1. #1
    Registriert seit
    Jun 2020
    Beiträge
    1

    ..aber was ist wenn doch!?

    aber was ist wenn doch?

    „Neeeeeeeeeeeeiiiiiiiiin!“ schreit sie, die Stimme schrill -
    Weil sie es nicht verstehen will.

    Weil sie es nicht begreifen kann,
    nicht heut, nicht morgen, nirgendwann.

    Die Tür geht auf, der Arzt kommt rein,
    ‚Sie müsse jetzt sehr tapfer sein‘.

    Sie hört ihn nicht, sie sieht ihn nicht.
    Sie nimmt nicht wahr, das grelle Licht.

    Die Hand, die ihre Schulter hält,
    damit sie nicht in Ohnmacht fällt.

    Sie ist leer, es reißt der Schmerz,
    es schreit fortan ihr ganzes Herz.

    Jemand führt sie aus dem Raum,
    sie will es nicht, doch wehrt sich kaum.

    Die Beine sacken laufend ein,
    sie will nicht fühlen, will nicht sein.

    Um sie rum ist alles leer,
    von überall dringt Kälte her.

    Der Kopf schreit immer nur: „Warum?“
    Der Mund hingegen, bleibt ganz stumm.

    Von nun an ist nichts mehr im Lot,
    Das Kind ist fort, das Kind ist tot.

    --------------------------------
    Dem Kind erscheint ein helles Licht,
    es blendet stark, nimmt fast die Sicht.

    Doch eine Wärme hüllt es ein,
    was mag des Lichtes Ursprung sein?

    Es klingt Musik in seinem Ohr,
    war es hier nicht schon zuvor?

    Es tastet auf das Licht sich zu,
    es wächst in ihm die innere Ruh‘.

    Es fühlt sich frei, fühlt sich geliebt,
    weil so viel Wärme es umgibt

    Da reicht ihm jemand seine Hand,
    und führt es sanft ins Lichterland.

    ---------------------------------

    Auf Erden findet sich kein Trost,
    wer hat das Schicksal ausgelost?

    Wer nimmt der Mutter nur ihr Kind?
    Wer ist ihr wohl so bös‘ gesinnt?

    Trägt sie die Schuld? War’s ihr Vergehen?
    Wer will sie denn so leiden sehen?

    Sie will ihr Kind! Ihr Herz, es schreit!
    Sie will zurück drehen an der Zeit!

    Sie hat noch nicht genug gesehen,
    von ihrem Kind, von Kopf bis Zehen.

    Sie hat’s nicht oft genug gedrückt,
    war nicht oft genug verzückt.

    Sie möchte es riechen, möchte es spüren,
    an seiner Hand durchs Leben führen.

    Sie wünscht, sie hofft, sie fleht.
    Es ist und bleibt zu spät.

    ----------------------------

    Im Lichterland gibt’s viel zu sehen,
    das Kind bleibt vor Erstaunen stehen.

    Das Gras so grün, die Blumen so bunt,
    die Birnen gelb, die Äpfel rund.

    Der Himmel blau, die Wolken weich,
    die Felder sind an Ernte reich.

    Schmetterlinge in herrlicher Pracht,
    eine Sonne, die vom Himmel lacht.

    Ein warmer Wind, der sanft es streicht.
    Es fühlt sich frei, es fühlt sich leicht.

    ----------------------------
    Die Mutter ertrinkt in endloser Trauer,
    um sie herum, eine riesige Mauer.

    Sie will nicht reden, lässt niemanden rein,
    sie will nicht mehr sie selber sein

    Der Schmerz soll weg, er tut so weh.
    „Gib mir mein Kind zurück und geh‘!!“

    Die Worte der anderen, der blanke Hohn.
    „Die Zeit heilt alle Wunden schon.“

    „Der liebe Gott gibt auf’s Kind acht“,
    „Wir müssen vertrauen, der höheren Macht!“

    Nein!! Will sie schreien, Nichts muss ich!
    Ich will das Ganze aber nicht!

    Ein Kind soll bei der Mutter sein,
    nicht unter Erden ganz allein.

    Die Mutter soll auf’s Kind Acht geben!
    Ein Kind soll leben, IHR Kind soll leben!

    Sie verkriecht sich immer mehr,
    ihr Leben gibt ihr gar nichts mehr.

