1. #1
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    Wenn im Lenz die Knospen knallen

    Humpen kreisen, Korken knallen,
    Karin kreischt, Klamotten fallen,
    Viktor fällt auf alle Viere,
    schreit voll Inbrunst: Wie die Tiere
    wollen wir uns heut vergnügen!
    Wollust wird den Frust besiegen!

    Alle finden an dem Spiel Gefallen,
    laute Beifallsrufe hört man schallen:
    Lasst uns nicht zu lange säumen,
    um verschämt verschwiegnen Träumen
    heute freie Bahn zu schaffen;
    lasst uns tierisch wie die Affen,

    Löwen, Vögel, Meeresquallen,
    auch für uns ein Weibchen krallen.
    Kaum gedacht und schon geschehen,
    Füchse suchen ihre Fähen,
    Stuten lassen Hengste steigen,
    hell erklingen Himmelsgeigen.

    Hirsche knallen ihre Hinden,
    Böcke, die ne Ricke finden,
    sind ganz scharf auf deren Schnallen,
    die verführen gleich zum Knallen;
    knallt der Bulle seine Kühe,
    macht ihm das geringe Mühe.

    Duckt die Hündin sich dem Rüden,
    oder knallt der Keiler Bachen,
    wird der Rüde nicht ermüden
    und die Sau hört auf zu lachen.
    Liebste, tu mir den Gefallen,
    lass auch du von mir dich krallen.
    Geändert von Festival (29.06.2020 um 13:39 Uhr)

  2. #2
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    Lieber Heinz,

    ein munteres "Übereinanderherfallgedicht"!

    Jedem Tierchen sein Plaisierchen, jedes Töpfchen kriegt sein Deckelchen.
    Da steigen Energien und Säfte auf, die Mensch und Tier gleichermaßen in wildem Reigen zusammenführen.

    Diese fröhliche Wildheit hast Du wunderbar auf den Punkt gebracht und in Verse gekleidet!

    Viele Grüße von
    Georg
    Bei AMAZON + Infoverlag erhältlich:
    KAISER BARBAROSSA RIEF AUF EINMAL "HOSSA"
    Heitere Historische Heldenepen (Georg C. Peter/ Infoverlag)

  3. #3
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    Doch die Liebste rast vor Zorn,
    nicht von hinten, nicht von vorn,
    tut der Festival sie knallen,
    Alkohol lässt ihn nur lallen.

    Und so bleibt's beim Korkenknallen,
    der Liebsten tut das nicht gefallen,
    sie kann nur ihre Fäuste ballen.


    Schade, lieber Festival, an der Orgie hätte ich gerne teilgenommen.

    LG
    Sid
    Dichten und dichten lassen

  4. #4
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    Hey Festival,

    gelungen von Anfang bis Ende und bedarf nur einem Punkt nach "und die Sau hört auf zu lachen".
    Erfreulich, wie schön manche Gedichte doch sind

    Da lohnt sich das hereingucken.

    Liebe Grüße

  5. #5
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    Schönen Tag, Festival!

    Ein turbulentes Treiben, das nach vielen Geschmäckern sein kann, wogegen es andere geben mag, die sich empört in Sicherheit bringen wollen, damit ihr Heiligenschein nicht befleckt wird.
    Eines ist mir nicht ganz erklärbar, wie bei dem Talent und der Liebe zur Lyrik, sehr wenig Aufmerksamkeit auf die Rhythmik gelegt wird. Einige kleine Korrekturen wären angebracht.

    Insgesamt doch ein Frühlingsbeitrag mit viel hormoneller Steuerung.
    p.s.: jetzt haben wir schon Sommer. Ist dieser auch in einem Deiner Werke behandelt?

  6. #6
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    Hallo Explex,
    ich beginne hinten: Selbstverständlich war der Sommer auch schon Thema in meinen Gedichten. (Bevor Du nachfragst: Ja, der Herbst und Winter auch).
    Auf Korrekturvorschläge wäre ich sehr gespannt. Meine "Werkskizze" sieht so aus:

    Dieses der Natur abgelauschte Gedicht (nebenbei: Eine Persiflage auf einen Dichterwettbewerb, der vor ca. 200 Jahren stattgefunden hat), hat zwei Verse mit fünfhebigen Trochäen. Alle anderen, soweit sie nicht schon durch ihre Alliterationen „geadelt“ werden (fett markiert), sind in vierhebigen Trochäen mit weiblicher Kadenz unter besonderer Berücksichtigung der Jägersprache (Fähen, Hinden, Ricke, Schnallen, Bachen) geschrieben. Deine Mahnung hinsichtlich der Rhythmik ist mir unverständlich. Das Gedicht könnte als Paradebeispiel für durchgehaltene Paarreime (bis auf die beiden Kreuzreime in der letzten Strophe), regelmäßige Trochäen (bis auf die Ausnahme in der zweiten Strophe) gelten.
    Belehr mich eines Besseren, ich bin sehr kritikempfänglich.

    Humpen kreisen, Korken knallen, XxXxXxXx
    Karin kreischt, Klamotten fallen, XxXxXxXx
    Viktor fällt auf alle Viere, XxXxXxXx
    schreit voll Inbrunst: Wie die Tiere XxXxXxXx
    wollen wir uns heut vergnügen! XxXxXxXx
    Wollust wird den Frust besiegen! XxXxXxXx

    Alle finden an dem Spiel Gefallen, XxXxXxXxXx
    laute Beifallsrufe hört man schallen: XxXxXxXxXx
    Lasst uns nicht zu lange säumen, XxXxXxXx
    um verschämt verschwiegnen Träumen XxXxXxXx
    heute freie Bahn zu schaffen; XxXxXxXx
    lasst uns tierisch wie die Affen, XxXxXxXx

    Löwen, Vögel, Meeresquallen, XxXxXxXx
    auch für uns ein Weibchen krallen. XxXxXxXx
    Kaum gedacht und schon geschehen, XxXxXxXx
    Füchse suchen ihre Fähen, XxXxXxXx
    Stuten lassen Hengste steigen, XxXxXxXx
    hell erklingen Himmelsgeigen. XxXxXxXx

    Hirsche knallen ihre Hinden, XxXxXxXx
    Böcke, die ne Ricke finden, XxXxXxXx
    sind ganz scharf auf deren Schnallen, XxXxXxXx
    die verführen gleich zum Knallen; XxXxXxXx
    knallt der Bulle seine Kühe, XxXxXxXx
    macht ihm das geringe Mühe. XxXxXxXx

    Duckt die Hündin sich dem Rüden, XxXxXxXx
    oder knallt der Keiler Bachen, XxXxXxXx
    wird der Rüde nicht ermüden XxXxXxXx
    und die Sau hört auf zu lachen. XxXxXxXx
    Liebste, tu mir den Gefallen, XxXxXxXx
    lass auch du von mir dich krallen. XxXxXxXx

    Mit freundlichem Gruß,
    Festival

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