Thema: Zombiewalzer

  1. #1
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    Zombiewalzer

    Und wenn ich dereinst 4mal4 Spatenstich' tief im Boden begraben mit bleichem Gesicht zwischen Würmern und Ratten und Maden daliege und bin ein recht schmackhaftes Mahl für all diese frisch-munt'ren Gesell'n die da komm'n zu benagen mein starr-kaltes Bauchfleisch mich Armen so plagen und schon an mir zerren und zergern und zehren derweil ich kaum kalt bin noch zitt're vor Furcht

    Ja dann komm an mein Plätzchen und sing mir ein Lied das mich trägt das mich wiegt tief in seeligen Schlaf und vielleicht lässt bevor du dich wendest zu geh'n noch ein Schimmer ein Tränchen du mir das ich nehm' mit hinab es zu tun in mein trockenes Aug' denn die Nacht die ist lang ach so lang tief hier unten im Dunkeln allein und schluckt gierig der Tränen so viel'

    Doch nie kamst du noch kommst du zu lindern mein Leiden niemals zog der Trän'n heiße Glut dich zu mir und du sagst noch ich sollt mich mit wen'ger bescheiden - Ach lass doch dein Almosen dem der es braucht! - Lieber lausch' ich dem Krächzen der Krähe hoch auf meinem Stein trotze besser dem nagenden Wurm auch allein störe du nicht die Ruhe der Toten

  2. #2
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    Lb. Verseklopfer,

    grausige Vorstellungen, die wir nach dem Tod sicher nicht mehr wahrnehmen und wenn doch wird es uns sicher egal sein. Wir wissen nicht ob es nach unserem Tod noch etwas gibt. Wenn unser Bewusstsein weg ist, ist auch alles weg, was sich zuvor noch beweisen ließ. Wenn nicht, dann hat sich unsere Sichtweise auch grundlegend geändert.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  3. #3
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    Hallo, Verseklopfer,

    dein "Zombiewalzer" hat etwas - er gefällt mir, ich habe ihn mehrmals gelesen und auf mich einwirken lassen.

    Interessant sind die vielen Apostrophe, die du verwendest (an manchen Stellen sind sie gar nicht notwendig, entweder, weil das ganze Wort gut in den Textfluss passt oder weil ein Apostroph auch bei gekürzten Wörtern heute nicht mehr unbedingt nötig ist - es sei denn, sie sind dein spezielles Stilmittel). Sie stören mich jedenfalls nicht, sie fallen nur auf.

    Hingegen komme ich mit folgendem nicht ganz klar:
    lässt bevor du dich wendest zu geh'n noch ein Schimmer ein Tränchen du mir
    Meinst du: Du lässt mir noch einen Schimmer da?

    Eine schöne Passage:
    das ich nehm' mit hinab es zu tun in mein trockenes Aug' denn die Nacht die ist lang ach so lang tief hier unten im Dunkeln allein und schluckt gierig der Tränen so viel'
    In der letzten Strophe wird deutlich, dass die Zeilen aus einem Gefühl, verraten worden zu sein, entstanden sind:
    Doch nie kamst du noch kommst du zu lindern mein Leiden niemals zog der Trän'n heiße Glut dich zu mir und du sagst noch ich sollt mich mit wen'ger bescheiden - Ach lass doch dein Almosen dem der es braucht!
    Eine unerfüllte oder enttäuschte Liebe, die bis in den Tod geht - gefällt mir!

    Sehr gerne gelesen und gestaunt (dass eine Gedichtform mit so langen Versen sehr wohl schön sein kann)!

    LG Hoya
    "Wenn man das Leben nur auf eine Art betrachtet, gibt es immer einen Grund zur Sorge." Elizabeth Bowen

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