1. #1
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    Gesprächsfetzen - Nett rausgedrückt

    Nenns Dialog;
    Gesprächsfetzen zweier Außenstehender.
    Ort: Irgendwo, Du ahnst wo.
    Geh hin. Oder lass es halt.
    (Wär aber schade.
    Vielleicht.)


    Warte, ich misch was rein.



    Mit ner nervösen Zigarette im
    Mundwinkel breitet Edgar die Arme aus.
    "Ach was, ne oder? - Ich fasses nicht!
    Sébastien? Ausgerechnet DU hier?"
    Sebbi nimmt seine goldene Sonnenbrille ab
    und verzieht angewidert sein hässliches Gesicht.
    "Mensch Eddy, Du Dreckiger.
    Laber nicht rum, hab nicht viel Zeit.
    Du willst mich sprechen?"
    Edgar nimmt einen tiefen Zug.
    "Bleib mal locker jetze.
    Ist wegen der Sache neulich.
    Du weißt doch, was seitdem los ist.
    Lass uns das klarstellen.
    Ganz zivilisiert."
    Sebbi entfährt ein lauter Seufzer.
    Er mustert Edgars drahtigen Körper
    und grinst.
    "Na, Da bin ich ja mal gespannt.
    Etwa wie in alten Zeiten?
    Kannst Dir ja denken, dass ich
    der Letzte bin, der grade Dir,
    nach allem was passiert ist,
    so viel Größe noch zugetraut hätte."
    Edgar bemüht sich erfolgreich,
    die Contenance zu wahren.
    "Ruhig bleiben, Kollege.
    Immer ruhig bleiben.
    Alles entspannt.
    Wir machens wie früher.
    Es geht nur um die Sache, klar?
    Einzig und allein um die verdammte Sache!"
    Sebbi, ganz die Ruhe selbst, schaut ihn ernst an.
    "Schon verstanden.
    Ich weiß ja, anders als ich bist Du
    stets ein Einzelkämpfer geblieben.
    Das hab ich Dir auch immer hoch angerechnet.
    Aber meine Leute und ich...
    - Ach, ist auch egal.
    Also dann, leg ma los;
    Ich bin bereit."
    Edgar blickt sich angespannt um,
    nutzt die Kippe als Fernrohr.
    "Und Dir ist auch wirklich niemand gefolgt?"
    Sebbi verdreht genervt die Augen.
    "Ne, hiers alles sicher.
    - Wirklich!"
    Er rotzt auf den Boden.
    "Und jetzt mach hinne."



    Edgar stellt sich breitbeinig hin,
    kramt mit zittrigen Händen ein
    paar verknitterte Zettel aus
    seiner Jackeninnentasche
    hervor und atmet tief durch.
    "Also dann.
    Los gehts:

    Der sucht den Zauber;
    Hat wer denn keinen?
    Reglementiert solls ja sein!
    Kontrollierbar und Fad;
    - Gut, hebt ihn euch auf."


    Sebbi wechselt von einem
    Bein aufs andere, verzieht keine
    Miene und spricht gewissenhaft nach,
    was ihm seine Freunde aufs Ohr plappern:

    "Wovon wird geschrieben;
    Verstehs einfach nicht?!
    Nicht schön. Nicht so bildlich!
    Kaum mir vertraute Regeln;
    - Gut, hamses halt noch nicht drauf."


    - "Kommt mal runter von Deinem hohen Ross", reagiert
    Edgar sofort leicht gereizt - erhebt merklich die Stimme.
    "Jetzt hörste mir mal zu, falls Du das überhaupt kannst:

    Versteh fast alles von euch da drüben.
    Das ist nicht das Problem
    - nur lang-wei-lig!
    Leben voller Regeln mitm tolln Zweck;
    Gefallen..."



    ... Gefallen ... Gefallen ...
    Edgar lässt das Wort wirken,
    schreit
    laut plötzlich;

    - "AUA!!!"

