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  1. #1
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    poeta feminas invocat -
    Die Anrufung der Frauen



    Ihr edlen Frauen von erlesener Gestalt,
    von klarem Geist und reizvoll listigem Gemüt,
    euch rufe ich mit innig brausender Gewalt,
    um euer Ohr, um eure Gunst bin ich bemüht.

    Mich peitscht die Sehnsucht, mich, den Sklaven von Kyther.
    Im Reich der Venus, die mich einstmals reich beschenkt,
    wer glaubt, dass dort die Einsamkeit sich kalt und schwer
    herab ins Herz des sterbenden Poeten senkt?!

    Ach, fände sich eine, die klug wie Athene,
    wenn eine es gäbe, so schön wie Helene,
    die zärtlich mich mit ihrem sanften Blick verwöhnt,
    helas, die wäre es, die mir das Leben krönt!

    So hört mich an, die ihr mir Rettung bringen könnt -
    ich harre eurer Antwort - sei sie mir vergönnt!


    © LeVampyre | II, Jul. 2003

    Dieser Text kann als mp3 auf meiner Homepage angehört werden.
    Bitte beachtet auch die besonderen Lizenzbestimmungen an meinen kreativen Werken!
    Eine Liste meiner bei Gedichte.com veröffentlichten Texte gibt es u.a. in meinem Sammelfaden LeVampyre ~ Anti-Dilettant.
    Geändert von levampyre (19.03.2006 um 23:02 Uhr)

  2. #2
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    Hallo levampire,
    da sich keine Göttin meldet, ergreife ich mal,ganz bescheiden, als weltliche Frau das Wort.
    Dein Sonett hat mich in eine leichte, abgehobene Stimmung versetzt und genau das ist mir, als einsame Leserin an einem vom Karneval durchzogenen Abend ,wichtig. Deine Worte erreichen mich emotional, binden mich ein in Dein hoffnungsloses Werben. Was gibt es mehr zu sagen. Der Inhalt stimmt, der Formfanatiker hat auch den Rest unter Kontrolle.
    Danke für den göttlichen Lesegenuß.

    Lieben Gruß
    Herbstzeitlose

    [Geändert durch Herbstzeitlose am 23-02-2004 um 14:02]
    Dem Anschein nach bin ich zugleich in meiner Seele und außerhalb meiner Seele, weit ab von der Glasscheibe und dicht davor, gestorbener Steinbrech. Meine Begierde ist unendlich. Ich bin nur vom Leben besessen.

    Rene Char

  3. #3
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    Obwohl weder Reimschema, noch die Metrik die strengen Vorgaben des klassischen deutschen Sonetts erfüllen, mag ich das Gedicht. Statt dem umarmenden Reim hast du den Kreuzreim gewählt, statt einem 5-hebigen Jambus spricht hier (meistens) ein 6-hebiger. Außerdem haben die beiden Quartinen vier statt zwei Reimpaare. Doch wenn auch große Literaten wie Brecht (der jedoch kein großer Lyriker war) den Kreuzreim und die Freiheit der Metrumwahl in ihre Sonette einbauen, darfst du das auch, ohne dass ich mich beschwere. Doch obwohl ich (fast) ein Metrumfanatiker bin, gleicht dein Gedicht die Freiheit der Sonettform locker durch die schönen Worte und den verzweifelten Inhalt aus, dessen Aussage mir nicht unbekannt ist. Wer verzehrt sich nicht nach einer schönen Frau, die gleichzeitig witzig und intelligent ist? Diese "tödliche" Mischung ist bei Frauen leider denkbar selten.
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  4. #4
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    @Herbstzeitlose: Daß du dich durch mein Sonett angesprochen fühlst, ehrt mich. Ich könnte mir nichts Schöneres vorstellen, als eine Frau mit Klasse zum Schweben zu bringen. Danke für deine positive Resonanz.
    @konnOr:
    Wo du so gut Bescheid weißt über das klassische deutsche Sonett, weißt du sicher auch, wo die Ursprünge dieser Form liegen, wie weitverbreitet sie ist und wie viele Wandlungen und Variationen sie im Verlaufe der Zeit erfahren hat.
    Ich will damit sagen, daß ich nicht wirklich an die Existenz des klassischen deutschen Sonetts glaube und daß Konventionen bestimmt nicht der Grund für meine Archaismen sind.

    LG
    Vampyre
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  5. #5
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    die ursprünge des sonetts liegen in den italienischen vierzehnzeilern, bei denen ein vers 11 silben hatte, was im deutschen auf den 5-hebigen jambus mit weiblicher kadenz hinausläuft (zähl mal nach). statt auf den ursprung solltest du dich eher auf die folgezeit der deutschen adaption und weiterentwicklung des sonetts berufen. mit der klassisch-deutschen form meine ich übrigens die form des sonetts zu goethes zeit, der keines seiner sonette (meines wissens) in deiner form geschrieben hat.
    konn0r
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  6. #6
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    Warum sollte ich mich überhaupt auf irgendwas berufen? Du willst doch nicht etwa, daß ich mich dafür rechtfertige, daß ich nicht wie Goethe schreibe?
    Ich gebe zu, daß der Alexandriner in deutscher Sprache ungewöhnlich ist. Ich würde verstehen, wenn du seine Wirkung innerhalb des Gedichtes kritisierst. Doch habe ich bis jetzt noch nichts wirklich Konstruktives von dir gehört. Das bedaure ich sehr.
    --LeV

