1. #1
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    und plötzlich muss ich denken





    und plötzlich muss ich denken

    du könntest vor einen bus laufen
    mein herz könnte wieder mätzchen machen
    und unvermutet stehen bleiben
    zwischen gemüse putzen und

    verse schmieden denke ich
    ich könnte dich verlieren
    denke an unsren abschied
    die umarmung
    die flüchtigen küsse

    das letztes wort

    fällt mir nicht ein




  2. #2
    Hi Mona,

    da hast du wieder einen kleinen, besondern Moment in feine, angemessene Worte gekleidet. Und ja, zwischen „gemüse putzen und / verse schmieden“ kann einiges jäh auf der Strecke bleiben oder verloren gehen. Und ein spontaner „Zwischendringedanke“, an ein mögliches Unheil, lässt uns manchmal innehalten und neben dem kurzen Schauder das Glück spüren.

    Das Glück, dass das Glück zum Glück noch bei uns ist. Und ein Ansporn. Und ein kleines Fest.

    Und dann kommt die Lust auf, beim Abendessen eine Kerze auf den Tisch zu stellen - und auch die guten Gläser. Selbst wenn es nur Käsebrote gibt.

    Und noch eines. Die letzten Worte fallen mir auch oft nicht ein. Aber das Gefühl, das zwischen den letzten Worten seine Platz hatte, dass bleibt meist länger bei mir:

    Dankeschön fürs Einstellen und Teilen

    LG

    G
    ...endlich nahm die Raupe die Wasserpfeife aus dem Mund und redete Alice mit matter, schläfriger Stimme an.

    "Wer bist du?" fragte das Rauptier.

  3. #3
    Salseda ist offline wie ist das passiert? jetzt bin ich plissiert
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    Hallo Mona,

    sehr verdichtet dargestellt. Und wieder viel Inhalt in kleinem Gefäß.

    Ein für mich interessantes Phänomen, wenn die Liebe so tief ist, dass plötzlich der Gedanke auftaucht der Herzensliebste könne sterben und man ohne ihn ist, was bleibt einem, wenn einem alles genommen ist, was bleibt von einem übrig wenn doch die Liebe einen ganz ausgefüllt hat? Und dann gleich noch die schreckliche Erkenntnis, dass selbst ohne den plötzlichen Tot, die Liebe langsam stirbt durch das Vergessen, dass man nichts absolut gar nichts festhalten für immer in einen drin zementieren kann.


    Umgekehrt kann man die Zeilen auch so sehen:
    selbst wenn einem der plötzliche Verlust alles Atmen alles Leben nimmt, bleibt das Vergessen und der Alltag,das Leben geht trotzdem irgendwie weiter.

    ...und plötzlich muss ich denken. Das Denken hörte auf im Moment des Liebens, da war nur alles Gefühl, aber irgendwann setzt das Denken wieder ein!
    Das letzte Wort fällt mir nicht ein, das letzte Wort soll nicht gesprochen werden, denn es soll nicht zu Ende gehen.

    oder auch ganz profan und stark gekürzt: Alltag frisst Liebe.


    [Kleiner Gedanke am Rande.
    Warum ist das so, also ich bin froh dass du das geschrieben hast, weil ich jetzt sicher weiß, dass es andern auch so geht, vielleicht ist eine Erklärung, dass wenn man ganz ausgefüllt ist mit Liebe /Verliebtsein, also man ganz erfüllt ist, der natürliche Ablauf ein Entleeren ist, wir sind ja nicht statisch, alles ist in Bewegung, das heißt die absolute Erfüllung ist genau der Kipppunkt wo es in die Gegenbewegung geht. Gut vielleicht hinkt das, man kann ja auch überlaufen vor Glückseligkeit wie mein Gartenwasserfass bei Regen. Aber vielleicht spürt man an dem Punkt genau diese Gegenläufigkeit.


    Mit diesem Alltagsbild, das so klein und harmlos profan daherkommt, beschreibst du (für mich) das allertiefste und allerfüllenste Gefühl. Das ist wie ein kleiner Samen der zu einem Mammutbaum explodiert

    Liebe Grüße
    Sali
    Geändert von Salseda (14.01.2021 um 10:20 Uhr)

  4. #4
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    Hi Mona,

    es fällt mir schwer, hier nicht einfach herzhaft herumzuspamen .

    Auch mich spricht das sehr an - alltägliches, das tief geht, in schöne, klare Worte gefasst.

    Gruß Lé.
    Man hat mich ermutigt, zu glauben, ich lebte an einem absurden Ort auf einem unbedeutenden Planeten am Rande einer kleinen Galaxie in einem langsam erkaltenden Universum.




  5. #5
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    Liebe Mona,

    ich kann es so gut nachvollziehen! Warum nur waren die Küsse flüchtig, warum das letzte Wort gedankenlos dahingeworfen?!!

    Ganz schrecklich stell ich mir das vor, wenn man nach dem "letzten Wort" sucht, und es einem nicht mehr einfällt! Ist es doch der letzte Anker, der einen weiter leben lässt.

    Je mehr die Jahre vergehen, desto häufiger denkt man genau dieses!

    Mit Rührung gelesen, danke! Hoya
    "Wenn man das Leben nur auf eine Art betrachtet, gibt es immer einen Grund zur Sorge." Elizabeth Bowen

  6. #6
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    Hallo, ihr Lieben,
    euch allen ein herzliches Dankeschön für eure freundlichen, verständigen und einfühlenden Wortspenden!



    Ach Gaukel,
    es ist so schön, dass du in deinem Beitrag auf das Glück verweist, von dem ich nicht geschrieben, aber dennoch gehofft habe, dass es zwischen den Zeilen zu finden sei. Und ja, das ist Grund genug, immer wieder mal zwischen Gemüse putzen und Verse schmieden ein Dankfest zu feiern. Ich glaube unser Keller gibt noch eine gute Flasche Rotwein her, warum ihm nicht heute die Ehre erweisen?

    Danke für diesen Anstoß und deinen wie immer speziellen, liebenswerten Gaukelkommentar.

    Liebe Grüße
    mona


    Liebe Sali,
    wie genau du hingesehen und hingefühlt hast, welche Nuancen aufgespürt und mit sehr persönlichen Pinselstrichen ausgemalt hast. Vor allem für die Ambivalenz des Vergessens, die hier aufgegriffen und ausgeführt hast, bin ich dir sehr dankbar. Kostbar ist das Leben, vor allem auch dadurch, dass wir es jederzeit verlieren können.

    Herzlichen Dank und liebe Grüße
    mona



    Hallo Lé,
    alltägliches, das tief geht, in schöne, klare Worte gefasst.
    Vielen Dank für dieses schöne Statement. Das freut mich!

    Liebe Grüße
    mona



    Liebe Hoya,
    aus deinen Worten klingt tiefes Verständnis, ja Wiedererkennen und Verbundenheit an, und das freut mich ungemein.
    Hab vielen Dank dafür!

    Liebe Grüße
    mona

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