    -------------------------------

    Im Lichterland erkennt das Kind,
    dass mit ihm viele andere sind.

    Viele Menschen gibt es dort,
    es ist ein wunderschöner Ort.

    Kinder sind da, klein und groß,
    gut behütet, in sicherem Schoß.

    Junge Leute, Alte, Greise,
    leben dort auf ihre Weise.

    Egal wie groß, egal wie klein,
    sie scheinen glücklich dort zu sein.

    ------------------------

    Auf Erden findet sich keine Ruh‘,
    die Mutter macht kein Auge zu.

    Die Trauer krallt sich in Herz und Seele,
    schmerzhaft drückt sie zu die Kehle.

    Kein Wort gibt‘s, das ihr Herz berührt,
    keine Hand, die sie auf ihrer spürt.

    Keine Melodie, die in ihr Ohr vordringt,
    kein Funke, der ein Licht ihr bringt.

    Es gibt kein Wort, dass das beschreibt,
    was nun an Scherben übrig bleibt.

    ------------------------

    Dem Kind aber im Lichterland,
    reicht ein Mädchen seine Hand.

    Es lädt das Kind zum Spielen ein,
    mit vielen anderen Kinderlein.

    Doch das Kind zögert, tritt zurück,
    es traut nicht seinem Gefühl von Glück.

    Das Kind schaut sich noch einmal um,
    es fühlt den Zauber um sich rum.

    Der Ort glüht nur so vor Magie,
    einen Ort wie den sah‘s vorher noch nie.

    -----------------------------

    Die Mutter fühlt den Schmerz nicht mehr,
    sie fühlt nichts, ihr Herz ist leer.

    Sie fühlt keinen Hunger, nicht warm, nicht kalt,
    spürt keine Begrenzung, findet keinen Halt.

    Ihr Herz pumpt weiter, doch reicht’s kaum zum Leben,
    die Füße können keinerlei Standkraft mehr geben.

    Ihre Augen sehen, doch erkennen sie nicht mehr,
    als tiefgraue Schatten, ihr Blick bleibt leer.

    ---------------------------------

    Im Lichterland steht‘s Kind noch still,
    weil es erst verstehen will.

    Was ist es, dass sein Herz so wärmt?
    Woher das Glück, das es umschwärmt?

    Woher die Liebe, die es spürt?
    Wohin wurde es denn nur entführt?

    -------------------------

    Auf Erden geht das Leben weiter,
    bunt und laut, lebendig und heiter.

    Doch für die Mutter bleibt es stehen,
    sie kann ihren Weg nicht weiter gehen.

    Es wächst ihr Zorn auf Gott und die Welt,
    wie kommt’s, dass keiner Inne hält?!

    Sie spürt die Vorsicht der anderen nicht,
    Deren krampfhafte Suche, nach einem Funken Licht.

    Sie sieht nicht ihre Verzweiflung, ihre Hilflosigkeit,
    erkennt nicht ihren Kummer, ihre Tränen und Leid.

    Ihr Schmerz hält sie komplett gefangen,
    lässt nichts von außen an sie gelangen.

    -------------------------

    Das Kind steht still im Lichterland,
    da greift das Mädchen seine Hand.

    Es schaut ihm freundlich ins Gesicht,
    und mit ihm strahlt ein helles Licht.

    Die Hand des Mädchens scheint so klein,
    doch könnt sie nicht wärmer, nicht weicher sein.

    Es kennt das Gefühl, es war schon mal da.
    Es fühlt sich an, wie die Hand der Mama.

    Es folgt dem Mädchen, voller Vertrauen.
    Gespannt, sich alles anzuschauen.

    ----------------------------
    Auf Erden ist der Himmel blau,
    die Vögel zwitschern im Morgentau.

    Die Sonne erwacht im zarten Licht,
    und wärmt die Erde, Schicht für Schicht.

    Sie scheint zu lachen, sie strahlt und glüht,
    sie scheint ganz sonderbar bemüht.

    Doch für die Mutter ist’s wie Hohn,
    so oft sah sie die Sonne schon.

    Sah sie aufkommen, sah sie gehen,
    als wäre seither nichts geschehen.

    Die Wärme scheint ihr widerlich,
    die Helligkeit bekommt ihr nicht.

    Doch heute ist nun dieser Tag,
    an den man nicht mal denken mag

    Für den keine Worte greifbar sind,
    die Beerdigung vom eigenen Kind.

