1. #1
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    In meiner Hand

    Ich küsse dich, ich schlage dich, du bist die Königin für mich
    (Extrabreit)

    Dass du dich rückhaltlos in meine Hand gibst –
    ich tu dir weh, um‘s wirklich zu begreifen.
    Die Einsicht musste erst mal in mir reifen,
    dass du mich außer Rand und Band liebst.

    Dabei, noch immer bin ich mir nicht sicher,
    ob du‘s für meine Lust tust oder deine.
    Gleichviel, die leibliche und ungemeine
    Verfügbarkeit ist umso eindringlicher.

    Du kniest vor mir und lässt dich von mir schlagen,
    zu jedem Dienst befehlen und benutzen
    und wirst so schön, es kann dich nichts beschmutzen,
    das ist viel mehr als alle Worte sagen.

    Und schließlich, wenn du über mich verfügst,
    fast werd ich dann so schön, wie du es bist.
    Realer kann nicht sein, als was dann ist.
    Mein Körper weiß beglückt, dass du nicht lügst.
    Geändert von Michael Domas (06.08.2020 um 01:53 Uhr) Grund: Kritik von MiauKuh, vgl. #7

  2. #2
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    Hi Michael,

    wie immer formidabel grenzwertiges verreimt. zur erotik gehört auch dies - solange beide einverstanden sind.

    und endlich nicht schwanz, fotze, ficken: mich langweilt das.

    lg W.
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  3. #3
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    Lieber Walther

    so ganz geheuer scheint Dir die Verreimerei ja nicht, gerade deshalb vielen Dank für das „formidabel“.
    Und „grenzwertig“? Da hat sich was verschoben, Nun will ich mich nicht an die Themenerweiterungen von „365 Tage“ oder „fifty shades“ dranhängen (trotz der Interpretataion von Eva Illouz), aber es gibt ja auch z.B. Adam Thirlwells „Strategie“. Und MiauKuh natürlich.
    Und früher gab es die unvergleichliche sickness. Du erinnerst Dich an ihr Gedicht „Auf allen Vieren“?
    Sickness ging, wir bleiben

    Michael

  4. #4
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    Hi Michael,
    was im einverständnis aller beteiligten durch die betten, felder, wälder, wiesen, übereinander herfallend sich lustverrenkt, darf bedichtet werden.
    alles andere gehört auf den müll.
    in der tat, wir bleiben hier.
    lg W.
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  5. #5
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    Unbewusst kann man hier auf viele Sachen einstiegen. Exemplarisch das beschmutzen wo die Partnerin als Projektionsfläche nicht mehr fotzenfickbereit ist sondern alles macht außer sich daran zu beschmutzen, wie schmutzig der Partner sich im Gedicht vorkommt.

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  6. #6
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    Werter Michael,

    nun, das hat mich ja doch sehr erfreut, was meine Augen hier gelesen haben. Thematisch natürlich sowieso, wohl aber eben auch die Sprache, die clever nicht gleich verrät, worauf es hinausläuft.
    Es sind die schönen und auf mich wirkungsvollen Anfänge "Dass du dich" und "Dabei, noch immer bin ich mir nicht sicher," die mich weiter trieben und nun wollte ich es auch bis zu Ende lesen und fand: Ja, so ist das manchmal ... bis ...

    da auf einmal stand: "wenn du über mich verfügst" und ja: Das Gedicht wird ja mit der Königin eingeleitet, die die Macht hat, obwohl sie geschlagen und geküsst wird.

    So ist es doch auch, denn weiter darf es unmöglich gehen, weil dann die schöne Tatsache, dass es beiden gleichermaßen gefällt, nicht mehr gegeben ist.
    Vielleicht fühle ich mich doch gezwungen ein winziges Nörgeln am doppelten "mehr" in der einen Strophe als kleine Kritik anzuführen.

    Es sollten mehr Gedichte über diese hocherotische, sinnliche und sehr sensible Thematik geschrieben werden
    Aber viele machen das ja nicht, weil sie sich scheuen, dass die dargestellten Themen Rückschlüsse auf ihr eigenes erotisches Empfinden zulassen würden oder könnten. Als würde man sich dadurch tatsächlich sexuell als Autor/-in nackig machen. Wie könnte man sonst sowas schreiben, wenn man nicht wenigstens die Fantasie dafür hat? Tja ...

    Der Switch

    Von Orgasmus zu Orgasmus wechselt mein Gelüst –
    ich bin ein Switch,
    der heute deine, dem du morgen seine Füße küsst.

    Liebe Grüße,
    Werner.

  7. #7
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    Lieber Walther,

    darin, dass nur diejenigen erotischen Gedichte durchgehen können, die das „ einverständnis aller beteiligten“ voraussetzen, stimmen wir natürlich überein. Es ist selbstverständlich, und ich hoffe, mein Gedicht gibt keinen Anlass, bei den Liebenden, die es beschreibt, das Gegenteil anzunehmen.

    Lieber Werner,

    „die schöne Tatsache, dass es beiden gleichermaßen gefällt“ ist hier also gegeben, denke auch ich.

