1. #1
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    Der keusche Joseph

    Joseph war Mariens Mann.
    Doch rührte niemals er sie an,
    sodass sie immer Jungfrau blieb.
    Was sie auf die Spitze trieb,

    indem sie einen Sohn gebar,
    wo Joseph nicht der Vater war.
    Der bibelfeste Christ erfährt,
    er hat den Jesus nur genährt.

    Gott hat es gründlich ihm gedankt,
    er ist für ewig nun ein Sankt.
    Joseph hat die Lust gemieden,
    trotzdem ist er sehr zufrieden.

    Er hat der Wollust nie gefrönt
    und nie beim Liebesakt gestöhnt.
    Er war allezeit ein keuscher Mann,
    es lebe hoch der Zimmermann!

  2. #2
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    Hallo Alfredo!
    Soviel ich weiß hatte Jesus noch einige Geschwister. Wurden die auch alle unbefleckt empfangen?
    Lg Jezibaba

  3. #3
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    Hallo Jezibaba, danke dass du dich des armen Josephs erbarmt hast.
    Alles was man von Joseph weiß, stammt aus der Bibel. Das ist aber eine sehr unzuverlässige Quelle. Die Bibel ist ein Konglomerat aus Wahrheit,
    Halbwahrheit, Lüge, Fälschung und Phantasie. Selbst Grimms Märchen haben einen härteren Wahrheitskern.
    Schon Zeus trieb sich auf der Erde herum und schwängerte Erdenweiber, auf dass sie Halbgötter gebaren. Das scheinen die Erfinder der Beschattung Mariens und der Jungfrauengeburt abgekupfert zu haben.
    Die unbefleckte Empfängnis bezieht sich übrigens auf die Zeugung Mariens durch Joachim und Anna und besagt, dass Gott dafür gesorgt hat,
    dass Maria ohne den Makel der Erbsünde auf die Welt kam. So weit kann Gott vorausdenken. (sic!)
    Das alles glauben Evangelikale wortwörtlich und sind keinen vernünftigen Argumenten zugänglich. Aber wenn man diese Geschichten ein wenig
    persifliert und parodiert, dann ärgern sie sich wenigstens ein wenig und wünschen dich zur Hölle, was ja christliche Nächstenliebe schlechthin ist.
    LG Alfredo
    Geändert von Alfredo (29.07.2020 um 07:32 Uhr)

  4. #4
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    Hallo Alfredo,

    dann will ich mich auch mal erbarmen.

    Ehrlich gesagt, haut es mich nicht so vom Hocker. Wo ist der Witz in der Geschichte? Wo die unerwartet komische oder überhaupt eine Pointe? Spannend wäre es doch geworden, wenn du dem keuschen Josef irgendwas Scheinheiliges oder - noch schlimmer – Unkeusches als Alternative zur ehelichen Zurückhaltung unterstellt hättest. Wenn es schon inhaltlich nix besonderes, überraschendes gibt, dann muss es zumindest sprachlich aber gekonnt und elegant geschrieben sein. Aber auch ier finde ich die Formulierungen teilweise hölzern kindlich naiv, unlogisch und reimgeschuldet.
    Man kann wunderbar antike und biblische Geschichte auf die Schippe nehmen. Dafür gibt es – auch hier m Forum – tolle Beispiele. Lies mal hierzu die entsprechenden Beiträge von
    Georg C. Peter. So macht es Spaß, zu lesen. Vielleicht kannst du dir von ihm einiges abschauen, wenn du wieder mal in diese Richtung dichtest.


    Ein paar Beispiele:
    Was sie auf die Spitze trieb,
    indem sie einen Sohn gebar,
    Wieso trieb sie ihre Jungfräulichkeit auf die Spitze, indem sie einen Sohn gebar? Das passt doch überhaupt nicht. Sie führte ihre Jungfräulichkeit ad absurdum. Auf die Spitze hätte sie sie getrieben, wenn sie sich sicherheitshalber noch einen Keuschheitsgürtel angelegt hätte, damit auch ja nix passieren kann.