    -------------------------------

    Im Lichterland ist`s hell und klar,
    die Kinder verstehen sich wunderbar.

    Sie tollen umher, sie tanzen und lachen,
    sie schauen sich an, was die anderen so machen.

    Sie grüßen mal hier und schäkern mal dort,
    setzen sich nieder und tollen wieder fort.

    Das Kind fühlt sich leicht, es fühlt sich getragen.
    Es spürt ein vertrautes Wohlbehagen.

    Es fühlt sich duhn‘ vor Wärme und Glück,
    und vergisst, so benommen, den Blick zurück.

    ------------------------------

    Auf Erden steht die Mutter stumm,
    sie sieht nicht auf, sieht sich nicht um.

    Im tiefen schwarz, an diesem Tag,
    schaut sie voll Schmerz hinab zum Sarg.

    Viele Menschen sind gekommen,
    haben Abschied nun genommen.

    Mancher unbeholfen und starr,
    andere gefühlvoll und angenehm klar.

    Mit Worten und Taten, Geschenken und mehr,
    fällt jedem der Abschied unendlich schwer.

    Der Mutter reißt das Herz entzwei,
    wann ist der Albtraum bloß vorbei?

    Wann wacht sie auf, mit Kind im Arm?
    Eng umschlungen, wohlig warm.

    --------------------------
    Im Lichterland kehrt Ruhe ein,
    die Kinder müssen müde sein.

    Sie suchen ein Plätzchen im Blumenmeer,
    hunderte Schmetterlinge flattern umher.

    Sie ruhen und dösen, doch so mit der Zeit,
    schwindet des Kindes Heiterkeit

    Die Sehnsucht nach Mutter steigt langsam empor,
    sie wächst so viel höher als jemals zuvor.

    Die Leichtigkeit endet, das Herz wird schwer,
    auf einmal vermisst es die Mama so sehr.

    Dem Kindelein im Lichterland,
    fällt ein Tränchen auf die Hand.

    ----------------------------

    Der Mutters Herzen eh‘ schon schwer,
    fühlt plötzlich so viel Schwere mehr.

    So viel Kälte, so viel Not,
    „Komm und hol mich, finstrer Tod!“

    „Alles sollst du von mir haben.
    Gesundheit, Geld – nimm all meine Gaben.“

    „Hol dir alles zu deinem Glück,
    doch gib mir nur mein Kind zurück!!“

    -------------------------
    Im Lichterland das Kindelein,
    möchte so gern bei Mama sein.

    Da greift das Mädchen seine Hand,
    und führt es sanft durchs Lichterland.

    Vorbei an Feldern, Blumen, Gras,
    bis hin zu einem Fensterglas.

    Dem Kinde ist sein Herzchen schwer,
    vermisst die Mama immer mehr.

    Doch als sie nun vorm Fenster stehen,
    kann`s Kindlein seine Mama sehen.

    ---------------------------

    Auf Erden bleibt die Dunkelheit,
    kein Licht, gar Schimmer bringt die Zeit.

    Die Erde dreht sich ohne Rücksicht und Scham,
    die Mutter ist müde von Kummer und Gram.

    In jedem Gedanken, in jeglichem Traum,
    hat ihr Kindlein seinen Raum.

    Doch will sie es greifen, so ist es fort,
    und gellende Leere an seinem Ort.

    Im Lichterland erstarrt das Kind,
    wieder ein Tränchen zu Boden rinnt.

    Was ist nur mit der Mutter los?
    Warum ihr Kummer gar so groß?

    Nie hat´s die Mutter weinen sehen,
    es möchte ihr bei Seite stehen.

    Es möchte in Mutters Armen sein,
    eingekuschelt, klitzeklein.

    Es möchte ihre Wärme spüren,
    ihre weiche Haut berühren.

    Möchte an ihren Haaren riechen,
    und tief sich in ihrem Shirt verkriechen.

    Es will sie wieder lächeln sehen,
    und so, so gerne zu ihr gehen.

    ---------------------------

    Auf Erden straft die Mutter sich,
    sie hasst sich selbst ganz fürchterlich.

    Nie wieder soll ihr Licht erscheinen,
    sie soll ab jetzt für immer weinen.

    Kein Rhythmus soll mehr Freude bringen,
    kein Lachen aus ihrem Munde dringen.

    Kein Glück soll jemals sie ereilen,
    keine Ruhe in ihr weilen.

