1. #1
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    Klippe (Wettbewerbsbeitrag)

    Stell dir vor, du stehst davor -
    ratlos

    Oder du schwimmst - noch - davor -
    rudernd und kämpfend mit letzter Kraft
    kannst aber nicht landen
    nichts erklimmen
    und wenn doch dann
    läufst du Gefahr
    abzurut-
    schen,
    abzu
    stür
    zen




    . .. .

    zer-schla-gen
    oder ERSOFFEN
    den Deinen abhanden gekommen
    - oder sie dir, oder später,
    unvorstellbar später,
    falls das alles hinter dir liegt,
    du tatsächlich
    obenauf bist, denkste
    du hast's geschafft und hast
    dein Recht auf´s Leben zurück,
    kannst wieder nach vorne denken -
    stell dir vor

    erwischt zu werden, ganz einfach so
    bei nur einer Kontrolle - - -

    (ab hier wird's unübersichtlich)



    Aber sei dir sicher,
    die Erde
    hat sich nichts dabei gedacht

  2. #2
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    Sehr tiefe Einsichten sehr bewegend dargestellt. Du schilderst lebhaft die Angst und badest den Leser in dem Gefühl dir zu gehören und zum Schluss kugelt sich die Erde mit ins Bett. Nur um nicht komplett vergessen zu werden bei den Urgewalten menschlicher Beziehungen.

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
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    Hi Majolu,

    Wie du siehst sind deine Gedichte viel zu intellektuell für uns hier - nur Terrorist versteht deine Texte, aber du ihn nicht und es dich nicht - das ist echt tragisch! Aber ich hatte bei deinem auf Verbalcarppaccio getippt; da braucht man auch immer mindestens aktuelle 100 Zeit-Artikel, bis man weiß, worum es gehen soll.

    Lieben Gruß
    albaa
    p.s. Ich würde jedenfalls auf die ... ja, vulgäre Schriftwahl verzichten.
    Geändert von albaa (25.10.2020 um 14:20 Uhr)

  4. #4
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    Hallo Majolu,

    bei deinem Text hätte ich mein Leben dafür verwettet, dass er von Terrorist stammt. Deshalb wundert es mich auch nicht, dass er ihm gut gefällt. Ich habe mich - zugegeben - irgendwann beim Lesen geschlagen gegeben. Immer dann, wenn ich nicht mehr weiß, ob ich veräppelt werde, klinke ich mich aus.

    Bei
    (ab hier wird's unübersichtlich)
    war ich mir nicht sicher, ob es ein Vermerk der WBL war oder es noch zum Werk gehörte

    Aber dieses Zitat, liebe albaa:
    Aber ich hatte bei deinem auf Verbalcarppaccio getippt; da braucht man auch immer mindestens aktuelle 100 Zeit-Artikel, bis man weiß, worum es gehen soll. l
    kann ich nicht bestätigen. Nach meinen Erfahrungen mit seinen Texten reicht meistens ein Blick in die aktuelle BILD-Zeitung, um zu erkennen, wess Geistes Kind sie sind.

    VG, Eddigeh
    "Ich pass' immer auf zu dir"

  5. #5
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    Hei Majolu,

    dein Text wirkt konfus, hat aber einen Bezug zum vorgegebenen Thema. Ich kann trotzdem nur mit Bruchstücken etwas anfangen.

    Aber ich bin mir sicher,
    du
    hast dir etwas dabei gedacht

    Dem Terroristen hätte ich das Gedicht niemals zugeschrieben, so lange Texte kann er nicht. Und es ist zuviel Substanz enthalten.

    LG Sid
    Dichten und dichten lassen

  6. #6
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    Hallo zusammen!

    Erstmal an alle vielen Dank für eure lobenden und lesenswerten Kommentare. Diesmal war ich wirklich sehr gespannt auf die Rückmeldungen, da mein persönlicher Unsicherheitsfaktor bei dem Artefakt aus verschiedenen Gründen ziemlich hoch war. Das hatte zum einen den sehr praktischen Grund, dass ich mit der Aufgabenstellung, mit diesem eher hässlichen Foto, erstmal wenig bis gar nichts anfangen konnte, dann doch dies oder jenes versucht, aber nichts fertig gebracht habe. Die Idee, die Klippe als faktisches und symbolisches Hindernis für eine bestimmte Gruppe von Menschen, die uns seit einigen Jahren sehr intensiv beschäftigt, aufzufassen, kam mir erst sehr spät. So habe ich das Gedicht erst am vorletzten Tag der Wettbewerbsfrist verfasst und, ohne noch lange darüber nachzudenken oder daran herumzufeilen, eingeschickt. Die eine oder andere Ungereimtheit - insbesondere in Schriftbild und Interpunktion - ist mir bewusst, und, unter anderen, sicher auch diesen Umständen geschuldet. Außerdem ist mir auch klar, dass ich mich hier über eins meiner eigenen, schonmal in diesem Forum vertretenen Prinzipien hinweggesetzt habe: Nämlich brisante Problemthemen zu meiden, zu denen man aus persönlicher Erfahrung nichts beitragen kann. Ich denke, in diesem Forum finden sich nicht allzu viele, die selbst schon einmal (übers Meer) geflüchtet sind, und auch nicht viele, die intensiven Kontakt zu Flüchtlingen hatten. Meine Erfahrungen beschränken sich jedenfalls auf wenige Freundschaften zu, lange vor der großen Flüchtlingswelle, "Zugereisten" aus außereuropäischen Ländern, die es zwar geschafft haben, hier bleiben zu können, aber dafür jahrelang immer wieder im Abstand von wenigen Monaten um ihre Aufenthaltserlaubnis bangen mussten. Aber ich schweife ab. Was ich sagen wollte: Es handelt sich natürlich um ein wichtiges gesellschaftliches und politisches Thema. Deshalb steht´s jetzt in in dieser Rubrik, und deshalb hat es mich auch nach all den anderweitigen Fehlversuchen doch noch inspiriert.