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  7. #7
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    in sonetten ist der alexandriner eher in frankreich gebräuchlich, aber da du meine sonett-theorie wohl als beleidigung auffasst und ich dir mit dem eindruck, dass mir sonette nach dem genannten muster besser gefallen (was eine rein subjektive geschichte und für dich somit nicht von belang ist) anscheinend auf die füße getreten bin, möchte ich mich entschuldigen und es bei dem schon geäußerten lob für deine schöne wortwahl und die traurige gültigkeit deiner aussage belassen.
    kritik an eigenen werken verkraftet hier wohl jeder schwer, du solltest einfach darüber stehen.
    konn0r

    *edit* du könntest noch das peischt in peitscht ändern *sich nützlich mach*

    [Geändert durch konn0r am 23-02-2004 um 00:09]
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  8. #8
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    Aha, jetzt fängt es an, interessant zu werden.
    Ich glaube nicht, daß wir uns hier gegenseitig auf die Füße treten wollen. Du mißinterpretierst mich, wenn du glaubst, konstruktive Kritik wäre bei mir nicht erwünscht.

    Unter einer Theorie verstehe ich allerdings ein Traktat, daß mit logischen Argumenten die Schlüssigkeit seiner Thesen beweist. Derartiges habe ich in deinen bisherigen Aussagen, deiner sogenannten "sonett-theorie", nicht entdecken können. Schlüssele mir das bitte auf!

    Zum anderen ist es nunmal ein Fakt, daß mein Gedicht nicht der "Goetheschen-Form" folgt (was mir durchaus bewußt ist), sondern eher ein Versuch über die Adaption des Alexandriners in der deutschen Sprache ist.
    Darum hielt ich es für völlig überflüssig über die "klassische deutsche Form des Sonetts" zu sprechen, wenn nicht als Verbesserungsvorschlag für mein Gedicht oder kritisches Argument. Deine Ausführungen haben mir weder das eine, noch das andere kommuniziert.

    Deshalb bitte ich dich gnädigst darum, eine nachvollziehbarere Form der Kritik zu wählen! Vielleicht kommen wir dann irgendwann zu einem Punkt.

    Vampyre

    ps.: Ich danke für den Hinweis auf den Rechtschreibfehler.

    [Geändert durch levampyre am 23-02-2004 um 10:22]
    --LeV

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  9. #9
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    eine konstruktive kritik übe ich nur bei offensichtlich handwerklichen mängeln eines gedichtes, die in deinem gedicht wohl nicht auftreten. in meinem kommentar (der keine kritik war), habe ich nur klar gestellt, dass mit in deutschland üblichen konventionen des sonetts gebrochen wurde und mir diese form des gedichts mehr zusagt. wenn du diese form von anfang an geplant hast, ziehe ich den hut vor dir, weil in meinem fall gerade das füllen fester formen mit gedanken das spannende am dichten ausmacht (auch wenn die hauptschwierigkeit bei dem wählen zweier reimpaare für 2 quartinen liegt). kritiken schreibe ich bei gedichten ohnehin nie, weil ich mir bei gedichten, die mir aufgrund der form oder des inhalts nicht zusagen, nicht anmaße, eine (allgemeingültige) wertung abzugeben, da der wert von gedichten meiner meinung nach im auge des jeweiligen betrachters liegt. solltest du dich also an meiner abneigung gegenüber vermeintlich leichteren formen der sonettdichtung stören, ignoriere meine meinung einfach und nimm meine anerkennung an deinem unleugbaren talent zur kenntnis. du kannst meine gefühle für diese gedichtsform auch nicht durch deine erklärungen ändern, und dass das in irgendeiner form überhaupt wichtig für dich ist, ehrt mich zwar, führt aber in meinen augen von der hauptintention des dichtens, etwas zu vermitteln, weg. dass dir die vermittlung von aussagen bei mir gelungen ist, habe ich ja schon in meinem ersten post festgestellt. du solltest dich also damit allein zufrieden geben und mir meine intolerante und engstirnige position bezüglich der metrik lassen

    *edit*
    Das deutsche Sonett
    So schreib dein Werk in vierzehn festen Zeilen.
    Mit fünfen Füßen sollst' den Jambus wählen,
    Mit einer weitren Silbe dann vermählen,
    Damit sie sanften Klanges hier verweilen.

    Quartinen, zwei, sollst von dem andern teilen
    In denen Reimpaar', zwei, die Einheit stählen,
    Umschließend reimend sich dabei umschälen
    Und kunstvoll an den eitlen Formen feilen.

    Nun schneid den Rest in zweierlei Terzine
    Und denk dabei schon sinnig an das Ende,
    Das wir hier in die letzten Zeilen schieben.