    Doch rührte niemals er sie an,
    Warum die Satzverdrehung? Soll es lyrischer klingen? Nein, das klingt unbeholfen. Warum nicht einfach, so wie man es auch sprechen würde, „Doch rührte er sie niemals an“

    indem sie einen Sohn gebar,
    wo Joseph nicht der Vater war.
    Auch hier Ausdruck unbeholfen, hölzern, kindlich naiv.

    Was aber am meisten stört, sind die wild wechselnden Versauftakte. Man kommt überhaupt nicht in einen Lesefluss.

    Nein, je ,mehr ich mit deinem Gedicht befasse, umso weniger gelungen finde ich es.
    Vielleicht klappt es beim nächsten besser.

    Nix für ungut

    VG. Eddigeh
    "Ich pass' immer auf zu dir"

  5. #5
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    Hallo eddigeh,
    also auf dein Erbarmen und den herablassenden oberlehrerhaften Ton lege ich ja nun gar keinen Wert. Es tut mir auch nicht leid, wenn dir mein Gedicht nicht gefallen hat.
    Ich kann dir nur den wohlmeinenden Rat geben, dich im reichhaltigen Angebot des Forums umzusehen, da wirst du sicher
    etwas finden, was mit deiner Meinung konform geht.
    Alfredo
    Geändert von Alfredo (31.07.2020 um 07:49 Uhr)

  6. #6
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    Hallo Alfredo,

    nein, das muss dir auch nicht Leid tun, wenn mir dein Gedicht nicht gefällt. Wär ja noch schöner.

    Ich hab den Eindruck - also jetzt nach deiner Reaktion - ich war in meiner Kritik zu schroff. Tut mir Leid, wenn du die in den falschen Hals bekommen hast. Ich hab sie zu flapsig begonnen, glaube ich. Mit "erbarmen" hatte ich mich nur auf deine Antwort an Jezibaba beziehen wollen, um "locker" in die Kritik einzusteigen. Das war nicht "locker" sondern muss überheblich geklungen haben. Alles andere möglicherweise auch. Also; Mea Culpa. Ich wäre auch angepisst gewesen.
    Wenn du trotzdem noch Lust auf konstruktivere Kritik hast, bzw. du mir erklären könntest, weshalb und wo du meine Kritik als unberechtigt ansiehst, könnten wir noch in einen Dialog einsteigen. Ich wäre bereit.

    VG, Eddigeh
    "Ich pass' immer auf zu dir"

  7. #7
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    Lieber Alfredo,

    die Begrifflichkeit "keuscher Joseph" bezieht sich im gängigen Sprachgebrauch auf Joseph, den Sohn Jakobs, im alten Testament. Es geht dabei um Joseph und seine Erlebnisse in Ägypten, dessen Lebensgeschichte nicht nur im alten Testament zu finden ist, sondern auch in Thomas Manns großem Roman "Joseph und seine Brüder" literarisch gestaltet wurde. Dort wird sie in der Zeit des Pharaos Echnaton lokalisiert, also etwa 3000 Jahre vor Christi Geburt. Du hast sie hier anders verwendet und Dinge miteinander vermischt, die nicht zusammengehören, und ich rätsle (es steht ja unter Rätselhaftes): Warum?

    Aber vielleicht hast du es ja im übertragenen Sinn gemeint. So richtig damit anfreunden kann ich mich allerdings nicht.

