1. #1
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    Wo ein Narziss nur an sich denkt

    Wo ein Narziss nur an sich denkt,
    ein Kluger das Soziale schenkt,
    denn der Narziss kennt dieses nicht
    in seinem selbstbezogenen Licht,
    das mehr was hat von rücksichtslos
    in seines kleinen Denkens groß.
    Der Kluge aber denkt noch weiter
    und bleibt dabei am Tage heiter,
    wo der Narziss, sehr laut erhaben,
    sieht schon den eigenen Schaden.
    Der Kluge aber sieht die Seiten
    der Gemeinschaft Sinn und Weiten.
    Der Narziss zeigt aber daher sauer
    einen Unmut ihm auf lange Dauer,
    das nicht den Klugen echt erschreckt,
    denn er ist ja aufgeweckt.
    Geändert von Thomkrates (06.01.2021 um 17:01 Uhr) Grund: selbstbezogen eingefügt
    ---
    Die Leiden der Zeit sind zeitlos zu heilen.
    Wer die Leiden erschaut nur im Körper, der irrt.
    Der Geist und die Seele sollen glücklich verweilen,
    ansonsten das Übel der Welten uns flirrt.

    ---

  2. #2
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    Hey Thomkrates, was ist "ein" Narziss? Ich kenne nur Narziss und Goldmund (spezifisch) oder Narzisst oder Narzisse. Google übrigens auch. Ist das ein Dummer? Nur so kann ich mir in Gegenüberstellung den Klugen vorstellen. Anders gefragt: Hat Altruismus wirklich mit Klugheit zu tun? MfG gugol

  3. #3
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    Hallo Gugol,

    ich weiß, dass ist mit dem Narziss, war mir klar. Ich habe das auf den Mythos um den Jüngling Narziss bezogen, der die Liebe der Nymphe Echo abgewiesen hat und schließlich auf seiner Reise durch sein eigenes Spiegelbild erstarrte und in einem See ertrunken ist. Es ist auf den Mythos bezogen, daher Narziss, damit es nicht so psychologisch oder abwertend klingt.

    Nicht wirklich dumm, aber selbstbezogen und ganz eigentümliche Weise. Und Altruismus wollte ich gar nicht ansprechen, der kann auch ganz schön selbstbezogen sein, wenn dadurch Seelenheil erlangt werden will. Etwas narzisstisch sind wird alle auch bis zum Ende unserer Tage, in Stufen allerdings.

    Mit besten Grüßen,
    Thomkrates
    ---
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    Wer die Leiden erschaut nur im Körper, der irrt.
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    ---

  4. #4
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    Hallo Thomkrates,

    das ist ein ganz tolles Gedicht, das hast du wirklich sehr schön geschrieben. Es gefällt mir sehr.
    Es spricht mir ein Stück weit aus der Seele. Denn mir ist das menschliche Miteinander sehr wichtig.
    Wie du in einem anderen Beitrag geschrieben hast, kann Altruismus und Selbstaufopferung auch etwas tief Ich-bezogenes haben.
    Aber ich denke ein Ausgleich aus dem unabhängigen Ich und der Außenwelt ist sehr wichtig.
    Denn wir Menschen können nur gemeinsam. Alleine sind wir nichts. Daher sollte man nie, sich in seinem Ich verlieren.
    Und immer eine Hand reichen. Denn aus kleiner Menschlichkeit kann etwas großes wunderschönes wachsen.

    Mich würde sehr deine Sicht auf das ganze, deine Motivation es zu schreiben interessieren.

    LG
    Kenji

  5. #5
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    Hallo Kenji,

    vielen Dank für deine Wertschätzung, das freut mich. Meine Motivation geht früh in mein Leben zurück, dort tauchten Fragen auf, die mir niemand so richtig beantworten konnte und mit denen ich mich etwas später selbständig auf den Weg gemacht habe. Fragen zum Leben, zu den Kriegen, der Freiheit, der Liebe. So die normalen Lebensfragen, die offene Menschen eigentlich haben. An den Impuls für dieses Gedicht hier, kann ich mich gerade nicht mehr erinnern, aber es hat natürlich mit meinem Interesse für das Verstehen von Individuum und Gesellschaft zu tun.

    Mit besten Grüßen,
    Thomkrates
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  6. #6
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    Hallo Thomkrates.

    mir scheint, dass im Text ein Egoist beschrieben werden sollte. Der denkt in der Tat nur an sich, während "ein Kluger" den Gemeinsinn pflegt. Narziss ist kein Egoist, er liebt sein Spiegelbild, seine Umwelt nimmt er nicht bewusst mehr wahr. Deshalb erschiene mir der Titel "Egoist" passender.

    Satzkonstrukte und Wortumstellungen wie das nachfolgende Beispiel finde ich plump und reimgepresst:

    Der Narziss zeigt aber daher sauer
    einen Unmut ihm auf lange Dauer,
    das nicht den Klugen echt erschreckt,
    lG

    mp
    ........
    whiskey's getting deeper
    and I use it like a moat
    there's a blues man in the distance
    and he's lost inside his note
    ........
    (Savatage)

  7. #7
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    Hallo MimusPolyglotos,
    danke für diese Anregung. In der Tat ist es interessant den Egoisten vom Narzissten zu differenzieren, mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Das ist aber Sache der Psychologen und der Beobachtung. Für meine transportierte Idee und Gegenüberstellung reicht es aus den Narzissten mit seinem Mythosbild Narziss zu verbinden. Beide vergessen den anderen und das Gegenüber, der Egoist, weil er nur an sich denkt, und der Narzisst, weil er nur sich selbst sieht. Das habe ich transportiert.

