1. #1
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    Der flüchtigen [...]



    Kränze aus Löwenzahn: Dein pechschwarzglänzendes Haar trägt
    Goldgelb. Leg mich in milchige Ketten! Göttin, dein Lächeln,
    blaue Lagunen im Meer, deine Augen, umspülen mich Glückskind.

    Küsse ich hungrig den Erdbeermund, rotwolkige Lippen,
    mehrt dein liebliches Seufzen mein Blut wie Löwenzahnaufguss.
    Bitteres Wintergemüt zu versüßen, bist du gekommen,

    Sonnengesprenkel zu streuen - ins Herz. Erfrischende Blüte
    schließe wärmend bei Nacht dich um mich, lass frei mich am Morgen!
    Reifen die Tage, genährt aus der Nacht, verschwebst du vor Sonnwend,

    Schöne, kein ewiger Schwur, traumflüchtige, kann dich noch halten:
    Bauscht weißleuchtend der Löwenzahn sein Liebesgespinst, reißt,
    schwärmerisches Gewölk, fort dich der leiseste Windhauch.



  2. #2
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    Hi albaa,

    ich habe selbst an der Bewertung der Gedichte im Pusteblumen-Wettbewerb teilgenommen, und weiß, das ich die Gedichte dort recht oberflächlich als "naiver" Genussmensch gelesen habe, mit der einzigen Frage, was mir am besten gefällt. Ich hatte die "Sommerromanze gewählt", ohne mir dabei auch nur eine Sekunde lang Gedanken über das Metrum zu machen (stimmt, das sind Distichen, aber man muss es gar nicht wissen).

    Wenn ich mir jetzt dein Gedicht nicht im Rahmen des Wettbewerbs ansehe, gewinnt es für mich deutlich an Interesse.

    Der Blick dabei geht mehr ins Detail, der Hexameter gerät ins Visier. Soweit ich das beurteilen kann (Ferdi wirds besser können), sind die Verse von hoher Qualität, sehr abwechslungsreich mit teilweise spannenden Betonungsvarianten.

    Ich persönlich bedauere es, wenn durch den Hexameter gleichermaßen automatisch die Götter wieder ins Spiel kommen, und wenn die einfachste Dinge, so wie in den letzten beiden Zeilen durch das Bemühen kompliziert werden, sie in variantenreichem Hexameter darzubieten.
    Das ist das, was ich an diesem Gedicht nicht perfekt finde. Es müht sich zu sehr um den Hexameter, zu wenig um eine für den Leser nachvollziehbare Wanderung in Bildern und Stimmungen.

    Trotzdem gerne noch mal aufmerksamer gelesen ,

    lieben Gruß
    von Lé.
    Geändert von L'étranger (13.06.2020 um 16:41 Uhr)
    Die Leute die den Reim für das Wichtigste in der Poesie halten, betrachten die Verse wie Ochsen-Käufer von hinten.
    Georg Christoph Lichtenberg

  3. #3
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    Hallo Lé!

    Danke Lé, dass du dir nochmals die Zeit genommen hast aufmerksamer zu lesen und zu schreiben.

    Damit magst du recht haben, aber ich kann das nicht mehr erkennen, denn ich falle automatisch in einen anderen Modus, wenn ich diese Form schreibe. Früher war ich immer zu nahe an Prosa (hat mir zumindest Ferdi gesagt) und nun werde ich offensichtlich zu "unentspannt" und du hast das Gefühl, dass der Versbau zum Selbstzweck wird:

    Zitat Zitat von
    Es müht sich zu sehr um den Hexameter, zu wenig um eine für den Leser nachvollziehbare Wanderung in Bildern und Stimmungen.
    Aber dem hier möchte ich dann doch - vor allem grundsätzlich - widersprechen, damit keine Missverständnisse aufkommen, was den Hexameter an sich betrifft:

    [...]und wenn die einfachste Dinge, so wie in den letzten beiden Zeilen durch das Bemühen kompliziert werden, sie in variantenreichem Hexameter darzubieten.
    1. Die letzten beiden Zeilen gefallen mir sehr gut.

    Aber vor allem grundsätzlich 2. Der Hexameter(auch Penta)-Vers an sich ist ein kleines Kunstwerk (mir fehlen bloß die Mittel!). Er lebt also nicht davon einfache Dinge einfach auszudrücken, dafür gibt es die Prosa. Denk an die Musik, etwa Jazz oder Malerei, wie oft werden da "einfachste Dinge" "kompliziert" gemacht. Und ein Hexameter kann an sich nicht ohne Auflösung des Prosasatzbaus auskommen, denn sonst wäre er höchstens rhythmisierte Prosa (was man natürlich auch machen kann); und dieser Versbau klingt halt in unseren Ohren immer irgendwie altbacken, wie du es ausdrückst:

    Ich persönlich bedauere es, wenn durch den Hexameter gleichermaßen automatisch die Götter wieder ins Spiel kommen, [...]
    Aber man muss halt diese Formen auch als Form an sich schätzen und nicht erwarten, dass man leicht verdauliches Prosaähnliches serviert bekommt.