    Ein Dichter, dem es an Fantasie fehlt, sollte es besser lassen, oder? Und bei diesem Thema kann er für seine Fantasie in unserer Kultur Anregungen in Hülle und Fülle finden, (Plüsch)-Handschellen usw. gehören inzwischen ja geradezu zur Aussteuer.

    Ich selbst finde SM die sozusagen literarischste Form von Sex. Alles, was in der Liebe ein Rolle spielt, insbesondere Vertrauen und Hingabe, lässt sich hier wie unter einem Vergrößerungsglas beschreiben. (S4Z3: Realer kann nicht sein, als was dann ist.) Es wird inszeniert, dramatisiert, ein Theaterstück, eine Choreografie.

    Danke auch, Werner, dass Du den Switch hervorhebst.

    Das doppelte „mehr“ in S3
    und wirst so schön, nichts mehr kann dich beschmutzen,
    das ist viel mehr als alle Worte sagen.

    habe ich verbessert.

    Auf ein Neues

    Michael

    Nachtrag (7.8.20):

    Entschuldige, Terrorist, dass ich Dein Statement nicht beantwortet habe. Dass „der Partner sich im Gedicht schmutzig vorkommt“ ist eine überraschende Interpretation.
    Ich sag‘s mal mit Apostel Paulus:
    „Den Reinen ist alles rein. Den Unreinen aber und Ungläubigen ist nichts rein. (Titus 1, 15)“

    Michael
    Geändert von Michael Domas (07.08.2020 um 00:10 Uhr) Grund: Nachtrag an Terrorist

  8. #8
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    Lieber Michael,

    nun hat ja Aron seinen Kommentar leider wieder gelöscht. Sinngemäß ließ er wissen, um erotische Gedichte zu schreiben, müsstest Du die bildungsbürgerliche Attidüde ablegen. Meint er mit "erotisch" erotisierend?
    Ich kann mich nicht erinnern, in dieser Rubrik jemals ein erotisierendes Gedicht gelesen zu haben. Meist geht es um die Beschreibung erotischer Momente (oder Nicht-Momente), wie in Deinem Gedicht.
    Mir gefällt daran gerade die Kombination zwischen der gebundenen, klangvollen, "bildungsbürgerlichen" Form und dem überhaupt nicht bildungsbürgerlichen Inhalt.
    Wie lässt sich das Triebhafte im soziokulturellen Kontext beschreiben und in ihn einbinden? Aron meint, es müsste schnörkellos geschehen, um echt zu wirken. Seine LI's wirken oft ein wenig fassungslos darüber, wie sehr sie in ihren Trieben gefangen sind. Das schafft eine düstere, manchmal sogar verzweifelte Atmosphäre (auch bei nicht düsteren Themen), während Du die spielerisch-schwelgende wählst, auch bei einem Thema wie diesem.
    Beides ist möglich und interessant.

    LG
    Okotadia
    Früher waren die Stühle schöne, blütenfressende Tiere. Doch sie ließen sich zu leicht zähmen...
    Zbigniew Herbert

  9. #9
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    Liebe Okotadia.

    Du hast den Unterschied zwischen Aron und mir wirklich sehr feinfühlig zusammengefasst.
    Ja. schade, dass er seinen Verriss gelöscht hat. Immerhin hat er mich nur als „Bildungsbürger“ betitelt und mich nicht noch als alten, weißen Mann geoutet. Da mein Gedicht (diesmal!) kein Bildungsgut transportiert, sondern im Gegenteil in ziemlich einfacher Sprache daherkommt, muss Aron tatsächlich die Reimerei meinen, so wie Du‘s auch vermutet hast, Okotadia.
    Allgemein und heutzutage die Berechtigung von Reimen zu diskutieren, ist natürlich sinnlos – und im Übrigen unter Bildungsbürgern, modernen Bildungsbürgern, Bildunsgbürgern, die up to date sind, längst entschieden: Reime und gebundener Vers sind was für Dummbratzen, Zurückgebliebene und Laubsägehäkler, der heutige Dichter ist frei (oft so frei wie Prosa).
    Vielleicht erfüllt die gebundene Form in diesem konkreten Fall aber doch einen Zweck und ist nicht nur Kunsthandwerk. Eine „spielerisch-schwelgende Atmosphäre“ für die beiden Liebenden herzustellen, so wie Du es liest, Okotadia, wäre ja nicht das Schlechteste.Vielleicht sind sie aber auch etwas unsicher (s. S2Z1) und halten sich an der Form fest, um wie an einem Geländer in etwas hineinzugleiten, was einen „überhaupt nicht bildungsbürgerlichen“ (Du, Okotadia), vielleicht sogar „schmutzigen“ (Terrorist), u.U. irgendwie bedenklichen (Walther) oder mindestens „sehr sensiblen“ (MiauKuh) Inhalt darstellt.
    Ob ein solches Gedicht LeserInnen so erotisieren kann, wie wir es den Protagonisten doch hoffentlich wünschen – da bin ich auch skeptisch, Okotadia. Gedichte sind einfach zu kurz, um zu erreichen, was Erzählungen und Kino durchaus können.

    Mit bildungs.- nein kleinbürgerlichen Grüßen

    Michael

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