    Sie will, dass der Kummer nie verrinnt,
    als tiefe Verbundenheit zu ihrem Kind.

    -----------------------

    Doch was passiert im Lichterland?
    Das Mädchen greift des Kindes Hand.

    Es legt die Hand um seine Seite,
    greift sich dann auch noch die Zweite.

    Es legt die Hände fest um sich,
    dem Kind erscheint es wunderlich.

    Es will sie zurückziehen, doch verweilt,
    weil etwas Schönes es ereilt.

    Es spürt die Wärme, es riecht das Haar,
    es fühlt sich an, wie bei Mama.

    --------------------

    Auf Erden ist die Wohnung kühl,
    Die Kälte passt zu ihrem Gefühl.

    Das Licht ist aus, Gardinen zu,
    alles schreit: „Lass mich in Ruh!“

    Sie starrt zur Decke, die Augen rot,
    sie wünscht so sehnlich, sie wäre tot.

    Auf einmal spürt sie ihren Arm,
    er scheint schwer, wirkt seltsam warm.

    Dann wärmt der andere Arm sich auch,
    dann die Brust und auch der Bauch.

    Die Mutter weiß nicht was passiert,
    da sie seit Wochen nur noch friert.

    Sie wundert sich, was mag das sein,
    und schläft darüber friedlich ein.

    -------------------

    Das Kind genießt den Duft so sehr,
    die Wärme, die Nähe, von so weit her.

    Es dreht den Kopf zum Fenster hin,
    da erahnt es seinen Sinn.

    Es sieht die Mama friedlich ruhn‘,
    und fühlt sich wieder seelig duhn‘.

    Und als es flüstert „Ich liebe dich“,
    huscht ein Lächeln durch Mamas Gesicht.

    So stehen die Kinder eine Weile dort,
    und tanzen dann vergnügt hinfort.

    --------------------

    Auf Erden wird´s Abend, dann wird es Nacht,
    bis morgens die Sonne vom Himmel lacht.

    Die Sonne wärmt den kühlen Raum,
    erweckt die Mutter aus ihrem Traum.

    Ein Traum voll Glück und Zufriedenheit,
    voll Wärme, Freude und Heiterkeit.

    Die Mutter fühlt sich seltsam leicht,
    bis ihr Gewissen sie erreicht.

    Etwas war anders an diesem Traum,
    ihr Kind, es hatte keinen Raum!?

    Panik steigt auf, Entsetzen und Wut,
    warum fühlt sie sich dann so gut?

    Woher die Freude, woher das Glück?
    Will sie ihr Kind denn nicht zurück?

    Was wenn sie ihr Kind zu vergessen beginnt,
    wenn sie sich nicht mehr seinem Anblick ersinnt?

    Nicht mehr seinem Duft, dem seidigen Haar,
    der rosigen Haut, der Augen so klar.

    Nicht mehr dieser Liebe, diesem besonderen Band,
    nicht mehr der seinen in ihrer Hand?

    Ihr Herz scheint leichter, trotz all dem Leid,
    doch ihr Kopf ermahnt sie zur Traurigkeit.

    ---------------------------

    Im Lichterland ist´s herrlich warm,
    die Kinder tanzen Arm in Arm.

    Sie lachen und singen,
    sie hüpfen und springen.

    Sie genießen den Ort, der sie umgibt,
    sie fühlen sich geborgen, gehalten, geliebt.

    ------------------------

    Auf Erden vergeht Tag um Tag,
    jedes Erwachen ein neuer Schlag.

    Die Mutter schließt sich weiter ein,
    sie will nicht Teil der Gesellschaft sein.

    Sie will nicht raus, fleht: „Zeit, halt an!
    Stopp Zeit, stopp! „ Weil sie nicht kann!

    Sie kann nicht ertragen, wie die Welt sich dreht,
    dass das Leben der anderen weiter geht.

    Erträgt nicht deren Selbstverständlichkeit,
    nicht den verschwenderischen Umgang mit Zeit.

    Erträgt nicht, wenn Leute ihr Glück nicht schätzen,
    wenn sie stets gegen alles und jeden hetzen.

    Erträgt nicht, wie mancher sein Leben verschwendet,
    sich unbedacht von der Familie abwendet.

    Erträgt nicht, wenn einer ihren Kummer nicht sieht.
    Erwartend, dass die Trauer vorüber zieht.

    ---------------------

    Das Kind holt nochmal ganz tief Luft,
    so herrlich ist der Blumenduft.

    So herrlich die Wärme, die die Sonnenstrahlen bringen
    So herrlich die Melodien, die die Vöglein singen

    So herrlich das Gefühl der Geborgenheit,
    das Gefühl von Liebe von nah und weit.

    Ewig könnt’s in diesem Moment verweilen,
    so gern würd‘s ihn mit der Mama teilen.

    Da setzt sich plötzlich im Lichterland,
    ein Schmetterling auf seine Hand.

    Das Kind versteht sofort den Sinn,
    und eilt schnell zum Fenster hin.

    „Sag ihr bitte, wie lieb ich sie hab“, flüstert es leise.
    Und schickt den Schmetterling auf die Reise.

    -------------------------

    Auf Erden sitzt die Mutter da,
    teilnahmslos, vor Kummer starr.

    Fassungslos schaut sie aufs Grab,
    schmerzlich rollen die Tränen hinab.

    Hier zu sitzen fällt ihr schwer,
    doch Zuhause umso mehr.

    Da tuen sich die Wolken auf,
    sie hebt ihren Blick zum Himmel rauf.

    Ein Sonnenstrahl umhüllt sie seicht,
    auf einmal fällt das Atmen leicht.

    Ein warmer Wind fährt durch ihr Haar,
    die Tränen weichen, der Blick wird klar.

    So lange konnte nichts zu ihr dringen,
    doch nun hört sie die Vöglein singen

    Ihr Herz schlägt fester, ihr wird ganz warm,
    da setzt sich ein Schmetterling auf ihren Arm.

    --------------------
    Im Lichterland genießt das Kind,
    den Duft getragen, von dem Wind.

    Den Geruch von Mamas Haar,
    nimmt es nun ganz deutlich wahr.

    Die weiche Haut, es kann sie spüren,
    als würde selbst es sie berühren.

    Es spürt die Mama, als wäre sie da,
    und fühlt sich ihr unendlich nah.

    -------------------------

    Der Mutter ist nun rundum warm,
    der Schmetterling sitzt auf ihrem Arm.

    Die Traurigkeit der letzten Zeit,
    Scheint für einen Moment ganz weit.

    Fern scheint die entsetzliche Schwere,
    dagegen gefüllt, die gellende Leere.

    Sie fühlt sich ihrem Kind ganz nah,
    das Band der Liebe ist fest und klar.

    Es ist ein Moment, der beide vereint,
    jedoch für die Mutter nicht greifbar scheint.

    Sie schaut mit Wehmut den Schmetterling an,
    Traurig, dass sie ihn ihrem Kind nicht zeigen kann.

    Ihre Leichtigkeit schiebt sie auf mangelnden Schlaf,
    und mahnt sich sogleich, dass es nicht sein darf.

    Die Wärme muss von den Verspannungen kommen,
    so oft hat sie die Schultern zu hoch genommen.

    Sie weiß ums Gefühl, doch redet sie’s klein,
    sie greift nach der Trauer – sie braucht sie zum Sein.

    -----------------------

    Die Kinder sind glücklich im Lichterland,
    sie tanzen wieder Hand in Hand.

    Es gibt keinen Schmerz, nicht Kummer, nicht Sorgen.
    Es gibt keine Sehnsucht, nach Gestern und Morgen.

    Es gibt die Magie, die alles umhüllt.
    Und Mamas Liebe, die es erfüllt.

    Auf Erden vergeht der Sonnenschein,
    Die Trauer schließt sie wieder ein.

    Alles ist grau, der Wind bläst kühl,
    doch es bleibt dieses eine, vage Gefühl.

    Dieses Gefühl als `war da wer‘,
    als kam die Wärme von ganz weit her..

    Als wollt der Wind ihr etwas sagen,
    als wollt er sie ein Stück weit tragen.

    „Nein“ entfährt ihr, das konnte nicht sein,
    sie schließt das Gefühlt tief in sich ein.

    -------------------------

    Die Zeit zählt anders im Lichterland,
    sie rieselt dahin, wie bei der Sanduhr der Sand.

    Sie rechnet nicht in Minuten und Stunden,
    ist nicht in Tage und Nächte gebunden.

    Kein Monat muss dem nächsten weichen,
    niemals wird ein Jahr verstreichen.