    So und jetzt der Reihe nach zu euren Kommentaren:

    @ Terrorist:
    Ich danke dir sehr für die außerordentliche Klarheit deiner Worte und das Lob - im ersten Moment wollte ich es gar nicht glauben, was aber weniger mit deiner Vielheit, sondern eher mit meiner Wenigkeit und den oben angedeuteten Zweifeln zu tun hatte.
    In diesem Zusammenhang: Man kann den Standpunkt vertreten, sich auszumalen, wie ein erschöpfter Gestrandeter versucht, mehr oder weniger glitschige oder steile Klippen zu erklimmen, sei ein bisschen kitschig oder naiv, oder oberflächlich. Andererseits spielen sich solche, oder vergleichbar dramatische Szenen mittlerweile täglich im Mittelmeer ab. Und an dieser Tatsache ist nichts Oberflächliches, sondern nur furchtbar Tragisches.
    Was die "sich mit ins Bett kugelnde Erde" betrifft: Die abschließenden Zeilen sind einerseits natürlich durch das Foto inspiriert, das die Gesteinsschichten und damit die Kleinheit unserer Existenz so schön sichtbar macht. Aber andererseits steckt auch der Gedanke dahinter, dass man es sich einfach machen könnte, wenn man den Standpunkt verträte, die Fluchtbewegungen und die dabei zu überwindenden Hindernisse seien nunmal auf dieser großen Erde nicht zu vermeiden, also etwas ganz Normales, ein natürliches Ereignis, das nicht zu verhindern sei und deshalb wie Naturkatastrophen zumindest in ihrer Entstehung keinerlei gesellschaftliche und ethische Fragen aufwerfe. Die Erde, als den naheliegendsten Schuldigen bei dieser Denkweise, wollte ich damit entlasten.

    @ albaa:
    Danke, dass du mir die Frage nach deinem Tipp zur "Klippe" schon beantwortest, so brauche ich dich nicht mehr zu fragen. Verbalcarpaccio habe ich schon länger nicht mehr gelesen - ich werde nochmal drauf achten. Vielleicht entdecke ich dort ja auch eine gewisse Geistesverwandschaft.
    Was deinen Hinweis zur Schrift betrifft: Ich wollte einen schlichte Schriftart haben, vielleicht hätte ich da besser Allerwelts-Arial gewählt? Ganz so schlimm wie du fand ich´s nicht, aber du hast Recht, in kursiv sieht´s ein bisschen sehr schräg aus, und die Größensprünge von einer Nummer zur nächsten sind auch ein etwas zu grob angelegt.
    Oder meintest du generell das vielgestaltige Schriftbild? Das war ein Experiment, das ich probiert habe, weil für mich, ausgehend von der Aufgabenstellung, aber auch von meiner Idee her, das Bildliche in Szene und Textbild bei diesem Gedicht das Ausdrucksmittel der Wahl war. Was natürlich auch in der Zeilenklippe mit dem Loch in der Gedichtmitte etwas unbeholfen zum Ausdruck kommt. Aber auch hier hast du Recht, es fehlt an Schliff. Vielleicht wäre es auch besser gewesen, auf die plakativen optischen Mittel des unterschiedlichen Schriftsatzes ganz zu verzichten, was meinst du?

