1. #1
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    Ein altes Lied


    Ihr Wünscheträumer, Genien gleich zu scheinen,
    habt euch in eurem Turm von Elfgebeinen
    gemütlich eingerichtet, will man meinen.
    Mit feinen Schleiern jeden Raum verhangen,
    aus Vorsicht müsst um jeden Schritt ihr bangen.

    Ihr bellt an prunkbestückten Hundeleinen,
    vereint in Popularitätsvereinen,
    und könnt euch herzzerreißend selbst beweinen.
    In Hysterie und leerem Wahn gefangen,
    habt ihr im Leben selbst euch übergangen.

    Daß in euch keine Götterfunken keimen,
    vielleicht macht's letztlich Sinn in Dichterheimen.
    So kann ich hübsche Madrigale reimen,
    gemeine Lieder singen, unbefangen,
    wie andre Narren, die schon vor mir sangen.


    © LeVampyre | IV, Jan. 2004

    Dieser Text kann als mp3 auf meiner Homepage angehört werden.
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    Eine Liste meiner bei Gedichte.com veröffentlichten Texte gibt es u.a. in meinem Sammelfaden.
    Geändert von levampyre (19.03.2006 um 23:25 Uhr)

  2. #2
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    Find ich als Ansatz zur Reflektion dessen was uns jene erzählen von denen das Gedicht handelt( allerdings find ich nicht wirklich eine Zuordnung und gehe davon aus das es übergreifend gemeint ist). Jedoch in der ersten Zeile ist eine Schwäche. Ihr Wünscheträumer ist dein Bezug und diese Wünscheträumer können entweder `Genien gleich erscheinen` oder `Geniengleich zu Scheinen`- wobei ich mir beim letzten über die Groß/Kleinschreibung nicht hundertpro sicher bin, was Geniengleich betrifft. Man könnte es vielleicht auch in die `Gleiche`bringen und Genien Gleich... nein vergiss es.


    [Geändert durch Markus Hilbert am 24-02-2004 um 03:31]
    ARTOFVOICE says NeveroddoreveN

    ich werde JAPANI(S)CH

  3. #3
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    Also es soll schon so gemeint sein, daß die Wünscheträumer versuchen, sich durch den ganzen Hokus-Pokus, den sie treiben, darzustellen, als seien sie Genien. Ich denke, dann sollte ich vielleicht eher "geniengleich" als adverbiale Bestimmung schreiben. Allerdings wäre es als Substantiv-Adjektivfolge, meiner Meinung nach, auch zu verstehen. Wem wollen die Träumer gleich scheinen? Den Genien. Ist es nicht so?
    Zur Einordnung: (Ich hoffe, es war das, was du meintest.) Das Madrigal steht in der Rubrik Humor, Satire. Überleg mal, warum!
    LG Vampyre
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  4. #4
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    gENAU das meinte ich damit, aber wie gesagt ich bin mir nicht sicher ob geniengleich erlaubt ist oder nicht. Spielt allerdings auch nicht so eine große Rolle, ich finde es nur
    im `Ausdruck` einfach die schlechteste Variante-`Genien gleich zu scheinen`-Irgendwas stört mein Empfinden dabei, möglicherweise auch das `zu`, es entspricht in seiner Form (das ich sowas hier mal sage hätte ich auch nicht gedacht) nicht der Größe der Worte die du wählst. Das kann man schöner machen- klingt vielleicht überheblich, ist aber nicht so gemeint. Sprich den Satz einmal vor dich hin, - die Grammatik stimmt nicht, aber leider ist mir noch nicht klar warum.Ich denke das es an der unvollendeten Form von `Wünscheträumer`
    liegt, welche an sich offen ist und somit nicht zwingend festschreibt ob die Genien sich während des Traumes oder als Wunsch in ferner Zukunft, oder aber als Fakt am Ende des Geträumten manifestieren. Ich finde die Frage allerdings sehr interessant.Was denkst du?
    ARTOFVOICE says NeveroddoreveN

    ich werde JAPANI(S)CH

  5. #5
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    Wow, dein Lob, ich würde große Worte wählen, haut mich glatt vom Hocker. Hoffentlich bin ich dem auch gewachsen. Ich werde mein Bestes tun...

    Also mit der Grammatik hast du recht, die ist etwas verdreht. Ich weißt nicht, ob man sowas ruhigen Gewissens als Hyperbaton oder Inversion bezeichnen darf. Richtig müßte es heißen: Ihr Wünscheträumer habt euch, um Genien gleich zu scheinen, in eurem Elfenbeinturm gemütlich eingerichtet. Das "gleich zu scheinen" ist um das "um" betrogen oder beschnitten. (Könnte man vielleicht sogar als Ellipse bezeichnen.) Das liegt in der Form begründet.

    Ich habe mir das Gedicht ewig oft vorgesprochen (will mich schließlich auch selbst genießen), aber ich weiß nicht, was ich verändern oder besser machen könnte. Fällt dir dazu noch was ein?

    Den Sinn hatte ich so gedacht, daß sich das Genie-Sein zwar als Wunsch manifestiert, nie aber als reales Faktum welcher Zeit auch immer, deswegen Traum bleibt. Über wen sich das lyr. Ich hier lustig macht, weißt du sicher selbst.

    Was mich wirklich fasziniert ist der Fakt. Das du so viele verschiedene Lesarten findest. In dem Gedicht steckt viel Interpretationsmaterial drin, mehr als mir, dem Autor, selbst bewußt ist. Wunderbar - man kaut diese Frage ewig in der Theorie durch. Hier habe ich nun die Praxis. Interessant. Ich danke dir.
    LG Vampyre
    --LeV

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  6. #6
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    der Mythos Levampyre ist zerbrochen... in Strophe drei Zeile 2 hat sich ein gemeiner kleiner Metrikfehler eingeschlichen.
    demon_wolf: "Venya, wenn du ein Schiff wärest, wärst du die Titanic."

    Klick mich!

  7. #7
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    Gab es denn je einen Mythos?
    --LeV

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