Thema: Blutrot

  1. #1
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    11

    Blutrot

    Wutrot. Kaputtmachrot. Blutrot.
    Laute Stimmen schreien stumm in meinem Kopf.
    Keine Kontrolle über meine Glieder.
    Blutrot.

    In einer stummen Box schreie ich
    Zerborst´ne Gefühle an.
    Schmeiße alles weg von mir.
    Dunkler Klang golden in der Einsamkeit,
    Laut und laut und lauter
    Klingt die Stille in meinen Ohren.

    In einer kleinen Box weine ich
    Die Wände weich und drückend.
    Ein Strom voller schwarzer Gedanken
    Warm und nass und rot und blind
    Die Augen, kalt und Nähe suchend
    Mein abweisendes Herz.

    In einer dunklen Box schlage ich
    Die Augen auf und auf sie ein.
    Dumpf klingender Atem, feucht,
    Gefühlsscherben auf dem Boden
    Scharf und spitz und zerbrechend
    Wenn ich fest drauftrete.

    Ich stehe nur, ganz still und stumm
    Wutrot vor meinen Augen.
    Kann nicht schreien, kann nicht weinen
    Kann nichts schlagen,
    Außer mich.
    Blutrot.

  2. #2
    Registriert seit
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    Beiträge
    2.514
    Hey notAutomatic, ein sehr lesenswertes Einstandsgedicht. In deinem Profil steht Schüler, aber ein Anfänger bist du definitiv nicht. Mir gefällt, wie du mit feinen Nuancen der Bilder "spielst". Die Anführungszeichen, weil es ein total dramatischer und keineswegs verspielter Text ist. Ich bin einzig über ein kleines Wörtchen gestolpert, das mich überflüssig dünkt: "nur" am Anfang der letzten Strophe. Weiter so! LG gugol

  3. #3
    Hallo notAutomatic,

    dein Gedicht hat mich sofort abgeholt und auch mitgenommen.

    Das liegt zum einen daran, dass mir sowohl die Situation als auch der Ort, die du dir zum Thema gemacht, hast wohl bekannt sind. Zum anderen passen für mich Form und Inhalt zusammen. 1x4 und 4x6 Zeilen geben vage einen Rahmen vor. Trennen das "Draußendort" vom inneren Chaos des LI. Innerhalb der Strophen, in denen sich das LI bewegt, herrscht die Wut, dort greifen keine Regeln mehr.

    Auch das es in deinem Gedicht kein Happyend gibt, auch keine Hoffnung, die sich kitschig an einem fernen, hellen Streifen am Horrizont festkrallt, ist glaubhaft.

    Es ist kein guter Ort. Aber es ist gut ihn zu benennen und darüber zu schreiben. Ich finde, das ist dir gut gelungen. Kein weinerliches Mimimi, kein kischiger Pathos, keine selbstverliebte Leidensinzienierung. Für mich ist es rundum stimmig.

    Wut ohne Ventil explodiert nach außen oder nach innen. Worte können ein Ventil sein. Geschiebene Worte, aber auch gesprochene.

    Ich habe dein Gedicht gerne gelesen und Kommentiert.

    Danke fürs einstellen deiner Zeilen

    LG

    vom Gaukel
    ...endlich nahm die Raupe die Wasserpfeife aus dem Mund und redete Alice mit matter, schläfriger Stimme an.

    "Wer bist du?" fragte das Rauptier.

  4. #4
    Registriert seit
    Nov 2020
    Beiträge
    11
    Hallo Gugol,
    Vielen Dank für dein Kommentar! Ich habe tatsächlich erst vor ein paar Monaten angefangen, Gedichte zu schreiben, also würde ich mich schon als Anfänger beschreiben, allerdings dichte ich meistens auch nur, um meine Gefühle irgendwie auszudrücken.
    Es freut mich, dass das Gedicht dir gefällt!
    LG notAutomatic



    Hallo Gaukel,
    Vielen Dank für dein Kommentar!
    Es freut mich, dass dir das Gedicht gefallen hat und dass es dich mitgenommen und berührt hat.
    Ich finde es auch wichtig, solche Situationen ohne Happy End auszudrücken, da sie ja durchaus öfters vorkommen. In vielen Gedichten, Geschichten oder sonstigen Dingen gibt es am Ende oft einen Hoffnungsschimmer, aber manchmal sieht man einfach keinen.
    Mir gefallen deine Sätze über Worte als Ventil sehr gut, da ich Gedichte eigentlich immer genau dafür verwende.
    LG notAutomatic

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