    Denn während auf Erden die Tage vergehen,
    bleibt Sie hier im Augenblick stehen.

    ----------------------------

    Auf Erden bebt das Mutterherz,
    es schwächt nicht ab der Seelenschmerz.

    Die Sehnsucht ist so immens groß,
    sie will ihr Kind in ihrem Schoß.

    Möchte es lachen und tanzen sehen,
    möcht ihm bei Kummer zur Seite stehen.

    Möchte basteln, kneten, Kekse backen,
    all die Rätsel des Alltags knacken.

    Sie will es schimpfen, sich versöhnen,
    über schlechte Noten stöhnen.

    Will über seichte Witze lachen,
    und Pläne für die Zukunft machen.

    ------------------------

    Die Vöglein zwitschern im Lichterland,
    sie flattern fröhlich, von Hand zu Hand.

    Sie trällern und flöten, pfeifen und singen,
    und lassen die schönste Musik erklingen.

    Da denkt das Kind sich, ach, wär`s nett,
    wenn Mama diese Freude hätt.

    Da setzt sich ein Vöglein auf sein Knie,
    und pfeift die schönste Melodie.

    Das Kindlein fragt das Vöglein nun:
    „Kannst du mir einen Gefallen tun?“

    „So flieg‘ doch bitte zur Mama hinab,
    und sing ihr vor, wie lieb ich sie hab!“

    --------------------

    Auf Erden sind die Wochen verflogen,
    an der Mutter ist alles vorüber gezogen.

    Sie hält sich zurück, geht nicht mit der Zeit,
    Sie ist nicht zum Reden und Handeln bereit.

    Sie meidet Kontakte, sie meidet das Licht,
    ein Ende des Tunnels ist lang nicht in Sicht.

    Da setzt sich am Fenster ein Vogel nieder,
    und zwitschert sein Lied wieder und wieder.

    Eine Melodie, so rein und klar,
    und plötzlich ist dieses Gefühl wieder da.

    Diese Wärme, von ganz weit her!
    Dieses Gefühl, als sei da wer.

    Als wär‘ sie von Liebe eingehüllt,
    als wär‘ die Leere im Herzen gefüllt.

    Als sei ihr Kind ihr ganz, ganz nah,
    und plötzlich ist ein Lächeln da.

    Ein Lächeln so zaghaft und klein,
    es spürt nur Sie allein.

    Es hält nicht lange, ist gleich wieder fort,
    doch diesmal bleibt das Gefühl noch dort.

    Es bleibt ein Gefühl von Leichtigkeit,
    ein zartes Gefühl, der Geborgenheit.

    Jedoch steigen wieder auf die Fragen:
    Darf ich solche Gefühle im Herzen tragen?

    Darf ich Lächeln? Darf ich so Fühlen?
    Darf diese Wärme mein Herz aufwühlen?

    „Nein“, entfährt ihr „nein - oh nein!“
    Sie ist sicher es darf nicht sein!

    Und kaum sind die Worte ausgesprochen,
    kommt die Kälte wieder angekrochen.

    Die Wärme schwindet aus ihrem Herzen
    füllt sich wieder mit quälenden Schmerzen.

    Sie ist wieder einsam, der Raum ist kühl,
    doch bleibt da wieder dieses vage Gefühl.

    ------------------------

    Das Kind ist seelig im Lichterland,
    Hat´s doch das Vöglein zur Mama gesandt.

    Es hat das Lächeln auch gespürt,
    fühlt sich von ihm tief berührt.

    Es ist glücklich und beseelt,
    auch, wenn die Mama nunmehr fehlt.

    ---------------------------

    Wieder vergehen Tage auf Erden,
    an denen Kummer und Schmerz nicht besser werden.

    Von außen kommen nun mehr und mehr,
    Reaktionen der Umwelt daher.

    Mancher will Trost bringen, zur Seite stehen.
    Anderer sagt „ Es muss weiter gehen.“

    Mancher versucht ihr den Rücken zu stärken,
    mancher erwartet einen Fortschritt zu merken.

    Mancher rät ihr etwas zu tun,
    anderer dazu, sich auszuruhen.

    Einer rät, Gedanken aufzuschreiben,
    damit Erinnerungen lebendig bleiben.

    Der nächste rät, Fotos nicht an zu schauen,
    und voll und ganz den Erinnerungen zu trauen.

