Thema: Zauberwort

  1. #1
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    Zauberwort

    So mancher denkt, was Hässliches sei leicht
    zu schreiben, weils überall und jederzeit
    zu finden ist, und weil es obendrein auch reicht,
    dem Knochenkind ein derbes Flickenkleid

    zu nähn, mit grobem Stich und leichter Hand.
    Nur täuscht man sich! Im hellen Tageslicht
    besteht das kaum, da zählt das Wort als Pfand,
    und was man sagen will, hat nur Gewicht,

    wenn Inhalt und Gewand im Einklang sind.
    Ach, könnt sich nur mein Schreiben mühelos
    vom Acker heben und wie ein freier Wind
    um diese Erde reisen! Ach könnt ich bloß

    ein Zauberwort für "gute" Verse finden,
    ihr müsstet euch beim Lesen nicht so schinden.
    Geändert von L'étranger (24.11.2020 um 17:20 Uhr)
    Man hat mich ermutigt, zu glauben, ich lebte an einem absurden Ort auf einem unbedeutenden Planeten am Rande einer kleinen Galaxie in einem langsam erkaltenden Universum.




  2. #2
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    Hey Lé, Zauber ist dein Gedicht nicht, aber sehr solides Handwerk mit einem guten Schuss Raffinesse. Die Enjambements wirken natürlich und tragen eine Menge dazu bei, dass das metrisch einheitliche Gedicht nicht leiert. Der Aussage stimme ich zu, was aber für die Würdigung des Textes keine Rolle spielt. LG gugol

  3. #3
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    Liebe Gugol,

    danke für die positive Bewertung des Handwerks.

    Tatsächlich war es mir wichtig, zur Abwechslung mal wieder so ein Gedicht zu schreiben, metrisch geformt und gereimt. Übung brauchts halt immer. .

    Gruß Lé.
    Man hat mich ermutigt, zu glauben, ich lebte an einem absurden Ort auf einem unbedeutenden Planeten am Rande einer kleinen Galaxie in einem langsam erkaltenden Universum.




  4. #4
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    Zitat Zitat von L'étranger Beitrag anzeigen
    Liebe Gugol,

    danke für die positive Bewertung des Handwerks.

    Tatsächlich war es mir wichtig, zur Abwechslung mal wieder so ein Gedicht zu schreiben, metrisch geformt und gereimt. Übung brauchts halt immer. .

    Gruß Lé.
    Hi Lé,
    will mich Gugol und dir gern anschließen. es gäbe ein paar, denen man lesendes lernen am obigen exempel empfehlen sollte ...
    lg W.
    Keine Signatur ist auch eine. Die andere wurde gelöscht.

  5. #5
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    Danke für die Leseempfehlung.
    Man hat mich ermutigt, zu glauben, ich lebte an einem absurden Ort auf einem unbedeutenden Planeten am Rande einer kleinen Galaxie in einem langsam erkaltenden Universum.




  6. #6
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    Hallo, Lé,

    es überrascht mich, dass du vom Hässlichen und nicht Schönen ausgehst (aber ich meine es nicht negativ, nur sehr interessant). Nicht nur das Schöne hat einen Anspruch, schön zu sein!

    Da ist es wieder, das "Flickenkleid"! Dazu gesellt sich noch passend das "Knochenkind" - gruslig schön!

    Ja, das Grobe, schnell Hingeschmierte hält dem Tageslicht nicht stand! Es braucht mehr.

    Schön:
    Ach, könnt sich nur mein Schreiben mühelos
    vom Acker heben und wie ein freier Wind
    um diese Erde reisen!
    Überraschend auch hier, der Acker - Themen, die dich z.Z. beschäftigen. Aber, sie passen! Vielleicht komme ich nach und nach etwas mehr dahinter, was dir das geheimnisvolle "Flickenkleid" bedeutet, und ich sehe vielleicht Zusammenhänge oder Angedeutetes in anderen deiner Gedichte; es macht mich neugierig.

    Das Ende, dass wir uns nicht so schinden müssten, hat mir ein breites Lächeln entlockt, und ich dachte daran, dass viele Deutungen unserer Gedichte anders als gewünscht ausfallen.

    Kleine Bemerkung noch: In der 3. Strophe müsste es "im Einklang" heißen, denke ich.

    Das Gedicht klingt schön rhythmisch!

    LG Hoya
    "Wenn man das Leben nur auf eine Art betrachtet, gibt es immer einen Grund zur Sorge." Elizabeth Bowen

  7. #7
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    Liebe Hoya,

    ja das, das Bild vom Flickenkleid hats mir angetan, und von Äckern habe ich auch schon öfter mal geschrieben - meist düstere Äcker.

    Danke auch für den Hinweis auf den Einklang.

    Ich habe mich das tatsächlich neulich gefragt, ob es leichter sei, über hässliche Themen zu schreiben.
    Sprachlich und technisch vermutlich nicht wirklich. Aber beim Schönen gibt es sicher mehr Plattituden, und man löst schnell mal den Kitschalarm aus.

    Gruß Lé.

    P.S. Das war noch nicht das versprochene Erzählgedicht.
    Man hat mich ermutigt, zu glauben, ich lebte an einem absurden Ort auf einem unbedeutenden Planeten am Rande einer kleinen Galaxie in einem langsam erkaltenden Universum.




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