1. #1
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    Frau Rauschmann

    Schon seit der neunten hatten wir
    Frau Rauschmann aus Gelenau.
    Sie dozierte mit einem Rohrstock,
    den sie als Zeigestock ausgab,
    und sie hatte eine Strumpfnaht.
    Staatsbürgerkunde und Französisch.

    „Ce qui touche le cœur se grave dans la mémoire“
    ritzte ich in den Tisch,
    und malte ein rotes Herz daneben.
    Dafür sollte ich nach dem Unterricht
    zu ihr komme, um die Schweinerei wegzumachen
    Sie gab mir ein Taschentuch.

    „Der Dichter braucht eine „gewisse gutmütige,
    ins Reale verliebte Beschränktheit,
    hinter welcher das Absolute verborgen liegt“
    wusste ich ihr spontan aus Goethes Briefen zu zitieren,
    ohne genau zu wissen, was es meinte.

    Es schien zu passen.
    Die Eingravierung war jetzt nicht mehr wegzuwischen.
    Nach einem folgenschweren Kuss blieb sie
    eine Woche krank, und ließ sich nahtlos versetzen,
    während ich Hegel und Hölderlin auswendig lernte,
    für alle Fälle. Mein Taschentuchverbrauch wuchs enorm.
    Geändert von Anjulaenga (27.11.2020 um 11:21 Uhr)

  2. #2
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    Der Dichter braucht blablabla ... Goethes Spruch trifft, er meint damit, dass man seinen Wahnsinn im Gewande des Sozialen darbieten soll, um die Leserschaft zu erreichen.

    Ansonsten bleibt die Franzelehrerin stets Treffpunkt aller Retrobgierden.

    Pas mal, cher ami.

  3. #3
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    Hallo, ihr Lieben!

    Ich muss sagen, dass mir Arons "Übersetzung" des Goethe Sagers sehr gefällt.

    Der Text ist nicht schlecht: Pubertäre Taschentuchromantik mit einem Spitzenbesatz, der an Arons erotische Sozialkritik erinnern soll?

    Lieben Gruß
    albaa

  4. #4
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    Nun, ich muss ganz ehrlich sagen, mir gefällt die "Übersetzung" auch gar nicht mal schlecht, pas mal. Hab jetzt zumindest eine leise Ahnung von dem ganzen Wahnsinn, der sich hinter Goethe versteckt. A.

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