    Und dann gibt es den einen, der rät weiter zu machen,
    die Trauer einfach wegzulachen.

    Der meint, wenn dann die Tränen getrocknet sind,
    sei es doch Zeit für ein ‚neues Kind‘!

    ---------------------------------

    Im Lichterland bestaunt das Kind,
    die Farben, die so kräftig sind.

    Das Blau vom Himmel, das so schön strahlt,
    das Weiß der Wolken, wie gemalt.

    Das Grün der Gräser rund umher,
    die bunten Blüten im Blumenmeer.

    Nie hat es etwas so Schönes gesehen,
    es ist sicher, Mama würd‘ s genauso gehen!

    Es denkt ganz fest an die Mama,
    und plötzlich ist er da..

    ---------------------------

    Am Grab ist alles diesig und grau,
    einsam steht dort eine Frau.

    Es ist die Mutter, die weint um ihr Kind.
    Der Träne um Träne herunter rinnt.

    Der kein Trost je zu kommen scheint,
    die Tag und Nacht ums Kindlein weint.

    Dort steht sie fest, im Kummer gefangen,
    als zarte Sonnenstrahlen zu ihr gelangen.

    Sie hebt ihren Blick zum Himmel rauf,
    da steigt in ihr die Wärme auf.

    Die Wolken haben sich verzogen,
    es prangt dort ein herrlicher Regenbogen.

    Und auf einmal erkennt sie die Schönheit der Farben,
    was sie schon glaubte verlernt zu haben.

    Sie spürt die Kraft mit der er glüht,
    die Energie, die er versprüht.

    Sie fühlt ihr Herz, das leicht sich macht,
    und lächelt plötzlich unbedacht.

    Sie atmet tief, legt die Hand aufs Herz,
    sie spürt ihn fortziehen, ihren Schmerz.

    Sie spürt wieder dieses besondere Band,
    einen seltsamen Druck in ihrer Hand.

    Sie fühlt sich leicht und erschreckt sich im Nu.
    Doch diesmal lässt sie die Zweifel nicht zu.

    Sie schiebt sie bei Seite und genießt den Moment,
    ein Gefühl, das nur eine Sternenmama kennt.

    ---------------------------

    Im Lichterland strahlen die Farben noch mehr,
    und von überall kommen neue her.

    Die Kinder lachen und tollen hinein,
    sie fangen alle Farben ein.

    Das Kind fühlt das Lächeln und die Leichtigkeit auch,
    es kribbelt so wohlig in seinem Bauch.

    Es ruft hinaus in das Farbenmeer:
    „Ich liebe dich, Mama, so so sehr!!!“

    ----------------------------

    Die Mutter genießt was ihr so sehr gefehlt.
    Verdrängt die Trauer die schon so lange sie quält.

    Sie spürt ihr Kind ganz tief im Herzen,
    sie lässt nicht zu, die aufkommenden Schmerzen.

    Sie spürt die Liebe so herzlich und rein,
    diese Liebe sie konnte nicht ehrlicher sein.

    Sie lächelt zärtlich, denn sie weiß, dass es lohnt,
    weil sie spürt, dass ihr Kind in ihrem Herzen wohnt.

    ---------------------------

    Das Kind ist nicht mehr an Mamas Hand,
    das Kind ist nun im Lichterland.

    Es ist nicht einsam, es ist nicht allein,
    die Sehnsucht nach Mama nur ganz, ganz klein.

    Die Zeit, sie rieselt dort friedlich dahin,
    es gibt kein Ende, keinen Neubeginn.

    Es gibt diese Magie die alles umgibt,
    die Gewissheit, dass es unendlich geliebt.

    Es gibt die Sicherheit, dass Mama nicht weit,
    und ihre Verbundenheit zu jeder Zeit.

    Und ist es auch fort so ist es doch da,
    denn es wohnt ja im Herzen seiner Mama.

    ------------------------------

    Auf Erden schwindet das Gefühl von Glück,
    bedrohlich kommt der Schmerz zurück.

    Die Zweifel wollen in ihr Herz,
    wollen schüren noch mehr Schmerz.

    Wollen ihr die Hoffnung rauben,
    sie soll nicht ihren Gefühlen glauben.

    Was ist, wenn sie ihr Herz belügt?
    Was ist, wenn das Gefühl sie trügt?