    Beste Grüße,
    Thomkrates
    ---
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    ansonsten das Übel der Welten uns flirrt.

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  8. #8
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    Hallo Thomkrates,

    Schön und fein, ganz unkonventionell und klug, ein Gedicht, das Gut tut und Freude bereitet, ohne dabei anmaßend zu sein oder falsch. Das Motiv ist frei un doch fesselnd weil klassisch wie das Gedicht selbst auch ist. Bitte nicht aufhören zu reimen.

    Bester Gruß

    Peter

  9. #9
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    Hallo Peter Hort,

    ich habe dein Kommentar zu einem Gedicht von Thomkrates gelesen und dabei hast du meine Neugierde und Interesse geweckt.

    Folgender Kommentar von dir:

    "Schön und fein, ganz unkonventionell und klug, ein Gedicht, das Gut tut und Freude bereitet, ohne dabei anmaßend zu sein oder falsch."

    Was meinst du in diesem Zusammenhang (aber auch allgemein) mit dem Wort falsch?


    Wenn es dir nichts ausmacht und vielleicht sogar spaß macht, dann würde ich wirklich gerne deine Perspektive hierzu hören.

    Ich kann auch gerne eine meiner Perspektiven offenbaren, vielleicht trägt das auf die eine oder andere Art zu einem fruchtbaren Austausch bei.

    (Ich betone aber vorher, dass ich absolut keinen Rechtsanspruch jeglicher Art habe und damit auch nicht verfolge. Ich vertrete nur Gedanken von mir, die sich auch ständig ändern und nicht in Stein gemeißelt sind. Daher respektiere ich jede andere Sichweise und stelle meine nicht über andere, dass ist mir sehr wichtig)

    Das zum disclaimer und jetzt mal eine Sichtweise von mir hierzu ^^

    Ich habe das Gefühl, dass alles in der Welt eine Frage der Perspektive ist. Und somit gleichzeitig mehrere sich unterscheidende Sichtweisen koexistieren können. Da man keine objektive Hierachie der Sichweisen etablieren kann, sind somit alle zulässig. Und damit lässt sich meiner Meinung nach kaum ein richtig oder falsch bestimmen, zumindest objektiv gesprochen. Es ist letztlich alles eine subjektive Wahrnehmung. Daher stellt die Realität auch nur eine Zusammenstellung unterschiedlichster Sichtweisen dar.

    Ein Beispielt hierzu: (nicht das beste ich weiss ^^ )

    Das Glas, welches halb gefüllt ist. Dieses hat eine genau bestimmbare Menge an Flüssigkeit. Jedoch wie das alte Sprichwort besagt, kann dies für einen Betrachter halbvoll und für einen anderen halbleer sein. Das heißt beide sehen eine andere Realität obwohl diese objektiv in beiden Fällen exakt die selbe Menge an Flüssigkeit trägt.

    Wie siehst du das? Würde mich wirklich sehr interessieren. Da ich der Meinung bin, dass jede Sichtweise seine "Wahrheit" in sich trägt und somit immer etwas neues zu lernen gibt.

    Würde mich wirklich sehr freuen, wenn du die Zeit und Lust zum Antworten findest =)

    LG Kenji

  10. #10
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    Hallo Peter Hort,

    danke für deine angenehme Einschätzung, die mich natürlich freut.

    Mit besten Grüßen,
    Thomkrates
    ---
    Die Leiden der Zeit sind zeitlos zu heilen.
    Wer die Leiden erschaut nur im Körper, der irrt.
    Der Geist und die Seele sollen glücklich verweilen,
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    ---

  11. #11
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    Also transportieren wir hier das an einem Mythos transportierbare. Das ist in der Tat narzisstisch, hätte aber auch ohne Gegenbeispiel besser gewirkt als es nun so aussieht wie eine Teufelsaustreibung. Aber predigen ist ja nicht schlimm?

    MFG!
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  12. #12
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    @Terrorist

    du machst deinem Namen alle Ehre, solltest aber nicht so dunkel und unterstellend denken, das tut auf Dauer nicht gut.

    Mit besten Wünschen,
    Thomkrates
    ---
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    Wer die Leiden erschaut nur im Körper, der irrt.
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    ---

  13. #13
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    Hallo Chokobo!

    Mit nicht falsch, meine ich, dass das Gedicht wirklich aus der Seele des Autors herrührt! Dass er das wirklich ganz ehrlich meint. Und sich nicht nur eine Kollage aus Effekten zusammenreimt. Dieses Gedicht von Thomakrates ist ganz ehrlich. Und so muss Lyrik auch sein. Eine Sprache der Liebe, jenseits allen Wettbewerbs, aller pekuniärer Sorgen und sogar jenseits von Gut und Böse.

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