    Umgreift seinen Kopf mit beiden Händen,
    wälzt sich am Boden und steht wieder auf:

    "Bilder erzeugn Gefühle, ja der
    Schein mags trügen; nur - Sie Lügen!"



    Er klopft Hose und Jacke ab, stellt betont
    lässig seinen Hemdkragen hoch und sieht
    rüber zu Sebbi.
    Der runzelt erst irritiert die Stirn, bis er
    nach ner Weile verlegen zu Boden
    sieht und murmelt: "Du hast ja Recht."
    Zähneknirschend nimmt Sebbi den Stöpsel aus dem Ohr
    und holt ausm alten Jutebeutel ein rotes Notizbuch hervor.
    "Die Selbstverarsche ist echt ziemlich heavy.
    Früher ham wir das ja selbst nicht bemerkt!
    Und wenn doch - wars uns einfach scheißegal!"
    Geistesabwesend zieht Edgar ne Schnute,
    höchst erregt lässt Sebbi aber nicht locker:
    "Ehrlich, ich schwöre!"
    Rasch geht er ein paar Schritte auf Edgar zu, stolpert dabei
    jedoch unbeholfen über seine rein zufällig überkreuzten Beine,
    rappelt sich anschließend peinlich berührt wieder auf und keucht:
    "Aber das ist nun mal unser täglich Brot.
    - Wir brauchens wie die Luft zum atmen."
    Wissend nickt Edgar ihm zu.
    Sebbi steckt sich taumelnd einen Zahnstocher zwischen
    die Zähne und liest voller Inbrunst aus dem Notizbuch vor:

    "Hab mirn verdammten Arsch aufgerissen;
    Klar, manchmal auch nicht - ging trotzdem.
    Scheiß auf Reality; Hauptsache Fame!
    Was hilfts mir der Beste zu sein,
    wenn mich niemand kennt?"


    Edgar dreht den Kopf zur Seite,
    winkt abfällig ab.
    "Was soll ich da noch sagen?
    Aber gut, ist wie früher;
    Du warst schon immer leicht zu haben.
    Ne Dame wär aus Dir ganz sicher nie geworden!
    Aber gemach, gemach - hier Dein finaler Todesstoß!"
    Sebbi setzt sich im Schneidersitz auf den Boden und starrt ins Nichts.
    Dann reicht er Edgar, der nur ein paar Meter von ihm entfernt steht,
    mit gesenktem Kopf stumm seine goldglänzende Sonnenbrille.
    Der nimmt sie widerwillig an,
    haucht:

    "Ja, so entsteht die Ware; Künstler.
    - Tamtam!
    Langweilig und trist;
    Was man hat, ist nichts, das man vermisst.
    Sucht halt jeder hier was anderes,
    so viele mögen Blender - wo Sehen doch so schmerzt."
    Geändert von Davide Di Tursi (11.10.2020 um 19:23 Uhr)
    “Understand me.
    I’m not like an ordinary world.
    I have my madness,
    I live in another dimension
    and I do not have time for things
    that have no soul.”


    Charles Bukowski

  2. #2
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    Wenn man so wie du erstmal in die preisverdaechtige Region vorgestossen ist, dann braucht es wohl auch so eine Einleitung um dann das folgen zu lassen was mittlerweile an Unterforderung nicht zu überbieten ist. Ständig sich einen Edgar irgendwie abbemühen hat aber niemand wirklicher verdienter als der Autor selber vielleicht.

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
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    Die Einleitung ist ja keine wirkliche Einleitung und Deine preisverdächtige Aussage irgendwie unnötig. Ist doch in Ordnung, wenn Du mit dem Text so gar nichts anfangen kannst. Ich weiß es daher zu schätzen, dass Du jener völligen Unterforderung zum Trotz offenbar etwas von Deiner Lebenszeit geopfert und sogar noch einen Kommentar verfasst hast.

    Viele Grüße
    DDT
    “Understand me.
    I’m not like an ordinary world.
    I have my madness,
    I live in another dimension
    and I do not have time for things
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