    Was ist, wenn keines der Zeichen wahr?
    Was ist, wenn kein Band zum Kinde da?

    Der Schmerz will sie greifen und niederringen,
    doch diesmal wird’s ihm nicht gelingen.

    Ihr Herz wird stärker, Tag für Tag,
    Weil sie das Leben wieder mag

    Weil sie die Zweifel bei Seite tut,
    denn immer öfter ist etwas gut.

    Mal schmeckt das Essen, mal gefällt ein Duft,
    mal liegt Musik auch in der Luft.

    Sie spürt wieder Wärme, es ist nicht mehr nur kühl,
    und alles verdankt sie diesem einen Gefühl.

    Diesem einen Gefühl als wär da wer,
    als käme die Wärme von ganz weit her.

    Als wollt ihr Kind ihr etwas sagen,
    als wollt es sie ein Stück weit tragen.

    Als wäre diese besondere Band,
    fast so schön wie Hand in Hand.

    Drum bleibt sie offen für die Zeichen vom Kind,
    die für sie von so großer Bedeutung sind.

    Ein Herz aus Wolken, eine Sonnenblume im Beet,
    ein Herbstblatt, das tanzend vorüber weht.

    Ein lächelnder Stein, ein Schatten an der Wand,
    ein warmer Druck in ihrer Hand.

    Die kleinsten Dinge geben ihr Kraft,
    und sagen ihr leise, dass sie es schafft.

    Und kommen dann die Zweifel und droht ihr ein Loch,
    so sagt sie sich selbst:„.. aber was ist wenn doch!?!?“

    Ende

  2. #2
    Registriert seit
    Nov 2009
    Ort
    Neu Paris, Exberlin, Virtualondon
    Beiträge
    10.502
    Ich finde es treffend formuliert und gleichzeitig locker im Stil und einfühlsam in der Wirkung die wie ein Fluss unsere Melodie dahineinlegt wo nichts mehr gilt, als das was nicht mehr gilt. Und seine langsame Substanzgewinnung durch magische Verwurzelung einzelner Zitate im Kontinuum.

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
    Registriert seit
    Dec 2008
    Beiträge
    1.189
    Da setzt sich ein Vöglein auf sein Knie,
    und pfeift die schönste Melodie.

    Das Kindlein fragt das Vöglein nun:
    „Kannst du mir einen Gefallen tun?“

    „So flieg‘ doch bitte zur Mama hinab,
    und sing ihr vor, wie lieb ich sie hab!“


    hi, deine Lyrik baut sich auf Paarreimen auf, die "fast alle" vierfachbetont sind, einige verlassen diese Form, was nicht störend wirkt, wobei es wohl auch auf die Lesart ankommt, die man dieser "Trauerlyrik" zukommen lässt. Mein wandern durch die Verse war bedacht, gesengten Hauptes.
    Am Ende ein Happyend? Nein, eine Frage: >>Und kommen dann die Zweifel und droht ihr ein Loch, so sagt sie sich selbst:„.. aber was ist wenn doch!?!?“<< Was ist, wenn doch was? Die Antwort erschließt sich aus den Verserzählungen, wird aber vom Li und vlt. auch von der Autorin selbst beantwortet werden müssen ...

    Drum bleibt sie offen für die Zeichen vom Kind,
    die für sie von so großer Bedeutung sind.

    Ein Herz aus Wolken, eine Sonnenblume im Beet,
    ein Herbstblatt, das tanzend vorüber weht.

    Ein lächelnder Stein, ein Schatten an der Wand,
    ein warmer Druck in ihrer Hand.

    Die kleinsten Dinge geben ihr Kraft,
    und sagen ihr leise, dass sie es schafft.

    Und kommen dann die Zweifel und droht ihr ein Loch,
    so sagt sie sich selbst:„.. aber was ist wenn doch!?!?“



    . . . . Fietje Butenlänner

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Aber doch - doch aber
    Von Walther im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 09.02.2016, 18:43
  2. Wenn aber nicht aber wäre (???)
    Von Marco24 im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 29.04.2014, 18:32
  3. Heul doch, aber renn dabei
    Von dark_nightmare im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 09.03.2007, 17:27
  4. Ein Tag, windig aber doch schön....
    Von Hartes leben im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 06.10.2006, 20:05
  5. ohne wenn und aber
    Von schatzkammer im Forum Archiv
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 20.03.2002, 22:45

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden