1. #1
    Registriert seit
    Apr 2014
    Beiträge
    2.474

    an und Pfirsich

    Eine alte Jukebox. Ein Chor auf der Alm.
    Bayrische Trachtenmusik trachtet
    nach dem Ohr. An der Wand Brixens Rosengarten.
    Der Herr davor mit Hund an Tisch fünf
    scheint mit seinem Sträußchen auf jemanden zu warten.
    Er bestellt sich gerade den zehnten Obstler.
    „Herr Obstler, bringns ma bitte an Ober!“
    Ist der mit sich überhaupt noch im Klaren?

    Mit Klarem versetzt?
    An und Pfirsich bleibt Steinobst unter sich.
    Sie pflaumen sich nur dann und wann
    entsetzlich an. Dann werfen sie
    mit faulem Obst und Steinen
    um sich, bis sie Weinen ein Aroma verleihen,
    das es in sich hat. Matsch, aufgesetzter Quatsch,
    gefiltert durch Leinen und mit Klarem versetzt.

    Wer hat ihn versetzt?
    Nch dem elften Obstler klingt der Jodler verwaschen
    und lässt den Zuhörer völlig im Unklaren.
    Paradoxe Mira-bellen an Leinen
    Hunde an, die außer sich an roten orthodoxen
    Sauerkirchen keine Seen und nix verstehen,
    den sie nicht mit hohem Bein
    aus Versehen versehen.

    Berge lassen sich nicht verletzen.
    Sie fühlen sich auch nie versetzt.
    Allein im hohen Bogen und im Stehen
    markieren sie Größe. Dabei tun sie aber nur so als ob.
    In Wirklichkeit ist das Bergmassiv max. zehn Zentimeter,
    massives Papier. Es hängt dort an der Wand.
    Der Jodler hat ausgejodelt, und die Türe
    zum Wirtshaus öffnet sich zögerlich.
    Geändert von Anjulaenga (27.11.2020 um 14:31 Uhr)

  2. #2
    Registriert seit
    Nov 2014
    Ort
    Dorf im Nordschwarzwald
    Beiträge
    1.441

    Hallo Anjulaenga,

    gratuliere! Ein Volltreffer in Wortwitz, Hintersinnigkeit mit doppeltem Boden. Meisterhaft zu Papier gebracht .Schmunzelnd mehrmals gelesen.
    Allein schon Vers zwei ein absoluter Lesegenuss:

    "An und Pfirsich bleibt Steinobst unter sich
    Sie pflaumen sich nur dann und wann
    entsetzlich an.
    Dann werfen sie
    mit faulem Obst und Steinen
    um sich, bis sie Weinen ein Aroma verleihen,
    das es in sich hat."

    Schon denkt der Leser an Beschreibungen des Weincharakters wie "Duft nach Pflaumen, nach reifen Pfirsichen" u.ä.
    Oder das Paradoxon, daß "Mira-bellen an Leinen Hunde an"machen.
    Der Höhepunkt schließlich, die Erhabenheit der Alpenberge auf "max. zehn Zentimeter/ massives Papier" zu reduzieren. das ist poetische Souveränität und Humor vom Feinsten bis zum Schluß der mit Obstler abgefüllte Alte aus der Wirtshaustür torkeln darf.

    Der Abend hat sich gelohnt. Ein dickes Dankeschön für so viel Spaß.

    Gruß
    Carolus

  3. #3
    Registriert seit
    Apr 2014
    Beiträge
    2.474
    LiebeR Carolus,

    danke für dein freundliches Feedback. Werde mir zu manch nächsten Texten sicherlich vorher wieder einen Obstler genehmigen. L.G.A.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden