte, ich werde da nochmals nachlesen müssen.

    aus GesangI:
    Während er sprach, schien endlich der Betende inne zu werden,
    80 Dass sich Menschen genaht. Er wandte sich. Edel erschien er,
    aus GesangIV:
    115 Hast du zu schaden die Macht wie den Wunsch. Dies aber veracht' ich.
    Wenn mich Menschen erschreckten, ich wär' unwürdig der Gnaden


    In GesangIV ist es eindeutig Tryphon.

    Tryphon sieht sich als Mensch, aber als im Dienst einer "über-menschlichen" Macht stehend
    ~ ~ Oder sieht er sich nicht als Mensch? Als Gott? Als Gottgesandter? Vlt.? Wäre interpretatorisch nicht unerheblich und ließe einen ungewohnten Blick auf Paulus Tryphon zu, der auch aus historischer Sicht begleitbar wäre. ~~
    Geändert von Butenlänner (02.08.2020 um 07:12 Uhr)

  11. #176
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    Hallo zusammen,


    durch Tryphon lässt Heyse sicherlich Paulus mit auftreten, ohne, darauf hatte Ferdi schon hingewiesen, das zu benennen.

    Im Gesang 1, finde ich, ist es am deutlichsten.
    Nachdem ich die von fietje zitierte Stelle und Gesang 1 noch einmal quer gelesen habe, löst sich auch mein Verwunderung über das herbstliche Kybelefest auf. Heyse mischt Wein, - und Kybelefest. Ob sich tatsächlich so ein Brauch entwickelt hat oder P. Heyse von seiner künstlerischen Freiheit Gebrauch gemacht hat, weiß ich nicht.


    In Gesang 3, fietje, kann man über den Goldschmied erfahren, dass es sich bei der Begegnung im ersten Gesang, tatsächlich um Tryphon handelt.

    Der Goldschmied zu Theklas Mutter:


    Gestern, und heut schon will er das Unterste kehren zu oberst? -

    Und mir stieg's in den Kopf; ich besann mich, dass ich den Juden

    125 Gestern am Weg auflas; da schien er ein stiller Geselle,

    Der kein Wässerlein trübt. Doch nahm mich's Wunder, am Stadttor

    Warteten sein an zwanzig der Jüdischen, Männer und Weiber,




    Ey, das ist doch der Typ der mit uns in die Stadt lief...?

    Jep! Exakt so, fietje. Nur eben in Versen geschrieben.



    LG,
    Mi
    Geändert von Miserabella (02.08.2020 um 17:17 Uhr)

  12. #177
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    hi mi, ja, es ist Tryphon, bis man auf diese Stelle stößt, ist es ein geheimnisvoller Fremder. Ich konnte mich an besagter Passage nur nicht mehr erinnern. Eindeutig, Tryphon und Theokla sind Hauptdarsteller.
    In christlicher Mythologie nicht sonderlich bewandert, war ich stets der Annahme, erst kam Petrus, danach Paulus, dass beide inetwa zur selben Zeit wirkten, überraschte mich. Paulus sagt man vieles nach, es kommt wohl auch immer darauf an, ob es aus jüdischer, katholischer, protestantischer, koptischer oder orthodoxer Sicht geschieht. Strenger Rabbi, Pharisaer, Gelehrter mit röm. Bürgerrecht (entspräche den Heyse Versen), Geschäftsmann, Handwerker, Zeltmacher, Diaspora-Rabbi, Wanderprediger, "Geliebter" der Theokla, Bekannter der letzten lebenden Jünger (Petrus/Jakobus u.a.), Bibelfälscher, röm. Gott oder Interlektueller, Schüler von Gamalie, soll der griechischen, hebräischen und aramäischen Sprache mächtig gewesen sein und er soll an der Steinigung von Stephanus beteiligt gewesen sein.

    Komme erst die nächsten Tage dazu weiteres zu schreiben... bis dahin lg fietje

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