    Für mich war es ein Experiment diesen Hexametertext in den Wettbewerb zu stellen. Ich wollte wissen, wie das bei Lesern ankommt, die sich nicht mit dieser Form beschäftigen.

    Ich bin froh, dass auch Claudi mit einem Distichen-Text "Sommerromanze" mitgemacht hat, denn so ist mir klar geworden, dass eben nicht nur "die gewohnten Formen" eine Chance haben, sondern dass auch so ein komplexes Formgedicht - bei nicht damit Vertrauten ankommen kann, wenn es mit entsprechend leichter Hand geschrieben ist: Nicht einmal Du, der mit der Form vertraut ist, hat beim - also offensichtlich - Schnell-Drüber-Lesen, bemerkt, dass es Distichen sind.

    Danke für dein Interesse!

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (14.06.2020 um 10:16 Uhr)

  4. #4
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    Hi aalba, danke für deine Beitrag auf dem Hexafestival 2020.

    Mir fielen hier sofort folgende Verse aus T4 ins Auge:

    Bauscht weißleuchtend der Löwenzahn sein Liebesgespinst, reißt,
    schwärmerisches Gewölk, fort dich der leiseste Windhauch.


    "reißt" sehr mutig gesetzt, läuft als Spondeus in den nachfolgenden Vers?
    "Gewölk, fort dich" als Spondeus betrachtet, den Sinneinschnitt beginnend mit "fort", lässt mich sinnen, warum nicht reißt statt fort? oder fängt, trägt, etc pp?

    In den anderen Versen vermisse ich, ich wohlbemerkt, das muss nicht viel heißen, daktyle Füße im 4. Metrum, um, ggf., gewünschte bukolische Dihäresen besser darzustellen.

    Angemerkt bleibet, deine Verse sind schön und bleiben schön, von Interesse sei aber der Austausch über dieses Werk.

    lg fietje

    .

    .

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    Hexameter Festival Sommer 2020 click on it

  5. #5
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    Hallo Albaa!

    Da gibt es nicht viel zu meckern - schöne Verse! "Löwenzahn" hätte ich lieber einheitlich betont, hinter "Blüte" muss, meiner Lesung nach, ein Komma; im letzten Vers stört mich etwas das "leiseste" - einmal, weil mir ein "leiser Windhauch" inhaltlich zu gewöhnlich, zu erwartbar erscheint. Müsste da als Abschluss nicht etwas nachdrücklicheres stehen?! Metrisch gefiele mir ein Adjektiv der Form "x x X x", weil die so entstehende zweisilbige Senkung die Hebung auf dem "dich" leichter auffindbar macht.

    Gruß,

    Ferdi
    Geändert von Ferdi (30.06.2020 um 08:28 Uhr)

  6. #6
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    hi aalba, ferdi and co,

    heute lese ich T4 anders wie Gestern, scheinbar war ich Gestern im analytischen Lyriklesemodus, alles ist rund heute:

    Schöne, kein ewiger Schwur, traumflüchtige, kann dich noch halten:

    Xx xXxxX XXxx Xx xXx
    Bauscht weißleuchtend der Löwenzahn sein Liebesgespinst, reißt,
    X XXx xXxX xXxxX x
    schwärmerisches Gewölk, fort dich der leiseste Windhauch.
    XxXxxX X X xXxx Xx

    Ja, wunderschöne Hexameterverse in Terzetten.

    lg

    .

    . . . . . .
    fietje

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  7. #7
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    Hallo fietje
    Hallo Ferdi,

    Danke für euer positives Feedback.

    Zitat Zitat von Ferdi
    Da gibt es nicht viel zu meckern - schöne Verse! "Löwenzahn" hätte ich lieber einheitlich betont, hinter "Blüte" muss, meiner Lesung nach, ein Komma; im letzten Vers stört mich etwas das "leiseste" - einmal, weil mir ein "leiser Windhauch" inhaltlich zu gewöhnlich, zu erwartbar erscheint. Müsste da als Abschluss nicht etwas nachdrücklicheres stehen?! Metrisch gefiele mir ein Adjektiv der Form "x x X x", weil die so entstehende zweisilbige Senkung die Hebung auf dem "dich" leichter auffindbar macht.
    Du meinst: "Löwenzahnaufguss - XxxXx"? Das ist (m)ein kleines, gestalterisches Kunstwerk, ein sehr bewusst gesetztes betonungsmäßiges "Blitzlicht" .

    Statt "leiseste Windhauch" könnte ich mir zur Stimmung passend mit zwei Senkungen und vielleicht weniger "erwartbar" auch vorstellen.

    Bauscht weißleuchtend der Löwenzahn sein Liebesgespinst, reißt
    schwärmerisches Gewölk, fort dich der verschlafenste Windhauch.


    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (30.06.2020 um 13:15 Uhr)

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