    Drauf reime die sechs Verse nach Belieben,
    Wobei synthetisch man sich dabei wende
    Nach jenem Sinn, der wert zu dichten schiene.

    ---
    Nur für dich, fühl dich geehrt . Ist unter dem Zeitdruck nicht sehr schön geworden, aber ich finde, dass Regeln einer Gedichtform am besten in eben jener gedichtet werden sollten.

    [Geändert durch konn0r am 23-02-2004 um 01:27]
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  10. #10
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    Ich freue mich, die üblichen Konventionen mit meinen gebrochen zu haben. Daran, daß dir die "klassische Form des deutschen Sonetts" mehr zusagt will und kann ich nichts ändern. Auch ich liebe die handwerkliche Komponente des Dichtens sehr und mir selbst ist es immer wichtig, den Inhalt eines Gedichts in eine angemessene Form zu drücken, ihn dabei aber nicht zu erdrücken. Ich schreibe kein Gedicht und stelle hinterher fest - na so was, da sind ja in jeder Zeile genau sonundso viele Silben - oder - prima, wie günstig hier das Metrum den Inhalt unterstützt. Dies sind Dinge, die im Voraus geplant werden. Ich denke, wir teilen da eine Leidenschaft.
    Wenn du übrigens meinen Silberspiegel liest, wirst du feststellen, daß es sich fast um ein "klassisches deutsches Sonett" handelt. Ich habe die zwei gleichen Reimpaare nicht beachtet, denn es war mir nie bewußt, daß es dahingehend eine Konvention gibt. Habe ich glatt was gelernt.
    Ich frage mich allerdings, warum du Gedichte, deren Form oder Inhalt dir nicht zusagt, nicht kritisierst. Ich denke, sowas hat nichts mit Anmaßung zu tun und um allgemeingültige Aussagen soll es dabei auch nicht gehen. (Was im Leben ist schon allgemeingültig?) Es wird dir als Dichter sicher auch etwas bringen, genau zu analysieren, warum eine Form nicht passend oder warum ein Inhalt schlecht rübergebracht ist. Das ist doch eine Überlegung jenseits subjektiver Vorlieben und lehrreich dazu, oder?
    Ich schlage dir vor, du bearbeitest dein Sonett bis es dir gefällt und machst damit einen eigenen Threat auf. Dann kannst du mit Sicherheit ausgiebig über die "klassische Form des deutschen Sonetts" diskutieren.
    Übrigens ist deine Vorstellung, Formregeln sollten in entsprechender Form gelehrt werden, eine durchaus etablierte pädagogische Maßnahme.
    Ich danke dir für deine dichterischen Bemühungen, mich weiter zu bilden.
    LG
    Vampyre
    --LeV

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  11. #11
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    Da ich denke, dass wir uns jetzt unabhängig von den preferierten Formen des Sonetts in der Mitte getroffen haben, die uns durch unsere Liebe zum handwerklich anspruchsvollen Sprachgebrauch im Geiste verbinden mag, bitte ich dich, dieses Gedicht von mir durchzulesen und mir zu sagen, ob es dir gefällt
    danke im voraus, konn0r
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  12. #12
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    Ich habe schon ein paar deiner Gedichte gelesen und muss sagen, dass sie mir bisher alle wirklich sehr gut gefielen.
    Du bist mittlerweile einer meiner Lieblingsdichter in diesem Forum.

    Den metrischen Bruch zwischen der 2. und der 3. Strophe finde ich besonders schön.
    Das Thema und die Idee mit der griech. Mythologie ist zwar nicht neu, aber genau das, was ich sehr mag und gerade unter Jungdichtern eher selten anzutreffen.
    Zu deiner Sprache braucht man nichts zu sagen.
    Die Form, ja, sie entspricht zwar nicht der klassischen Form eines Sonnetts, aber mich stört das recht wenig.
    die neuesten Gedichte:
    Der Verehrer und der Verehrte

  13. #13
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    muharr! da obelique mir bei der sonettform recht gibt, bitte ich dich, deine waffen beim nächsten bürgerhaus abzugeben und die bedingungslose sonettkapitulation (zu knebelbedingungen, versteht sich) zu unterzeichnen. außerdem musst du mir jetzt einen landstrich abtreten. aufgrund deiner frankophilen einstellung schlage ich gemäß dem motto "sie sollen ihn nicht haben, unseren deutschen rhein" die übergabe von elsaß-lothringen und eine neue staatsgrenze an der maas vor >:O. wir sehen uns dann in versailles, wo ich mich zum könig der sonette krönen lasse!
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  14. #14
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    @konnOr: Heyheyhey, so war das nicht gemeint! Mir gefällt ja genau dieser metrische Umbruch! Hab' mir dein Gedicht der Formen durchgelesen - wirklich gut.
    Übrigens: Es heißt oGelique
    die neuesten Gedichte:
    Der Verehrer und der Verehrte

  15. #15
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    würde beim ändern der einträge unten nicht "geändert am..." stehen, würde ich das jetzt retuschieren und behaupten, dass da schon immer oGelique gestanden hätte. leider geht das nicht, also streue ich asche auf mein haupt und kniee in demut
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