Thema: s, s, s

  1. #1
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    s, s, s

    Dich s zu nennen, wrd ich mich nicht trauen,
    vor allem nicht in so einem Gedicht.
    Zwar brauch ich dich nur‘n bisschen anzuschauen,
    dann werde sogar ich verflixt verkitscht.

    Nun muss ich ja nichts sagen, wenn wir nackt sind,
    dann siehst du krperlich, wie ich dich find,
    und insofern und da zum Glck der Akt stimmt,
    komm ich mir vor wie ein beschenktes Kind.

    Nur kann man das nicht dichterisch benennen,
    das wre uncool, dazu unmodern.
    Ach, Liebes, das ist doch kein Grund zu flennen
    du weit auch so, ich hab dich Se gern.


    die alte Fassung:

    Dich s zu nennen, wrd ich mich nicht trauen,
    vor allem nicht in so einem Gedicht.
    Zwar brauch ich dich nur spren und dich schauen,
    dann werd ich manchmal schon etwas verkitscht.

    Nun muss ich ja nichts sagen, wenn wir nackt sind,
    dann siehst du krperlich, wie ich dich find,
    und da ja meistens dann auch noch der Akt stimmt,
    komm ich mir vor wie ein beschenktes Kind.

    Nur kann man das nicht dichterisch benennen,
    das wre uncool, dazu unmodern.
    Du brauchst darber jetzt jedoch nicht flennen,
    du weit auch so, ich hab dich Se gern.
    Gendert von Michael Domas (14.11.2020 um 01:18 Uhr) Grund: monalisa #2
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  2. #2
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    Lieber Michael,
    ja s, s, sߓ sind deine Zeilen, wie das halt so ist, wenn man verliebt ist, dabei spielst du mit genau den Klischees, die es zu vermeiden gilt, will man dichterisch schreiben. Das ist frisch und amsant zu lesen und ein Kompliment an die Bedichtete, dass der Dichter zwar wei, was uncool und unmodern ist, und trotzdem nicht ganz drum rum kommt im berschwang seiner Gefhle.

    S1 V3 knntest du dir noch einmal anschauen
    Zwar brauch ich dich nur spren und dich schauen,
    Ich finde es nicht ganz logisch, dass spren vor schauen kommt und dann fehlt mir ein "zu vor "spren/schauen. Gut, du kannst dagegenhalten, dass das Gedicht in Alltagssprache gehalten es und da blich ist, das "zu zu verschlucken.
    Knntest du dir vorstellen, erst mal nur beim Schauen zu bleiben?

    z.B."Ich brauche dich nur lnger anzuschauen, dann "

    S1 V4
    dann werd ich manchmal schon etwas verkitscht.
    Ein bisschen viele Fllwrter:dann, manchmal, schon, etwas
    z.B."dann werde sogar ich manchmal verkitscht"
    wrde die umwerfende Wirkung von LD noch mehr betonen.

    S2 V1 u.V3
    Nun muss ich ja nichts sagen, wenn wir nackt sind,
    . . .
    und da ja meistens dann auch noch der Akt stimmt,
    Da berkommts den Dichter, er pfeift auf die Regel, dass Einsilber am Ende des Verses betont werden, und baut ein sogenanntes Kadenzverbrechen(werd das erfunden hat?), gepaart mit unreinem Reim (nackt sind Akt stimmt), ein. Das lsst sich nun in zwei Richtungen interpretieren, wie oben schon angeschnitten, als berschumende Begeisterung fr LD und den Akt, oder es stimmt damit etwas nicht, ist bertrieben, berzogen ironisch?

    Dieser schrge Reim ist ein Highlight fr mich, nur dass der Vers so umstndlich in die Lnge gezogen ist, mit Fllwrtern berfrachtet: da ja meistens dann auch noch, das find ich zu dick aufgetragen, und es verwssert die Aussage, oder nicht? (Auch wenn der heimliche Wunsch, den Akt zu verlngern, dahinterstecken sollte )

    S4 V3
    Du brauchst darber jetzt jedoch nicht flennen
    auch hier fehlt das zu vor flennen Aber an dieser Stelle knnte ich mir auch etwas ohne "brauchst" vorstellen

    "Das ist jetzt sicherlich kein Grund zu flennen" oder so?


    Nun ja, wenn die Se jetzt noch nicht wei, wie gern der Dichter sie hat, dann ist wohl Hopfen und Malz verloren 😊!

    Mir gefllt dein zwinkerndes Liebesbekenntnis sehr gut, das sich ja nicht nur an die Angebetete, sondern auch ein bisschen an die Heerscharen verliebter Dichter wendet, mit der unterschwelligen Botschaft erlaubt ist, was gefllt! auch in der Liebeslyrik.

    Liebe Gre
    mona

  3. #3
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    Lieber Michael,

    dieses mal mag ich mich Monalisas Lob nicht anschlieen.