    Liebe Grüße
    rosenrot
    Geändert von ~rosenrot~ (31.07.2020 um 09:35 Uhr)
    Nichts ist mir zu klein und ich lieb es trotzdem
    und mal es auf Goldgrund und groß,
    und halte es hoch, und ich weiß nicht wem
    löst es die Seele los...
    (Rainer Maria Rilke)

  8. #8
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    Hallo Rosenrot,
    Thomas Manns Tetralogie habe ich gelesen. Inwieweit das alles einen historischen Kern hat, kann man nicht mehr einwandfrei rekonstruieren.
    Ich lehne es ab, irgendeine 'Wahrheit' eifernd zu verteidigen, nur weil ein Religionsverein das so wiedergibt.
    In meinem Gedicht ging es mir vor allem darum, die groteske Behauptung einer Zeugung durch den heiligen Geist mit späterer Jungfrauen-
    geburt zu ironisieren. Dazu hat man einen Nährvater gebraucht, der so zurechtgestutzt wurde, dass er in diese Lügengeschichte hineinpasst.
    Glaube das wer es vermag. Wenn sich wer über mein Gedicht aufregt, ist das eher ein Hinweis auf die Unbelehrbarkeit von Religioten.
    LG Alfredo
    Geändert von Alfredo (01.08.2020 um 06:44 Uhr)

  9. #9
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    Oder vielleicht einfach ein Hinweis darauf, dass dir diese Persiflage nicht so recht gelungen ist. Eddigeh hat auf die Schwachpunkte hingewiesen und ich teile seine Ansicht. Es ist eine eher billig gemachte Verballhornung. LG gugol

  10. #10
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    Sorry, das Gedicht war bestimmt ein Schnellschuss, der auch noch das Ziel weit verfehlte. Witzig wäre gewesen, die heutzutage übliche In-Vitro-Fertilisation im Gedicht zu verarbeiten.

    LG Sid
    Dichten und dichten lassen

  11. #11
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    Die Einsteinische Vermutung hat Dich voll erwischt, Alfredo!

    ~Diskreditierung entfernt~

    Aber nein, Du hast den Guru beleidigt und Hilfskräfte auf den Plan gerufen die ihm gleich zur Seite gesprungen sind und Dich ins Kreuzfeuer genommen haben. Du mußt es Dir nun gut überlegen, was Du demnächst zu tun vermagst: Ob Du nun selber schweigen, oder aber mit
    Schweigen belegt werden willst. Eine Dritte Möglichkeit für Dich sehe ich nicht.


    Das Gedicht hast Du fabelhaft geschrieben. Nur der erste Vers wirkt ein wenig abgehakt, da er zwei Silben weniger enthält als die nächsten. Wenn es keine Absicht war, kannst Du ihn leicht auffüllen, zB: "Der Joseph war mal Mariens Mann."

    In einer Sicht hast Du Dein Ziel auf jeden Fall verfehlt: Das Gedicht ist Bibelkonform!
    Geändert von Richmodis (01.08.2020 um 20:15 Uhr)
    Es steht nicht jedem frei mir zu widersprechen.

  12. #12
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    Lieber Alfredo, lieber Sidgrani,

    nun, in moderneren Bibelfassungen werden die heute üblichen Fortpflanzungsmöglichkeiten sicherlich schon Berücksichtigung gefunden haben. In sinnvoller Ergänzung könnte ich mir vorstellen:


    Und Joseph steckte noch im Rohr,
    dem Schnellschuss kam der Herr zuvor:
    In- Vitro- Fertilisation
    beschenkte ihr den Gottessohn.

    L.G.A.

  13. #13
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    Hallo Akibarubin,

    um sich als Retter anzubieten, muss man ja nicht gleich unbeteiligte User diffamieren ...

    Gruß Lé
    "Die Leute die den Reim für das Wichtigste in der Poesie halten, betrachten die Verse wie Ochsen-Käufer von hinten."
    Georg Christoph Lichtenberg


  14. #14
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    Genau so, lieber Anjulaenga, habe ich mir das vorgestellt.


    Lass gut sein Lé,

    Don Quijote hat ja auch niemand ernst genommen.

    LG Sid
    Dichten und dichten lassen

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