    @ eddigeh:
    Hast du denn meine Thematisierung der "Klippe" beim Lesen verstanden? Ich denke, spätestens bei der "Kontrolle" sollte sie klar geworden sein. Das "(ab hier wird´s unübersichtlich)" war vollkommen ernst gemeint, denn wenn ein "Illegaler" erwischt wird, wird´s tatsächlich unübersichtlich, nicht nur für ihn. Denn dann gerät er in die Mühlen der Behörden, die, je nachdem, wie er sich verhält und was er zu Protokoll gibt, was er nachweisen oder auch nicht nachweisen kann, wie die politische Lage und die gesetzlichen Regelungen und die amtlichen Verfügungen gerade sind, in welchem Land, oder Bundesland, auf welcher Insel er gerade erwischt worden ist, wie überfüllt die Lager und Unterkünfte gerade sind, hinzu kommen die Sprachbarrieren, die hässlichen Erfahrungen der letzten Wochen, Monate und Jahre, die unbestimmte Hoffnung und das Vermissen der Angehörigen - je nach all diesen chaotischen Zu- und Umständen also entscheidet sich dann, ob er gute oder schlechte Chancen hat, erstmal zu bleiben, oder gar die Chance bekommt sich langsam, ganz langsam, ein neues, einigermaßen geordnetes Leben aufzubauen - wo auch immer... Das sind natürlich alles Dinge, die man nicht in einem Gedicht schildern kann. Daher mein dezenter Hinweis ins Ungewisse, der hier auch die formale und inhaltliche Zäsur zur Schlussequenz setzen sollte.

    @ Sidgrani:
    Ich glaube nach den bisherigen Erläuterungen dürfte klar sein, worum es in dem Gedicht geht. Das Konfuse ist natürlich auch dem vielgestaltigen Thema und der optischen Ausgestaltung des Textes zu verdanken. Aber natürlich auch der Unbeholfenheit, wie oben schon erwähnt.
    Was den Terroristen betrifft, bin ich gar nicht der Meinung, dass seine Texte substanzlos sind - im Gegenteil. Was nicht heißt, dass ich sie besonders gut verstehe. Aber das steht auf einem anderen Blatt.

    Dank an euch alle.

    Gruß
    Majolu

  7. #7
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    Hallo Majolu,

    Jetzt war ich überrascht! Es soll also um Flüchtlinge gehen! Tatsächlich bin ich auf dieses Naheliegendste nicht gekommen. Ich dachte eher es ginge um einen Piraten oder Schmuggler, die erwischt wurden oder im übertragenen Sinn um Menschen, die unsere Meere und die Erde ausbeuten, also die Klimawandelschuldigen sozusagen.

    Vielleicht bin ich auf das naheliegendere Thema nicht gekommen, weil ich das im Mittelmeer verortet habe. Ich schätze, in dem kalten Wasser würden Flüchtlinge aus gekenterten Booten schwimmend nicht weit kommen. Und vielleicht auch wegen "du stehst ratlos davor", "wieder nach vorne denken", wegen der Erde, der Kontrollen.


    Weil du zur Schrift fragst: Mich stört das unruhige Schriftbild grundsätzlich, besonders wenn mir in riesigen Großbuchstaben etwas aufs Auge gedrückt werden soll - also so empfinde ich das. Es machte auf mich so den Eindruck, als vertraue der Autor seinem Text nicht. Was hier ja offensichtlich auch tatsächlich der Fall war ("es fehlt an Schliff", "unbeholfen").
    Ja und der Text klingt schon eher nach Schnellschuss und kann sich irgendwie nicht entscheiden, deshalb lässt er den Leser auch außen vor. Ich frage mich dauernd: Na, was nun!?


    Stell dir vor, du stehst davor -
    ratlos

    Oder du schwimmst - noch - davor -
    rudernd und kämpfend mit letzter Kraft

    und auch sonderbar: "rudernd und kämpfend" bezieht sich grammatikalisch auf "schwimmen" oder "stehen"??

    oder hier:

    zer-schla-gen
    oder ERSOFFEN
    den Deinen abhanden gekommen
    - oder sie dir, oder später,

    Auch der Sprachgebrauch könnte noch Schliff gebrauchen:

    denkste
    du hast's geschafft und hast
    dein Recht auf´s Leben zurück,
    kannst wieder nach vorne denken -
    stell dir vor

    Hier

    (ab hier wird's unübersichtlich)

    hatte ich das Gefühl, dem Autor ist nichts mehr eingefallen, weil es sich selbst nicht wirklich entscheiden konnte wohin der Text gehen soll (Stichwort "oder"), es war alles schon vorher unübersichtlich.

    Und die letzten Zeilen klingen dann wirklich unbeholfen oder halt nach einem letzten (plakativen?) Rettungsanker, der dem Text wenigstens noch eine philosophischen Bedeutung geben soll (ich dachte daher: Aha! Es geht also um die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen!) Aber natürlich ist das schon weit hergeholt, muss ich zugeben. Aber in diese Richtung könnte es jedenfalls funktionieren, wenn du dir den Text noch einmal vornehmen solltest.

    Aber sei dir sicher,
    die Erde
    hat sich nichts dabei gedacht

    Lieben Gruß
    albaa
    Geändert von albaa (26.10.2020 um 09:28 Uhr)

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