    Ich erkenne die rhythmische Besonderheit im 2. und 4. Vers der ersten Strophe, und den schon erwhnten schrgen Reim der zweiten Strophe als Schmankerl.

    Aber sonst fehlts mir an dem gewohnten Pfiff. Ich sag mir ok. - nicht schlecht gemacht! und wei doch, ich hab schon so viel besseres von dir gelesen.

    Gru L.
    "Ein Gedicht ist nur solange gut, bis man wei, von wem es ist."
    Karl Kraus




  4. #4
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    Hey Michael,

    mir gefllt dein, in einer angenehmen Mischung aus erhabener und gleichwohl umgnglicher Sprache, geschriebens Gedicht sehr gut.
    Es liet sich ehrlich und damit fr mich sehr direkt und nahbar.

    Was mir persnlich ein wenig quer lag, ist, dass das Wort "Kind" nur einen Vers nach dem Wort "Akt" auftaucht, weil mich das eben Assoziationen haben lsst, die medial heutzutage zu sehr eingeprgt sind.
    Da hilft es vielleicht, so du denn den Einwand verfolgst, anstelle "find" nunmehr "finde" und anstelle mit "Kind" vielleicht einen Vers mit "Snde" ("du bist mir eine hbsche Snde (?)" (das ist absolut nicht im Takt und soll es auch nicht) zu stricken.

    Abgesehen von diesem Wort, gefllt mir dein Gedicht also insgesamt und ich verstehe es als sehr liebe Liebesbekundung, die genauso lieb verwrtert ist.

    Liebe Gre,
    Werner.

  5. #5
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    Lieber Michael,

    das Lyrich scheint hier mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Wann lsst sich schon 5 mal "sss" verwenden, ohne Kitchalarm auszulsen. Die Angedichtete scheint sich aus verniedlichenden Komplimenten nicht allzu viel zu machen oder traut sich das LI nicht so recht und baut in sein gefhlvolles Liebesbekenntnis ein Fluchtweg ein.
    Das "Flennen" im S3V3 wirkt wie wie ein raffinierter Schlenker, damit das LI nicht doch zu weichgesplt rber kommt.
    Dein Gedicht lsst sich mit einem zwinkernden Auge lesen, aber auch ernst.

    Besonders gefllt mir das synsthetische Tor - "dann siehst du krperlich, wie ich dich find," ins unmittelbare fhlen.

    LG,
    Mi

  6. #6
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    Liebe mona,

    das „ Kadenzverbrechen“ (kannte ich nicht, hilfreich), "gepaart mit unreinem Reim (nackt sind – Akt stimmt)“ wird ja noch dadurch betont, dass drumherum zwei korrekte „_ind“-Reime stehen.

    Vielen Dank vor allem fr die feinsinnigen Beobachtungen und Verbesserungsvorschlge, ich habe viele bernommen.

    Liebe L,
    dank monalisa ist das Gedicht jetzt hoffentlich etwas pfiffiger. Schn, dass auch Du einige "Schmankerl" zu entdecken wusstest.

    Lieber Werner,
    dass das Gedicht sich als „ehrlich“ lesen lsst und als „sehr liebe Liebesbekundung“, freut mich.
    Danke auch fr die Warnung vor mglichen Assoziationen, wie sie „medial heutzutage zu sehr eingeprgt sind“. Ich selbst will mich aber solchem Bldsinn nicht unterwerfen.

    Liebe BellaMi,
    schn, welche Wendungen Du aufgezeigt hast, vom „gefhlvollen“ Liebesbekenntnis bis zum Hintertrchen als „Fluchtweg“,
    Und danke fr die Besttigung von „Flennen“ (das in der neueren Fassung allerdings ein wenig anders daherkommt) und dem „synsthetischen Tor“.

    Das ist schon sehr schn, so aufmerksam gelesen zu werden

    Michael
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  7. #7
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    Boah,

    dass ich mal solche schmalzigschnen Zeilen von dir lesen darf. Jetzt hat's mich fast unter den Schreibtisch geflasht.
    Wirklich wunderschn.
    Aber ich habe auch einen kleinen Kritikpunkt. So eine kleine berraschung am Ende, eine kleine Wrze, wrde aus deinem
    Gedicht etwas Pep verleihen und noch ein Treppchen nach oben schieben.

    Liebe Gre
    Liara

  8. #8
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    Liebe Liara,
    danke fr den Hinweis auf die wenig peppige Pointe, nur wrde jede andere, frchte ich, den „schmalzigschnen Flash“ stren. Der Trick soll ja sein, dass das LI trotz seiner poetologischen Aufgeklrtheit am Ende das Wort „Se“ doch benutzt.

    Wenn ich nun statt
    Ach, Liebes, das ist doch kein Grund zu flennen
    du weit auch so, ich hab dich Se gern.

    so was schreibe wie
    Der Kitschalarm muss dich nicht von mir trennen.
    Du bist nicht s. Ich habe dich nur gern.

    Dann ist die Wirkung perdu, oder?

    Michael
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